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Scheich Bentounès und Pfarrer Ernst Sieber

 

Zwei Beiträge unserer Vorstandsmitglieder darf ich ins Blog stellen. Der IARF-Weltkongress in Washington und die ausführliche Würdigung  von Pfarrer Ernst Sieber. Vermutlich hatte er viele Ähnlichkeiten mit Sheik Bentounès.

Die IARF-Tagung von Dr. Verena Burkolter, Brissago

REIMAGINING INTERFAITH  – „Die Gemeinschaft der Religionen neu interpretiert“

war das Thema des 32. IARF- Kongresses zu dem sich aus aller Welt und von allen Religionen rund 300 Teilnehmer (darunter auch eine grosse, geschlossene Gruppe von Japanern) versammelten, um sich Können und Fähigkeiten dazu zu erwerben und Netzwerke zu bilden, um Basisaktivitäten für die Friedensförderung zu stärken. Dieses Treffen soll alle Teilnehmer interaktiv bewegen, um ihren persönlichen Glauben und das tägliche Leben zu reflektieren. Von den Ideen her soll zu konkreten Aktivitäten geführt werden.

In einem der Tagungsräume in der Washington University stellten sich verschiedene Gruppierungen vor. So z.B. die IARF- chapters, die united nations assembly der USA,
das Wesley theological seminary.

Neben Vorträgen, Podiumsdiskussionen mit Vertretern aller teilnehmenden Religionen waren die CIRCLE-GROUPS sehr wichtig: in verschiedenen Sälen sassen um runde Tische immer neun Teilnehmer verschiedener Religionen zusammen, die jede Stunde neu gemischt wurden, um die gestellten Fragen zu antworten. In den Neunergruppe wurde manchmal auch unterteilt in Zweiergruppen, damit in einer ruhigen, stressfreien und freundlichen Atmosphäre offen  relevante persönliche Erfahrungen auszutauschen, zu reflektieren und zukünftige Handlungen zu planen. In den circle-groups gab es täglich ein Blatt mit positiven Affirmationen und Gedankenverstärkungen für jeden Teilnehmer wie z.B. „Ich komme jetzt als Mitglied dieser grossen Gemeinschaft in den Saal und gebe jeden Gedanken an Trennung auf.“ „Ich verwandle mich vom ICH zum grossen DU und bin eins mit dem Leben und unserer erweiterten globalen Gemeinschaft.“

Immer morgens um 07 h vor dem allgemeinen Programm und abends um 20.30 h gab es die Möglichkeit an einer interreligiösen Zusammenkunft (Gebet, Gesang, Meditation)
teilzunehmen.

Nach dem wichtigen  Punkt der Wahlen am 1. Tag (Witske Dijkstra gibt ab und neuer Präsident ist für die nächste Periode Ince aus England) sticht der PLENARY LUNCHEON des 2. Tages hervor: die Verleihung des Albert Schweizer Preises an den Sufi-Scheich Khaled Bendounès. Seit 1975 wird dieser Preis von IARF vergeben. Frühere Empfänger des Preises waren z.B. der Dalai Lama, sowie Karen Armstrong.

Scheich Bentounès ist Präsident der internat. Sufi-Vereinigung Alawiyya, die 2014 eine internat. Kampagne der Uno initiierte zur Errichtung eines Tages des „friedlichen Zusammenlebens“ der für den 16. Mai festgelegt wurde. Der Scheich hat Zentren im Welschland. Gerne würde er auch das Tessin und die Deutschschweiz besuchen, hat mir sein Sekretär gesagt.

Scheich Bentounès Haltung zu Religion ist universal und alle einschliessend. Er ist gleichermassen im Zentrum von mystischen Zusammenkünften wie auch bei interna-tionalen politischen Manifestationen.

Am gleichen Nachmittag fand dann vor dem weissen Haus in Washington eine Friedensdemonstration mit Reden und LIedern  statt – initiiert von IARF. Die Polizei war rund-herum beobachtend dabei.

Durch die ganze Konferenz wurde man in vier Themenreihen eingteilt. Das Zufallslos bestimmte mich für Thema 2 „Seine Gemeinde für den sozialen Wandel organisieren.“ Das Ziel : „Alle Mitglieder mit Werkzeugen versehen, damit sie ihre Gemeinde zu sozialem Wandel führen können.“

Inhalt der Thema 2 – Zusammenkunft war ein Ueberblick über das Vorgehen einer Gemeindereorganisation – geleitet von verschiedenen Religionsvertretern. Es wurde ein Kreis-lauf der Organisationsbildung dargestellt.
– Begonnen wird mit einer 1:1 – Beziehungsbildung. Jeder Initiator führt  -zig solche halbsstündige Gespräche mit schon bekannten Partnern, oder Unbekannten, die man kennenlernen möchte,  um eine task-force für den sozialen Wandel zu bilden. Es sind nicht Kaffeeklatschgespräche, aber auch keine therapeutische Sitzungen.
Auf diese Weise hat z.B. die Leiterin meiner Gruppe gezielt einen Banker für ihr Netzwerk aquiriert, der ihre Organisation auch finanziell unterstützte.

– Es folgen gemeinsame Sitzungen, wo vor allem zugehört wird, bis man sich zu einem gemeinsamen Ziel findet. Das Ziel der Organisation hat nicht vorgängig schon der Initiator bestimmt.
– Nun folgt die Bildung von Planungsteams.
– Darauf Studium der Medien für Schritte zum Ziel.
– Wichtig ist hierauf die Analyse der örtlichen internen und externen Machtverhältnisse.
– Nun wird ein sehr erfolgversprechender, eher kleiner Zielpunkt, der bestimmt zu gewinnen ist, angepeilt.
– Es folgen einzelne private Aktionen, um Eigeninteresse und mögliche Unterstützung / Verhinderung zu eruieren.
– Jetzt folgt die gemeinsame öffentliche Aktivität zur Gewinnung von Unterstützung (Geld, Mitarbeit, Training).

Das Fazit der Teilnehmer war:

– nicht reformieren, sondern transformieren!
– mehr zuhören als selber sprechen!
– sich der eigenen Ressourcen, aber auch deren der ganzen Gruppe bewusst werden¨
– es gibt keine schwierigen Partner oder gar Feinde der ganzen Gruppe, sondern „ISSUES“? (starke Aktionsfelder)!

Schliesslich wurden wir gefragt nach pers. Erfahrungen mit Kampagnen: Gäbe es Gebiete, die man anders hätte angehen können?
Welche Bausteine zur Organisationsbildung wünscht sich jeder Teilnehmer für das nächste Treffen?
Welches Thema hat der Gruppenleiter übersehen?

Die Schlusszermonie am letzten Tag mit Reden, Theater, Musik und pers. Gedichten war grossartig.  Mir persönlich bleibt ein Liedvers einer Afrikanerin haften: Kraft, Mut und Weisheit sind in mir drin!

Es folgte der zusätzliche Tag der IALRW (international association of liberal religious women). Die Präsdentin, Frau Kamar I. Kamaruzaman, aus Malaysia, konnte aus (polit.) Gründen nicht in die USA reisen, deshalb wurde kurzfristig eine SKYPE-Konferenz durchgeführt. Die ehemalige Präsidentin, Frau Kathy Matsui aus Japan, leitete den Tag, obwohl sie gleichzeitig Vorstand des japanischen IARF- chapters ist. Es wurden verschiedene Projekte vorgestellt, die am laufen sind (z.B. ein Alphabetisierungsprojekt für Frauen und ihre Kinder in Ladakh), aber auch neue, die dieses oder nächstes Jahr gestartet werden (z.B. ein Kunstprojekt für religiöse Toleranz einer Solothurner Kunstsschaffender).

Gedanken zu Pfarrer Ernst Sieber von Jean-Claude Cantieni, Chur

Wieverhalten sich randständig und anständig zueinander? Anständig in randständig und umgekehrt randständig in anständig? Das Lebenswerk Pfr. Siebers scheint mir zu sein, eine diesbezügliche Kontroverse zu überbrücken …

‚Macht weiter, ich habs heiter’

steht auf dem Grabmale Pfr. Dr. h.c. Ernst Siebers, welcher diesen Mai mit 91 Jahren verschied. Sein Lebenswerk, 16 Stationen für zuerst Obdachlose, dann Süchtige und nun Arbeitsemigranten folgen ihm im Tode nach Offenbarung 14,13 nach. Ja, selig sind die Toten, die im Herrn sterben, denn ihre Werke folgen ihnen nach.- Johannes Brahms hat den Text in seinem ‚Requiem’ vertont, welches zur offiziösen  tröstlichen Hymne liberalen Christentums ward.

Verwehrt blieb dem Verstorbnen, was er als Nationalrat  mittels Postulat, dafür er soweit erinnerlich 150 Mitunterzeichner gewann, sein Bundesdorf, für das er sich vorstellte, dass es von einem Schweizergeiste geprägt sei, der Einheit vor Verschiedenheit zwischen arm, reich, gesund, krank … setze. Er sprach insoweit an, was heute in einem Zeitalter zunehmenden Vereinsamens  aktuell geblieben ist.  Zch. hat mehr Single-Logis denn Familien-domizile.

Die Klientel Ernst Siebers galt bis anhin als Fall von Landstreicherei, war ein Delikt, welches die Polizei mobilisierte. Sieber setzte an ihre Stelle den Diakon, eine Art soziale Revolution. Revolutionär war das Umfeld damals. Als Student , Sonntagabend in Zch. angekommen,  rieb ich mir die Augen. Globuskravalle . Sie hatten mit dem Globus in Chur, meiner Herkunft, nichts zu tun. Auf Zürichs Strassen  prügelten sich Polizisten und Studenten, welche sich mit der Arbeiterschaft zusammenschlossen, um die  so genannte herrschende Ordnung zu stürzen, die sie als repressiv, diktatorisch empfanden, ein Protestmarsch durchwogte die Stadt, marschierte auf ein Polizeiaufgebot mit beschilderten, behelmten Uniformierten zu, die Gemüter erhitzen sich, bis der Pfarrer  Ernst, begleitet durch einen Esel (aus dem Garten bei Pfarrhause in Altstetten) sich mitten auf einer Brücke positionierte. Das Symbol des geduldigen – und zugleich störrischen – Esels wirkte. Die Protestierenden zogen in die nahe Stauffacher-kirche, wo der Dialog zwischen Strasse und Obrigkeit um konfliktfreie Auswege begann. Graue Theorie war out , Orthopraxie’ als Diakonie statt Kravall war – bei Pfarrer Ernst – angesagt.

Er sammelte Obdachlose in Tramhäuschen mit seinem VW-Bus  – seit der Seegfrörni 1962, der damaligen Eiszeit, ein, verbrachte sie in einen Zivilschutzbunker aus der Kriegszeit am Helvetiaplatz. Das Kinderlied singt vom Es schneielet, beielet, Häsch d’händscha un rot im Sack, so gib’s me arme Chind … -Rund 100 Stufen führten an den tiefsten Punkt zwischen Himmel und Erde hinunter. Die Hells Engels, damalige Gang in der Art Leonard Bernsteins ‚Westside Story’ ,hatten einen Zwischenboden zwischen Eingang und ‚Untergang’  für sich – und ihre Schiessübungen beansprucht, Zeit des Rockerkrieges;

Aus einer Zeugeneinvernahame

‚Nenad G. tritt ebenfalls als Zeuge auf. Er spielt den inkriminierten Vorfall herunter, um zu demonstrieren, dass ihm ein paar Schläge nichts anhaben könnten. Er prahlt von seiner Vergangenheit als Hooligan «Das waren richtige Schlägereien», sagt er. Das Bild von einem Freund, wie er ein Auge durch einen Steinschlag verliere, habe er noch heute im Kopf, doch er habe da die Angst verloren. Gewalt beruht auf Angst. ‚Macht ist Ohnmacht’, urteilte der Pfarrer.

Die vor dem Gericht parkierte Harley von Marc S. sieht der Staatsanwalt als Botschaft an die Justiz: «Ihr mögt die Herren da drin sein, aber wir sind es draussen.» Eine Antwort gibt der Staat schon während der Verhandlung. Die Harleys vor dem Gericht werden umparkiert; Machctdemonstration.

Der Bunker war Provisorium, zu gefährlich, wenn Betrunkene die Treppe hinter kollerten … Er sollte zu keiner Krypta werden, wo Tote verewigt werden. Felix und Regula sind in der Nähe  in einer Krypa enthauptetet worden (Wasserkirche), ruhn im Grossmünster.

16 ‚Aussenstationen’ so als alternative im Laufe der (Lebens-) Zeit mit Pfr. Ernst. Sie gingen auf Süchtige zu. In Johannes vier spendet Jesus lebendiges Wasser einer ‚Barbarin’ Samarierin, um ihren metaphysischen Durst zugleich zu stillen. Für Ernst waren die Obdachlosen Süchtigen metaphysisch obdachlos, davon ihr Durst, Sehn-Schucht rührt. ‚Die Mitte der Liebe ist auch am Rande der Gesellschaft. Knapper als Ernst kann das niemand  – in eine Bibel – schreibe, zugleich schalkhaft reimend anschliessen: ‚Lies die Bibel, immer wieder, sagt Pfarrer Sieber ….

16 Stationen: Woher rührt die Energie, mit Elend ein Leben lang konfrontiert zu sein, das seuchenhafte Züge, ‚Kollateralschäden bewirkt wie Aids, Kriminalität … trägt. Die Familie bot Halt, auch schon die räumliche Distanz zwischen dem Bunker und dem Pfarrhause im damals noch dörflicheren Altstetten. Nähe und Distanz bedingen sich. Der Rest ist Konstitution. Ernst Sieber wuchs in Horgen auf. Seine Mutter tischte mehr Teller als Familienmitglieder dasassen. Die Weltwirtschaftskrise, die 1929 ausbrach, führt zu Konkursen, Arbeitslosigkeit, Brotlosigkeit auch in der Agglomeration um Zürich.  Ernst besuchte dann den landwirtschaftlichen Schulhof Strickhof in Zürich, worauf er sich entschloss, die Matura nachzuholen, besuchte ein Privatgymnasium. Am Morgen, als er als Maturant antrat, gab sein Vater ihm einen neuen Mantel, den sein Träger einem durchfrornen Passanten unterwegs schenkte. Das Theologiestudium folgte, dann der Pfarrberuf. ‚Der gute Hirte’ scheint vorbereitet, als den wir im Bilde ihn erinnern; Schlapphut Halstuch, Überwurf als Mantel . Als Gründer so mancher ‚Dörfli’ lebte er in letzter Zeit Hochybrig in einer Hütte, von Schafen umgeben, die er auch malte;

Von dieser Idylle glaubte Ernst, sie habe ihre Chance auch im Jenseits, darum ‚Ich habs’ heiter’ Das Bild erinnert an die alte Mär von einem griechischen Arkadien der Hirten .., doch eigentlich heisst der Satz: Et ego (sum) in Arkadia ; selbst in diesem gefühlsseligen Arkadien lauert der Tod, welcher den Seelsorger in seinem Arkadien nun heimholte.

Was fehlt, seit Pfarrer Ernst fehlt? Die Antwort muss subjektiv erfolgen. Die Stimme der Barmherzigkeit, welche die Mitte zwischen beschämender Billigkeit und verurteilender Gerechtigkeit hält, fehlt für den Autor.Sie ist die tragende Stimme der Parabel vom barmherzigen Vater, der den verlorenen Sohn mit offenen Armen erwartet. Diese Botschaft ist gerade in einer Zeit, die von gnadenlosen Leistungsimperativen immer mehr bestimmt wird, welche Schwächere wegblendet, von bleibender Aktualität. «Der Name Gottes ist Barmherzigkeit» schreibt Papst Franziskus in einem Buche, das in 28 Sprachen erschienen ist.

Der Ton ist neu.

In seinem «Gottesstaat» polemisierte der Kirchenvater Augustin noch ganz offen gegen die «Mitleidigen», die allzu Barmherzigen. Ihr Mitleid sei bloss ein «menschliches Gefühl’. Die ewige Strafe für die Masse der Menschen sei Ausdruck der Gerechtigkeit, die Errettung weniger Ausdruck der Barmherzigkeit Gottes. Augustinus schrieb damit Geschichte, die im 16. Jahrhundert bei Luther und Calvin einen starken Nachhall gefunden hat.

Erreichte der Begriff Barmherzigkeit die ‚Eingbunkerten’, säkularem Zeitgenossen überhaupt? Die reformierte Kirche hat in der Formel  ‚Etsi Deus daretur ‚zu verstehen gegeben, dass wir, oszillierend zwischen Glaub-und Fragwürdigkeit umzugehn haben. Tun wir also doch ‚als ob’, fingieren wir, was, solange die Fiktion als solche bewusst bleibt, legitim ist, indem wir so – um an die Bunkerleute zu denken – tiefe  Wunden gar einzuklagen haben, statt sie zu verdrängen zu haben, weil wir sie Gott nicht zu klagen haben.

«Christus hat nicht für die Sünden der Menschen gelitten, sondern gleichsam die Schuld Gottes abgetragen. Schliesslich hat Gott mit den Menschen die abgründige Freiheit zum Bösen hin in Seinen Willen mit eingenommen, wurde schon moniert.

Der Obdachlose hat heute ein ‚Menschenrecht’ auf ein Dach über sich –über das des Himmels über Zürich hinaus, davon Zarli Carieget sang, Ernst Sieber mitsang. Menschen leben in Häusern. Sie bauen. Ich bin und ich baue ist unter Sprachwissenschaftlern verwandt. Ernst Sieber wusste auf dieses Bedürfnis nach einem Heim. War eer Symbolist, so doch zugleich Realist, konfrontiert mit soviel schmerzlichem Scheitern in der Realität. Der römische Dichter Horaz hätte von einem ‚biformis vates’ von einem zweigestaltigen Seher gesprochen (Ode II XX), heruntergebrochen auf je ein Leben im ersten , diesseitigen und jenseitigen Jerusalem (‚Jerusalem’ steht in der Mehrzahl.) Er erlebte die Schmach an sich selbst, dass ein ‚Besuch der alten Dame’ ihn (incognito) aus seinem Werke für eine Million Schweizerfranken drängte, als die Übersicht über Investitionen in seinen ‚Werken’ einst verloren ging. Ist ein Lebenswerk,  Leben mit Geld aufzuwiegen? Das ist die Frage, die bleibt, nachdem Pfarrer Ernst Sieber fehlt, und doch laautet die Frage, die Ernst Sieber uns stellt: Ws gilts zu tun?

Der Verstorbne sorgte für Entwurzelte. Pflanzen wir (Frucht-)Bäume zu seinem und seines Werk Gedenken.  Der Baum symbolisiert die Wurzel der Welt, die Natur, der Baum stellte die Grundlage unserer Existenz dar und her;

Dank der Pflanze, des Baums  wurde die Erde zum metaphysischen Raume des Atems dank den ersten zur Fotosynthese fähigen Organismen, die Cyanobkterien; Das (Baum-) Blatt ist dem Stamme und der Wurzel letztlich vorgeordnet, denn es trägt zu seiner Existenz bei. Vögeln in den Ästen gleich wenden sich Blätter dem Himmel zu, zelebrieren ihre Leidenschaft für ein Leben in der Luft.

Rätselhafte Wurzeln (unterirdisch, geheimnisvoll …) mögen wichtige Funktionen wie das Gehirn des Menschen haben, und sie helfen der Sonne ins Erdreich vorzudringen, es zu erhellen, sie über sich selbst aufzuklären. Die alten Griechen erfanden den Mythos der Persephone, die hälftig auf der Welt, hälftig in der Unterwelt lebte Der Baum ist eine ‚Maschine’, welche die Erde an den Himmel bindet. Er transformiert, re-formiert Licht.

Der Bau (welcher für die Pflanze, Natur steht) ist ein Alleskönner, offen, geduldig, standfest, grenzenlos. Er wirkt ohne zu handeln, automatisch als die radikalste Form des Inderweltseins. Sein blosses ‚Sein’ reicht, um alles mit allem zu verbinden.

Was ist, wenn ein Baum, entwurzelt, stirbt? Re-Inkarnation tritt dann ein. Leben manifestiert sich in verschiedener Weise, verschiedenen Körpern, die sich austauschen. Alles ist in allem gegeben. Essen wir einen Apfel vom Baume, reinkarniert sich der Apfel im Menschen und der Mensch im Apfel. Der Tod, welcher im Märchen auf den Apfelbaum (des Paradieses) bezogen ist, ist – so ist zu vermuten – strikt eine Idee.

Der Baum und mit ihm die Natur ist die einzige Instanz, in deren Namen wir für die Menschheit zu entscheiden haben, ohne an ein bestimmtes Volk, eine Nation, Konfession voreingenommen zu denken (frei nach Emanuele Coccia, die Wurzeln der Welt, München 2018) So liberal dachte fast strikt der Verstorbne.

Wohin mögen die Bäume gsetz sein? Ich Zürich? Auch andere Städte haben Einwurzelte., Chur in seinem inzwischen sanierten Stadtpark, dem ehemaligen Scalettafriedhof, wo der Churer Reformator Comander beigesetzt worden sein mag. Eine ‚Familie’ von Randständigen ist dem park erhalten geblieben. Die Sozialarbeiterin Romina Beeli hörte die ‚Familienmitglieder’ an, zeichnete das Gehörte  in ihrem Büchlein’ Die Familie vom Stadtpark’, Chur, 2015, auf. Die Sehnsucht Entwurzelter nach einem Heim, einer Stätte des Austauschs, freien formen des sich Gesellens drückt sich darin aus. Ist der Sclaettfriedhof, Stadtpark ein präfigurierter Pflanzplatz?

Last not least: Pfarrer Ernst hatte in Chur ebenfalls eine ‚Station’, wirkte einst im nahen Passugg und dann in der Surselva.

ScanBibelwidmung von Pfr. Ernst Sieber

Glaubensbekenntnis ja oder nein?

Meine Kirche ist bekenntnisfrei. Jeder darf glauben, was er will!

Am Sonntag singt der Männerchor in der Kirche Kirchrued. Nicht das erste mal und nicht das erste mal wird wieder das Glaubensbekenntnis gebeten. Nach dem Zwischenspiel. Entschuldigen sie, ich möchte ihnen nichts unterstellen, aber wenn ich so, sicher auch diesen Sonntag, sitzenbleibend vom Chor ins Publikum schauen werde, so sind die meisten Kirchenkunden damit beschäftigt, den Text einfach nachzusprechen … aber sich wenig oder keine Gedanken über diesen zu machen.

Vor rund 150 Jahren wurde die Landeskirche neu aufgestellt. Libref war massgeblich beteiligt. Seither ist die Schweizer Reformierte Landeskirche bekenntnisfrei. Nicht aber Freikirchen,  Sekten oder andere Religionen. Die Katholiken haben ihr Glaubensbekenntnis und im Islam … «Es ist das erste, das einem Neugeborenen ins Ohr geflüstert wird und das letzte, das ein Mensch vor seinem Tod ausspricht oder hört.» Gefunden bei einer interreligiösen Podiumsdiskussion vor rund 10 Jahren im Kuk Aarau. Die Moderatorin habe ich im Haus der Religionen in Bern noch nie persönlich getroffen. Es kam immer irgend etwas dazwischen. Ich glaube ich muss mich dazu bekennen, dass ich vergesslich werde. Ihrem Ehemann Konrad habe ich vor drei Wochen keinen Gruss mitgegeben.

Es ist eigentlich traurig, was libref. in über 150 Jahren für ein Netzwerk aufgebaut hat, das vor Jahrzehnten ihren Höhepunkt hatte und das nun am zerbröckeln ist. Kämpfer wären gesucht, aber was ich mit dem „Hohen P“ bei der Sitzung der Lang-Stiftung und via Mail diskutiert habe, scheint die Suche zu versanden. Zudem haben wir noch keinen Termin für den zweiten Tag „Friede herrscht – proref pilgern“. Vermutlich versandet auch das, mangels Mithilfe. Alleine ziehe ich diesen Aufwand nicht noch einmal durch.

Wenn das so weitergeht, wird demnächst auch libref.ch aussehen, die das Glaubensbekenntnis meines Namensvetter Kurt Marti. Ich zitiere auswendig:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Seite ist leer, damit sich jeder sein Bekenntis selbst formulieren kann.

Kurt Marti und Max Balsiger wurden schon mit dem Glaubensbekenntnis zitiert! Barthianer und Liberaler scheinen sich in diesem Punkt einig zu sein. In einigen Kantonen ist das Glaubensbekenntnis zu speziellen Predigten gestatt, z.B. Taufe, Konfirmation. Im weiteren wird im Kanton Aargau bei Laienpredigten die Wahl frei gestellt, ob ein Lied oder Zwischenspiel oder das Glaubensbekenntnis in die Predigt eingebaut wird. Viel Brauchbares finde ich auf der Kantonsseite nicht, aber hier die beste Zusammenfassung über das Glaubensbekenntnis:

„Konfessionslos zu sein, bedeute nicht einfach, nichts zu glauben.“

Das sagt Professor Dr. Martin Sallmam im Artikel „Wie die etablierten Kirchen an Boden verlieren„.

Ein lesenswerter Artikel. Martin erwähnt auch die katholische Kirche Heiligkereuz im Tiefenau – Punkt 88 bei proref. pilgert. Über Punkt 89 – die reformierte Mathäuskirche  in der Nachbarschaft wird Übermorgen entschieden. Abriss, wie es schon vor zwei Jahren zur Debatte stand? Ganze drei Kommentare und einer vermutlich von einem Studienkollegen, der die wirtschaftlichen Aspekte betrachtet.

Die beiden Antworten, die er erhalten hatte sprechen für sich. Die Kirche soll sich aus der Politik raushalten! Da sind wir etwas anderer Ansicht. Und wenn sie noch etwas Spannendes lesen wollen, dann Peter Bichsel. Hier der Lead-Spruch:

„Ich habe den Eindruck, dass ich in einem Land lebe, das sehr, sehr gefährdet ist. Und zwar nicht durch Terrorismus, sondern durch uns selbst.“

Nun schreibe ich gleich den Text des zweiten kirchenunpolitischen Kommentators hin. „Peter, der Spruch könnte von mir sein …“.

Nächstenliebe kann gefährlich sein …

… so zumindest der Titel im digitalen Bereich von reformiert. Ein Porträt von Yahya Bajwa … oder Yahya Hassan Bajwa

… wie er in allen unseren Beiträgen genannt wird.

„Der Landeskirche steht er als Berater für Fragen zum Islam zur Verfügung“ und bei uns ist mein Freund Revisor – echt gelebte Ökumene.

Mit Bruder Faida (links) …

… dürft drei mal raten, wer sein Portraitfoto  auf Facebock geschossen hat … nicht im Schiessstand Baden, sondern auf der Panzersperre im See auf dem Julierpass … ohne baden, das Wasser war zu kalt.

 

Friede herrscht – proref pilgern

Dies ist kein normaler Blogbeitrag – eher eine Ideensammlung, ein Hilfeschrei kurz vor dem 50-Jahr-Jubiläum der Mit-68iger. libref.ch organisiert mehrere Pilgertage durch Bern, zur Feier von 500 Jahren Reformation und zudem sind wir seit 150. Jahren medial liberal in der Schweiz vertreten.

          Flyer     –      libref.ch

Hier geht es zur allgemeinen Einführung über „Friede herrscht – proref pilgern“ und zum Verzeichnis der einzelnen Pilgertage.

Ausgearbeitet von einigen, die die Kirche – was immer das auch genau ist (Gotteshaus oder Glaube) – den Mitmenschen näher bringen wollen. Progressiv sein bedeutet, Tabus zu brechen, an das gute Morgen nicht nur zu glauben, daran zu formen. Global bis hin zu kommunal, arm bis ganz reich. Mitmacht mit.

Reformiert! Revolutioniert!

Dieser Blogbeitrag ist der umfassendste Gotteshausführer  von Bern – das Gegenteil müsste erst bewiesen werden. Er eignet sich auch für Touristen, die Bern auf eine etwas andere Art kennen lernen wollen.

Wir wollen nicht zurückschauen, was in Bern vor 500 Jahren war. Uns interessiert, was in Zukunft geschieht … die nächsten 500 Jahre wäre etwas weit gegriffen … manchmal stimmt ja schon ein Rückblick nicht – lasst euch überraschen.

Jeder darf mitmachen. Egal ob, an was oder wen er glaubt. Was wir nicht brauchen, sind Extremisten, Fundamentalisten. Wir wollen verbinden.

Einen Tag der Brücken gibt es noch nicht, nur Brückentage. Dabei schlagen wir sinnbildliche Brücken, feiern den Thesenanschlag in Wittenberg in Deutschland und möchten die heutige Zeit wieder etwas reformieren. Einiges läuft heute, wie vor 500 Jahren, nicht mehr ganz so gut, wie es sein müsste.

Bei uns kann jeder freiwillig wie im Mittelalter daher kommen. Lieber Zukünftiges, gar Futuristisches statt Historisches. Bequem soll es sein. Pilgern ist in. Schauen sie Radio … sie können auch hören.

Es wird nicht einen einzigen Tag geben, sondern sechs, verteilt auf sechs Jahre. Die Reformation fand auch nicht an einem Tag statt.

Vielleicht die letzte Chance, dass wir Liberalen der Reformierten Landeskirche wieder ein Zeitzeichen setzen können. Vor 150 Jahren wurde im Kanton Bern Kirchengeschichte geschrieben mit der Gründung des Bernischen Vereins.

Wer ist „wir“.  Das müssen wir doch schnell mal erklären. Drei aus dem Vorstand.

  • Werner – nicht der von Brösel – der wird noch Einiges an Verlinkungen , Verknüpfungen und Verrenkungen zu erreichen haben. Die Kirche von Bern kennt er bestens und auch den Islam aus erster Hand.
  • Dann ist da der Pfaff Andreas der Erste – jetzt lacht er. Bleiben wir ernst. Sollte ich vor ihm sterben, hält er die Andacht und sonst Adreas II – selbstverständlich auch aus dem Vorstand. Der 1. ist ruhig, fast zu ruhig. Ich liebe seine Fragen, seine Bemerkungen. Er stellt fest, fast unbezahlbar und dabei sind unsere Finanzen nicht in Milliardenhöhe, wie heute üblich. Streichen sie etliche Nullen.
  • Für Finanzen bin ich zuständig, auch fürs Internette. Ab und zu schreibe ich etwas oder habe andere, progressive Ideen. Zum Beispiel das progressive Pilgern. Ich danke für ihren Mut und  Durchhaltewillen diesen Beitrag zu lesen und hoffe auf Unterstützung. Einerseits mit Arbeit vom Vorstand und andererseits, dass sie als Leser auch mitpilgern. Ansonsten können wir diese tolle Übung beerdigen. Aber dieser Tätigkeit werden wir einige Male begegnen. Und wenn sie Ironie nicht mögen sind sie bei den Liberalen fehl am Platz – 150. Jahre ohne reformierten Sarkasmus, das geht nicht. Und Ziel wäre eigentlich, dass diejenigen, die im letzten Drittel des 18. Jahrhunders die heutige schweizerische reformierte Kirche massgeblichst gestaltet haben, wieder mal zu Wort und Tat kommen. Liberal reformiert – libref.ch eben. Eigentlich müsste es progressiv proref.ch heissen. Liberal nennen sich viele, die heute eher konservativ, dem Gegenteil von liberal, sind. Und bitte, wenn sie meinen Schreibstil nicht mögen, Luthers Thesen sind bei vielen auch auf Unverständnis gestossen. Kappiert? „Friede herrscht, trägt meine Handschrift und wiedergibt meinen Geist.“ Also, Reklamationen bitte nur an mich.
  • Lady’s last oder wie hiess der Spruch nun mal schon? Eigentlich sollte mann das ja heute wissen, aber Therese ist wichtig. Sie ist Präsidentin der Liberalen in Bern, hat Ideen und ist unvoreingenommen. So gesehen die Jüngste bei den Projektierenden.
  • Und da denkt im Hintergrund auch noch einer zu 95 neuen möglichen Thesen. Normalerweise auch ein Vielschreiber, zudem Erfinder unseres stolzen Hahns im Header. Er hätte eigentlich schon mit „Kirchenbewegen“ mitpilgern können. Er bringt beste Voraussetzungen mit: Katholisch und echt ein Nachbar von Bruder Klaus – wohnt am Pilgerweg und 3 Steinwürfe weg von der Wallfahrtskirche in Sachseln. Steine werfen wir höchstens in ihren Garten, wo halb so viele Rosenarten anzutreffen sind, wie im Rosengarten Bern.

Wann fand die Reformation statt? Am 31. Oktober 1517? Nein. Damals schlug Martin Luther die 95 Thesen an:

Disputatio pro declaratione virtutis indulgentiarum

oder auf Deutsch, abr fischet nid im Trübe, di evangeij Tese gäbs och uf Hochdeutsch. Und wen würde ich da für eine Rede gewinnen wollen – Prof. Dr. Reiner Anselm, Vorsitzender der Kammer für öffentliche Verantwortung der EKD, Evangelische Kirche in Deutschland
Prof. für Systematische Theologie und Ethik an der Universität München. Er arbeitet schon eine Zeilang nicht mehr an der Uni Zürich, ist aber immer noch bei uns Vorstandsmitglied. Nicht immer, aber bei wichtigen Terminen ist er dabei. 2019 vermutlich auch wieder in Erlenbach mit Blick auf Stampa im Bündnerland. Das für „Geweihte und Rätselfreaks“. Karikaturenzeichner sollten auch auf ihre Rechnung kommen.

Ja, wann fand dann die Reformation statt? Sicher nicht an einem Tag, sondern über Jahrhunderte und im Grunde genommen läuft die Reformation in heutiger Zeit auf Hochtouren. These 95 – sie werden sagen, das ist die letzte, da hat man ja noch viel Zeit. Vielleicht haben wir eine Chance, mit einer These, die „er“ vor einigen Tagen angeschlagen hat. Via Militär hat unser „Hohes P“ Ende der Siebziger Jahre den damligen Nationalratskanditaten zu uns ins Schlüsselloch an einen Verbindungsstamm eingeladen. „Ich einmal Bundesrat? Ich bin viel zu angriffig!“ Hat mein Tischnachbar zu meiner Bemerkung gesagt. Damals hat er sich und vor Kurzem viele andere trumpiert.

These 95: Und so dürfen sie darauf vertrauen, eher durch viele Trübsale hindurch in den Himmel einzugehen als durch die Sicherheit eines Friedens.

Freude herrscht“ – aber es wäre doch schön, wenn der Spruch umgeschrieben würde:

Friede herrscht„.

Adolf Ogi will Brücken bauen, sieht eine Riesenchanche für die Schweiz, dass sie sich als neutrales Land – mit Uno Sitz in Genf – zur Verfügung stellt, dass Putin und Trump zusammen verhandeln.

Denkgrenzen und Denkblockaden abbauen!

Übrigens, die Reformation begann erst 1519 in der Schweiz mit dem Wirken Ulrich Zwinglis. Halt! Stopp! Sichern! Einwand. Zwingli  schrieb: „Ich habe angefangen das Evangelium zupredigen im Jahr 1516.“ Seite 62. In Glarus und zwar zu einer Zeit, wo ihm Luther noch gar nicht bekannt gewesen sei.

Und wer ist dem Kern nachgegangen? Einer der von Kernen extrem viel weiss. Weniger von Apfelkernen, denen unser Ex-Präsident nachgegangen ist. Wer hat den Apfel im Paradies vom Baum gepflückt? Eva! Nein, die Schlange. Und wer ging im Cern dem Kern nach? André Arn, erm. Professor und akribischer Detailsucher. André, was du da an die Öffentlichkeit trägst, ist   eine Sensation – des Pudels Kern.

Und im Grunde müsste nicht der 31. Oktober gefeiert werden, denn im Reformjahr 1582 wurden 10 Tage bei der Umstellung auf den Gregorianischen Kalender ausgelassen. Am 10. November 2017 sind es genau 500 Jahre, seit die 95 Thesen angeschlagen wurden. Die aktuellen Thesen zu 500 Jahre Reformation.

Wir suchen Leute, Institutionen, die sich von den nachfolgenden Ideen begeistern lassen und einen Brückentag, -schlag in Bern gestalten und durchführen helfen. Es werden nun verschiedenste Orte aufgeführt, die ergänzt oder gestrichen werden können.Beim Pilgern an einem einzigen Tag wären eh alle Orte nur in einem Sternmarsch mit verschiedenen Gruppen denkbar, die sich unter der Autobahnbrücke beim Haus der Religionen treffen können. Wir können auch Tage einplanen wo jeweils in einer anderen Kirche mit einer Predigt gestartet wird. Bis zum Reformationjubiläum von 2019 werden wir die halbe Strecke geschafft haben. Wir beginnen den Pilgerweg 2017 einmal bei „A wie Aare“ und hören in sechs Jahren bei „Z wie Zollikofen“ auf.

Wie wann wer für die Folgejahre ist noch nicht definitiv festgelegt. Nur warum ist festgelegt. Brücken verbinden nicht nur Hindernisse geografischer Natur, man kann auch Brücken zu anderen Kulturen und Religionen schaffen – sich kennen lernen, sich achten, nebeneinander friedlich existieren.
Das ist nichts anderes als reformieren ohne missionieren. Bedenken müssen wir auch, dass Brücken auch Nachteile mit sich bringen.

Ein Teil der Bilder stammt aus meinem bisherigen privaten Archiv  und die übrigen entstanden auf den verschiedenen Rundgängen,  zum Teil mit Andreas I oder Werner.

Andreas I ist Feldprediger, aber auf einen wirklich aktuellen Link, was wir hier zu Krieg und Frieden – vor allem Letzterem – anbieten können, sind wir bisher noch nicht gestossen. Über Grossonkel Fritz, der ehemalige Oberarmeefeldprediger oder hiess es Armeeoberfeldprediger, finde ich auch nichts. Google: meinten sie „Oberarme Feldprediger“. Er hat nicht nur Mückenstiche gesehen. Hätte von seinem Einsatz in Korea berichten können, wie versucht wird Frieden zu erhalten oder herzustellen. Und da wäre noch  Andreas Goerlich, der Flüchtlinge aus Syrien betreute und jetzt unseren Andreas III vertritt, der im Sabbatical ist.

500 Jahre Reformation. Grob gesagt, die ersten 300 verliefen ähnlich und der grosse Umbruch fängt Anfangs 19. Jahrhundert an. Auslöser bei uns war die Schlacht am Grauholz – Luftline 3 km von unserem Schlusspunkt „Z wie Zollikofen“ entfernt – dort wo das alte Bern unterging und die erste Finanzkrise begann. Die Bahai könnten im Haus der Religionen die zwei letzten Jahrhunderte aus eigener Sicht erwähnen. In ihren Grundsätzen steht ein Satz, den ich am Schluss als Start in die neue Reformation setzen möchte:

Die Menschheit steht am Übergang vom Jugend- ins Erwachsenenalter.

oder anders gesagt:

Nach den Bedürfnissen der Menschen fragen.

Für das liberale Pilgern hat es nun zig Vorschläge. Und wenn das zu wenig sind, oder mehr Details her müssen, dann fragen wir den Bloggerkollegen Claude der Stadtwanderer. Spätestens bei diesem Link wüsste er, woher wir uns kennen. Er könnte auch verlässlichere Prognosen machen, wie viele Leute mitwandern, marschieren, pilgern. Vielleicht ist auch die Berner Kirche oder die Stadt Bern an diesen Ideen interessiert – wir setzten keine Grenzen, wir wollen Brücken bauen, heutige Abgründe überwinden helfen.

Eure Ideen und Bemerkungen könnt ihr als Kommentar erfassen oder hier unsere Kontaktdaten.

Schreibfehler sind noch nicht korrigiert, wenn ich sie überhaupt entdecke, aber meine Vorstands-KollegInnen sollen sich alles mal anschauen.  Änderungswünsche anbringen und überlegen, welche der zig Ideen, andere, wann, ob einer der erwähnten möglichen Referenten angefragt werden soll …?

Nach 150 Jahren hätten wir wieder mal eine Chance, dass wir uns öffentlich profilieren könnten. So nach dem Motto:

Wer in der Religion nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.

Vielleicht schaffen wir es neue Thesen, Behauptungen für die heutige Zeit zu formulieren. Moses hatte einige Gebote, Luther brauchte schon 95. Wieso gerade 95? Wenn wir interpolieren dann sind es haargenau auf die fünfte Nachkommastelle

111 Punkte oder würden 3 genügen! Das wäre für die heutige Zeit revolutionär … viele möchten das.

Mein Versuch für drei Weisheiten:

  1. Sei recht und offen mit allen und allem.

  2. Sei friedlich und hilfreich, damit Recht Sinn gibt.

  3. Sei sinnlich, damit Erbe und Progessives sich sinnvoll ergänzen.

Grün ist die Farbe der Hoffnung und des Islam, auch die Linkfarbe, die hoffentlich richtig verdrahtet und nicht schon dead sind.

Sie sollen reformieren, protestieren, revolutionieren, manchmal reklamieren, umbrechen, umformen, rebellieren.

Ein Pilger ist ein Fremdling. So hoffe ich doch, als heute im Aargau ansässig, dass ich Verschiedenes in Bern, das mit dem Glauben  zusammenhängt, aufzeigen konnte, das nicht ganz jedem bekannt ist. Danke denen, die schon mitgeholfen haben und jenen, die Ideen und Vorschläge anbringen, damit wir in den nächsten sechs Jahren je einmal durch Greater Bern pilgern und Brücken schlagen können.

 

Max U. Balsiger – DAS liberale Urgestein

Wir danken  Andreas Zeller, Pfr. Dr. theol., Präsident des Synodalrates Reformierte Kirchen Bern-Jura-Solothurn ganz herzlich , dass wir seine Würdigung von Max Balsiger an der Abdankungsfeier in der Kapelle des Burgerspitals Bern aufschalten dürfen.

M.U. Balsiger 1924 – 2017
Eine Würdigung aus liberaler Sicht

Wir haben in unserer Kirche rund 1200 Pfarrerinnen und Pfarrer, davon rund 500 aktive. Unter dieser grossen Zahl war Max Balsiger DAS liberale Urgestein.

Er absolvierte sein Studium in den 1940er Jahren, als an der theologischen Fakultät sehr unterschiedliche Auffassungen zwischen Barth-Anhängern, Unabhängigen und Liberalen herrschten. M.U. Balsiger war entschieden auf der Linie von Martin Werner, damals Professor für Dogmengeschichte in Bern und Albert Schweitzer. Max war lebenslang dieser Richtung verpflichtet und zwar mit leidenschaftlichem Engagement.

Während Jahrzehnten war er Mitglied und Vorstand im Reform-Pfarrverein RPV, in welchem sich die liberalen Pfarrer zusammenfanden. Einmal im Monat wurden an einem Montagvormittag im „Adler“ in Bern Themen behandelt wie z.B. 1984 die Sterbehilfeorganisation „Exit“ 1984 mit Pfr. R. Sigg, eben 100-jährig geworden, dem Gründer und ersten Geschäftsführer von Exit. Sigg war auch Mitglied des RPV. Max schrieb jedes Mal, wenn ein RPV-Mitglieder verstorben war, einen Nekrolog und stellte ihn den übrigen Mitgliedern zu.

Er war auch langjähriges Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft der Schweizer Pfarrer ASP, eine Art Vereinigung der Elite der Liberalen.

Jahrzehntelang engagierte er sich auch im Kantonalen und Schweizerischen Verein für freies Christentum, bis vor einigen Jahren auch als Präsident. Er war viele Jahre Mit-Herausgeber des „Schweiz. Ref. Volksblatts“, eine liberale Kirchenzeitung, sechsmal jährlich, welche von 1866 – Januar 2004 erschien.

M.U. Balsiger verfasste während langer Jahre sehr geschätzte Beiträge im Wort zum Sonntag im Berner Bund am Samstag. Jahrzehntelang schrieb er in der gleichen Zeitung Rezensionen von theologischen Büchern. Als diese Rubriken sang- und klanglos verschwanden und sein Leibblatt mehrmals die ideologisch-politische Ausrichtung änderte, tat sich der Verstorbene sehr schwer mit diesem Kurswechseln.

Er war lange Jahre als Mitglied der liberalen Fraktion in der Synode und später deutschsprachiger Sekretär der Synode der reformierten Landeskirche Bern-Jura-Solothurn. Bis vor einigen Jahren besuchte er die Synode regelmässig.

Eine grosse Ehre bedeutet ihm die Erstellung des Jahrzehntberichts 1981 – 1990, den er im Auftrage des Synodalrats unter dem Titel „Kirche von unten“ verfasste. Das Verfassen dieses Buches, welches noch heute lesenswert ist, war für ihn eine Wertschätzung seiner riesigen Arbeit für die Kirche. Der Autor liess damals in den Kirchgemeinden viele Daten erheben und Statistiken erstellen, welche teilweise heute noch nützlich sind.

Zweimal jährlich berief er im Bürenpark, dem früheren Sitz unserer Landeskirche den sog. „liberalen Generalstab“ ein: Alle liberalen Organisationen in unserer Kirche, die noch bestanden, waren eingeladen. M.U. Balsiger machte vertiefte Analysen der allgemeinen und der speziellen Lage. Seine Lieblingsthemen waren die Kritik an Zentralismus, das Wachstum der gesamtkirchlichen Dienste sowie der einseitige Linkskurs der Kirche. Er sass auf meinem Stuhl, ich als Präsident des Synodalrats hörte mir die Standpauke schmunzelnd an.

Mein Mentor
Unsere Bekanntschaft reicht ins Jahr 1981 zurück. Ich hielt damals im April als junger Vikar meine erste Trauung und zwar in der Kirche Köniz. Er besuchte diese Feier als Mitglied der damaligen Lernvikariatsgruppe, weil er „hören und schauen wollte, wie die Vikare heute eine Trauung vollziehen“. Seither waren wir miteinander im Kontakt – offenbar hatte ich nicht ganz alles falsch gemacht.

Als junger Flamatter Pfarrer schloss ich mich als Mitglied dem Reformpfarrverein an und lernte viel, besonders auch von Max. Als der Berner Sitz im Stiftungsrat des ref. Erholungsheims Gabbiolo in Brissago, einer liberalen Einrichtung, frei wurde, schlug er mich als Stiftungsrat vor. So wirkte ich dort von 1983- 1989 als Stiftungsrat und von 1990 – 2005 als Präsident.

1987 installierte mich Max Balsiger in Münsingen auf jene Pfarrstelle, auf die er 25 Jahre vorher wegen seiner liberalen Haltung nicht gewählt worden war. Damals 1962 wurde in einer ausserordentlichen Kirchgemeindeversammlung mit über 500 Teilnehmenden ein positiver Kandidat dem liberalen Kandidaten Max Balsiger vorgezogen. Ich kannte diese Vorgeschichte nicht, als ich ihn fragte. Seine Zusage kostete ihn Überwindung, war aber auch eine späte Genugtuung.

Er war es auch, der mich 1998 der liberalen Fraktion als Kandidaten für den Synodalrat vorschlug – als jemanden, der vorher nicht in der Synode gewesen war und die Kirchenpolitik nicht kannte.

Wir blieben verbunden auch nach meiner Wahl in den Synodalrat und später ins Präsidium. Ich besuchte ihn wiederholt an seinem Wohnort in Meikirch. Den letzten Kontakt hatten wir am Pensionierten-Treffen im Januar 2016.

Unsere Kirche und die liberale Theologie haben einen grossen Kämpfer und einen treuen Freund und Förderer verloren! Danke, lieber Max, für Deinen Einsatz!

Andreas Zeller, Pfr. Dr. theol.
Präsident des Synodalrates
Reformierte Kirchen Bern-Jura-Solothurn

Lieber Andreas, danke noch einmal, dass du deinen handschriftlich verfassten Text für das Blog aufgearbeitet hast, das Max Balsiger vor Jahren als digitale Nachfolger des SRV – Schweizerisches Reformiertes Volksblatt bezeichnete.

Danken möchten wir auch David Kuratle, Pfarrer in Meikirch, der die Predigt in der Kapelle des Burgerspittels Bern, hielt. Diese Predigt beinhaltet einen umfassenden Lebenslauf von Max Ulrich Balsiger.

Alles Leben ist Geheimnis. Alles Leben ist Wert.

Meine Gedanken zum Tod unseres langjährigen Präsidenten Max-Ulrich Balsiger-Nil.

Lieber Max

auf die letzte Reise kann man vermutlich kein Gepäck mitnehmen. Wir wissen es nicht. Du weisst jetzt vielleicht mehr, aber kannst es uns nicht aufzeichnen. Wenn du einiges hättest mitnehmen können, wäre sicher die Schreibmaschine dabei gewesen. Den Computer hättest du auf der Erde gelassen, denn dazu braucht es 240 Volt, allenfalls 120 und oben hat es wohl viele Strahlen, Wellen. Aber die geeigneten?

Ende des letzten Jahrtausends als wir uns kennenlernten hast du mich einmal gefragt, wer den Apfel im Paradies vom Baum gestohlen hatte. Du hast mir trotzdem dein Büchlein „Missverstandene Bibelworte“ geschenkt. War es wirklich ein Apfel?  Du denkst anders, hinterfrägst. Ich manchmal auch und das hat mich in den Vorstand gebracht. Eine Bemerkung über die Buchhaltung im Zwinglihaus Langenthal am ersten gesamtschweizerischen Treffen an dem ich teilnahm. Damals noch die Schweizerische Vereinigung für Freies Christentum.

Im ersten Brief „Ich kann Sie nur ermuntern, eine solche Diskussion (für einen neuen Namen) zu führen, und zu gegebener Zeit wäre ich bereit, daran mitzuwirken, natürlich nicht als Zensor, aber als Berater.“ libref. mit einem Punkt, das ist das Resultat, Punkt. Im zweiten Brief hast du dich am Text und dem schönen Bethlehem-Stempel gefreut.

Dann gab es unzählige Sitzungen und einige Veranstaltungen. Auch eine denkwürdige, als du niemanden mehr hattest, der weitermachen wollte. Im Kirchenfeld-Beizli hattest du mir das Wort erteilt und siehe da, Jean-Claude Cantieni und Andreas Bliggenstorfer haben sich gemeldet. Und etwas später hast du mich ermutigt, als erster deutschsprachiger Finanzblogger, auch www.libref.ch als Ersatz für das SRV im Vorstand durchzuboxen. Diese Sportart war nicht nötig, aber es fehlen immer noch einige Laien, die mitschreiben. Einen Theologen haben wir gefunden und nun politisieren wir sogar – wie das NEIN zu USR III zeigt, sogar massgebend und erst noch erfolgreich. Das zu deiner Information, denn du konntest nicht mehr mitfeiern.

Dich würdigen, das müssen andere, die noch mehr als ich über dich wissen. Für eine Anekdote hat es noch Platz. Ich habe die Buchhaltungsunterlagen bei dir abgeholt und mit dir über Gott und die Welt diskutiert. Die zwei Damen haben über die Kinder gefachsimpelt. Mit Folgen. Einige Jahre später hielt mich ein Securitas-Mann auf: „Hier dürfen sie nicht durch.“ Darauf die Schlange, nicht diejenige, die den Apfel geklaut hat. Anakonda, der Jahre zuvor eine schöne Fruchtplatte – vermutlich auch mit Äpfeln und Feigen – im Kirchgemeindehaus genossen hat: „Den musst du durchlassen, das ist der Erste, der den Vater von Nils Balts an ein Konzert geholt hat“.

Nun wünsche ich dir alles Gute beim letzten Flug und deine Angehörigen können stolz auf dich sein, was du in deinem Leben alles vollbracht hast, auch wenn es jetzt im Herzen etwas weh tut.

Der Titel zu diesem Beitrag ist ein Spruch von deinem Freund Albert Schweitzer.

Wenn es nach irdischem, unserem Glauben entsprechenden Wissen nicht dein letzter Flug war, dann ein herzliches Wiedersehen … „Es blüht das fernste, tiefste Tal.“

„Hinterlassen sie einen Kommentar“

„Hinterlassen sie einen Kommentar“. Das ist mutiger, als hintenrum zu kritisieren.

Ab und zu vernimmt mann, dass sich jemannd über unser Blog genervt hat. Herrlich, er hat es gefunden. Das ist der Zweck dieses Blogs.

Ein solcher jemand hat sich über meinen „Pfaff“ aufgeregt. Vermutlich hat er nicht einmal den nächsten erklärenden Satz gelesen, geschweige denn bis zum Pfaffensteig. „Pfaff“ – Google gibt 13’700’000  Ergebnisse. Echt super und nur CHF 2’199.– kostet die bewerbte Leistungsfähigkeit. Jetzt lachen Pfaff Andreas I und Pfaff Andreas II. Übrigens, wenn ich nicht Griechisch, Lateinisch und Hebräisch hätte büffeln müssen, wäre ich heute auch ein Pfaff.

Die einen werden jetzt sagen, zum Glück wurde die Welt verschont. Nur, ich hätte garantiert mehr Zuhörer, als manch einer. Als CEO Church einer durchschnittlichen Stadt habe ich meinen sechs Schwarzröcken immer gesagt, dass sie selbst verantwortlich sind, wie viele Predigtgänger sie haben. Langweilige liberale Hochwürden hatten deutlich weniger Zuhören und begeisternde, liberale und alle evangelikalen hatten wesentlich mehr „Kunden“ – die letzteren sogar die besser opferstockenden, aber vermutlich nicht unbedingt zahlungskräftigeren.

Pfaffe“ kennt sogar der Duden und noch viele andere Bezeichnungen. Der Pfaff ist ein mittelalterlicher Ausdruck und erstaunlich, dass sich garantiert Leute darüber aufregen, die vermutlich von allenfalls liberal zu eher oder ganz konservativ gealtert sind. Das ist ein riesiges Problem, das wir uns nicht der Zeit anpassen. Na ja, wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit … steht auch in besagtem Beitrag – ganz am Schluss. 6’845 Worte sind in diesem Beitrag geschrieben worden – mein längster Beitrag – und ein Wort ärgert ihn. Es wurden doch immerhin 99,85% nicht beanstandet. Danke für dieses Vertrauen.

Und sie glauben nicht, was alles für Vorschläge kommen, wie wir unseren Auftritt ändern müssten. Blog alleine, Blog mit Homepage, aber nebenher und die Mitglieder haben beschlossen, so wie wir es haben. Die sollen doch selbst mal etwas schreiben. Ich habe erst einen einzigen Beitrag nicht gebracht und der war gelinde gesagt extrem und das kommt nicht ins Blog. Extremismus hat in der heutigen Zeit nichts zu suchen – verbannt – der Vorstand hat es sanktionniert.

Ein Blog ist ein relativ modernes Kommunikationsmittel und wer Erfolg haben will, muss einen süffigen Schreibstil anstossen und dazu gehört zum Teil auch Ironie. Es gibt wissenschaftliche Blogs, aber das wollen wir nicht. Wir müssen dringend junge und jüngere Menschen ansprechen. Die meisten, die noch Kirchensteuern zahlen, sind liberal. Nur, sie müssten aus dem Schattendasein raustreten – raus retten.

Übers Mittelmeer weht ein rauher Wind.

Was wir im christlichen Abendland brauchen ist ein ganz bestimmter Gegenwind.

Retten – auch diejenigen, die zu uns kommen wollen. Nach 500 Jahren sind die Zeiten vorbei, für – sorry wenn ich das so schreibe – theologisches Geschwafel, das nicht in unsere Zeit passt. Über Kommentare habe ich vor drei Jahren geschrieben – mit Kommentar vom Katzenblog. Ürigens, der Katzenblog ist drei Wochen älter als mein Finanzblog, auf das nach einem Trimester Erfahrung libref.ch folgte. Alle im 12. Jahr. Und deren gibt es nicht viele. Einige sind im Beitrag über die „Pfaffen“ erwähnt. Vielleicht ergibt sich ein freudiges Wiedersehen.

Also, wer etwas zu sagen hat, soll dies der ganzen Welt mitteilen und nicht hintenrum reden – das ist feige, passt nicht in unsere Zeit und ist sicher nicht progressiv sondern destruktiv. Dazu eignet sich der Kommentar oder noch viel lieber, schreibt selbst einen Beitrag und ich hoffe, die Leser die sich aufgeregt haben, nicht allzu sehrmit meiner Antwort gekränkt zu haben. Ansonsten „Mensch ärgere dich nicht“ – „eile mit Weile„, die Vorgängervariante … älter muss sicher nicht konservativer sein.

SVP geht fremd, gelinde ausgedrückt! Nordkorea Paremalin?

123 Staaten möchten über ein Atomwaffenverbot verhandeln, darunter Nordkorea.

16 von 193 enthalten sich der Stimme. Wenn es nach der SVP mit dem Vertreter Guy Parmelin ginge, würde man den Amerikanern, der von der SVP immer verhöhnten USA folgen und nein Stimmen. Folgen sie diesem Gesinnungswandel noch?

Ist unser Bundesrat Parmelin paremalin? Sucht er nur einen trickreichen Schutz, Schutz vor Schlaumeiern? Bei Nordkorea könnte ja man ja dies bei einem Schachzug noch begreifen. Aber bei der Schweiz. Absoluter Tiefschlag der SVP. Noch nie habe ich so bitterböse über sie geschrieben.

Nicht, weil sie gegen den Atomausstieg in der Schweiz sind. Das ist ein ganz „anderes Paar Schuh“.  Zudem sind sie für die USR III in der Schweiz. Beide Abstimmungsergebnisse dürften wohl wie der Vorschlag der SVP herauskommen. Aber bitte auch dies ist ein anderes Paar Schuh, als was in Zürich referendumisiert wird. Hat sicher nichts mit der Reformation zu tun.

Zurück zur Verherrlichung von Atomwaffen durch den SVP Bundesrat. Der handelt garantiert nicht aus Eigeninitiative mit einnem Hüftschuss. Vielleicht müsste sich die SVP in der Geschichte zurückdenken, wo sie einmal stand. Unsere Position wäre ja wohl klar – aber was liberal ist, müsste ja gar die NZZ nachlesen. Wer in Geschichte nicht ganz sattelfest ist – wie ich zum Beispiel – der kann sich im Paradies gratis Geschichtsbücher besorgen. Internet und nicht mehr benötigte hochstehende Fachliteratur ermöglichen es, zu recherchieren. Über die SVP – das „V“ steht eigentlich für Volk und damit sind wir Schweizer gemeint – wird garantiert auch in die Geschichte eingehen, was sie in den letzten Tagen vollbracht hat. Trapezkünstler im Zirkus „si ne Seich dr gäge“.

Keine Diskussion über Ureinwohner, Einheimische und Zugewanderte im ISO 3166-2:CH voll Stimmberechtigte. Da wird einmal eine echt junge Unternehmerin (keine Jungunternehmerin) in den Grossrat gewählt und schon ist wegen dem Paradis die Hölle los. Dieser Artikel ist nicht mehr brandneu, aber stammt aus der grössten Schweizer Zeitschrift und der Chefredakteur ist, wie könnte es anders sein, auch Aargauer – der Schnebi. Für ins Aargau immigrierte Berner ist dieser Name etwas gewohnheitsbedürftig, aber Hans der Zweite will es so. Diese Geschichte fängt mit einem Borsalino in Solothurn an und endet mit Cash in Zofingen. Dieser Verbindung dürfen sie absolut vertrauen. Wollte auch schauen, was sein damaliger Arbeitgeber darüber schreibt.

Der 8. Bundesrat“ – was sowas fast wie eine schöne Zusammenfassung ist. Unterstützung dürfte sicher von BR Didier Burkhalter kommen – er war für ein JA und ist von der wirtschaftsfreundlichen FDP – wo doch einige an Waffen verdienen und nicht nur bei Kleinen.

Bei der NZZ habe ich noch nichts über die neuen Verhandlungen über das Atomwaffenverbot gelesen, aber ihre Stellungnahme müsste eigentlich klar sein. Bei der AZ finde ich nichts, bei der BAZ zu diesem Thema auch nichts – aber was vom letzten Wahlkampf, das 46 Minuten online ist – Müller oder was.

Vielleicht wäre es an der Zeit, wenn auch die Schweizer Politik wieder mal daran denkt, echt liberal, progressiv zu werden. Dann wäre auch ihre Position wieder klar. Die ganze Schweiz liegt halt unter einer Nebelschicht – das seit einigen Tagen. Und sogar bei mir hatte es zwei Tage lang Bodennebel – zwei mehr als im letzten Herbst. Hier noch zwei Links aus einer frühmorgendlichen Diskussion, die über Menschenrechte ging. Der Flugzeugentführer und der Bundesrat Couchepin 

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… in der BZ steht bei zwei Bildern „zvg“ – hier sind noch zwei andere vom gleichen Fotografen – ich selbst bin der zvg (inkl. Bild mit Ernst Sieber). Das erste mit dem zukünftigen und heutigen BR Schneider, ex BR Couchepin und Karan Singh dem Flugzeugentführer.

Und nur, damit sich am Nabel der Schweiz der Nebel leicht öffnet – die Crew erlitt damals Kopfweh, vielleicht musste sie auch von einem Careteam betreut werden. Das ist das sein  telefonisches Problem und wenn ich das mit klarer Sicht beurteile, so standen da „mehrere zehntausend Leichen getöteter Sikhs in Massengräbern“ gegenüber, auf die man in der Welt aufmerksam machen wollte.

Und wer etwas Gutes tut, hat auch nicht immer Zeit, alle Buchhaltungsergebnisse zu publizieren. Es ist auch usus, dass wir Vereinsmitglieder und andere nur Spender informieren. Sogar der motzende Katholik, der sich jetzt hoffentlich erholt hat und sich nicht zu fest angegriffen fühlt, kann an beiden Orten mitmachen – wir sind beide neutral. Übrigens, welcher Partei er am nächsten steht, muss wohl heute nicht geschrieben werden. Und Atomwaffen hat er auch nie produziert. Vielleicht wüsste er aus seiner ehemaligen Branche allenfalls Erstaunliches zu berichten.

Übrigens, habt ihr den psychologischen Wandel in letzter Zeit beobachtet. Es wird wieder von Atomwaffen und Atomenergie gesprochen und dabei waren jahrezehntelang immer die Ausdrücke Kernwaffen und Kernenergie verwendet worden. Das Pendel dreht eindeutig um.

Ich wünschte mir eine etwas andere SVP – eine Schweizerische Vrede Partei.