Kategorie-Archiv: 16 prix libref.

"Schwarzer Donnerstag" – bitte im Kalender eintragen


„Stell dir vor es ist Krieg und keiner geht hin!“

Der heutige Tag ist zwiespältig. Gut und böse. Eigentlich denk-(mal)-würdig.

Schreiben wir mal vom „Bösen“, der eben im Radio erwähnt wird: Ruedi Hundsberger. Eigentlich traurig, dass über diesen Spitzensportler in Wikipedia nur die Erfolge tabellenartig erwähnt sind. Er hätte mehr verdient. Mein Vater wird mir am Wochenende mehr erzählen und vermutlich auch Eric Hänni erwähnen. Facebook-mässig würden sich die drei mehr als nur „teilen“. Aber anscheinend gab es damals das Facebook noch nicht. Diesen „Bösen“ habe ich in jüngsten Jahren auch kennen gelernt – wohnte ja in der Nachbarschaft. Und hatte ähnliche Erlebnisse wie ich – Zufall?. Heute spricht alles nur vom Schwingen in Burgdorf. Aufsteigend, fast schon wie Fussball und Tennis … sorry, Golf müsste ich auch noch erwähnen.

Den „Lieben“, Mister Präsidänt, den kenn ich nur aus den Medien. Strategisch und taktisch hat er sich – und seine Politstrategen – noch nicht ganz geeinigt, aber vermutlich schlagen „sie“ (wer immer dies auch sein wird) am Donnerstag zu, an oder vielleicht auf. Giftgas. Zwei drei Tage Bedenkfrist. Und so langsam kommt aus, dass die USA seit 30 (dreissig) Jahren wussten, das im Nahen oder näheren Osten Giftgas eingesetzt wurde.

Das bestätigt die WK-Diskussion in den Luftschutzräumen des Simplonspasses – der Spiezer „AC-Chef-Schnüffler“ erzählte aus seinen eben erlebten Erfahrungen. Herrgott, wieso hören wir nicht mehr auf das, was uns „Nachbarn“ erzählen. Die sind Jahrzehnte voraus. Verrücktes Zeitalter. Alle sammeln Informationen und einige, welche über die Sammelwut von Weltmächten berichten, kommen ins Gefängnis. „Weltmacht“ müsste mann eigentlich auch genau definieren, aber solche Äusserungen sind fast schon illegal. Blogger werden aber nicht heimlich filtriert – da listet der Webalizer die „.gov“ säuberlich auf … seit über 8 Jahren. „In God We Trust.“ Sorry, liebe Amerikaner, „In God we trust“hat unser Verein seit 90 Jahren länger auf die Fahne geschrieben. Ich nehme auch nicht an, dass diese unsere fast 150 Jahre Medienpräsenz lückenllos gesammelt haben. Fast wie der italienische Steuerbeamte, der erklärt, dass die Akten 50 Jahre aufbewahrt werden müssen. Von finden sei nirgends etwas erwähnt.

In meinen 58 Jahren hat es schon manchen Krieg gegeben. Aber 48 Stunden im Voraus angekündigt wurde noch nie ein so (leider) „alltägliches“ Ereignis. Zum Glück bin ich nicht der Einzige, der sich manchmal frägt, in was für einer Zeit wir eben jetzt leben, vegetieren.

Am Donnerstag soll die Schlacht gegen Syrien starten, am schwarzen Donnerstag. Die genaue Angriffszeit ist in den Medien noch nicht erwähnt. In unseren Breitengraten könnte es auch schon Freitag werden. Genau genommen fand der „Schwarze Freitag“ ja auch an einem Donnerstag statt.

Da wir einige Tausend Kilometer von Amerika entfernt sind, merken wir uns den 25. Oktober. Genau genommen den 25. Oktober 2014. Dann prix librefen., feiern wir. Den Preisträger verraten wir noch nicht, aber ich hatte heute ein wirklich schönes Gespräch mit ihm. Besten Dank. So viel sei verraten. Wer alle 380 Blogbeiträge durchliest, stösst mal auf seinen Namen. Und im Finanzblog war er auch schon erwähnt … „etwas jünger und er wäre auch Blogger“. In diesem Sinn wiedergegeben, nicht genau so, denn wir wollen ja nicht, dass klevere Googler gleich alles wissen …

… und das zweite Telefonat … wenn alles klappt, dann singt ein Bekannter und ein Freund hält die Laudatio. Zufall? Sicher nicht. Die Denkweise scheint hier zu vereinen. Haltet uns die Daumen und merkt euch den 25.10.14 – Raum Zürich – Goldküste. „Stell dir vor, es ist ein Fest und alle gehen hin!“

Vielleicht sollten wir wirklich mal über die heutige Zeit nachdenken – ein Anhaltspunkt könnte die genaue Uhrzeit, der Veröffentlichung dieses Beitrages sein … heute haben wir noch fünf Minuten Zeit. Die Frage ist nur: „Wie viel Zeit bleibt uns nach Mitternacht?“

140-jährige Geschichte – Gratisdownload der Essays des prix libref. 2011


„Kann das Recht Religion vor liberalem Horizont beschränken?“ lautete die Vorgabe des prix libref. 2011. Es entstand eine Publikation mit der Geschichte von libref. und drei Essays die sie kostenlos downloaden können

Preisträger ist Benedict Vischer. Wir gratulieren ihm herzlich. Seine Arbeit wollen wir ihnenn nicht vorenthalten. Flankierend werden noch zwei weitere Beiträge veröffentlicht, gewissermaßen „außer Konkurrenz“: Die Beiträge von Marcel Stüssi und Jean-Claude Cantieni.

Zum Download von „Kann das Recht Religion vor liberalem Horizont beschränken?“

Benedict Vischer
Benedict Vischer bei der Preisübergabe auf Schloss Reichenau

Geleitwort – die 140-jährige Geschichte von libref.

Der Schweizerische Verein für freies Christentum, im Medienzeitalter auf ‚libref.’ gepolt, existiert gestützt auf eine Konferenz in Olten von 1869 seit der damals beschlossenen Gründung von 1871, die in Biel erfolgte. Sie ist Dachorganisation zu den noch mehreren regionalen und kantonalen und lokalen Sektionen liberal gesinnter religiöser Kreise. Sein Gedankengut bezieht libref. vom jeweiligen Stand der liberalen Theologie her, die davon geprägt ist, dass in die Aufgabe und Würde jedes Einzelnen fällt, Gott zu suchen und zu finden und sein Leben auf Erden als Werkzeug Gottes danach zu gestalten.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts etablierte sich das technologische Zeitalter einerseits und ein interkonfessioneller Kulturkampf riss anderseits Wunden auf, welche der Sonderbunds- als Sezessionskrieg der Innerschweiz geschlagen hatte. Die Verfassung von 1848 wurde damals manu militari durch die protestantischen Sieger dekretiert. – Worin anders, denn in einer Verfassungs-revison, konnten rechtmässige Zustände geschaffen werden, um zur Toleranz zu finden, die seit dem Dreissigjährigen Kriege des 17. Jahrhunderts so of geschmäht war? Das Freie Christentum Schweiz organisierte sich so als Lobby erfolgreich für Toleranzartikel in der Verfassung, so die Glaubensfreiheit, die zivile Ehe, und es setzte sich mit sozialen Fragen des Industriezeitalters auseinander, mahnte eine zentrale Aufsicht übers kantonale Erziehungswesen an. Rund 500 Mitglieder werden heute noch zu Hauptversammlungen eingeladen, ein letzt verbliebenes so genanntes „religiöses Milieu“ des Landes.

Der Verein versammelte ursprünglich gar Tausende Mitglieder zu „Reform-tagen“, daran auch Gäste verwandter Gruppen aus dem Ausland, Deutschland, England teilnahmen. Die Ära der Wochenende-Kolloquien folgte. Wissenschaftli-che und diakonische Engagements begleiteten die Vereinstätigkeit. Zentrales Publikationsorgan war bis vor Kurzem das „Schweizerische Reformierte Volksblatt“. In den Monatsschriften ist das freie Christentum seither in dem in Frankreich erscheinenden „Evangile & liberté“ präsent. Auf einem Blog informiert der Verein zur Zeit zu aktuellen religiösen Fragen, berichtet zu seinen Engagements und regt zum Diskurs darüber an.

Auch wenn sich die alten Fronten zwischen dem kirchlichen und dem freien Protestantismus aufgelöst haben und manche überkommenen Kontroversen heute nurmehr schwer verständlich sind, haben die aktuellen Entwicklungen im Bereich von Religion und Politik gezeigt, dass das Gedankengut des liberalen Protestantismus keineswegs überholt ist, sondern nach wie vor aktuell und wegweisend sein kann. Denn die Fragen der Versöhnung von Religion und Moderne, von Menschenwürde und Menschenrechten, des Respekts vor dem Einzelnen stellen sich im Bereich der Religionen heute mit grossem Nachdruck. Dabei sind diese Themen aber nicht mehr nur im Fokus der alten Mehrheitsreligion des Protestantismus zu behandeln, sondern in ökumenischer und vor allem auch in interreligiöser Offenheit. Um dieses Gedankengut wieder stärker ins Bewusstsein zu rücken und auch weiterzuentwickeln, wurde 2008 der prix libref. Ins Leben gerufen, der wechselnd für besonderes Engagement und für wissenschaftlich-publizistische Leistungen auf dem Gebiet des liberalen Christentums vergeben wird. Erste Preisträgerin war 2008 an Frau Dr. Gret Haller, die für ihr Engagement zugunsten der Menschenrechte geehrt wurde, zumal damals als Hochkommissarin für Menschenrechte auf dem Balkan. 2011 wird ein prix libref. vergeben für ein Essay zum Thema: Kann das Recht die Religion vor liberalem Horizont beschränken. Preisträger ist Benedict Vischer, dessen Essay hier auch als erstes abgedruckt ist. Flankierend werden noch zwei weitere Beiträge veröffentlicht, gewissermaßen „außer Konkurrenz“: Die Beiträge von Marcel Stüssi und Jean-Claude Cantieni.

Der Verein hat sich liberal Denkenden Schweizern und Nichtschweizern von auch ausserhalb der Reformierten Kirche geöffnet, als deren liberaler Flügel sich der Verein nach seinem Selbstverständnisse und formell als Mitglied der Landeskirche versteht.

Reichenau, Eidgenössischer Dank-, Buss- & Bettag, 18. September 2011

Jean-Claude Cantieni für den Vorstand von libref.

Kapelle Schloss Reichenau

In der Kapelle auf Schloss Reichenau hörten wir die Predigt von Prof. Dr. Reiner Anselm:

Liebe Freunde,

der eidgenössische Buß- und Bettag, das Schloss Reichenau und die Generalversammlung von libref – wie passen diese drei Dinge zusammen? Auf den ersten Blick scheint es ja eher zufällig, dass wir uns nun gerade hier und an diesem Ort versammelt haben: Nach der Sommerpause, in einem Ort, der schön ist und noch dazu in der Nähe von Chur liegt, das eine aktive Gruppe von freien Protestanten kennt.

Wenn man aber einen Augenblick lang darüber nachdenkt, dann gibt es durchaus ein verbindendes Band zwischen diesen drei Elementen unseres heutigen Zusammenseins gibt: Das Innehalten und Nachdenken über den eigenen Kurs.

Innehalten und Nachdenken über den eigenen Kurs – das ist ja zunächst der Grundsinn, den wir als Protestanten mit Buße und Gebet verbinden. Beten kann ja nicht bedeuten, in einem magischen Sinne Gott zu beeinflussen. Wer wären wir denn als Menschen, wenn wir mit unserer kleinen Perspektive, mit unserem beschränkten wissen Gott zu etwas bewegen wollten? Beten bedeutet, sich selbst auszurichten auf die Botschaft des Evangeliums – und das ist nichts anderes, als einmal innezuhalten und sich über den eigenen Kurs wieder klar zu werden. Ganz ähnlich ist es bei der Buße. Auch hier können wir nicht mehr davon ausgehen, dass unsere Rituale in irgendeiner Weise Gott beeindrucken oder besänftigen können. Nein, für Christen gilt ganz grundsätzlich: Christus hat für uns alles vollbracht hat. Buße bedeutet aber wie schon das Beten, sich immer wieder neu darauf auszurichten, was das Evangelium von uns fordert. Dazu gehört auch das Eingeständnis, dass sich für uns immer wieder andere Dinge in den Vordergrund drängen, an denen wir meinen, uns orientieren zu können. Viel zu oft sind wir fest davon überzeugt, dass wir im Besitz der Wahrheit sind, dass wir wissen, wie’s geht. Viel zu oft wollen wir auch unsere Meinung anderen aufdrängen, gerade im Bereich der Politik, aber auch im Kleinen, in der Familie und im Alltag.

Innehalten und über den Kurs nachdenken, dafür steht auch unserer Versammlungsort. Schloss Reichenau, gelegen an der Stelle, an dem bei einer Alpenüberquerung der eigentliche Weg über die Alpen beginnt oder endet, verbindet sich mit zahlreichen Fragen nach dem rechten Kurs, verbindet sich auch mit dem Innehalten nach und vor einer besonderen Herausforderungen. Und als ein Ort, an dem die Erinnerungen aus vielen, vielen Jahrzehnten präsent sind, regt er auch uns in besonderer Weise an zum Nachdenken. Zum Nachdenken über unsere eigene Zeit, über unsere Herkunft und auch unser Ziel. Und er macht auf eine hilfreiche Art und Weise deutlich, wie sehr unsere eigenen Überzeugungen zeitgebunden, relativ sind und eben keine Absolutheit beanspruchen können. Überhaupt sind es ja die Erinnerungsorte, die nicht nur wach halten, was war und was uns prägt, sondern die auch die Begrenztheit jeder Zeit vor Augen führen. Erinnern, Gebet und Buße gehören darum eng zusammen.

Schließlich eine Generalversammlung. Ob es hier eine ganz einfache und ganz enge Verbindung gibt, die nämlich, dass der Vorstand angehalten ist, nach dem letzten Mandat von drei Jahren öffentlich Buße über seine Versäumnisse abzulegen, das überlasse ich Ihnen und vor allem der Versammlung heute Nachmittag. Aber das Nachdenken über den rechten Kurs, das Innehalten und sich neu orientieren, das gehört auf jeden Fall zu den wichtigen Funktionen einer solchen Versammlung.

Nachdenken über den Kurs, vergewissern der eigenen Wurzeln und der eigenen Ziele, das ist es also, das in meinen Augen den Tag, den Ort und unseren Anlass miteinander verbindet.

Nachdenken über den Kurs, suchen nach der Orientierung: Wer sich einmal im Nebel im Hochgebirge verlaufen hat, vielleicht noch auf einem Gletscher, der weiß, wie schwierig es ist, ohne äußere Anhaltspunkte, ohne Wegmarken und ohne Kompass die richtige Richtung wieder zu finden. Umso wichtiger ist es, dass wir uns immer wieder daran erinnern können, dass wir als Christinnen und Christen eine klare Orientierungsmarke haben: Die christliche Freiheit, die Freiheit, die untrennbar verbunden ist mit dem Leben und Wirken Jesu Christi.

Freiheit hat in unserer Zeit ja häufig nicht den besten Leumund. Freiheit steht häufig für ungezügeltes Handeln, für das Verfolgen eigener Interessen, zum Teil auch für Rücksichtslosigkeit – gerade im Bereich der Wirtschaft. Den Verfechtern der Freiheit unterstellt man nur zu leicht, sie würden sich nur nicht einschränken lassen wollen und sich aus der Verantwortung stehlen. Überall in Europa ist der Liberalismus daher in die Defensive geraten, zum Teil auch nicht zu unrecht, weil das Verhältnis von Freiheit und Verantwortung, aber auch das Verhältnis von eigener Freiheit und der Freiheit der anderen, von Freiheit und Gemeinschaft nicht beachtet wurde. Freiheit und Gemeinschaft, Freiheit und Verantwortung sind nicht voneinander zu trennen.

Um sich daran zu erinnern, kann es helfen, sich immer wieder ins Bewusstsein zu rufen, dass nach evangelischer Auffassung Freiheit nichts ist, das wir einfach so haben, das wir als unseren Besitz verstehen können. Christliche Freiheit ist immer geschenkte Freiheit. Und Freiheit als geschenkte Freiheit zu verstehen bedeutet, dass wir uns selbst nicht bloß als Einzelne oder als Individualisten wahrnehmen, sondern wissen, dass wir als Kinder der Freiheit mit anderen verbunden sind. Seine Freiheit zu gebrauchen ist daher immer verbunden mit der Erinnerung daran, dass es jemanden gibt, dem wir diese Freiheit verdanken. Und so wie wir die Freiheit als Geschenk bekommen haben, so sollen wir uns auch darum bemühen, sie anderen zu schenken. Dies allein schützt davor, sich einfach in den Mittelpunkt zu rücken und die Mitmenschen um uns herum zu vergessen.

Freiheit kann aber auch bedrückend sein. Wer frei ist, muss entscheiden, muss Verantwortung übernehmen. Wie süß klingen da doch immer wieder die Schalmeientöne, man müsse sich doch nur der Lehre, der Partei, der Gruppe anvertrauen und ihre Weisungen befolgen, dann könne man alle Unsicherheit über den eigenen Kurs vergessen. Freiheit, das spüren wir selbst und nehmen es uns in der Welt um uns herum auch immer stärker wahr, kann auch verunsichern, kann überfordern. Die Sehnsucht nach Gewissheit und nach Orientierung, die Sehnsucht aber auch nach Entlastung, dass ich nicht selbst alles entscheiden muss, ist daher oft der größte Feind der Freiheit. Darum gehören in meinen Augen zwei Dinge immer zusammen: Der Zuspruch der Freiheit und die Gewissheit, dass es etwas gibt, dass uns an der Verantwortung, die die Freiheit mit sich bringt, nicht zerbrechen lässt. Genau das war es, was die Reformatoren mit der Rechtfertigung allein aus Glauben zum Ausdruck bringen wollten. Genau das ist es aber auch, was Paulus meint, wenn er im 2. Korintherbrief schreibt: Der Herr ist der Geist; wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit.

Amen.

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Prof. Dr. Reiner Anselm
Lehrstuhl für Ethik – Theologische Fakultät
Georg-August-Universität Göttingen
Platz der Göttinger Sieben 2
D- 37073 Göttingen
Tel. +49 551 39 4968
mobil +49 179 5320 599
www.ethik.uni-goettingen.de

Vor einem Jahr:
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Scientology – die Glaubensfreiheit hat nun Grenzen

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Vor 6 Jahren erschienen:
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© libref – Zusammenstellung und Foto: Stephan MartiFinanzblog

Hauptversammlung und Preisverleihung


Am Bettag – Sonntag 18. September 2011 – findet die Hauptversammlung und die Verleihung des prix libref. auf Schloss Reichenau statt.

Reservieren sie sich den Termin. Das Programm ist so angesetzt, dass auch unsere Genfer Mitglieder am gleichen Tag an- und zurückreisen können. Oder sie verlängern den Ausflug ins Bündnerland. Weitere Informationen folgen.

Vor einem Jahr:
Ethik ist wie Regenwetter – unangenehm aber bitter nötig

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Antwort auf Sakrileg – The Da Vinci Code

© libref – Text und Foto: Stephan MartiFinanzblog

prix libref 2011

Kann das Recht Religion vor liberalem Horizont beschränken?

Die Ausschreibung wendet sich an Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler an Schweizer Universitäten (Studierende und Doktorierende). Eingereicht werden können noch nicht veröff entlichte Manuskripte im Umfang von bis zu 30 Seiten. Arbeiten sind bis spätestens zum 1. Mai 2011 einzureichen.

prix libref

Antworten aus der Sicht der Theologie, der Sozialwissenschaften oder der Jurisprudenz.

libref. so der Kürzel im digitalen Zeitalter für den Schweizerischen Verein für freies Christentum der evangelisch-reformierten Landeskirchen CH ist der liberale Flügel im schweizerischen Protestantismus. Gegründet wurde er 1871 mit dem Ziel, in die Bundesverfassung die Glaubens- und Gewissensfreiheit aufzunehmen – damals, mitten im sogenannten Kulturkampf ein brisantes Postulat.

Die religiöse Landschaft ist unübersehbar plural geworden. Mit dem Nebeneinander verschiedener Religionen stellt sich nun die Frage, ob und wieweit das Recht die Religionen beschränken kann oder darf. Wie kann hier eine liberale Position aussehen, die an der Glaubens- und Gewissensfreiheit festhält, aber gleichzeitig daran orientiert ist, dass das Recht das Zusammenleben aller in einer Gesellschaft zu garantieren hat. Müssen daher religiöse Praktiken wie das Schächten oder das Tragen von religiöser Tracht in der Öff entlichkeit unterbunden werden? Welche Loyalität gegenüber dem Rechtsstaat kann von den Religionsgemeinschaften gefordert werden?

Um solche Fragen im Geist des Liberalismus zu beantworten, schreibt der Verein der Schweizer Protestanten den prix libref. 2011 erstmalig aus. Die Preisverleihung durch eine interdisziplinäre Jury erfolgt im Herbst 2011 im Rahmen der Mitgliederversammlung von libref.

Die Ausschreibung wendet sich an Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler an Schweizer Universitäten (Studierende und Doktorierende). Eingereicht werden können noch nicht veröffentlichte Manuskripte im Umfang von bis zu 30 Seiten. Zusätzlich zur gedruckten Fassung wird eine elektronische Version als PDF-Datei erbeten.

Rückfragen zur Ausschreibung beantwortet Prof. Dr. Reiner Anselm: RAnselm@uni-goettingen.de

Arbeiten sind bis spätestens zum 1. Mai 2011 einzureichen bei:

libref. Schweizerischer Verein für freies Christentum
der evangelisch-reformierten Landeskirchen CH
c/o Jean-Claude Cantieni, Präsident
Loëstrasse 145, 7000 Chur
jccantieni@bluewin.ch

prix libref baobab

Vor einem Jahr:
„Woher kommt der Hass auf den Westen? – Gret Haller und Jean Ziegler im Gespräch mit Norbert Bischofberger“

Vor 2 Jahren erschienen:
Laudatio anlässlich Verleihung des prix libref. an Gret Haller

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Anti-WEF Demo und Ferienstimmung

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Informationen über die Sikhs

Vor 5 erschienen:
Marti an Marti – ein Dankeschön

© libref – Zusammenstellung: Stephan Marti, Schmiedrued (SMS)Finanzblog

Liberale Theologie heute


Der „Prix libref“ nähert sich einem zweiten Meilenstein – die Ausschreibung für eine theologische Arbeit nähert sich mit Riesenschritten. Weitere Informationen folgen im Blog bei libref. oder bei theologischen Fakultäten der Schweiz. Prof. Dr. Reiner Anselm befasst sich mit dem Gedankengut.

Liberale Theologie heute

Gibt es ein Bündnis des Christentums mit der modernen Welt, oder bedeutet der Auf-bruch aus der selbst verschuldeten Unmündigkeit unweigerlich auch das Ende der christ-lichen Religion? Diese Frage steht am Anfang der liberalen Theologie und auch des libe-ralen Protestantismus, und die Vordenker des theologischen Liberalismus zögerten nicht, entschieden nicht nur die Vereinbarkeit, sondern auch das Bündnis von protestantischem (reformiertem*) Christentum und Moderne zu betonen: Beide nämlich rückten, so die Überzeugung, den einzelnen Menschen, das Individuum in den Mittelpunkt. Der beson-dere Respekt vor dem Einzelnen, seiner Freiheit und seinen unveräußerlichen Rechten und seiner Fähigkeit führte die liberalen Theologen dazu, sich aller Bevormundung und Unterdrückung des Einzelnen, sei es durch Staat oder Kirche, entgegenzustellen. Indem sie jeden Einzelnen als gleichberechtigtes Geschöpf Gottes ansahen, distanzierten sie sich zugleich von Vorstellungen, die vorrangig auf die Durchsetzung der eigenen Interes-sen setzten.

Die Vordenker des liberalen Protestantismus waren dabei aber durchaus Realisten. Sie waren davon überzeugt, dass es sich bei den Ideen von Freiheit, Gleichheit und Solidari-tät keineswegs um Selbstverständlichkeiten handelt, die sich dem Verständigen schon von selbst darstellen. Sondern sie legten das Augenmerk darauf, dass es einer bestimm-ten Wirklichkeitssicht bedürfe, um diese Gedanken gegenüber allen Bestreitungen von konservativer, aber auch gegenüber allen Perversionen, wie sie sich in der französischen Revolution so grauenhaft Bahn gebrochen hatten, in der rechten Balance zu halten. Die-se Wirklichkeitssicht fanden sie begründet in der reformatorischen Lehre von der bedin-gungslosen Annahme des Einzelnen durch Gott.

Damit diese Wesensverwandtschaft zwischen Protestantismus und Moderne weiter be-stehen könne, aber auch damit die Moderne nicht einer wichtigen Antriebs- und vor al-lem ihrer Regulierungskraft verlustig geht, setzten die Vertreter der Liberalen Theologie darauf, die traditionellen Lehrgehalte des Christentums so auszulegen und zu transfor-mieren, dass die geschilderte, für unabdingbar erachtete Bedeutung der protestantischen (reformierten*) Religion auch in der Neuzeit verständlich bleiben und die ihr zugeschrie-bene Funktion erfüllen könne. Zugleich suchte der theologische Liberalismus das Bünd-nis mit allen Strömungen und Teilbereichen der Gesellschaft, die sich einer Weiterent-wicklung der Kultur, hin zu einer humanitären Gesellschaft verpflichtet wussten. Gerade auch die Rechts- und Verfassungsordnung stellte einen wichtigen Bereich für das Enga-gement liberaler Protestanten dar, auch hier ging es vorrangig darum, überbordende Au-toritätsansprüche zurückzuweisen.

Der liberale Protestantismus hatte einen durchaus bedeutsamen Anteil an der Formung von Grundsätzen, die für moderne Gesellschaften heute selbstverständlich sind, wie etwa der Gedanke der Grund- und Menschenrechte oder auch des Frauenstimmrechts. Da seine Grundsätze aber mittlerweile längst zum Gemeingut moderner Gesellschaften ge-worden sind, schwindet selbst bei seinen eigenen Anhängern das Bewusstsein für die Notwendigkeit dieser Form des Christentums. Die jüngsten Erfahrungen mit dem Wie-dererstarken der Religion, die Erfahrungen auch, dass Religionen, wo sie nicht durch die Vernunft und auch durch das Recht kultiviert und in Schranken gewiesen werden, prob-lematische Züge annehmen können, machen deutlich, dass die Grundimpulse des libera-len Protestantismus und auch der liberalen Theologie nach wie vor ihre Berechtigung haben, wenn nicht sogar einer Renaissance bedürfen.

Reiner Anselm

* Der Prix libref. richtet sich an Fachpersonen, angehende Fachpersonen und wir Laien wären diesem Nachwuchs dankbar, wenn in Zukunft Begriffe so definiert werden, dass alle das Gleiche darunter verstehen oder im entsprechenden Fall die richtigen Wörter anwenden. Das wäre doch ein Thema: „Klare Definitionen von reformiert, protestantisch und evangelisch“.

Rainer ist protestantisch evangelisch und ich reformiert evangelisch, wobei ich bei der Schweizer Armee als Protestant bezeichnet wurde. Letzteres ist meiner Meinung nach in der Schweiz heute nicht korrekt, es sei denn der „Grabstein„-Erfinder wäre nur der französischen Sprache mächtig gewesen. Nur eines ist ganz klar, evangelikal sind weder Reiner noch ich – wir sind eben liberal. „Und fürchtet euch nicht, denn diese paar Zeilen werden Diskussionen geben.“ SMS 1

Huehnerich
Haehnin

Der Hahn – das Symbol der Reformierten. Bei dieser Spezies müsste man sich überlegen, ob nicht Hühnerich oder Hähnin die richtige Bezeichnung wäre. Oder hat sich da eine Fischflosse eingeschliechen? Möglich, denn die drei liegen Faul en See umgeben von Gnohmen und Elfen.

Vor einem Jahr:
Sendepause

Vor zwei Jahren erschienen:
SEK – Dank für Gedankenaustausch

Vor drei Jahren erschienen:
Merci an Pfarrer Wipf vom SEK für die tolle Reaktion

Vor vier Jahren erschienen:
Sikhs-Tempel von innen

Vor fünfJahren erschienen:
Frère Roger Schutz in Taizé getötet

© libref – Text und Foto: Stephan MartiFinanzblog

Laudatio anlässlich Verleihung des prix libref. an Gret Haller


Laudatio für Gret Haller anlässlich der Verleihung des prix libref. gehalten von Prof. Dr. Reiner Anselm, geschäftsführender Direktor des ZRWP das Zentrum für Religion, Wirtschaft und Politik (ZRWP) der Universitäten Basel, Lausanne, Luzern und Zürich sowie des Collegium Helveticum.

„Soll denn der Knoten der Geschichte so auseinandergehen: das Christentum mit der Barbarei, die Wissenschaft mit dem Unglauben?“ In dieser Frage, die der Berliner Theologe Friedrich Schleiermacher in einem Brief an seinen Freund Friedrich Lücke formulierte, bündelt sich knapp und präzise das Programm liberaler Theologie – zumindest dann, wenn man diese Frage als eine rhetorische Frage begreift. Natürlich möchte Schleiermacher einen Weg finden, der das Zusammenbestehen von (moderner) Wissenschaft und (überliefertem) Christentum möglich macht. Dazu gilt es, so seine Überzeugung, zuvörderst in Kirche und Theologie der gewachsenen Sensibilität für die Autonomie des Einzelnen Rechnung zu tragen. Nur wenn auch die Praxis der christlichen Kirchen der Forderung Kants, derzufolge das „Ich denke“, alle meine Vorstellungen begleiten können müsse, Rechnung trage, nur dann sei ein solches Zusammenbestehen denkbar.

Das bedeutet zunächst, den Einzelnen und seinen Glauben, seine persönliche Beziehung zu Gott, in den Mittelpunkt des theologischen Denkens zu rücken. Diese Umstellung, die später von Karl Barth zu Unrecht als der titanenhafte Versuch des Menschen, sich über Gott zu erheben, gedeutet wird, ist die zeit- und sachgemäße Interpretation der reformatorischen Lehre von der Rechtfertigung des Sünders allein aus Glauben. Keine andere Instanz, auch keine Institution und erst recht kein Handeln kann zwischen Gott und Mensch treten. Allein der höchstpersönliche Glaube kann das Verhältnis zu Gott begründen – besser noch: Im individuellen Glauben bildet sich die Beziehung des Einzelnen zu Gott ab. Dies ist keinem anderen zugänglich, niemand kann darüber wachen oder urteilen. Wie ursprünglich bei den Reformatoren festgehalten, kommen Kirche und dem Predigtamt nur eine unterstützende, anbahnende Funktion für den persönlichen Glauben zu. Dass und wie sich die Gottesbeziehung aber gestaltet, ist allein dem persönlichen Verhältnis zwischen Gott und einem Einzelnen vorbehalten.

Vor diesem Hintergrund erscheint es aus heutiger Sicht nur konsequent, dass sich um die Mitte des 19. Jahrhunderts Vereinigungen bildeten, die die liberale Überzeugung auch in den Staatsverfassungen vertreten sehen wollten. Selbstverständlich aber war es nicht, da parallel zu der Entstehung des modernen Europa und der Etablierung liberale Gedankenmuster in der Wissenschaft und der Gesellschaft sich auch ausgesprochen restaurative Züge in den Kirchen Europas zu regen begannen. Hier sah man in dem Aufstieg des Individuums, das auch die großen ökonomischen Veränderungen und Fortschritte, aber auch die sozialen Notlagen der ersten industriellen Revolution hervorbrachte, eine Gefahr für das Gemeinwesen. Darum waren diese Kräfte darum bemüht, die neu gewonnenen Freiheiten des Einzelnen wieder rückgängig zu machen.

Es gehört zu den besonderen Verdiensten der schweizerischen Vereinigung für das freie Christentum, dass es ihr gelang, bei der Neugestaltung der Bundesverfassung von 1874 einen Artikel über die Religionsfreiheit einzuschreiben. Damit wurde ein wichtiger Grundstein für die Etablierung des Menschenrechtsgedankens in der modernen Schweiz gelegt, auch wenn man aus heutiger Sicht sagen muss, dass die Akzeptanz dieses Artikels wohl eher aus dem Wunsch, die Macht der katholischen Kirche zu begrenzen denn aus einer modernen

Für die Vordenker des liberalen Christentums stand dabei außer Zweifel, dass dieses Recht auf Religionsfreiheit nicht den Rückzug in eine individualistische Auffassung des Christentums sein könnte. Vielmehr war man davon überzeugt, dass gerade ein selbst und frei gewähltes, eben nicht durch die kirchlichen Autoritäten aufgenötigtes Christentum eine besonders tragfähige Grundlage für einen aus christlicher Motivation begründeten Dienst am Nächsten darstellt. Freies Christentum, liberale Gesinnung und Hinwendung zum Nächsten schließen sich also nicht aus, sondern bedingen einander. Dementsprechend ist Freiheit in der liberalen Theologie und im freiheitlichen Protestantismus auch nie nur als eine Freiheit von, sondern immer auch als eine Freiheit zu verstanden worden. Hier nimmt die liberale Tradition die Grundfigur Immanuel Kants auf, dessen Ethik der Autonomie eben die Verbindung von individueller Freiheit und Überzeugung und Orientierung am Nächsten, am Gemeinwohl vor Augen hatte. In keiner Figur wird diese Verbindung deutlicher als bei Albert Schweitzer, dem großen liberalen Universalgelehrten und Vorbild für sozial-caritatives Handeln. Seine Leitformel, ich bin Leben, das leben will inmitten von Leben, das leben will, bringt den Zusammenhang von individueller Freiheit und Orientierung am Nächsten deutlich zum Ausdruck, wobei Schweitzer den Nächsten auch in der nicht-menschlichen Natur sehen wollte. Dem Bemühen, beides, eigene Freiheit und Dienstbarkeit am Nächsten zusammenzubringen, galt Schweitzers ganzes Engagement.

Die Verbindung von individueller Freiheit und Orientierung am Nächsten, am Gemeinwohl, das auch und gerade das Recht der Schwächeren mit einbezieht, ist nach den grausamen Erfahrungen des 2. Weltkriegs zum Inbegriff der Menschenrechtstradition geworden. Die Eckdaten der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, der Proklamierung unverbrüchlicher Rechte des Einzelnen, die auch den Schutz der Glaubens- und Gewissensfreiheit einschließen, ist längst Allgemeingut geworden. Aber die Frage, wie die Balance zwischen Freiheitsrechten des Einzelnen und der Orientierung am Nächsten und am Gemeinwohl gehalten werden kann, bleibt nach wie vor eine große Aufgabe. Sie ist eng verbunden mit der Frage, ob eigentlich das Konzept der modernen Menschenrechte denkbar ist ohne das Verbindende Band einer gemeinsamen Religion bzw. einer Weltanschauung. Denn gerade der Toleranzartikel der Bundesverfassung von 1874 hat natürlich keineswegs eine mulitreligiöse Gesellschaft vor Augen sondern denkt und argumentiert von einer gemeinsamen Religion her, dem Christentum nämlich.

In der jüngeren Vergangenheit nun mehren sich die Stimmen puttygen download windows , die die auf die besondere Bedeutung der Religion für die Vermittlung von gesellschaftlichen Normen und Werten hinweisen. Nur die Religion, so heißt es nun, könne diejenigen Wertvorstellungen vermitteln, auf die auch ein moderner Staat angewiesen sei, wollte er nicht einem schrankenlosen Individualismus verfallen. Häufig wird dabei auf das berühmte Zitat von Ernst-Wolfgang Böckenförde verwiesen, demzufolge der moderne, freiheitliche Staat von Voraussetzungen lebt, die er selbst nicht garantieren kann. Diese Einschätzung ist aber nur zum Teil korrekt. Denn dies gilt nur für Religionen, die sich selbst dem Prozess vernünftiger Reflexion unterziehen. Jürgen Habermas hat in seiner berühmten Rede anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels 2001 auf diesen Sacherverhalt hingewiesen.

Der Kampf um die Etablierung der Glaubens- und Gewissensfreiheit mag Geschichte sein. Das im Hintergrund stehende Bestreben, die Kompatibilität von Glauben und Vernunft zu erreichen und das Christentum nicht auf Autorität, sondern auf einer der Vernunft des einsichtig zu machenden Lehre zu begründen, ist aber bleibend aktuell. Dementsprechend stellt sich die Frage nach der Thematisierung der Religion im modernen Verfassungsstaat heute nachdrücklich anders als vor gut 130 Jahren. Die Freiheit für ein selbstbestimmtes, vernünftig reflektiertes Christentum muss nicht mehr vom Staat erkämpft werden, vielmehr ist der Staat darauf hinzuweisen, dass er allen Religionen, die er dulden kann und möchte, im Interesse des gemeinsamen, konstruktiven Zusammenlebens eine vernünftige Selbstreflexion aufdrängt. Im Blick auf das Verständnis der Menschenrechte bedeutet dies, dass das Recht auf Religionsfreiheit nicht gegen den Staat verstanden werden kann, als vorstaatliches Recht, so wie es in der US-amerikanischen Tradition der Fall ist. Vielmehr gilt es, die Religionsfreiheit als ein vom Staat verliehenes und im Gegenüber zum Staat ausgebildetes Recht zu verstehen, bei der der Staat sich aus der kontroversen Frage nach der Wahrheit zurückzieht, dafür aber den Religionen eben die geschilderte Selbstreflexion aufnötigt. Um als Religion anerkannt zu werden, müssen gewisse Voraussetzungen erfüllt sein. Eben dies ist die europäische Linie der Religionspolitik, und eben hier hat Gret Haller, die erste Preisträgerin des prix libref. Wichtige Vorarbeiten geleitet, und zwar sowohl in ihrem Buch „Politik der Götter“ von 2005, aber auch in der Studie „The limits of atlanticism“ . Vor allem aber hat sie mit ihrem Referat und ihrer kritisch-konstruktiven Präsenz bei der Synode in Bivio 2007 dem Schweizerischen Verein für freies Christentum libref. Die entscheidenden Anstöße und Impulse gegeben, um seine Arbeit in dem genannten Sinne, im Blick auf eine Ergänzung der geltenden Bundesverfassung um einen Religionsartikel, der die Religionsfreiheit anerkennt und gleichzeitig aber den Religionen Angebote und Auflagen macht für die Durchführung und Wahrnehmung einer „vernünftigen Selbstreflexion“. Darum wird sie mit dem ersten prix libref. ausgezeichnet.“

Reiner Anselm

Reiner Anselm

Prof. Dr. Reiner Anselm …

Reiner Anselm und Gret Haller

… die Preisträgerin Dr. Dr. h.c. Gret Haller

Susanne Leuzinger-Naef

… Dr. Susanne Leuzinger-Naef (Vizepräsidentin des Bundesgerichts) hielt die Würdigung von Gret Haller …

Stephan Marti und Gret Haller

… Bahn frei zum Rednerpult, denn der administrative oder finanzielle Akt gingen eben über die Bühne …

Vor einem Jahr erschienen:
Bruno’s letzte Reise – Glaube, Hoffnung, Liebe

Vor zwei Jahren erschienen:
Höchstgeschwindigkeit

Vor drei Jahren erschienen:
Bravo, WEF – die gleichen Gäste

Zusammenstellung und Fotos (bis auf die letzte, die stammt von Jean-Claude Cantieni): Stephan MartiFinanzblog

Pressemitteilung: prix libref. und Weiterbestand von libref.

 

Gret Haller mit prix libref. geehrt

Die ehemalige Präsidentin des Schweizer Parlamentes (Nationalrat) und frühere Stadträtin der Stadt Bern, Frau Dr.iur., Dr.h.c.rer.publ. Gret Haller und heutige Lehrbeauftragte an der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt am Main (Deutschland) erhält den ersten Sonderpreis „prix libref.“ für ihre Arbeit und Veröffentlichungen im Zusammenhang mit Menschenrechten. Die Preisträgerin wirkte als Ombudsfrau für Menschenrechte in Bosnien und Herzegovina gemäss Annex 6 des Friedensabkommens von Dayton / Paris (gewählt durch die OSZE) und ist seit 2007 Mitglied der Europäischen Kommission für Demokratie durch Recht des Europarates („Venedig-Kommission„).

Der landeskirchliche Schweizerische Verein für freies Christentum – liberal, reformiert – kurz libref. hat im 138igsten Jahr seines Bestehens die Weiterführung ihres Gedankengutes mit einer für die heutige Zeit entsprechende Neuausrichtung beschlossen. In Zeiten des Umbruchs der Kirchen und Religionen wird in Zukunft ein erweiterter „prix libref.“ für liberale Arbeiten von Theologie-Studenten in der Schweiz vergeben.

Weitere Informationen finden Sie unter libref. Wir werden
versuchen, die verschiedenen Referate und zusätzliche Bilder in den
nächsten Tagen im Advetnskalender zu veröffentlichen.

Reiner Anselm und Gret Haller

… Prof. Dr. Reiner Anselm überreicht die Urkunde an Frau Dr. Dr.h.c. Gret Haller …

Gret Haller

… Gret Haller:“Als Politikerin weiss ich, dass dieses Bild nicht veröffentlich werden sollte …“. Aber irgendwie passt es so schön zu unserer Thematik …

Gret Haller 2

… Gret Haller könnte fman stundenlang zuhören … ganz besonders, wenn sie aus dem „Stegreif“ erzählt …

Gret Haller 3

… Vortragstechnik vom Feinsten …

Dr. Jürg Stüssi-Lauterburg

… und in Sachen Gestik ist Dr. Jürg Stüssi-Lauterburg in Nichts nachstehend. Er beschränkt seinen Vortrag über das Bourbaki-Panorama, wo die Preisverleihung stattfand, „leider“ auf genau eine Stunde … vorgekommen ist es uns wie eine Viertelstunde …

Weiter zum Adventskalender.

Liebe Leser, wenn sie etwas zu sagen helfen, so können sie ihren eigenen Blogbeitrag im Adventskalender gleichzeitig auf mehreren Blogs erscheinen lassen. Zur aktuellen Liste und bisher erschienene Beiträge.

Zusammenstellung, Fotos und Koordination: Stephan MartiFinanzblog

Preisübergabe an Dr. Gret Haller


Die diesjährige Hauptversammlung wird eine der wichtigsten …

… bei Traktandum 7 „Satzungsänderung“ geht es darum, ob unser Verein nach 137 Jahren aufgelöst wird oder ob es weitergeht. In diesem Fall wäre mit grösster Sicherheit die Verleihung des „prix libref“ wiederkehrend.

Erste Preisträgerin ist Frau Dr. Dr. h.c. Gret Haller.

Einladung und Traktandenliste (pdf – gleichesFenster)

Vor einem Jahr erschienen: «Pop-Musik in Kirchen erwünscht»

Vor zwei Jahren erschienen: Saint Ambroix – Departement Gard – mehr über den Tempel

Vor drei Jahren erschienen: Spiritus contra Benzin

ext und Foto: Stephan MartiFinanzblog