Bistum Chur ruft Vermittler aus dem Vatikan


Die Apostel und die andern Christen in Judäa hörten, dass auch die Nichtjuden die Botschaft Gottes angenommen hatten… (Apg. 11, 1 ff.)

Das Bistum Chur ruft gemäss der (schweizerischen) Presse nach einem Vermittler aus dem Vatikan, welcher Hierarchie und Volk wieder zusammenführen möge, die auseinanderdriften, indem der Kirchgemeinde ihre Rechtfertigung bestritten wird. Obzwar sie im bündnerischen Verfassungsrecht von 2000 nicht nur erwähnt, sondern als ‚kompetenzkompetent deklariert, d.h. mit Gesetzgebungskompetenz ausgestattet ist., d.h. auch kompetent dafür ist, einen rechtsfreien Raum zu schaffen, darin Kirchgenossen als Personen sich frei zu entfalten haben, ‚selbstverschuldete Vormundschaft abzustreifen’. Wir sind heute alle ‚multiple Identitäten, Mitglieder der Kirche (oder auch nicht) und zugleich Bürger eines Landes, Mitglied einer Partei… Ebenso ist die Religion ‚mulipel’, sie ist keine Privatsache. Die Wahrheit ist ihr ebenso wie im Zivilen das Wahre. (Max Weber). Der Staat begrenzt die Religion in den Glaubens- und Gewissensfreiheiten ‚positiv’, indem er verhindert, dass religiöse Bräuche, Kleidervorschriften… für übermässigen Stress sorgen. Die paulinischen Briefe begründen den Glauben aus Gnade, statt des Verdienstes durch höhere Weihen, setzen Neutralität ins Recht.

Der vormalige Bischof Amédée Grab hatte den Zusatz in der Kantonsverfassung, welcher die Gesetzgebungskompetenz delegiert, d.h. dazu ermächtigt, Freiräume zu behalten oder einzurichten, im Vernehmlassungsverfahren explizit befürwortet. Dieser Freiraum in einer offnen Gesellschaft, in den Werte wie Menschenrecht, Fairness, einzuströmen haben, droht wieder zu schwinden, wenn das Land, die Landeskirche, dem römischen Souverän und geopfert sein will. Der Vatikan hat die Menschenrechtscharta der UNO von 1948 als weltweite Ausnahme nicht unterzeichnet, obwohl er sich als Völkerrechtssubjekt deklariert, und wenn das Churer Bistum nun einen römischen Vermittler bestellt, wird das Neutralitäts- und Souveränitätsprinzip der Schweiz strapaziert. Souveränität ist föderativ aufs Land heruntergebrochen. Der Vatikan ist – anders – eine fremde durch eine Führerfigur geleitete Macht, die ins fragile und wechselnde und zugleich belebende Verhältnis zwischen Nation und Religion einzugreifen nicht autorisiert ist. Bsp. Der damalige Bundestag des Freistaates der Drei Bünde (heutiges Graubünden) hatte die Kapuziner, welche ihrem Orden mit Sitz in Mailand unterstanden, wiederholt des Landes verwiesen, wenn auch ohne die entsprechenden Beschlüsse durchzusetzen.

Der Dualis zwischen Kirche und Staat ist in der Schweiz ein Gewohnheitsrecht, welches selbst das katholische Kirchenrecht als solches anerkennt, und welcher in mehreren kantonalen Abstimmungen bestätigt worden ist.. Er ist zweifellos schweizerische innere Angelegenheit, welche durch die Neutralität zu schützen ist, welche für Kirche und Staat paritätisch gilt

Einmal mehr wird mit der Anfrage in Rom der Versuchung erlegen, das Christentum als eine Art elitäre Stammesreligion eines übermächtigen Stammesgottes durchzusetzen, während doch das (Ur-)Christentum humanitäre Ideen produzierte. Die Apostelgeschichte erinnert den Kampf zwischen nationaler (jüdischer) Tradition und der humanitären Weltoffenheit der Christen, die Barbaren, Heiden, Sklaven… miteinschlossen, während die nachmalige Kirchengeschichte mit Versuchen durchsetzt ist, einen Raum öffentlichen Denkens zu versiegeln. Nichtchristen wurden erstmals mit Kaiser Justinian, dem oströmischen Kaiser, ebenso wie Häretiker und Philosophen verfolgt. Totalitäres Gedankengut kulminierte dann in der Inquisition. Wenn auch die Religion ein Raum absoluter Freiheit ist, so doch der Freiheit in der dualen Relation zum Nächsten anstatt Willkür. Der Autoritätsglaube von heute gegenüber einer fremden zur Vermittlung aufgerufenen Macht erklärt sich schlicht dadurch, dass unsre Zivilisation unter Spannungen u.a. durch die Globalisation leidet oder schlichter damit, dass Menschen dazu neigen, Macht selbst noch in ihrer Ohnmacht, losgetretnen Streit selbst zu schlichten, anzubeten (frei nach Heinrich von Treitschke, Dietrich Bonhoeffer und Karl Popper).

Vorstand libref.

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Ein Gedanke zu „Bistum Chur ruft Vermittler aus dem Vatikan“

  1. Sehr geehrte Damen und Herren

    Die Art und Weise, wie sich Katholiken organisieren wollen, und ob sie „Rom“ auxiliär für eine Auseinandersetzung beiziehen wollen, ist ihre eigene Sache im Rahmen der Religionsfreiheit; dazu hat die ref. Kirche einfach gar nichts zu husten. Wenn Sie (ref. Landeskirche) sich wiedereinmal mit Charysmatikern innerhalb Ihren Reihen „balgen“, geht uns das auch „keinen feuchten“ an; capito?

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