Kategorie-Archiv: 03 Lesenswertes

Orthodoxie und Gewalt im Islam


Mut ist etwas das sich nicht alle leisten dürfen, können oder wollen. Wir bringen veröffentlichen Artikel, die Zeitungen, angeblich Neue Zeitungen ablehnen.

Dr Yahya Hassan Bajwa hat mir den nachfolgenden Artikel zugestellt, den ich euch nicht vorenthalten will. Gesprochen haben wir zusammen im Neuen Zürcher Hinterland – in einem indischen Restaurant, das nicht zu verachten ist und ins Netz gestellt wird dieser Artikel, den sie ruhig einmal ausdrucken können, in einem reformierten Teil von Südfrankreich. Und bevor sie zu lesen beginnen: Haben sie sich für die zweite Kappeler Milchsuppe schon angemeldet?


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Die Geschichte der Menschheit zeigt, dass der Mensch agressiv ist, scheinbar unabhängig davon, wie zivilisiert eine Gesellschaft ist. Die westlichen Zivilisationen haben im letzten Jahrhundert zwei Weltkriege geführt – war das Massenvernichtung im Namen Gottes? Christen vernichteten Christen. Muslime töteten Muslime – wie im Krieg zwischen Iran und Irak, wie aber auch in den jetzigen Anschlägen in London! Weshalb scheint es, dass Religionen Blutvergiessen und Mord im Namen des Friedens erlauben? Glaubt man den heutigen Kommentatoren, dann ist Islam eine Religion des Krieges. Islam führe zu Gewalt, Zerstörung und Chaos. Dieser Glaube habe vor, die ganze Welt zum Islam zu bekehren. Dies ist auch die Auffassung der Amerikaner und deren Verbündeten. Ihre aggressive Aussenpoltik beruht und legitmiert sich auf das Schreckgespenst Islam. Ein Fürsprecher dieser Politik ist auch Bassam Tibi, der sogar behauptet, dass der Islam Gewalt für dessen Verbreitung propagiert und dass Terrorismus zum Islam gehört – ein klarer Widersprich zum Koran! Auch die Behauptung, dass bis zu 15000 Islamisten in der Schweiz ihr Unwesen treiben entbehrt jeder Grundlage. Viel besonnener reagieren unsere Bundesräte, die von einer „ganz kleinen Zahl von Fundamentalisten“ sprechen und uns vor einer Hetze gegen die muslimimischen Mitbürger warnen. Charakteristisch für Religionen ist, dass sie revolutionär sind. Jesus und Muhammad predigten den Ärmsten, sprachen von Gleichheit aller Menschen vor Gott. Ein Ärgernis für die herrschende Schicht, die schon damals die Religion zum Geschäft gemacht hatte. Eine Tatsache, die heute sogar vermehrt gilt, unabhängig, welche Religion wir untersuchen – Christentum oder Islam!

Der Heilige Koran – eine Richtschnur für die Muslime
Für die Muslime ist der Heilige Koran die Richtschnur, der Verhaltenscodex im Leben. Er wurde dem Propheten über viele Jahre offenbart, zuerst auswendig gelernt und anschliessend niedergeschrieben. Der Koran ist, wie auch andere religiöse Schriften, autoritativ und normativ. Er bestimmt das Leben eines Muslim. Gerade die drei Buchreligionen fordern von ihren Anhängern, dass sie sich mit der Schrift und dem Glauben auseinandersetzen sollen. Der Koran schreibt vor und spricht Recht. Er ist Wort Gottes und somit vollkommen. Nichts darf hinzugefügt, abgeändert oder weggenommen werden. Doch die Religion wird täglich von den sogenannten Gottesgelehrten für wenig Geld, Macht oder Einfluss verschachert. Ist es richtig, dass der Islam die Weltherrschaft anstrebt, Religionsfreiheit unterdrückt und Menschen, die vom islamischen Glauben abfallen, umbringen lässt?
Im Christentum haben wir diese dunkle Zeitepoche hinter uns, als St. Augustin von der „gerechten Verfolgung“ sprach, als durch die Inquisition tausende Menschen wegen Ketzerei und Hexerei verbrannt oder weil sie sich weigerten, ihren Glauben aufzugeben und Christen zu werden, hingerichtet wurden. Wie steht es mit den heutigen muslimischen Denkern? Einigen „Islamgelehrten“ macht es überhaupt keine Sorge, dass ihre Intepretationen des Korans gegen den Inhalt der Heiligen Schrift verstösst. Einer der wichtigsten islamischen Denker für die arabischsprachige Welt war Syed Qutub, der wiederum durch Abu Ala Maududi, dem Gründer der indischen Jamaat-e-Islami, stark beeinflusst wurde. Maududi schrieb, dass Muhammad 13 Jahre lang versuchte, die Araber mit allen Mitteln zum Islam zu bekehren. Als all dies nichts fruchtete, nahm er das Schwert. „Das Schwert erreichte noch was – es nahm ihnen [den Ungläubigen] ihre Blindheit, so dass sie das Licht der Wahrheit sehen konnten und heilte sie von ihrer Arroganz“ – Mord als Mittel zur Erleuchtung!

Der Koran und die Frage der Glaubensfreiheit
Verschiedene muslimische Gelehrte weisen immer wieder auf die Tatsache hin, dass der Islam auch mit Gewalt zu verbreiten sei – dies sei der wahre Dschihad. Ein Muslim habe auch nicht das Recht, seinen islamischen Glauben zu wechseln. Ein solcher Akt müsse mit dem Tod bestraft werden. Im heutigen Pakistan, das durch Maududi und ähnliche Denker geprägt ist, werden immer wieder Menschen umgebracht, weil sie vom Islam „abfallen“. Doch was steht wirklich im Koran? Die vielleicht wichtigste Aussage im Koran lautet: „Es soll kein Zwang sein im Glauben. Gewiss, Wahrheit ist nunmehr deutlich unterscheidbar von Irrtum. ” (Kapitel 2, Vers 257) Diese Offenbarung erhielt der Prophet in Medina, nach der Auswanderung aus Mekka. Zu einem Zeitpunkt, als die Muslime nicht mehr verfolgt wurden und auch bereits Macht ausübten – sie hätten Zwang in dieser Frage anwenden können. Doch gemäss Koran hat niemand dieses Recht. Die Gewissensfreiheit wäre eigentlich ein weiterer Pfeiler im islamischen Denken. So heisst es im Koran: „Und sprich: „Die Wahrheit ist es von eurem Herrn: darum lass den gläubig sein, der will, und den ungläubig sein, der will.” (18:30) Einen Glauben anzunehmen ist ein Entscheid, in den sich niemand einzumischen hat. Dies ist ein Beschluss zwischen der entscheidenden Person und Gott. Somit wird klar, dass die Glaubensfrage eine streng private Angelegenheit ist. In diesem Prozess hat weder ein Mullah oder irgendein anderer „Islamgelehrter“ und schon gar nicht ein Staat Platz! Trotzdem wird immer wieder von Eiferern behauptet, dass niemand seinen Glauben wechseln darf. Doch wie verhält es sich dann mit der folgenden Koranaussage: „Die aber glaubten und hernach ungläubig wurden, dann (wieder) glaubten, dann abermals ungläubig wurden und noch zunahmen im Unglauben, denen wird Allah nimmermehr vergeben noch sie des Weges leiten”. (4:138) Gemäss der Interpretation von Gelehrten wie Maududi, wird ein solcher Mensch bereits nach dem ersten Wechsel umgebracht. Somit ist entweder die Aussage im Koran falsch oder die Interpretation von Maududi – wie kann einer, der vom Islam „abfällt“ wieder Muslim werden und nochmals seinen islamischen Glauben aufgeben und dann sogar noch im Unglauben zunehmen? Weiter steht auch nicht, wie die Strafe zu sein hat, ausser, dass Gott eine solche Tat nicht vergibt und einer solchen Person seine göttliche Leitung entzieht. Religionsfreiheit war zu Beginn des Christentums wichtig, als jedoch die Christen die Macht übernahmen, wurde sogar durch Justinian (482-565) die Todesstrafe für den Abfall vom Christentum eingeführt.

Wie soll der Koran interpretiert werden?
Religionsgemeinschaften, die an die Macht kommen, reagieren oft ähnlich – intolerant. Wer eine andere Meinung vertritt, als die herrschende Glaubensmeinung, ist schnell ein Apostat. Religiöse Führer und Staatsoberhäupter vertreten diese Ansicht, denn hier geht es direkt um ihre eigene Macht, die sie auf keinen Fall verlieren wollen. Der Gedanke der Apostasie, die heute in vielen islamischen Köpfen ihr Unwesen treibt, ist diktatorisch und tötet das Denken ab. In solchen Gesellschaften, in denen die Menschen Angst haben, ihre Meinung öffentlich zu vertreten, stirbt auch die Zivilcourage. Niemand ist bereit, sich für das Recht einer anderen Meinung einzusetzen, weil er selber mit Verfolgung oder Ächtung rechnen muss. Somit stirbt auch die religiöse Weiterentwicklung – ein innerer Prozess eines jeden Gläubigen. Man überlässt das Denken und das Interpretieren der eigenen Religion einigen wenigen, die sich lauthals als „Gottesgelehrte“ ausgeben. Diese Situation haben wir zum Teil auch heute noch in Afghanistan – auch nach der „Befreiung“. Dies galt auch für Pakistan unter dem fundamentalistischen Diktator Zia ul Haq, Benazir Buttho oder Nawaz Sharif. Erst Musharraf gelang es, die nach Religionszugehörigkeit getrennten politischen Wahlen nach über 20 Jahren aufzuheben. Nur die Ahmadiyya Muslime, die seit 1947 in der Schweiz vertreten sind, sind auch heute noch aus diesem Prozess ausgeschlossen – dies ist ein Kompromiss des pakistanischen Präsidenten mit den Fundamentalisten, die die Ahmadis seit 1974 nicht mehr als Muslime anerkennen. Hier wird klar, dass Religion oft mit Politik und der Frage nach Macht vermischt wird.
Gedankengut eines Maududi oder Qutub vertreten das Denkschema aus dem christlichen Mittelalter. Doch weder Jesus, noch Muhammad predigten die Todesstrafe bei Apostasie. Das sind Interpretationen, die viel später hinzugefügt wurden. Die Hadith, Überlieferungen zu den Taten Muhammads, geben auch keinen Hinweis auf ein solches Gesetz. Der Prophet hat sich strikt an den Koran gehalten! Der Gedanke der Todesstrafe bei Apostasie ist sowohl Jesus, als auch Muhammad fremd. Dieser Gedanke fördert Diktatur und Gewalttaten in den islamischen Ländern.

Ein Aufruf an alle Muslime zum selbstständigen Denken
Terrorismus ist ein globales Problem. Heute wird jede Untat eines Muslims als islamischer Terror tituliert. Interessant ist, dass die Medien praktisch nie vom christlichen, jüdischen, hinduistischen oder Sikh-Terrorismus sprechen. Entsprechend ist uns auch nur bekannt, dass es eine islamische Atombombe gibt – die übrigen Atombomben sind anscheinend religionsneutral. Doch, anstatt die Ursachen nur im Westen zu suchen wird es Zeit für die Muslime, endlich den Mut aufzubringen und ihre eigene Religion den Mullahs aus der Hand zu reissen und wieder anzufangen eigenständig zu denken. Zurück zum Fundament, zum Koran und nicht zu irgendwelchen obskuren Interpretationen. Religionsmissbrauch wird in allen Religionen betrieben. Nur das Mitdenken kann gegen Missbrauch schützen. Zivilcourage ist gefragt – aber nicht immer einfach. Trotzdem, es gibt keinen anderen Weg, um wieder Glaubens- und Meinungsfreiheit zu erlangen. Rechte, die eigentlich im Islam verankert wären.

Dr Yahya Hassan Bajwa
TransCommunication
Büro für Kommunikation und Forschung
PF 1351, 5400 Baden
Schweiz

CH-Baden, 8.7.2005

Die geistigen Energien des Glaubens


Die letzte Wochenend-Ausgabe der NZZ bringt auf Seite 66 einen Artikel zum Kontext von liberaler Demokratie und liberaler Religiosität, welcher an die frühesten Diskussionen untern den Reformatoren erinnert: Bibel als heilige Schrift und (obketivierter) Geist. Komplementarität?


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Die Obliegenheit, die Bibel als Ganzes zusammenzunehmen, verleihet dieser einen Gesetzescharakter, führt in die Ideologiefalle, in welche Religion immer wieder entweder aus einem Art Machtinstinkt oder weil sie ein Zusammengehn von Frömmigkeit und bürgerlicher Rechtschaffenheit voraussetzt und folglich unter fundamentalistischen Vorzeichnen, da beides auseinander strebt, keine andere Antwort als eine ideologische weiss, gefallen ist.

Energien des Glaubens von Mark Lilla

Mitgeteilt von Jean-Claude Cantieni

Kirche und Werbung


Darf die Kirche werben? Soll sie gleich werben wie ein Unternehmen?

Nicht vorenthalten möchte ich ihnen den Vortrag von Bischof Dr. Martin Hein aus Anlass der Verleihung des Medienpreises des Evangelischen Presseverbandes Kurhessen-Waldeck (von unten her suchen – Kirche und Werbung ist etwa der 14. letzte Beitrag).

Werbung kann auch unter caritativen Gesichtspunkten erfolgen. Lesen sie, wie dies zum Beispiel Philips und Caritas zusammen machen.

Und gleich noch Werbung in eigener Sache: Der Jahresbeitrag für Einzelmitglieder bei der landeskirchlichen Vereinigung für Freies Christentum kostet pro Jahr CHF 10.–. Günstig, ohne Zweifel und erst noch für eine Gute Sache. Unser Verein wurde übrigens 1867 gegründet und wird voraussichtlich im 2006 den Namen ändern und wieder einmal der Zeit anpassen.

Interessiert? Ein E-Mail an unseren Präsidenten genügt:« jccantiene at bluewin.ch»

Text: Stephan Marti-LandoltFinanzblog

Kirche und bundesgerichtliche Rechtssprechung


Manchmal sind Kommentare so interessant, dass man diese am besten als Blog-Beitrag hineinstellt.

Das Bundesgericht in Lausanne ist die höchste Gerichtsbarkeit in der Schweiz. Wer mit einem Urteil aus einem Gerichtsverfahren des Bundesgerichts nicht einverstanden ist, hat die Möglichkeit, sich aufgrund der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten dank der Europäischen Menschenrechtskonvention, an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EuGMR) in Strassbourg zu wenden.

Hier der Beitrag von Jean-Claude Cantieni:

Lieber Stephan,

las Dich zum Tode von Frère Roger in Taizé. Dazu gedacht: Welch Merk-Würdigkeit: Das griechische Wort Märtyrer assoziiert Erinnern, das doch ‚schönt’. Einmal wird jedes Zeitalter zum ‚goldnen’. Der Herbst vergoldet, er braucht nicht nochmals geschönt zu werden. Erinnern versöhnt, vergibt, Paul Ricoeur, der reformierte französische Philosoph, der kürzlich starb, hat der Komplementarität von Geschichte/Gedächtnis/Vergebung ein Kapitel in ‚Gedächtnis, Geschichte, Vergessen, gewidmet. Wenn wir von Aktualisierbarkeit der 1. Kappeler Milchsuppe sprechen, hat das vielleicht damit zu tun, dass wir dafür halten, dass Erinnern als historische Gebärde eine Gabe ist, die Vergebung, Versöhnung enthält (don, par-don)?

Und: Aus aktuellem Anlasse angesichts der Überschwemmungen gedacht: Wie nahe stehn sich Macht und Ohnmacht: In Taizé & ( im Reusstale bzw. dem übrigen Lande, wenn ein halbes Land nach drei Regentagen fast in den Zustand der ersten Schöpfungstage zurückversetzt wird, als (bis zum dritten Tage) Land und Wasser noch nicht geschieden waren.

Ob Du eine Übersicht zur bundsgerichtlichen Rechtssprechung à but religieux in den Blog stellen magst?

Mit gutem Gruss,

Jean-Claude

Nachtrag von Stephan Marti-LandoltFinanzblog. In der Bundesgerichtssprechung wurden auch Glocken erwähnt – mehr dazu vom Kritiker aus dem Dorf, wo die Brücke sicherheitshalber gesperrt werden musste, weil die andere vom Unwetter weggerissen wurde.

George W. Bush und die Darwinsche Evolutionstheorie


Der amerikanische Präsident George W. Bush hat sich dafür ausgesprochen, ausser der Darwinschen Evolutionstheorie auch die Vorstellung einer „intelligenten Erschaffung“ der Welt im Schulunterricht zu behandeln.

In der Pressemitteilung von www.ref.ch nimmt G.W. Bush Stellung zur Darwinschen Evolutionstheorie. Steckt was dahinter und will er sich vom Virus des Konservatismus schützen? Ich weiss es nicht!

Geben sie ihren Kommentar am Ende des Blogs ein. Wir stellen ihnen ein Sprachrohr zur Verfügung – wenn sie wollen total anonym. Sie können aber auch «Farbe bekennen» und Namen, E-Mail und/oder Homepage angeben. Aber das braucht schon ein bisschen Mut. Nur Mut!

Die Bibel ist eins der meistgelesenen und übersetzten Bücher. Eigentlich sind es mehrere Bücher – zum Beispiel diejenigen von Moses. Und testen sie doch mal ihr Wissen! Wie viele Tiere jeder Gattung hat er auf die Arche genommen?
Geben sie die Antwort doch als Kommentar ein! Viel Spass!

Gefunden bei: www.abi-bayern.demehr von ihnen

Text: Stephan Marti-Landoltfinanzblog

Der neue Papst – „Sehr intelligent und guter Theologe“


Den Leitartikel von Prof. Bernard Reymond erschienen in «Le Protestant – Mai 2005» hat Pfarrer Max U. Balsiger übersetzt:

So haben die Kenner nach der Papstwahl die Haupteigenschaften des Neugewählten charakterisiert. Wir wollen ihnen gerne glauben und in Zukunft beobachten, wie diese Eigenschaften angewendet werden. Vorläufig haben wir einige Mühe, zu verstehen, wie ein mit den genannten Qualitäten begabter Mensch übereinstimmen kann mit all dem, was der Wahlvorgang bedeutet für die Erfüllung seiner neuen Funktion und deren Protokoll. Dies alles ist doch verdächtig, jedenfalls aus einer streng evangelischen Sicht. Wie kann er behaupten, er wolle sich einsetzen für die Einheit der Christen, wo er doch wissen muss, dass allein die Existenz eines Papstes, wie ihn die Kirche Roms versteht, eines der wichtigsten Hindernisse auf dem Weg der Ökumene ist? Wie konnte er als 78-Jähriger die Wahl annehmen, wo doch seine Bischöfe mit 75 Jahren zurücktreten müssen? Aber vielleicht hat er noch eine Überraschung bereit, die ein Zeichen wirklichen Scharfsinns wäre und das Bild, das das Papsttum von sich selbst gibt, merklich verändern würde: demissionieren, sobald er die Kräfte auch nur ein wenig schwinden fühlte, die Kräfte, die ihm zur Zeit anscheinend noch zur Verfügung stehen.

Aber wir haben auch vor der eigenen Türe zu wischen, wie Jesus es geboten hat; beachten wir den Balken, der uns die Sicht verdeckt und uns hindert, unsererseits möglichst „intelligente und gute Theologen“ zu sein. Der amerikanische Theologe John Adam hat im Blick auf den Protestantismus in seinem eigenen Land kürzlich geschrieben: „Für die meisten Zeitungsleser ist der Name ‚Christ‘ gleichbedeutend wie ‚konservativ‘. Vor etwa einer Generation beschrieben die Wörterbücher eine ‚christliche‘ Person als ‚humanistisch‘ und ‚ehrwürdig‘; heute verbindet sich mit diesem Begriff der Gedanke an geistige Enge, Dünkel und Frömmelei.“

Nicht alle Christen, Protestanten und Katholiken fallen glücklicherweise unter dieses wenig erfreuliche Verdikt. Jeder soll Umschau halten, ohne sich selbst zu vergessen, um festzustellen, wer diesem Bild entspricht. Viel besser wäre aber, die Worte Albert Schweitzers zu beherzigen: „Das Christentum kann das Denken nicht ersetzen, sondern muss es voraussetzen. Der denkende Mensch steht der überlieferten religiösen Wahrheit freier gegenüber als der nichtdenkende; aber das Tiefe und Unvergängliche, das in ihr enthalten ist, erfasst er lebendiger als dieser.“
Und wenn Benedikt XVI. diesem grundlegenden Punkt zustimmen würde?…

Bernard Reymond in „Le Protestant“ Nr.5/2005, JAB 1211 Genève 4
(Übersetzung M.U.Balsiger)

Le Protestant – Mai 2005


«Le Protestant» – protestantisch, modern und nächstes Jahr schon 175 Jahre alt.

Im Leitartikel vom Mai 2005 lesen Sie von Prof. em. Bernard Reymond unter dem Titel «Très intelligent et bon théologien» (sehr intelligent und guter Theologe) einen Beitrag über Papst Benedikt XVI.

Mehr über die theologischen und architektonischen Kenntnisse von Bernard Reymond in der «Évangile et Liberté», dem Französischen Pendents des «Le Protestant».

Text und Fotos: Stephan Marti-Landoltfinanzblog

Rückkehr des Religiösen


Bundesrat Pascal Couchepin und Pfarrer Thomas Wipf sprechen an der FDP-Tagung über «Rückkehr des Religiösen: Herausforderung für die liberale Gesellschaft?»

An der vor rund 100 Teilnehmern besuchten Fachtagung der FDP Schweiz vom 21. Mai 2005 referierten

Bundesrat Pascal Couchepin, Vorsteher des Eidg. Departements des Innern über Religion in Gesellschaft und Politik

und

Pfarrer Thomas Wipf, Präsident des Rates des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes über «Die Wertegesellschaft in einem veränderten Umfeld».

Foto: www.fdp.ch
Text: Stephan Marti-LandoltFinanzblog