Sehr geschätzter Herr Pfarrer Lutz,
haben Sie freundlichen Dank für Ihr Gespräch, das Sie heute in der Sternstunde des Fernsehens führten. Ihre präzisen Gedanken zum reformierten Inhalt von Glaubensfreiheit, bzw. wie sie sich von verweltlichtem, gleichsam beliebigen Gewohnheits-Glauben abhebt, gingen zu Herzen. Sie kamen ja spürbar von Herzen.
Unsern Blog-Redaktor Stephan Marti in Langenthal habe ich gerne gebeten, das Gespräch für das Blog, auf dem wir kommunizieren, indem das Schweizerische reformierte Volksblatt seinen Dienst einstellte, zu eruieren und mir gestattet, es in ein paar Zeilen zusammenfassen, sollte er nicht fündig werden. Unsere darüber hinausführende Frage ist, inwieweit das Wahre zugleich das Rechte ist, ob eine Verwandtschaft, gar obligatorische Verwandtschaft besteht? Unser Vorstand von libref. in Partnerschaft mit den beiden Dozent/Innen Helen Keller, Völkerrechtlerin und Reiner Anselm, Theologe, je Uni Zürich, erörtern wir deshalb eine neue Aufgabe für den Dachverband mit dem Focus: Menschenrecht als kritische Instanz, Recht des Zweifels (und Chance des Verständigens (Jörg Paul Müller in Reformation Nr. 2/2007) & religiöser Friede.
Ad multos annos namens unsrer ganzen Fraktion von libref!
Chur, den 23. September 2007
Sternstunde – Link vermutlich nur eine Woche mit Hinweis auf Samuel Lutz – versuchen sie es später mit klack.de
Hier meine Zusammenfassung: Hörte heute das Gespräch mit Samuel Lutz in der Sternstunde am Fernsehn. Ob der Text für das Blog erhältlich ist? Lutz verdeuttlichte zu Beginn, dass die reformierte Konzentration auf das gepredigte Wort (der Bibel bzw. Gottes) in seiner Auslegung befreiend statt fixierend zu wirken hat, während die katholische Kirche auf Letzteres mit Dogmen drängt, um den Menschen Halt zu geben, an den sie sich klammern können, was viele anscheinend suchen, in dem wir in keiner zweifelsfreien Welt mehr wohnen. Die daraus entstehende Angst vor Orientierungslosigkeit führt Menschen in die Psychoanalyse. Ob dort nicht schon wieder Ideologie statt Wahrheitssuche getrieben wird? Lutz differenzierte sehr weise zwischen Wahrheiten, die Religion für sich reklamiert. Einerseits ist das Wahre die Wahrheit (nach einer Formel von Max Weber), dann ist sie anderseits eine Wahrheit zwischen Gott und jedem einzelnen Menschen durch die Epochen hindurch, und sie ist schliesslich auch eine zwischen Glauben und Wissen im befreienden Dialog. Lutz nannte schliesslich im Gespräche mit der Interviewerin Frau Stark zum Ziel von Oekumene in reformiert bzw. theologisch-liberaler Intention, welche er von dem der katholischen Kirche abgrenzte, dass Oekumene als Konzentrationsprozess unter Konfessionen und Religionen im sich einander Anverwandeln vervielfachend, statt vereinheitlichend zu wirken hat. ‚In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen’ (Johannes 14, 1-2). – Samuel Lutz sprach übers Fernsehn hinaus aus dem Herzen und uns zu Herzen. Beethoven wünschte sich das für seine Missa solemnis: ‚Von Herzen, möge sie zu Herzen gehen’, schrieb er darüber.
Jean Claude Cantieni, Chur