Für Werbung kommt unser Comander zu spät …


… das Mail ist drei Tage alt, die Vorführung war vorgestern, zum Schreiben bin ich erst gestern gekommen und das Leben von Johann Comander begann vor weit über 500 Jahren. Wir sind also immer noch schneller, als die meisten andern. Aber lernen sie ihn kennen …

… Johannes Dorfmann, getauft auf Hans Dorfmann in Maienfeld, dann gräzisiert zu Comander, Komé Dorf, anér Mann, war 1523 vor Ostern durch den Stadtrat zum Prediger in St. Martin berufen worden. Das Land war weithin nicht mehr katholisch, doch auch noch nicht reformiert. Chur wusste um die Empathie Comanders für die Lehren Luthers, doch der Durchbruch zur Reformation geschah mählich. Während Zwingli in Zürich erstmals um 1525 das Abendmahl im zürcher Grossmünster zum Zeichen der Reformation austeilte, geschah das in St. Martin in Chur mutmasslich 1527. – Comander traf schwierigste Verhältnisse an, Einerseits setzter er einen Toleranzartikel durch, welcher das Land ermächtigte, die Pfarrer frei zwischen den Konfessionen zu wählen, was europaweit damals ein Unikum war, indem der Landsherr über die Religion der Untertanen sonstwo diktierte, anderseits grassierte wiederholt die Pest in Chur, welche die Stadtbevölkerung um die Hälfte reduzierte. Auch Comander verlor seine erste Familie.

Aus den erhaltenen Briefen Comanders an den St. Galler Reformator Vadian und Comanders im Staatsarchiv weithin erhaltenen Predigten (in gestochen klarer Handschrift) folgt, dass ein soziales Gewissen als ein Stück Stadtkultur mit ihm erwachte. Der erste erhaltene Brief an den Churer Stadtrat direkt nach seiner Wahl empfiehlt die Aufnahme eines Aussätzigen vom Lande im städtischen Krankenhause. In Predigten ringt er mit Gott darum, er möge der Pest endlich ein Ziel setzen oder doch wenigstens sich für solches Heimsuchen erklären, nachdem die Stadt im vorangegangen Jahrhundert durch einen noch kaum vernarbten Stadtbrand gelitten hatte. Wo er keine Antwort erhielt, ging er zu den Kranken, tröstete – und begleitete auf den Gottesacker ‚Scaletta’, wo auch er beerdigt wurde, doch starb er in hohem Al ter und nicht an der Seuche an seelischer & körperlicher Erschöpfung. Eine Comander-Kirche in der Churer Neustadt erinnert an den Reformator heute, und eine Glasmalerei zeigt ihn im Ratshause. Am ‚Reformatorentore’ des Grossmünsters in Zürich steht er zwischen den schweizerischen Reformatoren.

Das Spiel mit Laien aus der theologisch –liberalen Gruppe der Landeskirche zu Comanders 450. Todestag hat Pfarrer Fritz Peer, Pfarrer bis 2006 in Chur, Mitglied der veranstaltenden Gruppe und der Arbeitsgemeinschaft für freie Theologie (AFT) verfasst. Es endet mit Martin Luthers Liede: ‚Hilf Herr Gott, hilf aus dieser Not’ mit dem Tode Comanders. Durch Schattenspiel, Musik, Text und Projektionen von Stadtbrand, entfernteren Schauplätzen werden verschiedene Ebenen, zeitlich, diesseits und jenseits, künstlerisch gestaltet.

von Jean-Claude Cantieni, Chur …

… der den Stadtrat spielte, welcher den Comander berufen hat. Das Comander-Festspiel fand in der Sankt Martins Kirche in Church statt, aber aus gut unterrichteter Quelle weiss ich, dass diese Kirche nicht wegen ihres Verwalters Martin so heisst. Mal schauen, ob der gar Leute aus Bethlehem kennt … und zum Schluss mache ich noch Werbung. Sind sie schon Mitglied bei der Vereinigung Freier Protestanten Chur – einer Sektion von libref.? E-Mail jccantieni at bluewin dot ch wird weiter geleitet (oder an mich)

Zusammenstellung: Stephan Marti-LandoltFinanzblog

Ein Gedanke zu „Für Werbung kommt unser Comander zu spät …“

  1. Mail von jcc, Chur:

    Unser Comander-Spiel war ein inspirierender Erfolg. Prall gefüllte Martins-Kirche, Lob über sämtliche Medien wie Telphon, SMS, etc. (Ein anonymer Spender bietet an, die Kosten für eine weitere Aufführung zu
    bezahlen.)

    Wenn ihr etwas früher Werbung macht, versuche ich auch zu kommen.

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