Adieu Genève

Unsere Genfer Sektion hat die Auflösung beschlossen – ein Mail von Jean-Claude Cantieni.

„Liebe Freunde
Unser welsches Vorstandsmitglied André Arn benachrichtigt, dass seine Genfer Sektion, deren Präsident er ist,  an einer ausserordentlichen Generalkonferenz vom 23. August a.c. beschloss, sich aufzulösen. Fr. 25’000.—  seien aus dem Vermögen derUnion libéral pour le protestantisme libref.CH zugesprochen. Die ‚Kapitulation‘ bedrückt,  weil Rückschlüsse auf unser eignes Engagement  nächste sind,  und doch bleibt Bonhoeffers zu gedenken: Widerstand und Ergebung, eine protestantische Tugend.
Wir selber haben uns mutmasslich vorzuhalten, dass wir zu isoliert, um nicht zu sagen, elitär,  uns von den Menschen entfernt haben. Ein Artikel im aktuellen ‚Liberté et ‚Evangile‘  moniert, die Zeit sei vorbei, eine Elite zu dopen, wie das in restaurativen katholischen Kreisen exponentiell geschieht, und angesagt sei, die Menschen aufzuwühlen (secouer, durchschütteln, protestieren, kritisieren).  In unsrer Churer Sektion sprechen wir so davon, die Fünfhundertjahrfeier der Reformation ‚in Stein zu meisseln‘, indem wir Jung und Alt zusammenrufen, um eine daraus zufällige Gruppe mit Meisseln auszustatten, die einen Gedenkstein gestaltet, der ins Erdreich des Comanderkirchenareals einzufügen sein wird. Ein zweiter Zwingli, wie er sich auf sein Schwert vor der Wasserkirche in Zürich stützt, solls kaum werden. Gefragt ist nach dem ‚Imago‘ des Reformators, der als Comander auch comander in chief war. Die alten Griechen zeichneten ihre Verstorbnen als ‚Eidolon‘, daraus unser Wort Idee herrührt.
Das Wortspiel zwischen hunter französich und englisch (to) hunter, das sich verwandt ausspricht, mag für einmal dank der Wichtigkeit der Sache gestattet sein;  Die – negative – Klimax der protestantischen Kirche (nicht des Protestantismus), die sich in unserer Generation auf eine bald zu kleine Minderheit unter lauter Minderheiten als ehemalige Mehrheitskonfession zurückgeworfen sieht, und uns deshalb irritiert (frzs. hanter),  und englisch hunter (for) will dahin verstanden sein, dass ein laues ‚laisser faire‘  es zu meistern gilt (welsche Tageszeitung Le Temps, 23. Juni 2015, , http://letemps.ch/suisse/2015/06/19 inexorable-declin eglise-protestante). Wir Leute zählen, was der Déclin’ zu sagen hat, und was wir trachten, mit unserer Laien-Steinmetzarbeit zur Reformationsfeier in Chur hervorzuheben, so die Initiative durchschlägt, was, aufs Lokale herunter gebrochen, als Monieren, Protestieren der Leute verstanden sein will, indem Kirchenrat der Stadt und Kantonskirche sich hartnäckig destruktiv befehden;  Zusammenhören von hanter und hunter ist dekonstruktivistisch angesagt. W i r  sind die Schärfe des Salzes, das seine vorrangige Rolle unter den Menschen im Würzen des täglichen Mahls hat.  Unsere Gründerväter haben den Menschen das freie Bekenntnis delegiert, es vom Gedanken des Rechtfertigens in einem Reizklima des Rechthabenmüssens in der Kichenobrigkeit, des Legalisierens, der Norm befreit, welche der Kirche einst vorbehalten war.  Ob diese Freiheit bei uns im Zeitalter der political bzw. religious correctness  angekommen ist, mit welcher wir Eigenverantwortlichkeit weiteres  – bis auf die Geheimdienste – delegieren?
Die Kanzel, von welcher herab das Wort Gottes erklärt wird,  gehet aufs lateinische cancellare  zurück. Der Cancellarius ist der Türsteher, der sortiert, wer in die Räume hinter den Cancellae, Gittern  einzugehn hat. Ist nicht selbst die Kanzel, eine Art Muschel, die einem geschützten Schallraume gleicht,  eher eine Art (Geheim-) Loge denn ein speakerscorner? Quod licet Iovi, noch licet bovi, höre ich Terenz raunen;  Was sich für einen Gott Jupiter geziemt, gebührt sich noch nicht für einen Ochsen, und doch Ver-Stehn wir diejenigen, welche ein Kirchenamt anvertraut ist, und uns selber alle als auf einer Türschwelle vor einer als religiösen, absolut freien vertikalen und horizontalen Freiheit (schon auf Erden ein taugliches Werkzeug Gottes zu sein, wie ich aus einem letzten Weihnachtsbriefe eines einheimischen Ingenieurs, Richard La Nicca, welcher u.a. auch die erste Juragewässerkorrektion durchführte, zitiere).
Herzlich,
Jean-Claude“

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