Kategorie-Archiv: 01 Wer ist libref.

Ehe für alle

Am 29. August 2019 hat der SEK beschlossen, die gleichgeschlechtliche Ehe zu befürworten. An einigen – konservativen – Stellen stösst dies nicht auf Liebe.

Diese lieben sicher auch nicht das Buch „Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken“ vom Ehepaar Pease. Nichts für Erbsenzähler. Für solche Themen ist Wikipedia grottenschlecht. Die Schreiber wollen, dass alles 100%ig bewiesen wurde. Früher waren es solche, die die flache Erde und den Mittelpunkt im Sonnensystem verteidigt haben. Lesen sie das Buch und machen sie sich nach dem Test eine eigene Meinung.

Das Buch ist nicht echt lustig zu lesen, wie der Titel verheissen könnte. Manchmal musste ich ziemlich nachdenken. Grob gesagt wird dargelegt, dass die Mutter schuld ist, wie das Kind sexuell geprägt wird. 3 Teile Gen von der männlichen Seite ergibt Kämpfer … so etwa wie die Karrieretypen und Kriegsanstifter. 2 Teile sind die, die meiner Meinung nach würdevoll mit der Mitwelt und den Mitmenschen umgehen. Diejenigen, die nur einen Teil männliche Gene erhalten, können das noch besser, aber sind homosexuell. Bei einem Mädchen funktioniert es genau gleich, umgekehrt meinetwegen. Alles sei von der Geburt an vorgegeben. Machen sie den Test … ziemlich lang, aber das Resultat entsprach meinen Erwartungen. Wie der Film ist – keine Ahnung – aber ich nehme an, dass sie den Inhalt garantiert nicht in 90 Minuten seriös verdauen können. Den Film finde ich nicht, aber das Hörbuch.

Heute ist in der AargauerZeitung ein Artikel erschienen:

Pfarrer klagen an: «Es ist wieder salonfähig, gegen Schwule zu schimpfen».

Zwei aargauische Pfarrer berichten. Einen kenne ich nicht, aber Waldmeier ist ein ganz toller Typ. Wir sehen uns wieder im März, wenn die Rechnung der Lang-Stiftung  besprochen wird. Keine Ahnung, ob uns die Finma als Revisoren absetzt. Die haben das Gefühl, das wir einer kirchlichen Organisation unterstellt sein müssen. Vielleicht eben dem SEK, siehe erster Linke. Heute nennen sie sich schon Evangelisch Reformierte Kirche Schweiz. Am Namen stört uns nur das Evangelisch. Die Schweiz ist Reformiert und nicht evangelisch. Evangelisch sind Freikirchen etc. Egal, der Entscheid war gut. Schade nur, dass man auf der Welt nicht überall weiss, dass es nicht nur 100%-Frau und 100%-Mann gibt.

Aber eigentlich total verrückt. Wir haben vor über 150 Jahren die Landeskirchen der Schweiz geprägt, wie die im politischen System zum Teil bis heute verankert sind. Und heute sollten wir uns denjenigen „unterwerfen“, über denen wir „standen“. Über die Finma werde ich nicht wie vorgesehen auf den Jahreswechsel von 2019 auf 2020 schreiben, sondern erst in meinem Buch – Murgang im Kapi-Tal. Der heutige Tag hat mich total aufgestellt … und ich hab nicht einmal ein Horoskop gelesen. Da hab ich bei etwelchen noch meine Mühe.

Iris Treppner lag damals voll richtig, aber die Interpretation „Getriebeschaden“ war extrem anstrengend. Nichts für Wikipedia, aber wir wollen die Welt weiterbringen und nicht mit Historischem aufschreiben erweitern.

Vor allem Afrika ist in der gleichgeschlechtlichen Sicht noch reinstes Entwicklungsland – Südafrika ausgenommen – und Asien folgt auf Schritt und Tritt. Die Schweiz muss sich eigentlich auch nicht rühmen – durchsuchen sie einen der längsten Beiträge von Wikepedia. Wikipedia sucht zur Zeit wieder Geld … vergessen sie es. Untergehen werden die nicht … allenfalls übernommen und dann haben wir eben Werbung dabei. Ich bin auch Wikipedia-Schreiber. Autorisiert … und eine einzige Zeile eingefügt. Aber die freut mich. Ich lasse mich am Samstag vom privaten Konzert informieren … hab eh mehr Vinyl als die meisten andern von Heinz.

Irgendwo im Beitrag über die beiden Pfarrer war auch Poligamie angesprochen. Ich hab schon dreimal über dieses Thema geschreiben. Der letzte Beitrag macht Spass … überlegen sie sich die Sexualität doch einmal von dieser Seite. Ursus, ich freu mich dich im Frühling wiederzu sehen. Bin zwar nach Pease einen Drittel anders gelegen, aber diskutieren macht echt Spass, darf man, soll mann und immer würdevoll. Meine homosexuellen Kollegen sind (oder leider bei einem war) immer supertoll und in keinster Weise „angriffig“ … lassen wir die eine echte Ehe führen auch ohne Steuerrepressalien. Das Bundeshaus wird demnächst informieren.

 

 

Persönlich – Die etwas andere Sonntagspredigt, GV und pilgern 2020

Persönlich“ hat jeder seine Vorlieben für den Sonntagsmorgen. Vielleicht am 15.12. im Kursaal Bern: „Kirche und Politik: Katharina Hoby und Claude Longchamp.“

Liebe Katharina nimm es mir nicht übel, aber meinen sechs Pfarrerinnen und Pfarrern habe ich einige Male gesagt, dass ich am Sonntagmorgen nach dem Frühstück mit der Familie eigentlich mein wöchentliches Sprudelbad und die Sauna geniesse möchte. In meiner Amtszeit in einer durschnittlichen Stadt wurde eingeführt, dass jeden Donnerstag eine Predigt abwechseln in einem unserer zwei reformierten Tempel stattfand. Ab und zu besser besucht, als an einem Sonntag.

Du als Kassierin der Sektion Zürich wirst hier informiert, dass

… am 7. März 2020 um 11.00 in Königsfelden …

  … die gesamtschweizerische GV/HV oder Mitgliederversammlung …

stattfindet. Dein Bruderherz Res Peter hat sicher noch keine Zeit gefunden, darüber zu berichten. Er ist daran, noch einen Zwingliplatz in Zürich einzurichten …

… die Martin Luther Strasse gibt es seit gestern in Zürich und war exakt fertiggestellt zum Vollmondtag, ankomme Freitag den 13. Der Köbi Kuhn Platz muss frauenhalber noch 500 Jahre warten. Falls du nicht weisst, wo diese Strasse ist, helfen dir die Dackel von Reinhard Mey weiter. Demnächst werden laut Gerüchteküche einige Chiotta beim Zwingli-Platz im Kirchgemeindehaus des Neumünsters nach Trüffeln suchen.

Links Res, die Ex-Zirkuspfarrerin Katharina Hoby, ich mal nicht fotografierend, Reiner (Huch, libref. ist nicht erwähnt), Ulrich Zwingli (na ja, wir probieren ihn an die Mitgliederversammlung einzuladen) … und rechts Andreas Cabalzar. Ein echter Kämpfer, bei Facebook ist Andreas.3 und bei uns im Vorstand der 4. Andreas, André oder Res … und fünf nicht so tapfere. Darunter eine einzige Frau, die uns auf die GV verlassen möchte. Verena, bitte überlege dir das doch noch einmal.

Links und rechts, das gibt es nicht nur in der Politik, sondern auch sinngemäss in der Kirchenpolitik. Unsere Position ist klar. In der Mitte, liberal, progressiv, oben. Der Ehrlichkeit halber muss ich sagen, dass einige ältere Mitglieder, genau wie in der Politik, im Alter eher konservativ wurden. Es gibt sogar Parteien, die nicht mehr echt liberal, sondern eher konservative Züge aufzeigen.

Genau vor 450 Jahren hatte man diese Problematik auch in Köigsfelden. Sind die Berner jetzt links oder rechts? Wenn alles klappt wird uns Dr. Jürg Stüssi-Lauterburg und vielleicht auch seine Frau über das geschichtsträchtige Vindonissa orientieren und durch die sehenswerten Gebäude führen. Ich erinnere mich an Bourbaki und an die 2. Kappeler Milchsuppe. Eines sei klargestellt: dass auf diesen beiden Links die Bilder und Folien fehlen, sind nicht die beiden verantwortlich, die Bern und den Aargau kennen, sondern alleine die Zürcher, die einen Transport von Zürich nach Bern nicht ganz schafften. Genau genommen, sind wir nach Fraubrunnen umgezogen, damit die Männer etwas kürzer treten müssen … und die dort können sogar Deutsch, die meisten sogar Berndeutsch. Das einige Bemerkungen über „unseren Zirkus“, wobei wir nicht so hoch auf dem Seil tanzen und Schlagzeilen werfen.

Wenden wir uns doch dem zweiten Gast von Persönlich – Claude Longchamp – zu. Lieber Claude, als wir uns kennen lernten hattest du Herzklopfen. Nicht du warst zu jung, sondern dein Blog. Der Stadtwanderer schreibt am Schluss seines letzten Beitrages auch über links und rechts. Du hast über 12 Jahre geschrieben und wir von libref.ch als ehemaliges Mitglied von swissblogpress sind jetzt mit unserem Blog mehr als 14 Jahre unterwegs und der Finanzblogger, als Urgestein aller deutschsprachigen Finanzblogs mit dem Finanzblog.com oder .ch schon bald 15 Jahre.

Vielleicht bloggst du ja weiter oder kommst mal mit proref.ch in Bern ans Pilgern.

Der vierte Tag Pilgern ist am 22. August 2020. Wir beginnen um 10.00 Uhr vor dem grossen Tor beim Historischen Museum in Bern.

Claude, du bist herzlich willkommen und würdest garantiert auch mehr wissen, als wir alle zusammen. Du könntest ja unseren Kirchenführer rund um Bern mit 95 Punkten auch ergänzen, präzisieren. Nur eines, wir werden garantiert wieder in kleinem Kreis pilgern.

Katharina, Claude und Res für eure öffentliche Präsenz am 15.12.2019 resp. am 9.2.2020 viel Glück und Spass und hier noch ein bekanntes Lied über Künstler, Clown und Seilakrobat

… und wie immer hat alles zwei Seiten.

Nachtrag: Das Podcast von Persönlich ist hörenswert. Eine der besten Sendungen. Nur einige Beispiele. Longchamp hat seine Frau gefunden, weil diese Klaus Stöhlker interviewen wollte und dann echte „Vorliebe“ mit Claude nehmen musste. Klaus hat er allenfalls später als Mitglied von Swissblogpress kennengelernt. Stöhlker hat vermutlich sein Blog eingestellt.

Das Markenzeichen von Claude – die Fliege, das Mascherl, Schlips oder der Querbinder. Die oben, von Jean Tinguely ist zumindest aus meiner Sammlung. Öfters schaue ich mir aber meine Tinguely-Weinetikette an – ein seltenes Sammlerstück.

Fliegen liebt auch Katharina. Zumindest hat sie sich in jüngeren Jahren ein Zubrot verdient indem sie Dokomumente via Flugzeug zum Beispiel von Zürich nach Mailand brachte. 50 Franken Verdienst und wusste nicht einmal, was in den Dokumenten zu finden war. Das waren noch Zeiten.

Martin Luther grüsst die reformierte Kirche der Stadt Zürich

Der erste Wahlgang für das Präsidium der Kirchenpflege ist vorüber – am 9.2.2020 kommt der zweite.

Platz zwei für Res Peter. Auf andern Kanälen ist noch nicht viel zu lesen. Fast wie die Stimmbeteiligung – jeder Sechste gab seine Stimme ab.

Res, ich erlaube mir im Namen des Vorstandes zu gratulieren und dir demnächst ein Präsent zukommen zu lassen. Zweiter wirst du hoffentlich nicht sein und sonst behaltest du halt dieses „Ding“ als Trostpreis. Wir drücken die Daumen.

Das Bild kriegst du natürlich nicht, das bleibt in meinem Besitz – das erste Bild, das ein bekannter Zürcher verkauft hat … wer ist es ? Er wurde vor rund zwei Monaten 75. In seinem Leben hat er mal einen Taucher gemacht … 300 Meter und einen Weltrekord aufgestellt. Ein Kämpfer …

… wie du es in den nächsten Monaten sein wirst.

 

 

17, 18 und 5G

Für die nächsten 17 Tage wünschen wir unserem Vorstandsmitglied Res Peter alles Gute zur Wahl …

… am 18. November wissen wir mehr. Es wird klappen. Eigentlich bin ich kein Facebook Fan, aber Res Peter’s Beiträge sind spannend … fast wie die Kritik am Finanzsystem  in der heutigen Zeit.

Res, ich gebe jetzt dann noch ein Mail mit Schleichwerbung an eine mir ziemlich nahestehende Dame … die lebt in Zürich … und wird am 18. garantiert jemandem gratulieren … hoffentlich auch dir. Ich lasse eine Gratulation weitergeben … bei dir mache ich es persönlich. Lass mich nicht im Stich.

Noch etwas von der Kirche BE-JU-SO aus dem Ensemble Nr. 43 – November 2019 – Seite 34f. Die Berner Kirche ist schnell, wir haben erst Oktober, den zweitletzten und das Magazin ist gelesen. Im digitalen Bereich geht es meist langsamer … das sind einfach so langjährige Erfahrungswerte. „Mobilantennen auf Kirchtürmen?“

Spannendes Thema. Ist mir einmal in meiner Zeit als Kirchgemeinderats Präsident in die Quere gekommen. Die 10 000 Franken hätten wir wohl brauchen können, aber „über meine Leiche, eine Handyantenne im Kirchturm“. Der Antragsteller hat mit seiner technischen Ausbildung geprhalt … aber ist unterlegen. Auch mit seiner Bemerkung, wir brauchen ja den Bürgern nicht zu sagen, dass da im Turm oben gestrahlt wird. Strahlen soll anders sein und anderswo herkommen. Wie so oft, die Geschichte gibt den Rufern in der Wüste Recht.

Technik ist manchmal auch für mich unverständlich. Warum kommt der Noah-Effekt, wenn ich nach 5G suche? Sintflut? Die fand laut Bibel am 17. Tag statt. Genesis 7.11. Wellen werden überall geworfen, aber gab es da nicht ein kleines Wunder? Vom Regen in die Traufe, am zweitletzten Monat nicht im zweiten. Wo ist der gesuchte Beitrag … ja … G5 … das ist was anderes.

Hoffentlich schlägt er ganz fest zu … „Res Peter als Präsident der reformierten Kirchenpflege“

Ein Duell, das aber sicher nicht mit Fäusten stattfinden wird. Auf alle Fälle, für den Wahlkampf hast du die ganze Unterstützung des libref.-Vorstandes.

RES PETER als Präsident der reformierten Kirchenpflege Zürich

– und sie sehen, wo ich das Bild „geklaut“ habe. Viel zu schreiben gibt es nicht. Res, du hast ein Ziel vor Augen – CEO Church of the biggest Church Community within Europe. Toi, toi, toi.

Wenn er es schafft – und das hoffen wir – bleibt er am Boden. Wird nicht wie dort im Trend, alles auf Englisch umstellen. Res, ich drücke dir ganz fest die Daumen. Aber nicht jetzt – schreibe doch noch mit dem Zehnfingersystem. Die modernen Kommunikatoren können das aber. Die brauchen das Einfingersystem oder wenn’s hoch hinauskommt, das Zweifingersystem. Dabei kann man die Daumen ständig drücken. Handymässig doch mal ein Vorteil eines Smartphones.

Res brauche deine persönliche Kommunikationsart. Die kommt an. Schauen sie doch auf dem Bild oben. Muss er sich selbst die Daumen drücken. Unkompliziert, offen. Sowas braucht Europas grösste Kirchgemeinde. Grösse ist ja nicht unbedingt massgebend. Du bist dann vielleicht mal der grösste CEO Church. Ich war nur der durchschnittlichste. In der Durchschnittsstadt Langenthal. Im Kanton Bern heisst es auch nicht Präsident der Kirchenpflege, sondern Kirchgemeinderatspräsident. Grösse sagt nichts und Durchschnitt ist eben nur Durchschnitt. Res, wenn du gewinnst, mach Zürich zur besten reformierten Kirchgemeinde. In einem halben Jahr, am 17.11.19 wissen wir mehr.

Präsidentenbrief

An die

Sektionen und Einzelmitglieder

des Vereins für freies Christentum, libref.

 

Sehr geschätzte Damen und Herren

 

Gerne dürfen wir die Tradition der einstigen ‚Präsidentenbriefe’ wieder aufnehmen, stehn wir ja vor einem ‚Paradigmenwechsel’ im Selbstverständnisse unserer Kirche;

Vor der Wende vom SEK zur EKS

Reformation und Revision, Verfassungsnovellen gehn zusammen;  Die Reformation als anfängliche Verfasssungsrevision im Glauben verbreitete sich im 16. Jahrhundert wesentlich dank Gutenbergs Buchdruckinnovation, Innovation, Transformation  des ‚alten Glaubens’ von paradox ‚melancholischer Heiterkeit’ wie der Schriftsteller Amos Oz seinen jüdischen Glauben definiert, in ein ‚Freuet euch’ der Weihnachtsbotschaft. Jesus hatte den heitern hellenistischen Kultur- als Zeitgeist aufgenommen, der einen allumfassend-menschenfreundlichen ‚Lebenston’ kannte, wie Friedrich Schiller ihn in seinem Gedicht ‚An die griechischen Götter’ feierte, und doch sind Institutionen in der Geschichte nie davor gefeit gewesen, Selbstweck zu werden, obzwar wir uns als im protestantischen Wurzelbereiche des Liberalismus bewegen. Der Mensch kommt vor der Institution. Ernst Troeltsch sah die christliche Idee  von der Bestimmung des Menschen zur vollen Person durch den Aufschwung zu Gott als Quelle des Lebens- und der Welt; gegeben an, gleichsam ein göttliches Gesetz., und trotzdem  befindet sich in jeder Gesellschaft, auch der kirchlich geprägten ‚a secret and tacit consent’ darüber, was als Tugend und als Laster zu gelten hat. Auf die absoluten göttlichen Freiheitsrechte trifft bald einmal eine Konvention, eine örtlich und zeitlich bedingte Sondermoral, und diese Relativierung der ethischen Norm strapaziert die auch religiöse Freiheit der Person.. Der Wechsel vom Bündnis der Kantonalkirchen zur Einheitskirche verlangt alle Aufmerksamkeit., wenn auch der traditionelle Bündnischarakter nicht zu überdehnen ist. SEKJnennt sich das Bündnis, weil Bundesbern unter einem Namen einen Adressaten für seine Kommunikation mit der Kirche brauchte eher denn der abrahamitische Bund mit Gott.

Unser Schweizerischer Verein für freies Christentum, gegründet vor rund 150 Jahren, entstand, als die Bundesverfassung ein erstes Mal revidiert werden wollte, als ‚Lobby’, welche Kirche in den Gewissen der Menschen als Subjekte, in ihrer Subjektivität  verankerte. Gott hat sein letztes Wort auch auf Erden in den Gewissen. Bauen wir darauf, die anstehende Verfassungrevision lichte ein naturwüchsig anwachsendes Normengeflecht, und sie wehre damit zugleich mediatisierend episkopalen Ambitionen-

Unser Vereins-Vorstand hat sich mit dieser Intention an die verfassungsgebende Versammlung des SEK schon früh gewandt, um  den föderalen Charakter der  Landeskirche für die laufende Verfassungsrevision hervorzuheben, und er arbeitet, nachdem die Schlussabstimmung ends Jahr  darüber bevorsteht, an einer nochmaligen Eingabe, welche moniert, Evangelische Kirche Schweiz’ habe strikt für innerkirchliche Verwaltungsstrukturen, Verfahrensorganisationen zu gelten,  die alle  für eine ‚Kirche sind wir’ zu wirken haben. Ehemalige ‚Kirchhörige’  greifen im Hören auf Gott darin über ein Nachlesen von Reglementen hinaus.

Verfassungsnovellen sind Anlass,  Begriffe weiter, freiheitlicher zu fassen, den Konfessionsbegriff ‚evangelisch’ in eine offne Zukunft fortzuschreiben. Als Mitglieder freien Christentums, als letzt verbliebnes der ehemaligen  religiöses Milieus aus der Zeit des ‚Kulturkampfes’, sind wir gehalten, das ‚Evangelisch’ im Titel der ‚neuen Kirche’  von Jesus her, zu denken,  für welchen Glaubensgehalte in keine noch so religiös gedachte Sätze zu fixieren sind. Die Harfe kommt vor ihren Noten.

Liebe Mitglieder, wir hoffen gerne, von Ihrem eignen reformatorischen (Wider-) Stand-Punkte  eines  ‚Wir sind Kirche’ getragen zu sein. Pfarrer Ernst Sieber selig pflegte ganz liberal Orthopraxie vor – Doxie zu setzen, und wir werden deshalb darauf achten wollen,  dass Kirchenvorsteher im Grossen und Kleinen regelmässig nicht sagen: Ich dekretiere, sondern ein Kirchenrat der neuen EKS sagt: Wir … –  Libref. hat in einem seiner beiden Revisoren einen praktizierenden, liberalen Muslim, der in seiner angestammten Heimat Pakistan Schulprogramme vorantreibt: ‚Living education’, Erziehn am Leben, fürs Leben auch im Glauben.

Pfarrer Pierre de Salis, Neuenburg, wird die Wende von der Abgeordnetenversammlung zur neuen Synode leiten. Er wird für sie bis 2020 wirken. Sein erstes, gediegnes, Votum hierzu klingt sympathisch;  „Meines Erachtens bietet dieser Übergang die einmalige Gelegenheit, dem Schweizer Protestantismus mehr Sichtbarkeit zu verleihen und unseren Auftrag als treibende Kraft für die Gesellschaft zu würdigen. Treibende Kraft in ethischer und spiritueller Hinsicht, treibende Kraft für ein Zusammenleben im Sinne des Evangeliums, für den gegenseitigen Respekt, den aktiven Widerstand gegen jegliche Form von Gewalt und für die Sorge um die Schwächsten unter uns. In diesem Bemühen müssen wir auch mit unserer Umwelt achtsam umgehen, im theologischen Sinn der <Bewahrung der Schöpfung>. Die neue Synode soll alles tun, um die Kantonalkirchen dahingehend zu unterstützen.“

Noblesse – des einstigen Bündner Patriziers  von Salis- oblige, und doch sind wir als Mitglieder unseres Dachverbandes und der Sektionen bspw. gehalten, dahin zu wirken, dass  offene Gemüter irgendwelcher ethnischer, religiöser — Provenienz Gastrecht in unseren Kirchen erhalten, die sich als öffentlicher Raum und damit als Anziehungspunkt für Viele verstehn, um so zugleich eine Balance zwischen einer Kirche, die wir auch demokratisch sind, und ihren ‚Obrigkeiten’ zu wahren. Das erste Statut, welches unser Verein sich gab, verschaffte  1871 im Gleichklange mit der ersten Bundesverfassungsrevision den Landes-Kirchenmitgliedern eigne subjektive Rechte – neben denen der bisherigen ‚Staatskirche’. Die Schweiz ist Land. Eher denn Staat, Staatsstruktur – und um nochmals Geschichte auf und aus dem Lande zu bemühn, bleibt daran zu erinnern, wie etwa der Bündner Reformator Johannes Comander im neuen Stadtrecht  Churs von anfangs 16. Jahrhundert verfügte, dass der Weg zum Abendmahle auch fürs ‚Gesinde’ geöffnet wird, es für keine Privilegierten allein gespendet mehr wurde,  die ihren Zugang mit entgeltlichen Plaketten erwarben. ‚Die Kirche sind wir – alle’, die wir uns im Gemüte an den ‚Tisch des Herren’ hinzugezogen fühlen!

Wie, wenn der Abgeordnetenversammlung, welche den Verfassungstext der EKS im Dezember beschliesst, nahezubringen ist, eine Präambel darin aufzunehmen, die ein ‚Kirche sind wir’ als obersten Grundsatz festschreibt? Der Verfassungsentwurf enthält eine Präambel, doch bleibt als Demokratiegebot , den Text als Ganzes in die Verantwortung der Gläubigen zu delegieren. Präambeln sind  – seitdem die französische Constituante am 11. August 1792  beschloss, alle Dekrete ohne Präambeln zu erlassen, wozu Robespierre angestiftet hatte, heute marginal anzutreffen, sie gelten als eine Art ‚soft-law’, doch  Verfassungen sind seither Befehl anstelle guter Rat geworden.  Unsre  Bundesverfassung ist im Namen Gottes verkündet, ER ist ihr Sprachrohr, Anwalt., nach dem gerufen wird, weil ein Gesetz, eine Verfassung selten allein kommt. Verordnungen kommen. Die besagen autoritativ, was die Verfassung sagt – was immer Gott davon hält. Das Recht sorgt für seine eigne Autorität aus mystischen Quellen her. Die angedeutete solche Präambel  zugunsten der Demokratie würde der Verfassung eine inhaltliche Ausrichtung geben, dank welcher die neue EKS greifbar da griffig wird, indem die Kirche in ihren Mitgliedern als ihr Souverän sagt, was Recht auf Recht hat, gibt – Gewalt zu kritisieren, Freiheit des Gewissens zu verteidigen.  Halten wir dafür; Wenn Religionsfreiheit angetastet wird, gerät die Freiheitsordnung  ‚mit historischer Begründung’selbst ins Wanken.

 

Besten Dank für Ihre Aufmerksamkeit und Einstehn für unsern Glauben daran, dass Gott in Seiner Freiheit uns an ihr Teilhabe gibt. Unsre Freiheit ist noch über den Sternen, unter welchen Friedrich Schiller sie im ‚Tell’ wähnt, verankert.

 

Mit herzlichem Grusse und guten Wünschen für einen besinnlichen Advent

für den Vorstand libref. CH

 

Jean-Claude A. Cantieni

 

Chur, den 18. November 2018

 

 

Zum Jahresende wird auch die Vereinskasse abgerechnet, und wir dürfen die Sektionskassiere und Einzelmitglieder unter ihnen  deshalb um Ihren Obolus  bitten.

Die nächste Mitgliederversammlung, die für 2018 ins nächste Frühjahr , Zwinglijahr’, aus organisatorischen Gründen zu verlegen ist, wird über den Geschäftsgang zu orientieren haben.

d/O.

 

Präsidentenbrief 2018 als Word-Dokument

Präsidentenbrief 2018 als PDF-Dokument

Scheich Bentounès und Pfarrer Ernst Sieber

 

Zwei Beiträge unserer Vorstandsmitglieder darf ich ins Blog stellen. Der IARF-Weltkongress in Washington und die ausführliche Würdigung  von Pfarrer Ernst Sieber. Vermutlich hatte er viele Ähnlichkeiten mit Sheik Bentounès.

Die IARF-Tagung von Dr. Verena Burkolter, Brissago

REIMAGINING INTERFAITH  – „Die Gemeinschaft der Religionen neu interpretiert“

war das Thema des 32. IARF- Kongresses zu dem sich aus aller Welt und von allen Religionen rund 300 Teilnehmer (darunter auch eine grosse, geschlossene Gruppe von Japanern) versammelten, um sich Können und Fähigkeiten dazu zu erwerben und Netzwerke zu bilden, um Basisaktivitäten für die Friedensförderung zu stärken. Dieses Treffen soll alle Teilnehmer interaktiv bewegen, um ihren persönlichen Glauben und das tägliche Leben zu reflektieren. Von den Ideen her soll zu konkreten Aktivitäten geführt werden.

In einem der Tagungsräume in der Washington University stellten sich verschiedene Gruppierungen vor. So z.B. die IARF- chapters, die united nations assembly der USA,
das Wesley theological seminary.

Neben Vorträgen, Podiumsdiskussionen mit Vertretern aller teilnehmenden Religionen waren die CIRCLE-GROUPS sehr wichtig: in verschiedenen Sälen sassen um runde Tische immer neun Teilnehmer verschiedener Religionen zusammen, die jede Stunde neu gemischt wurden, um die gestellten Fragen zu antworten. In den Neunergruppe wurde manchmal auch unterteilt in Zweiergruppen, damit in einer ruhigen, stressfreien und freundlichen Atmosphäre offen  relevante persönliche Erfahrungen auszutauschen, zu reflektieren und zukünftige Handlungen zu planen. In den circle-groups gab es täglich ein Blatt mit positiven Affirmationen und Gedankenverstärkungen für jeden Teilnehmer wie z.B. „Ich komme jetzt als Mitglied dieser grossen Gemeinschaft in den Saal und gebe jeden Gedanken an Trennung auf.“ „Ich verwandle mich vom ICH zum grossen DU und bin eins mit dem Leben und unserer erweiterten globalen Gemeinschaft.“

Immer morgens um 07 h vor dem allgemeinen Programm und abends um 20.30 h gab es die Möglichkeit an einer interreligiösen Zusammenkunft (Gebet, Gesang, Meditation)
teilzunehmen.

Nach dem wichtigen  Punkt der Wahlen am 1. Tag (Witske Dijkstra gibt ab und neuer Präsident ist für die nächste Periode Ince aus England) sticht der PLENARY LUNCHEON des 2. Tages hervor: die Verleihung des Albert Schweizer Preises an den Sufi-Scheich Khaled Bendounès. Seit 1975 wird dieser Preis von IARF vergeben. Frühere Empfänger des Preises waren z.B. der Dalai Lama, sowie Karen Armstrong.

Scheich Bentounès ist Präsident der internat. Sufi-Vereinigung Alawiyya, die 2014 eine internat. Kampagne der Uno initiierte zur Errichtung eines Tages des „friedlichen Zusammenlebens“ der für den 16. Mai festgelegt wurde. Der Scheich hat Zentren im Welschland. Gerne würde er auch das Tessin und die Deutschschweiz besuchen, hat mir sein Sekretär gesagt.

Scheich Bentounès Haltung zu Religion ist universal und alle einschliessend. Er ist gleichermassen im Zentrum von mystischen Zusammenkünften wie auch bei interna-tionalen politischen Manifestationen.

Am gleichen Nachmittag fand dann vor dem weissen Haus in Washington eine Friedensdemonstration mit Reden und LIedern  statt – initiiert von IARF. Die Polizei war rund-herum beobachtend dabei.

Durch die ganze Konferenz wurde man in vier Themenreihen eingteilt. Das Zufallslos bestimmte mich für Thema 2 „Seine Gemeinde für den sozialen Wandel organisieren.“ Das Ziel : „Alle Mitglieder mit Werkzeugen versehen, damit sie ihre Gemeinde zu sozialem Wandel führen können.“

Inhalt der Thema 2 – Zusammenkunft war ein Ueberblick über das Vorgehen einer Gemeindereorganisation – geleitet von verschiedenen Religionsvertretern. Es wurde ein Kreis-lauf der Organisationsbildung dargestellt.
– Begonnen wird mit einer 1:1 – Beziehungsbildung. Jeder Initiator führt  -zig solche halbsstündige Gespräche mit schon bekannten Partnern, oder Unbekannten, die man kennenlernen möchte,  um eine task-force für den sozialen Wandel zu bilden. Es sind nicht Kaffeeklatschgespräche, aber auch keine therapeutische Sitzungen.
Auf diese Weise hat z.B. die Leiterin meiner Gruppe gezielt einen Banker für ihr Netzwerk aquiriert, der ihre Organisation auch finanziell unterstützte.

– Es folgen gemeinsame Sitzungen, wo vor allem zugehört wird, bis man sich zu einem gemeinsamen Ziel findet. Das Ziel der Organisation hat nicht vorgängig schon der Initiator bestimmt.
– Nun folgt die Bildung von Planungsteams.
– Darauf Studium der Medien für Schritte zum Ziel.
– Wichtig ist hierauf die Analyse der örtlichen internen und externen Machtverhältnisse.
– Nun wird ein sehr erfolgversprechender, eher kleiner Zielpunkt, der bestimmt zu gewinnen ist, angepeilt.
– Es folgen einzelne private Aktionen, um Eigeninteresse und mögliche Unterstützung / Verhinderung zu eruieren.
– Jetzt folgt die gemeinsame öffentliche Aktivität zur Gewinnung von Unterstützung (Geld, Mitarbeit, Training).

Das Fazit der Teilnehmer war:

– nicht reformieren, sondern transformieren!
– mehr zuhören als selber sprechen!
– sich der eigenen Ressourcen, aber auch deren der ganzen Gruppe bewusst werden¨
– es gibt keine schwierigen Partner oder gar Feinde der ganzen Gruppe, sondern „ISSUES“? (starke Aktionsfelder)!

Schliesslich wurden wir gefragt nach pers. Erfahrungen mit Kampagnen: Gäbe es Gebiete, die man anders hätte angehen können?
Welche Bausteine zur Organisationsbildung wünscht sich jeder Teilnehmer für das nächste Treffen?
Welches Thema hat der Gruppenleiter übersehen?

Die Schlusszermonie am letzten Tag mit Reden, Theater, Musik und pers. Gedichten war grossartig.  Mir persönlich bleibt ein Liedvers einer Afrikanerin haften: Kraft, Mut und Weisheit sind in mir drin!

Es folgte der zusätzliche Tag der IALRW (international association of liberal religious women). Die Präsdentin, Frau Kamar I. Kamaruzaman, aus Malaysia, konnte aus (polit.) Gründen nicht in die USA reisen, deshalb wurde kurzfristig eine SKYPE-Konferenz durchgeführt. Die ehemalige Präsidentin, Frau Kathy Matsui aus Japan, leitete den Tag, obwohl sie gleichzeitig Vorstand des japanischen IARF- chapters ist. Es wurden verschiedene Projekte vorgestellt, die am laufen sind (z.B. ein Alphabetisierungsprojekt für Frauen und ihre Kinder in Ladakh), aber auch neue, die dieses oder nächstes Jahr gestartet werden (z.B. ein Kunstprojekt für religiöse Toleranz einer Solothurner Kunstsschaffender).

Gedanken zu Pfarrer Ernst Sieber von Jean-Claude Cantieni, Chur

Wieverhalten sich randständig und anständig zueinander? Anständig in randständig und umgekehrt randständig in anständig? Das Lebenswerk Pfr. Siebers scheint mir zu sein, eine diesbezügliche Kontroverse zu überbrücken …

‚Macht weiter, ich habs heiter’

steht auf dem Grabmale Pfr. Dr. h.c. Ernst Siebers, welcher diesen Mai mit 91 Jahren verschied. Sein Lebenswerk, 16 Stationen für zuerst Obdachlose, dann Süchtige und nun Arbeitsemigranten folgen ihm im Tode nach Offenbarung 14,13 nach. Ja, selig sind die Toten, die im Herrn sterben, denn ihre Werke folgen ihnen nach.- Johannes Brahms hat den Text in seinem ‚Requiem’ vertont, welches zur offiziösen  tröstlichen Hymne liberalen Christentums ward.

Verwehrt blieb dem Verstorbnen, was er als Nationalrat  mittels Postulat, dafür er soweit erinnerlich 150 Mitunterzeichner gewann, sein Bundesdorf, für das er sich vorstellte, dass es von einem Schweizergeiste geprägt sei, der Einheit vor Verschiedenheit zwischen arm, reich, gesund, krank … setze. Er sprach insoweit an, was heute in einem Zeitalter zunehmenden Vereinsamens  aktuell geblieben ist.  Zch. hat mehr Single-Logis denn Familien-domizile.

Die Klientel Ernst Siebers galt bis anhin als Fall von Landstreicherei, war ein Delikt, welches die Polizei mobilisierte. Sieber setzte an ihre Stelle den Diakon, eine Art soziale Revolution. Revolutionär war das Umfeld damals. Als Student , Sonntagabend in Zch. angekommen,  rieb ich mir die Augen. Globuskravalle . Sie hatten mit dem Globus in Chur, meiner Herkunft, nichts zu tun. Auf Zürichs Strassen  prügelten sich Polizisten und Studenten, welche sich mit der Arbeiterschaft zusammenschlossen, um die  so genannte herrschende Ordnung zu stürzen, die sie als repressiv, diktatorisch empfanden, ein Protestmarsch durchwogte die Stadt, marschierte auf ein Polizeiaufgebot mit beschilderten, behelmten Uniformierten zu, die Gemüter erhitzen sich, bis der Pfarrer  Ernst, begleitet durch einen Esel (aus dem Garten bei Pfarrhause in Altstetten) sich mitten auf einer Brücke positionierte. Das Symbol des geduldigen – und zugleich störrischen – Esels wirkte. Die Protestierenden zogen in die nahe Stauffacher-kirche, wo der Dialog zwischen Strasse und Obrigkeit um konfliktfreie Auswege begann. Graue Theorie war out , Orthopraxie’ als Diakonie statt Kravall war – bei Pfarrer Ernst – angesagt.

Er sammelte Obdachlose in Tramhäuschen mit seinem VW-Bus  – seit der Seegfrörni 1962, der damaligen Eiszeit, ein, verbrachte sie in einen Zivilschutzbunker aus der Kriegszeit am Helvetiaplatz. Das Kinderlied singt vom Es schneielet, beielet, Häsch d’händscha un rot im Sack, so gib’s me arme Chind … -Rund 100 Stufen führten an den tiefsten Punkt zwischen Himmel und Erde hinunter. Die Hells Engels, damalige Gang in der Art Leonard Bernsteins ‚Westside Story’ ,hatten einen Zwischenboden zwischen Eingang und ‚Untergang’  für sich – und ihre Schiessübungen beansprucht, Zeit des Rockerkrieges;

Aus einer Zeugeneinvernahame

‚Nenad G. tritt ebenfalls als Zeuge auf. Er spielt den inkriminierten Vorfall herunter, um zu demonstrieren, dass ihm ein paar Schläge nichts anhaben könnten. Er prahlt von seiner Vergangenheit als Hooligan «Das waren richtige Schlägereien», sagt er. Das Bild von einem Freund, wie er ein Auge durch einen Steinschlag verliere, habe er noch heute im Kopf, doch er habe da die Angst verloren. Gewalt beruht auf Angst. ‚Macht ist Ohnmacht’, urteilte der Pfarrer.

Die vor dem Gericht parkierte Harley von Marc S. sieht der Staatsanwalt als Botschaft an die Justiz: «Ihr mögt die Herren da drin sein, aber wir sind es draussen.» Eine Antwort gibt der Staat schon während der Verhandlung. Die Harleys vor dem Gericht werden umparkiert; Machctdemonstration.

Der Bunker war Provisorium, zu gefährlich, wenn Betrunkene die Treppe hinter kollerten … Er sollte zu keiner Krypta werden, wo Tote verewigt werden. Felix und Regula sind in der Nähe  in einer Krypa enthauptetet worden (Wasserkirche), ruhn im Grossmünster.

16 ‚Aussenstationen’ so als alternative im Laufe der (Lebens-) Zeit mit Pfr. Ernst. Sie gingen auf Süchtige zu. In Johannes vier spendet Jesus lebendiges Wasser einer ‚Barbarin’ Samarierin, um ihren metaphysischen Durst zugleich zu stillen. Für Ernst waren die Obdachlosen Süchtigen metaphysisch obdachlos, davon ihr Durst, Sehn-Schucht rührt. ‚Die Mitte der Liebe ist auch am Rande der Gesellschaft. Knapper als Ernst kann das niemand  – in eine Bibel – schreibe, zugleich schalkhaft reimend anschliessen: ‚Lies die Bibel, immer wieder, sagt Pfarrer Sieber ….

16 Stationen: Woher rührt die Energie, mit Elend ein Leben lang konfrontiert zu sein, das seuchenhafte Züge, ‚Kollateralschäden bewirkt wie Aids, Kriminalität … trägt. Die Familie bot Halt, auch schon die räumliche Distanz zwischen dem Bunker und dem Pfarrhause im damals noch dörflicheren Altstetten. Nähe und Distanz bedingen sich. Der Rest ist Konstitution. Ernst Sieber wuchs in Horgen auf. Seine Mutter tischte mehr Teller als Familienmitglieder dasassen. Die Weltwirtschaftskrise, die 1929 ausbrach, führt zu Konkursen, Arbeitslosigkeit, Brotlosigkeit auch in der Agglomeration um Zürich.  Ernst besuchte dann den landwirtschaftlichen Schulhof Strickhof in Zürich, worauf er sich entschloss, die Matura nachzuholen, besuchte ein Privatgymnasium. Am Morgen, als er als Maturant antrat, gab sein Vater ihm einen neuen Mantel, den sein Träger einem durchfrornen Passanten unterwegs schenkte. Das Theologiestudium folgte, dann der Pfarrberuf. ‚Der gute Hirte’ scheint vorbereitet, als den wir im Bilde ihn erinnern; Schlapphut Halstuch, Überwurf als Mantel . Als Gründer so mancher ‚Dörfli’ lebte er in letzter Zeit Hochybrig in einer Hütte, von Schafen umgeben, die er auch malte;

Von dieser Idylle glaubte Ernst, sie habe ihre Chance auch im Jenseits, darum ‚Ich habs’ heiter’ Das Bild erinnert an die alte Mär von einem griechischen Arkadien der Hirten .., doch eigentlich heisst der Satz: Et ego (sum) in Arkadia ; selbst in diesem gefühlsseligen Arkadien lauert der Tod, welcher den Seelsorger in seinem Arkadien nun heimholte.

Was fehlt, seit Pfarrer Ernst fehlt? Die Antwort muss subjektiv erfolgen. Die Stimme der Barmherzigkeit, welche die Mitte zwischen beschämender Billigkeit und verurteilender Gerechtigkeit hält, fehlt für den Autor.Sie ist die tragende Stimme der Parabel vom barmherzigen Vater, der den verlorenen Sohn mit offenen Armen erwartet. Diese Botschaft ist gerade in einer Zeit, die von gnadenlosen Leistungsimperativen immer mehr bestimmt wird, welche Schwächere wegblendet, von bleibender Aktualität. «Der Name Gottes ist Barmherzigkeit» schreibt Papst Franziskus in einem Buche, das in 28 Sprachen erschienen ist.

Der Ton ist neu.

In seinem «Gottesstaat» polemisierte der Kirchenvater Augustin noch ganz offen gegen die «Mitleidigen», die allzu Barmherzigen. Ihr Mitleid sei bloss ein «menschliches Gefühl’. Die ewige Strafe für die Masse der Menschen sei Ausdruck der Gerechtigkeit, die Errettung weniger Ausdruck der Barmherzigkeit Gottes. Augustinus schrieb damit Geschichte, die im 16. Jahrhundert bei Luther und Calvin einen starken Nachhall gefunden hat.

Erreichte der Begriff Barmherzigkeit die ‚Eingbunkerten’, säkularem Zeitgenossen überhaupt? Die reformierte Kirche hat in der Formel  ‚Etsi Deus daretur ‚zu verstehen gegeben, dass wir, oszillierend zwischen Glaub-und Fragwürdigkeit umzugehn haben. Tun wir also doch ‚als ob’, fingieren wir, was, solange die Fiktion als solche bewusst bleibt, legitim ist, indem wir so – um an die Bunkerleute zu denken – tiefe  Wunden gar einzuklagen haben, statt sie zu verdrängen zu haben, weil wir sie Gott nicht zu klagen haben.

«Christus hat nicht für die Sünden der Menschen gelitten, sondern gleichsam die Schuld Gottes abgetragen. Schliesslich hat Gott mit den Menschen die abgründige Freiheit zum Bösen hin in Seinen Willen mit eingenommen, wurde schon moniert.

Der Obdachlose hat heute ein ‚Menschenrecht’ auf ein Dach über sich –über das des Himmels über Zürich hinaus, davon Zarli Carieget sang, Ernst Sieber mitsang. Menschen leben in Häusern. Sie bauen. Ich bin und ich baue ist unter Sprachwissenschaftlern verwandt. Ernst Sieber wusste auf dieses Bedürfnis nach einem Heim. War eer Symbolist, so doch zugleich Realist, konfrontiert mit soviel schmerzlichem Scheitern in der Realität. Der römische Dichter Horaz hätte von einem ‚biformis vates’ von einem zweigestaltigen Seher gesprochen (Ode II XX), heruntergebrochen auf je ein Leben im ersten , diesseitigen und jenseitigen Jerusalem (‚Jerusalem’ steht in der Mehrzahl.) Er erlebte die Schmach an sich selbst, dass ein ‚Besuch der alten Dame’ ihn (incognito) aus seinem Werke für eine Million Schweizerfranken drängte, als die Übersicht über Investitionen in seinen ‚Werken’ einst verloren ging. Ist ein Lebenswerk,  Leben mit Geld aufzuwiegen? Das ist die Frage, die bleibt, nachdem Pfarrer Ernst Sieber fehlt, und doch laautet die Frage, die Ernst Sieber uns stellt: Ws gilts zu tun?

Der Verstorbne sorgte für Entwurzelte. Pflanzen wir (Frucht-)Bäume zu seinem und seines Werk Gedenken.  Der Baum symbolisiert die Wurzel der Welt, die Natur, der Baum stellte die Grundlage unserer Existenz dar und her;

Dank der Pflanze, des Baums  wurde die Erde zum metaphysischen Raume des Atems dank den ersten zur Fotosynthese fähigen Organismen, die Cyanobkterien; Das (Baum-) Blatt ist dem Stamme und der Wurzel letztlich vorgeordnet, denn es trägt zu seiner Existenz bei. Vögeln in den Ästen gleich wenden sich Blätter dem Himmel zu, zelebrieren ihre Leidenschaft für ein Leben in der Luft.

Rätselhafte Wurzeln (unterirdisch, geheimnisvoll …) mögen wichtige Funktionen wie das Gehirn des Menschen haben, und sie helfen der Sonne ins Erdreich vorzudringen, es zu erhellen, sie über sich selbst aufzuklären. Die alten Griechen erfanden den Mythos der Persephone, die hälftig auf der Welt, hälftig in der Unterwelt lebte Der Baum ist eine ‚Maschine’, welche die Erde an den Himmel bindet. Er transformiert, re-formiert Licht.

Der Bau (welcher für die Pflanze, Natur steht) ist ein Alleskönner, offen, geduldig, standfest, grenzenlos. Er wirkt ohne zu handeln, automatisch als die radikalste Form des Inderweltseins. Sein blosses ‚Sein’ reicht, um alles mit allem zu verbinden.

Was ist, wenn ein Baum, entwurzelt, stirbt? Re-Inkarnation tritt dann ein. Leben manifestiert sich in verschiedener Weise, verschiedenen Körpern, die sich austauschen. Alles ist in allem gegeben. Essen wir einen Apfel vom Baume, reinkarniert sich der Apfel im Menschen und der Mensch im Apfel. Der Tod, welcher im Märchen auf den Apfelbaum (des Paradieses) bezogen ist, ist – so ist zu vermuten – strikt eine Idee.

Der Baum und mit ihm die Natur ist die einzige Instanz, in deren Namen wir für die Menschheit zu entscheiden haben, ohne an ein bestimmtes Volk, eine Nation, Konfession voreingenommen zu denken (frei nach Emanuele Coccia, die Wurzeln der Welt, München 2018) So liberal dachte fast strikt der Verstorbne.

Wohin mögen die Bäume gsetz sein? Ich Zürich? Auch andere Städte haben Einwurzelte., Chur in seinem inzwischen sanierten Stadtpark, dem ehemaligen Scalettafriedhof, wo der Churer Reformator Comander beigesetzt worden sein mag. Eine ‚Familie’ von Randständigen ist dem park erhalten geblieben. Die Sozialarbeiterin Romina Beeli hörte die ‚Familienmitglieder’ an, zeichnete das Gehörte  in ihrem Büchlein’ Die Familie vom Stadtpark’, Chur, 2015, auf. Die Sehnsucht Entwurzelter nach einem Heim, einer Stätte des Austauschs, freien formen des sich Gesellens drückt sich darin aus. Ist der Sclaettfriedhof, Stadtpark ein präfigurierter Pflanzplatz?

Last not least: Pfarrer Ernst hatte in Chur ebenfalls eine ‚Station’, wirkte einst im nahen Passugg und dann in der Surselva.

ScanBibelwidmung von Pfr. Ernst Sieber

Glaubensbekenntnis ja oder nein?

Meine Kirche ist bekenntnisfrei. Jeder darf glauben, was er will!

Am Sonntag singt der Männerchor in der Kirche Kirchrued. Nicht das erste mal und nicht das erste mal wird wieder das Glaubensbekenntnis gebeten. Nach dem Zwischenspiel. Entschuldigen sie, ich möchte ihnen nichts unterstellen, aber wenn ich so, sicher auch diesen Sonntag, sitzenbleibend vom Chor ins Publikum schauen werde, so sind die meisten Kirchenkunden damit beschäftigt, den Text einfach nachzusprechen … aber sich wenig oder keine Gedanken über diesen zu machen.

Vor rund 150 Jahren wurde die Landeskirche neu aufgestellt. Libref war massgeblich beteiligt. Seither ist die Schweizer Reformierte Landeskirche bekenntnisfrei. Nicht aber Freikirchen,  Sekten oder andere Religionen. Die Katholiken haben ihr Glaubensbekenntnis und im Islam … «Es ist das erste, das einem Neugeborenen ins Ohr geflüstert wird und das letzte, das ein Mensch vor seinem Tod ausspricht oder hört.» Gefunden bei einer interreligiösen Podiumsdiskussion vor rund 10 Jahren im Kuk Aarau. Die Moderatorin habe ich im Haus der Religionen in Bern noch nie persönlich getroffen. Es kam immer irgend etwas dazwischen. Ich glaube ich muss mich dazu bekennen, dass ich vergesslich werde. Ihrem Ehemann Konrad habe ich vor drei Wochen keinen Gruss mitgegeben.

Es ist eigentlich traurig, was libref. in über 150 Jahren für ein Netzwerk aufgebaut hat, das vor Jahrzehnten ihren Höhepunkt hatte und das nun am zerbröckeln ist. Kämpfer wären gesucht, aber was ich mit dem „Hohen P“ bei der Sitzung der Lang-Stiftung und via Mail diskutiert habe, scheint die Suche zu versanden. Zudem haben wir noch keinen Termin für den zweiten Tag „Friede herrscht – proref pilgern“. Vermutlich versandet auch das, mangels Mithilfe. Alleine ziehe ich diesen Aufwand nicht noch einmal durch.

Wenn das so weitergeht, wird demnächst auch libref.ch aussehen, die das Glaubensbekenntnis meines Namensvetter Kurt Marti. Ich zitiere auswendig:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Seite ist leer, damit sich jeder sein Bekenntis selbst formulieren kann.

Kurt Marti und Max Balsiger wurden schon mit dem Glaubensbekenntnis zitiert! Barthianer und Liberaler scheinen sich in diesem Punkt einig zu sein. In einigen Kantonen ist das Glaubensbekenntnis zu speziellen Predigten gestatt, z.B. Taufe, Konfirmation. Im weiteren wird im Kanton Aargau bei Laienpredigten die Wahl frei gestellt, ob ein Lied oder Zwischenspiel oder das Glaubensbekenntnis in die Predigt eingebaut wird. Viel Brauchbares finde ich auf der Kantonsseite nicht, aber hier die beste Zusammenfassung über das Glaubensbekenntnis:

„Konfessionslos zu sein, bedeute nicht einfach, nichts zu glauben.“

Das sagt Professor Dr. Martin Sallmam im Artikel „Wie die etablierten Kirchen an Boden verlieren„.

Ein lesenswerter Artikel. Martin erwähnt auch die katholische Kirche Heiligkereuz im Tiefenau – Punkt 88 bei proref. pilgert. Über Punkt 89 – die reformierte Mathäuskirche  in der Nachbarschaft wird Übermorgen entschieden. Abriss, wie es schon vor zwei Jahren zur Debatte stand? Ganze drei Kommentare und einer vermutlich von einem Studienkollegen, der die wirtschaftlichen Aspekte betrachtet.

Die beiden Antworten, die er erhalten hatte sprechen für sich. Die Kirche soll sich aus der Politik raushalten! Da sind wir etwas anderer Ansicht. Und wenn sie noch etwas Spannendes lesen wollen, dann Peter Bichsel. Hier der Lead-Spruch:

„Ich habe den Eindruck, dass ich in einem Land lebe, das sehr, sehr gefährdet ist. Und zwar nicht durch Terrorismus, sondern durch uns selbst.“

Nun schreibe ich gleich den Text des zweiten kirchenunpolitischen Kommentators hin. „Peter, der Spruch könnte von mir sein …“.