Zur Geschichte der Kappeler Milchsuppe


Mit dem Beitrag von Dr. phil. Jürg Stüssi-Lauterburg über die Geschichte um die beiden Kappeler Kriege, eröffnen wir die Berichterstattung der zweiten Kappeler Milchsuppe.

Kappel, 22. Oktober 2005

Die Kappeler Milchsuppe in 20 Minuten.

Sehr verehrte Damen, meine Herren,

ich weiss nicht, ob sich die Kappeler Milchsuppe in 20 Minuten wirklich ausleuchten lässt. Die Sache ist nämlich alles andere als ein einfaches Einbrocken von Zürcher Brot in Innerschweizer Milch und danach herrschte Friede.

Wir sprechen von einer historischen Mahlzeit. Es tut deshalb vielleicht gut, sich zu Beginn an Heinrich Hoffmann von Fallerslebens Lied aus dem Jahr 1840 zu erinnern:

1. Die Weltgeschichte ist das Weltgericht,
Doch kein Gericht für jeden Magen,
Denn solche herbe Speise würde nicht
Ein jeder Herr und Knecht vertragen.

2. Drum hat man viele Männer angestellt,
Die müssen’s klopfen, kochen, braten,
Daß dies Gericht der ganzen Welt gefällt,
Zumal den hohen Potentaten.

3. Zu haben ist es dann an jedem Ort,
Für Geld bekommt es leicht ein jeder;
Mit einer Brühe gibt man’s gratis fort
Sogar auch wohl noch vom Katheder.

4. Es ist bereitet dann so exzellent,
Daß man die Finger danach lecket;
Gesättigt rufen wir: Potz Element!
Wie gut doch die Geschichte schmecket

Nun, was wissen wir denn eigentlich? Die Zürcher Reformation verlangte von den Innerschweizern etwas, was sie aus ökonomischen Gründen damals nicht leisten konnten, die Aufgabe der Fremden Dienste und ferner etwas, was sie aus religiösen und politischen Gründen nicht leisten wollten, die freie Predigt des Evangeliums. Die evangelische Lehre hatte mit Riesenschritten Fortschritte gemacht: 1528 und 1529 in rascher Folge Bern, St. Gallen, Konstanz, Basel und Schaffhausen. Die fünf Orte Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug fühlten sich bedroht. Sie setzten deshalb der ihren politischen Willen in Frage stellenden freien Predigt des Evangeliums am 29. Mai 1529 eine weithin leuchtende Grenze, als sie in Schwyz Jakob Kaiser verbrannten.

Folie 1 (die Folien sind nicht im Blog aufgeschaltet)

Das war eine Provokation, sie wussten es, es kam zum Krieg, zu einem Krieg, dessen bizarre zwei Stossrichtungen der Zürcher und erst noch ohne die Berner klar machen, dass es sich um einen eher ungewöhnlichen Waffengang handelte.

Folie 2

Kappel, 9. Juni 1529. Man steht sich Auge in Auge gegenüber, es geschieht aber nichts, weil eine Reihe von Schiedleuten auftauchen, welche zwischen Eidgenossen vermitteln wollen, der Glarner Landammann Hans Aebli beispielsweise. Die Zürcher hatten ausserdem nur eine begrenzte Unterstützung von Seite der Berner, mussten sich also zurückhalten. Die Innerschweizer waren nicht sicher, zu gewinnen. Es kam also zu einer Art von Waffenstillstand bei kampfbereiten Heeren. Da hinein gehört eine Episode, die Heinrich Bullinger Jahrzehnte später in seiner Reformationsgeschichte wie folgt schilderte:

„Uff ein Zyt namend vil dappfferer Xellen von den 5 Orten, ein grosse Müütten mitt Milch, und stalltens uff die March, in Mitten, schruwend den Zürychern zu, sy habind wol ein gute Milchprochen, aber nüt darin zu brochen. Da luffend redlich Gesellen der Zürychern hinzu, mit Brot, und brochetend yn, und lag yetweder Teyl uff sinem Erterich, und aassend die Milch mitt einanderen. Wenn denn einer über die halb Mutten uss greyff, und aas, schlug inn der ander Teyl (in Schimpff) uff die Händ, und sagt fryss uff dinem Erterych. Und deren Schimpffen giengend ettlich me für, dass do es dem Stattmeister von Strassburg, J. Jacoben Sturmen, der ouch under den Schidlüthen was, fürkamm, sagt er, Ir Eydgenossen sind wunderbar Leuth, wenn ir schon uneins sind, so sind ir eins, und vergässend der allten Fründschafft nitt.“

Bullinger selbst war ja hier in Kappel gewesen, als das Kloster 1526 zur Reformation übertrat, ja selbst bis ins Jahr 1529, wo er nach Bremgarten berufen wurde. Er hatte gewiss gerade für derart anekdotische Begebenheiten die besten möglichen Quellen und ausserdem überliefert er das Zeugnis eines Strassburger Vermittlers, das er ganz bestimmt nicht erfunden hat. Für mich besteht kein vernünftiger Zweifel, dass die Milchsuppe gegessen worden ist 1529. Eine ganz andere Frage aber ist, was diese Episode, mehr war es eindeutig nicht, denn niemand ausser Bullinger hat sie der Überlieferung wert erachtet, nachmals so bedeutend machte.

Nun, nach der Suppe der Krieg:

Zürich war nicht bereit, die Selbständigkeit der fünf Orte in Fragen der Religion und der Fremden Dienste zu tolerieren. Die fünf Orte sahen nicht vor, sich diktieren zu lassen. Zürich versuchte sich mit einer zu allen Zeiten sehr schwierigen Kampfform, einer, die kaum jemals Erfolg gehabt hat, mit einer so genannten Proviantsperre, also einem Lebensmittelboykott. Die Urschweiz hatte damals und hat heute ein Getreidedefizit, sie konnte also nur entweder sich den Zürcher Forderungen unterwerfen oder Krieg führen. Und zum Krieg kam es denn auch.

Hier die Ausgangslage 1531:

Folie 3

Der Zürcher Feldzug ist rasch erklärt,

Folie 4

Man zieht nach Kappel, lässt sich schlagen und zieht wieder nach Haus.

Lokal hat sich das etwa so abgespielt

Folie 5,

wobei die Vorhut der fünf Orte die Schlacht gegen Abend gegen die eigene Führung erzwang.

Wie sieht eine Schlacht damals aus:

Folie 6

Langspiesse, darin Halbarten, flankierend etwas Geschütz. Dem Gegner wird der Druck abgewonnen, viel ist Handarbeit, Schlachtenhandwerk.

Warum haben die Zürcher verloren?

1. Wie immer sind sie sehr selbstbewusst: Wir können es ohne die Berner! Wie sich gezeigt hat, eben nicht!
2. Die Elite, insbesondere die militärische Elite, ist innerlich nicht für die Sache der Reformation zu haben.
3. Die Kaderauswahl war von Zwingli all zu sehr auf die Gottesfurcht und all zu wenig auf das Kriegshandwerk gelenkt worden: „Und sehe man all weg me gotzvorcht, trüw und warheit an weder kriegens kunst.“
4. Die Urschweizer kämpften für ihre politische Existenz.

Nun Zwingli

Folie 7

bezahlte den Preis, sein Helm und sein Schwert waren

Folie 8

jahrhundertelang als Beutestücke in den fünf Orten, wenn auch das Hauptbanner

Folie 9

gerettet wurde. Der Verlust Zwinglis war ohne jeden Zweifel niederschmetternd

Folien 10 und 11.

Aber der Krieg ging weiter. Die Zürcher versuchten’s nun doch noch mit den Bernern

Folie 12

Aber mittlerweile war das militärische Prestige der Urschweizer erstarkt, sie setzten sich auch am Gubel durch

Folien 13 und 14 und erzwangen einen für die Reformierten höchst ungünstigen Frieden.

Resultat: Jahrhundertelange Frustrationen. Genau die Parteien von Kappel haben, mit verschiedenen Verbündeten, 1656 bei Villmergen und 1712 bei Villmergen und 1847 im Sonderbundskrieg wieder bekämpft, drei Jahrhunderte lang wurde dieses Feindschaft nicht überwunden.

Warum ist diese Eidgenossenschaft in diesen Jahrhunderten nicht zerfallen? Nun, die Erklärung prägen wir auf die Randschrift des Fünflibers: DOMINUS PROVIDEBIT.

Darunter aber gab es einen Geist der gebremsten Gewalt, weil selbst im Bürgerkrieg das eidgenössische Empfinden nie ganz erlosch, hier führt eine gerade Linie von der Kappeler Milchsuppe zu Dufours berühmtem Armeebefehl von 1847 und zur gemässigten Bundesverfassung von 1848, welche angesichts gewisser radikaler Tendenzen damals auch ganz anders hätte aussehen können.

Albert Anker war 16 Jahre alt, als der Sonderbundskrieg geschlagen wurde, ihm und seiner Generation, welche die Überwindung der alten Gegensätze im Zeichen der Modernität, der Eisenbahn, der Industrialisierung, vor allem aber des liberalen und demokratischen Rechtsstaates schaffte, dieser Generation bedeutet die Milchsuppe nun etwas ganz Grosses und Wichtiges.

Und so hat sie ihre moderne Ikonographie erhalten

Folie 15

Dass sie 1940 als nationales Symbol auftaucht, versteht sich

Folie 16

Es handelt sich dabei aber noch um mehr als das: Die Entschlossenheit der Eidgenossenschaft, sich gegen totalitäre Zumutungen zur Wehr zu setzen, führte nämlich dazu, dass auch die Zahnlosen Dienst zu leisten hatten. Zahnlosen- oder Edentaten-Kompanien wurden geführt.

Heute erinnert der Milchsuppenstein

Folie 17

an das Ereignis.

Wann und wo wissen wir nicht mehr, dass es die Kappeler Milchsuppe gegeben hat, steht für mich fest.

Was bleibt?

Es bleibt vielleicht die Möglichkeit, die kompromisslose Suche nach der Wahrheit mit jener Toleranz zu verbinden, die dem Gegenüber das Recht einräumt, anders, selbst ganz fundamental und radikal anders zu sein. Und ob wir Eidgenossen nun wunderbare oder, wie der Strassburger Bürgermeister Jakob Sturm wohl eher sagen wollte, wunderliche Leute seien oder nicht, so können wir doch gewiss nicht fehlen, wenn wir auch, wenn wir gerade heute den Versuch unternehmen, auch wenn wir und gerade wenn wir uneins sind, der alten Freundschaft nicht zu vergessen!

Stüssy

Fotos und Zusammenstellung: Stephan Marti-Landoltfinanzblog (hier lesen sie heute einen Beitrag über liberale Politik und eingeschränkte Pressefreiheit).

Für die Qualität meiner Blitzlicht-Aufnahmen und die grafische Aufbereitung möchte ich mich grundsätzlich entschuldigen. Wer Lust, Zeit und Begabung hat kann vermutlich noch viel aus meinen RAW/(Nef)-Dateien rausholen – nur sollte diese hilfreiche Person keine Kosten verursachen. Melden sie sich bitte bei marti at martischweiz.ch. Danke.

Religionslandschaft in der Schweiz


Heute findet die 2. Kappeler Milchsuppe statt!

Zweite Kappeler Milchsuppe

Statistik – Daten zu meinem Vortrag

Text: Stephan Marti-Landoltfinanzblog

PS: Herzlichen Dank an mein Ratsmitglied Christoph Obrist – ohne seine technische telefonische Unterstützung könnte man nur im Blog die Statistiken in Farbe betrachten – nun also auch heute life in Kappel am Albis – und natürlich dort auch in Farbe. Alles ganz einfach, man muss nur wissen, dass man den Laserdrucker auf «Folien» (und das im entsprechenden Papierfach) umzustellen hat! Es geht nichts, ohne Zusammenarbeit – und davon hören sie heute noch einiges. Wer nicht kommen kann, liest es demnächst in unserem Blog.

2 Absagebriefe – Kappel liegt richtig


Frau Bundesrätin Micheline Calmy-Ray und Thomas Wipf, Präsident des Rates des SEK wünschen ein gutes Gelingen der zweiten Kappeler Milchsuppe.

morgen Samstag findet die 2. Kappeler Milchsuppe statt

Es ist eigentlich erstaunlich, dass sogar Absagen für den Besuch der 2. Kappeler Milchsuppe aufstellen können. Beide, Frau Bündesrätin Micheline Calmy-Rey vom Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten und Pfarrer Thomas Wipf, Präsident des Rates des «Schweizerischer Evangelischer Kirchenbund» sind verhindert. Und beide wünschen uns gutes Gelingen und möchten «in Kontakt bleiben». Besten Dank, das machen wir gerne.

Was unsere Aussenministerin geschrieben hat, erfahren sie morgen direkt in Kappel am Albis (siehe untenstehenden Blogbeitrag). Aber das Telefonat zwischen Pfarrer Wipf und unserem Präsidenten Jean Claude Cantieni möchte ich nicht vorenthalten:

Sehr geschätztes Kollegium,

Herr Pfarrer Thomas Wick, der Präsident des Evangelischen Kirchenbundes, hat heute angerufen, um Erfolg für Kappel II zu wünschen, hinter dessen Intentionen er sich stelle. Auch er hält dafür, dass unser Weg, liberaltheologische Kreise zusammen zu führen, dazu dient, dass diese sich in diesem Kontext gestärkt fühlen, um Fundamentalisten in ihren eignen Reihen, welche den religiösen Frieden strapazieren, so energisch zu opponieren.

An der Teilnahme in Kappel sei er wegen einer Jubiläumsfeier ‚100 Jahre reformierte Vereinigung in Paris’, verhindert.

Er geht davon aus, dass der Rat der Religionen, wie er ihn anlässlich der Tagung mit Bundesrat Couchepin dieses Frühsommer vorstellte, noch dieses Jahr gegründet werde, und er beobachtet auch, dass sich zwischenreligiöse Kontakte, bspw. zwischen Juden und Muslimen, darob herauskristallisieren. Er wird uns zu den Vorarbeiten einer Expertengruppe zu einem Verfassungsartikel, welcher die religiöse Toleranz in den Verfassungsrang heben will, informieren. Wir verblieben so, dass unsere nachbarlichen Anstrengungen dem Religionsfrieden als Menschenrecht vorrangig gelten, doch offeriert der SEK einen Besuch an einer Vorstandssitzung, um die beidseitigen Initiativen einander anzuverwandeln.

Besten Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

Mit gutem Gruss,

Jean-Claude A. Cantieni

Text: Stephan Marti-Landoltfinanzblog

Kappel am Albis


Noch drei Tage und dann findet die zweite Kappeler Milchsuppe statt.

Die Geschichte der Kappeler Milchsuppe – der ersten – wollen wir nicht vorwegnehmen. Auch Nichtmitglieder sind am Samstag, den 22. Oktober um 10.30 herzlich willkommen, sich den Vortrag von Dr. phil. Jürg Stüssi-Lauterburg anzuhören. Und zumindest ich nehme es keinem Gast übel, wenn er anschliessend die traktandierten Geschäfte auslässt und sich das Haus der Stille und Besinnung, das Kloster Kappel und die Umgebung anschaut. Echt sehenswert.

Vielleicht möchten sie auch etwas mehr Zeit für das Mittagessen zur Verfügung haben. Da kann ich ihnen zwei sehr gute Adressen angeben. Das Kloster selbst verfügt über eine ausgewiesene Küche. Und wer sich lieber 200 Meter entfernen möchte, dem empfehle ich die Wirtschaft zur Post. Für Liebhaber von Cigarren und besten Weinbränden ein Muss. Lassen sie sich von Herrn Zürrer und seinem Team verwöhnen. Für Nichtmitglieder und Leute, die sich nicht angemeldet haben, ist an beiden Orten eine Reservation empfehlenswert. Die Milchsuppe gibt es aber später am Nachmittag.

Wer mit dem Auto kommt und wissen möchte, wie er Kappel findet, dem empfehle ich Yellowcities von «DiePost» – «Kappel am Albis» eingeben und sie finden das dasjenige Kappel in der Schweiz, wo die Veranstaltung stattfindet. Übrigens, die Karte ist «powert by Endoxon» und der Geschäftsleiter dieses Unternehmens, mein Cousin, erhält gleich noch eine persönliche Einladung. Vermutlich kann er von seiner Wohnung aus das Schlachtfeld von Kappel aus der Ferne betrachten.

In der Gemeinde Kappel am Albis gibt es auch eine evangelisch reformierte Kirchgemeinde und eine römisch katholische Kirchgemeinde.

Wir wünschen ihnen für die Veranstaltung viel Freude und wer nicht kommen kann, findet nächste Woche in diesem Blog eine Zusammenfassung der Tagung.

Kappel

Die Klosteranlage und im Hintergrund Kappel am Albis (Quelle)

PS: Der Link Vatikan und Vatican ist selbst auf einem der obenstehenden verlinkt und den möchte ich keinesfalls unbeachtet lassen. Viel Spass!

Text: Stephan Marti-Landoltfinanzblog

www.leuenberg.net – die Link-Pyramiden-Spitze


Zur „Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa“ (GEKE) haben sich 104 protestantische Kirchen in Europa (und in Südamerika) zusammen geschlossen.

Diese neu überarbeitete protestantische Internetplattform, bietet zumindest umfangmässig, wohl am meisten Links in Europa an. Unter den 104 Mitgliedskirchen ist der SEK (Schweizerische Evangelische Kirchenbund) als Einzelmitglied verzeichnet – und vertritt selbst 26 (überwiegend kantonale) Kirchen.

Wenn Links jeweils «hierarchisch» gemeldet werden, sollten sie in Europa praktisch alles finden, was zu den «offiziellen protestantischen Kirchen» gezählt wird. Wie bei einem «Stammbaum», einem «Holdingorganigramm» oder eben einer Pyramide, können sie von der Spitze in ein extrem verzweigtes Netzwerk von Links einsteigen.

Und falls sie wieder einmal die «Leuenberger-Homepage» besuchen möchten, in unserem Blog finden sie ganz rechts den Link dazu. Viel Spass beim herumsurfen. Das Wichtigste aus der Schweiz finden sie unter dem Netzwerk Schweiz. Vielleicht finden sie hier demnächst sogar eine Meldung über die Kappeler Milchsuppe:


Datum reserviert?Anmeldung

Text: Stephan Marti-Landoltfinanzblog

Volkszählung 2010


Bis ins Jahr 2010 dürfte sich der Fragebogen für die nächste Volkszählung noch in etlichen Details ändern. Zündstoff ist die Religionszugehörigkeit.

In unserem ersten Blog-Beitrag ist auch die Rede von Bundesrat Couchepin erwähnt – die er halt dann in 10 Jahren nicht noch einmal in dieser Art bringen kann – weil ihm die statistischen Daten dazu fehlen werden.

Es sei denn, man überdenke die Geschichte noch einmal etwas genauer, damit die ganze Übung nicht in die Geschichte eingehen wird.

Was mich aber riesig freut, ich persönlich werde an der zweiten Kappeler Milchsuppe, die Daten von 1970, 1980, 1990 und 2000 auf die Jahre 2010 und vielleicht auch 2020 etc. extrapolieren – und keiner wird es jemals widerlegen können.


Datum reserviert?Anmeldung

Text: Stephan Marti-Landoltfinanzblog

Schweizer Protestanten beten für islamische Welt


Die Reformierte Presse informiert über die Aktion „30 Tage Gebet für die islamische Welt“ .


Datum reserviert?Anmeldung

Heute beginnt der Ramadan und damit für viele Menschen auf der Welt die Fastenzeit,die von der evangelische Allianz international seit Jahren mit dieser Gebetsaktion begleitet wird. Bei der evangelischen Allianz vieler Länder finden sie viele weitere Informationen zu dieser Aktion.

Bei der EA Österreich können sie die Broschüre bestellen und auf dem Kalender der EA Deutschland lernen sie zum Beispiel am 19. Fastentag, dem 22. Oktober, dass Marokko Sonnenuntergang bedeutet.

Und damit habe ich für die zweite Kappeler Milchsuppe eine Frage auf der Zunge: Hier in Südfrankreich habe ich seit dreissig Minuten «Marokko» und so langsam kommt ein Hungergefühl auf – Lust auf ein Filet Mignon. Wieso dürfen wir dies und viele andere Menschen nicht? Haben sie zumindest nicht auch Lust, solche Fragen zu stellen? Bei der Anmeldung können sie übrigens angeben, ob sie Suppe essen möchten. Wenn nein, nehmen wir an, dass sie Suppe zwar mögen, aber am fasten sind.

Text: Stephan Marti-Landoltfinanzblog

PS: Die Schweizerische Vereinigung für freies Christentum und ihre Sektionen, sowie viele reformierte Landeskirchen sind nicht Mitglied bei der Schweizerischen Evangelischen Allianz

Orthodoxie und Gewalt im Islam


Mut ist etwas das sich nicht alle leisten dürfen, können oder wollen. Wir bringen veröffentlichen Artikel, die Zeitungen, angeblich Neue Zeitungen ablehnen.

Dr Yahya Hassan Bajwa hat mir den nachfolgenden Artikel zugestellt, den ich euch nicht vorenthalten will. Gesprochen haben wir zusammen im Neuen Zürcher Hinterland – in einem indischen Restaurant, das nicht zu verachten ist und ins Netz gestellt wird dieser Artikel, den sie ruhig einmal ausdrucken können, in einem reformierten Teil von Südfrankreich. Und bevor sie zu lesen beginnen: Haben sie sich für die zweite Kappeler Milchsuppe schon angemeldet?


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Die Geschichte der Menschheit zeigt, dass der Mensch agressiv ist, scheinbar unabhängig davon, wie zivilisiert eine Gesellschaft ist. Die westlichen Zivilisationen haben im letzten Jahrhundert zwei Weltkriege geführt – war das Massenvernichtung im Namen Gottes? Christen vernichteten Christen. Muslime töteten Muslime – wie im Krieg zwischen Iran und Irak, wie aber auch in den jetzigen Anschlägen in London! Weshalb scheint es, dass Religionen Blutvergiessen und Mord im Namen des Friedens erlauben? Glaubt man den heutigen Kommentatoren, dann ist Islam eine Religion des Krieges. Islam führe zu Gewalt, Zerstörung und Chaos. Dieser Glaube habe vor, die ganze Welt zum Islam zu bekehren. Dies ist auch die Auffassung der Amerikaner und deren Verbündeten. Ihre aggressive Aussenpoltik beruht und legitmiert sich auf das Schreckgespenst Islam. Ein Fürsprecher dieser Politik ist auch Bassam Tibi, der sogar behauptet, dass der Islam Gewalt für dessen Verbreitung propagiert und dass Terrorismus zum Islam gehört – ein klarer Widersprich zum Koran! Auch die Behauptung, dass bis zu 15000 Islamisten in der Schweiz ihr Unwesen treiben entbehrt jeder Grundlage. Viel besonnener reagieren unsere Bundesräte, die von einer „ganz kleinen Zahl von Fundamentalisten“ sprechen und uns vor einer Hetze gegen die muslimimischen Mitbürger warnen. Charakteristisch für Religionen ist, dass sie revolutionär sind. Jesus und Muhammad predigten den Ärmsten, sprachen von Gleichheit aller Menschen vor Gott. Ein Ärgernis für die herrschende Schicht, die schon damals die Religion zum Geschäft gemacht hatte. Eine Tatsache, die heute sogar vermehrt gilt, unabhängig, welche Religion wir untersuchen – Christentum oder Islam!

Der Heilige Koran – eine Richtschnur für die Muslime
Für die Muslime ist der Heilige Koran die Richtschnur, der Verhaltenscodex im Leben. Er wurde dem Propheten über viele Jahre offenbart, zuerst auswendig gelernt und anschliessend niedergeschrieben. Der Koran ist, wie auch andere religiöse Schriften, autoritativ und normativ. Er bestimmt das Leben eines Muslim. Gerade die drei Buchreligionen fordern von ihren Anhängern, dass sie sich mit der Schrift und dem Glauben auseinandersetzen sollen. Der Koran schreibt vor und spricht Recht. Er ist Wort Gottes und somit vollkommen. Nichts darf hinzugefügt, abgeändert oder weggenommen werden. Doch die Religion wird täglich von den sogenannten Gottesgelehrten für wenig Geld, Macht oder Einfluss verschachert. Ist es richtig, dass der Islam die Weltherrschaft anstrebt, Religionsfreiheit unterdrückt und Menschen, die vom islamischen Glauben abfallen, umbringen lässt?
Im Christentum haben wir diese dunkle Zeitepoche hinter uns, als St. Augustin von der „gerechten Verfolgung“ sprach, als durch die Inquisition tausende Menschen wegen Ketzerei und Hexerei verbrannt oder weil sie sich weigerten, ihren Glauben aufzugeben und Christen zu werden, hingerichtet wurden. Wie steht es mit den heutigen muslimischen Denkern? Einigen „Islamgelehrten“ macht es überhaupt keine Sorge, dass ihre Intepretationen des Korans gegen den Inhalt der Heiligen Schrift verstösst. Einer der wichtigsten islamischen Denker für die arabischsprachige Welt war Syed Qutub, der wiederum durch Abu Ala Maududi, dem Gründer der indischen Jamaat-e-Islami, stark beeinflusst wurde. Maududi schrieb, dass Muhammad 13 Jahre lang versuchte, die Araber mit allen Mitteln zum Islam zu bekehren. Als all dies nichts fruchtete, nahm er das Schwert. „Das Schwert erreichte noch was – es nahm ihnen [den Ungläubigen] ihre Blindheit, so dass sie das Licht der Wahrheit sehen konnten und heilte sie von ihrer Arroganz“ – Mord als Mittel zur Erleuchtung!

Der Koran und die Frage der Glaubensfreiheit
Verschiedene muslimische Gelehrte weisen immer wieder auf die Tatsache hin, dass der Islam auch mit Gewalt zu verbreiten sei – dies sei der wahre Dschihad. Ein Muslim habe auch nicht das Recht, seinen islamischen Glauben zu wechseln. Ein solcher Akt müsse mit dem Tod bestraft werden. Im heutigen Pakistan, das durch Maududi und ähnliche Denker geprägt ist, werden immer wieder Menschen umgebracht, weil sie vom Islam „abfallen“. Doch was steht wirklich im Koran? Die vielleicht wichtigste Aussage im Koran lautet: „Es soll kein Zwang sein im Glauben. Gewiss, Wahrheit ist nunmehr deutlich unterscheidbar von Irrtum. ” (Kapitel 2, Vers 257) Diese Offenbarung erhielt der Prophet in Medina, nach der Auswanderung aus Mekka. Zu einem Zeitpunkt, als die Muslime nicht mehr verfolgt wurden und auch bereits Macht ausübten – sie hätten Zwang in dieser Frage anwenden können. Doch gemäss Koran hat niemand dieses Recht. Die Gewissensfreiheit wäre eigentlich ein weiterer Pfeiler im islamischen Denken. So heisst es im Koran: „Und sprich: „Die Wahrheit ist es von eurem Herrn: darum lass den gläubig sein, der will, und den ungläubig sein, der will.” (18:30) Einen Glauben anzunehmen ist ein Entscheid, in den sich niemand einzumischen hat. Dies ist ein Beschluss zwischen der entscheidenden Person und Gott. Somit wird klar, dass die Glaubensfrage eine streng private Angelegenheit ist. In diesem Prozess hat weder ein Mullah oder irgendein anderer „Islamgelehrter“ und schon gar nicht ein Staat Platz! Trotzdem wird immer wieder von Eiferern behauptet, dass niemand seinen Glauben wechseln darf. Doch wie verhält es sich dann mit der folgenden Koranaussage: „Die aber glaubten und hernach ungläubig wurden, dann (wieder) glaubten, dann abermals ungläubig wurden und noch zunahmen im Unglauben, denen wird Allah nimmermehr vergeben noch sie des Weges leiten”. (4:138) Gemäss der Interpretation von Gelehrten wie Maududi, wird ein solcher Mensch bereits nach dem ersten Wechsel umgebracht. Somit ist entweder die Aussage im Koran falsch oder die Interpretation von Maududi – wie kann einer, der vom Islam „abfällt“ wieder Muslim werden und nochmals seinen islamischen Glauben aufgeben und dann sogar noch im Unglauben zunehmen? Weiter steht auch nicht, wie die Strafe zu sein hat, ausser, dass Gott eine solche Tat nicht vergibt und einer solchen Person seine göttliche Leitung entzieht. Religionsfreiheit war zu Beginn des Christentums wichtig, als jedoch die Christen die Macht übernahmen, wurde sogar durch Justinian (482-565) die Todesstrafe für den Abfall vom Christentum eingeführt.

Wie soll der Koran interpretiert werden?
Religionsgemeinschaften, die an die Macht kommen, reagieren oft ähnlich – intolerant. Wer eine andere Meinung vertritt, als die herrschende Glaubensmeinung, ist schnell ein Apostat. Religiöse Führer und Staatsoberhäupter vertreten diese Ansicht, denn hier geht es direkt um ihre eigene Macht, die sie auf keinen Fall verlieren wollen. Der Gedanke der Apostasie, die heute in vielen islamischen Köpfen ihr Unwesen treibt, ist diktatorisch und tötet das Denken ab. In solchen Gesellschaften, in denen die Menschen Angst haben, ihre Meinung öffentlich zu vertreten, stirbt auch die Zivilcourage. Niemand ist bereit, sich für das Recht einer anderen Meinung einzusetzen, weil er selber mit Verfolgung oder Ächtung rechnen muss. Somit stirbt auch die religiöse Weiterentwicklung – ein innerer Prozess eines jeden Gläubigen. Man überlässt das Denken und das Interpretieren der eigenen Religion einigen wenigen, die sich lauthals als „Gottesgelehrte“ ausgeben. Diese Situation haben wir zum Teil auch heute noch in Afghanistan – auch nach der „Befreiung“. Dies galt auch für Pakistan unter dem fundamentalistischen Diktator Zia ul Haq, Benazir Buttho oder Nawaz Sharif. Erst Musharraf gelang es, die nach Religionszugehörigkeit getrennten politischen Wahlen nach über 20 Jahren aufzuheben. Nur die Ahmadiyya Muslime, die seit 1947 in der Schweiz vertreten sind, sind auch heute noch aus diesem Prozess ausgeschlossen – dies ist ein Kompromiss des pakistanischen Präsidenten mit den Fundamentalisten, die die Ahmadis seit 1974 nicht mehr als Muslime anerkennen. Hier wird klar, dass Religion oft mit Politik und der Frage nach Macht vermischt wird.
Gedankengut eines Maududi oder Qutub vertreten das Denkschema aus dem christlichen Mittelalter. Doch weder Jesus, noch Muhammad predigten die Todesstrafe bei Apostasie. Das sind Interpretationen, die viel später hinzugefügt wurden. Die Hadith, Überlieferungen zu den Taten Muhammads, geben auch keinen Hinweis auf ein solches Gesetz. Der Prophet hat sich strikt an den Koran gehalten! Der Gedanke der Todesstrafe bei Apostasie ist sowohl Jesus, als auch Muhammad fremd. Dieser Gedanke fördert Diktatur und Gewalttaten in den islamischen Ländern.

Ein Aufruf an alle Muslime zum selbstständigen Denken
Terrorismus ist ein globales Problem. Heute wird jede Untat eines Muslims als islamischer Terror tituliert. Interessant ist, dass die Medien praktisch nie vom christlichen, jüdischen, hinduistischen oder Sikh-Terrorismus sprechen. Entsprechend ist uns auch nur bekannt, dass es eine islamische Atombombe gibt – die übrigen Atombomben sind anscheinend religionsneutral. Doch, anstatt die Ursachen nur im Westen zu suchen wird es Zeit für die Muslime, endlich den Mut aufzubringen und ihre eigene Religion den Mullahs aus der Hand zu reissen und wieder anzufangen eigenständig zu denken. Zurück zum Fundament, zum Koran und nicht zu irgendwelchen obskuren Interpretationen. Religionsmissbrauch wird in allen Religionen betrieben. Nur das Mitdenken kann gegen Missbrauch schützen. Zivilcourage ist gefragt – aber nicht immer einfach. Trotzdem, es gibt keinen anderen Weg, um wieder Glaubens- und Meinungsfreiheit zu erlangen. Rechte, die eigentlich im Islam verankert wären.

Dr Yahya Hassan Bajwa
TransCommunication
Büro für Kommunikation und Forschung
PF 1351, 5400 Baden
Schweiz

CH-Baden, 8.7.2005

Kontakte knöpfen via Blog libref.


Vor allem Theologen können dank unseres Blogs interessante Kontakte knüpfen.


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Im unserem Beitrag über Taizé wurde ein Kommentar eingegeben, der lesenswert ist. Es wird darin auf das Requiem von Taizé verwiesen.

Und dies nehme ich zum Anlass, den Onkel und die Tante meiner Frau zur Kapeller Milchsuppe einzuladen. Und vermute, dass sich Heinz Holliger und Ursula Holliger freuen werden – auch über den Link zu Albert Schweitzer, dem wohl bekanntesten liberalen Theologen.

Vor allem Theologen und Pfarrleute dürfen, ja sollen Blogs nützen, um Verbindungen zu knüpfen. Zu diesem Zweck dienen die E-Mail-Adressen, die man aber sicherheitshalber mit xxx at yyy.zz angibt und nicht xxx@yyy.zz, damit Suchmaschinen nicht unnötigen Spam zusenden.

Text: Stephan Marti-Landoltfinanzblogmarti at martischweiz dot ch (dort ist die E-Mail-Adresse sicherheitshalber zusätzlich in ein JPG-File eingebunden, das praktisch nicht «maschinenlesbar» dargestellt wird (die Adresse muss abgetippt werden)