Kategorie-Archiv: 03 Lesenswertes

unorthodox …


… «ungewöhnlich, unkonventionell, eigenwillig», so das Wörterbuch, das Beste.

Dann müsste, rein logisch gedacht, orthodox «gewöhnlich, konventionell, willig» bedeuten. Nicht im abwertenden Sinn, sondern eher in der Art von unauffällig. Und bis vor einigen Monaten waren sie unauffällig, selten im Gespräch in der Schweiz. Wir brauchen nicht einmal über die Staatsgrenzen des Kantons Bern hinaus zu schauen, sondern über die Grenzen der Landeskirchen.

Wissen sie, welches die beiden grössten christlichen Glaubensgemeinschaften sind? Weltweit gesehen! Die römisch-katholische Kirche gefolgt von den orthodoxen Kirchen. Vielleicht haben sie Lust, einiges über diese Religionen und zu erfahren und wie sie im Kanton Bern, der Schweiz wahrgenommen werden.

Im letzten verlinkten Satz steht: «Aber vorher will ich in den Sikh-Tempel.» Dies in einem späteren Beitrag und unorthodox wie wir in Langenthal sind, zusätzlich einen über das Minarett. (Dieser letzte Satz gilt nur für den Kirchgemeindeverband-Bern, wo der Originalbeitrag erfasst wurde).

Text: Stephan Marti-Landolt (Langenthal) – finanzblog

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Freikirchen wollen anerkannt werden


Einige Freikirchen möchten die landeskirchliche Anerkennung erhalten.

Dem Thema ist eine kulturelle Brisanz nicht ab zu sprechen. Am besten sieht man dies wohl am Bild in der heutigen Berner Zeitung, das im Intnet nicht gezeigt wird: Hansruedi Spichiger, der Beauftragte für kirchliche Angelegenheiten des Kantons Bern faltet seine Hände vor dem Gesicht. Der Text dabei: «Sehr komplex».

Corpus delicti ist das umfassende Positionspapier. «Umfassend» ist aus liberaler Sicht wohl nicht gerade der richtige Ausdruck. Eher müsste man die Vorsilbe «um» weglassen und den Rest «fassende» der hohen Brisanz wegen (sie können auch andere Worte wählen) auf die Gross- und Kleinschrift hin überprüfen. Eine Variante wäre: «Fass Ende».

Der Blog von libref. darf ruhig eine eigene Ansicht haben. Wenn sie es lieber neutraler möchten, bitte, lesen sie die Zeitungsberichte beim Kirchgemeindeverband des Kanton Bern.

Text: Stephan Marti-Landoltfinanzblog

Einmal bei Herbie reinschauen …


Herbie schreibt im fianzblog über Minarette

… Herbie ist mein Stellvertreter, während ich drei Wochen im Ausland bin und Herbie ist mein Lehrling. Nicht was den Text, die Gedanken anbelangt, sondern ein echter Bloggerstift. Wenn er so ab Ende Oktober seinen eigenen Blog online hat, werden wir den vermutlich aufnehmen müssen. Er ein liberaler Katholik, der sich aber ab und zu mal die Freiheit nimmt, über den oder das Glauben nach zu denken …

Wer mer von Herbert Odermatt lesen will, findet das unter meinen Gastbeiträgen

Zusammenstellung: Stephan Marti-Landolt

Bemerkungen zum Libanon


Herrscht im Libanon nun Frieden? Nein – «Waffenstillstand».

Unser Präsident Jean-Claude Cantieni schrieb den folgenden Beitrag noch vor dem Waffenstillstand. An Aktualität hat er nichts eingebüsst.

… und wir vernichteten Männer, Frauen und Kinder in jeder Stadt (Dtn. 3.6.).Das genau passiert im Libanon. Seit Wochen erfüllt der Nachbar Israel sein‚Versprechen’, den Libanon in den (Bürgerkriegs-) Zustand vor 20 Jahren zurück zu bringen. Flugblätter fordern dazu auf zu fliehn, wichtige Medikamente wie Antibiotika fehlen Apotheken, und eine Blockade aller Wege nach ‚draussen’ kommt dazu…’ (Reverend Adeeb Awad, evangelische Synode, Beirut). Der Verfasser dieser Brief- Zeilen war nie froh über die zitierte Bibelstelle, welche ans klassische Axiom ‚Der Krieg ist der Vater aller Dinge’ erinnerte, sie konnte bestenfalls als Motivation, über eine bessere Alternative, das verheissne Reich Gottes des Neuen Testaments zu predigen .Mit dem Leiden der Libanesen hat diese Hoffnung mitgelitten.

Israel ist ausser sich, gereizt, gekränkt durch Entführungen. Ausser sich, weg wohin? Weg vom Andrange der Entführungen von Bürgern, die es in Gewahrsam zurück holen legitimerweise will; Gewahrsam stammt aus der ‚War’, Hut. Das Wahren ist das lichtend versammelnde Bergen in casu von Entführten, frei nach Martin Heidegger; der mahnt, unser vernutztes Wort Wahrheit wiede raus dieser Wahrnis zu denken, doch sie ist eine der Erwahrnis des Seinsselbst, das als Anwesen ihr ein zu verstehn ist. Sein und Erwahrnis sind das selbe. Erwahrnis der Verschleppten hat in keinen Rachfeldzug zu münden, das (Menschen-)Recht u.a. auf religiösen Friede hat sich aus seine retymologischen Quelle Rache emanzipiert.

Ein vielleicht ältester Satz abendländischen öffentlichen Denkens, eines Anaximanders des 6. Jahrhunderts auf Samos, spricht davon, dass die Dinge dahin zurück zu kehren haben, woraus sie entstanden. Israel ist aus einerbritischen Kolonie entstanden. Anstelle des Kolonialismus ist die Völkergemeinschaft der Vereinigten Nationen getreten, ihr obliegt deshalb, die Entführten in Gewahrsam zu nehmen und die libanesische Regierung zu ermächtigen, ihre Souveränität übers Land wahrzunehmen. Die UNO hat sich so zu verhalten, dass keins ihrer Mitglieder erniedrigt wird, auch der Nation kommt eine Würde zu, und das universelle Recht der UNO ist, dass diese Würdeeinklagbar zu sein hat und – spiegelbildlich zur individuellen Menschenrechtsklage auf religiösen Frieden – keinem noch so diplomatischen Poker überantwortet wird. Die Institution UNO braucht in ihrem Wesen das Wesen der Nation Libanon in ihrem – des Libanon und von sich selbst -Erwahren, woanders ein Denken der Wahrheit leidet, welche für Liberale das Wahre ist, und spätestens hier hat unsere theologisch-liberale Stimme sich fürs (Menschen-)Recht auf religiösen Frieden zu erheben (nicht überheben).

«Zwei Soldaten wurden entführt, viele Menschen sind gestorben, viel wurde vernichtet, zerstört oder beschädigt und wer bezahlt den Schaden? Die Allgemeinheit – vor allem über Hilfswerke!» Eine heutige Bemerkung einer Dame mit islamischem Glauben, die sich für Minderheiten auf dem amerikanischen Kontinent einsetzt.

Zusammenstellung: Stephan Marti-Landoltfinanzblog

Sommer: Sakrileg – The Da Vinci Code – 2. Teil


Diesen Sommer hat Pfarrer Dr. Werner Sommer anstelle einer Predigt in einer überaus sehr gut besuchten Sonderaufführung den Film „Sakrileg – The Da Vinci Code“ gezeigt, einleitende Worte geäussert und im Anschluss viel Wissenswertes vermittelt.

Dieses Wissen wurde uns zur Verfügung gestellt und wir danken Dr. Werner Sommer, dass wir dieses Material im Blog zeigen dürfen. Der zweite Teil fängt bei „Tisch 5“ an, enhält aber alles, was was im 1. Teil berichtet hat.

Vinci Code – Sakrileg – Ausstellungskonzept

Tisch 1: „Geheime Quellen“ – Kanonbildung

– apokryphe Schriften
– Qumran

Material: Kautzsch-Bertholet / Hennecke-Schneemelcher
FK „Nag Hammadi“ aus RGG4, WUB „Qumran“

Tisch 2: „Jesus Christus“ – Biographie

– Skandale aus der Tradition: Doketismus, Pelagianismus, Syrische Zwillingschristologie, seine Geschwister, „Rabbi“
– Konzil von Nicäa

Tisch 3: „Maria Magdalena“– Exegetischer Befund

– Frauen um Jesus
– Das Grosse Weibliche
– Frauen- und Mannsbilder im Film

Material: Altarbild, C.G. Jung, Göttinnen

Tisch 4: „Leonardo Da Vinci“

– Biographie
– Das wirkliche Werk
– Mysterium Leonardo: Schrift, Visionen, Mereschkowski

Material: Bilder, Krawatte, Menschenmodell

Teil 2

Tisch 5:„Die Suche nach dem heiligen Gral“

– Literaturkritisches (The Holy Grail, le Saint Graal, aber nicht = sangreal)
– Orte: Tintagel, Glastonbury – Avalon / Avallon – Ermitage
– Rennes-le-Chateau (Abbé Bérenger Saunière sic!)

Material: „Indiana Jones – The Last Crusade“, AM-Kelch, Kristall

Tisch 6:„Geheime Orden“

– Templer
– Ein Orden, der keiner ist: Opus Dei
– Freimaurer und ihre Mystifikationen
– Exklusive Orden: Das Goldene Vlies
– Initiationen

Material: FM-Schurz, Goldenes Vlies, Sepik-Schild

Tisch 7: „Weltformel, Weltverschwörung“

– Verschwörungstheorie als (paranoides) Weltmodell
– Kabbala als Weltformel (Eco)
– Der „Bibelcode“ – oder – Die Suche nach Sinn

Material: „Das Foucaultsche Pendel“, Rosslyn-Chapel, Saint Sulpice

Tisch 8:„Mythopoesie“

– Indiana Jones
– Tolkien „Der Herr der Ringe“
– Lewis „Narnia“
– Lernet-Holenia / Meyrink
– Eco
– Esoterik
– Die Schaffung eines persönlichen Mythos
– Ethnopoesie: Castaneda

Material: Bücherkatalog „Weltbild“, obige Literaturen

Konzept

Die Ausstellung findet im Grossen Saal des KGH Geissberg statt. In der Mitte des Saales stehen die Esstische – darum herum gruppiert die 8 Ausstellungstische. Das erlaubt Besichtigung während der Essenszeit. Zu fixen Zeiten (oder nach Bedarf) mache ich eine Führung bei den Tischen. Eventuell geöffnet bis 15 Uhr?
Im Manuelzimmer laufen TV-Dokumentationen zum Sakrileg.

was – Pfarrer Dr. Werner Sommer, Langenthal

Besten Dank Werner für Deinen Beitrag – der 2. Teil folgt in einer Woche. Wer im „Spannungsfeld zwischen Gott und Welt“ noch etwas mehr den Spuren von „was“ folgen will, empfehle ich die örtliche Presse mit „Auf freiem Markt der Religionen“ – oder unseren Blogbeitrag Kabarett um Minarett, der einen Tag früher erschien (geschrieben in einer reformierten Gegend in Südfrankreich).

Pfr. Dr. Werner Sommer

… Pfr. Dr. Werner Sommer – Langenthal – was

Foto und Zusammenstellung: Stephan Marti-Landoltfinanzblog

Sommer: Sakrileg – The Da Vinci Code – 1. Teil


Diesen Sommer hat Pfarrer Dr. Werner Sommer anstelle einer Predigt in einer überaus sehr gut besuchten Sonderaufführung den Film „Sakrileg – The Da Vinci Code“ gezeigt, einleitende Worte geäussert und im Anschluss viel Wissenswertes vermittelt.

Dieses Wissen wurde uns zur Verfügung gestellt und wir danken Dr. Werner Sommer, dass wir dieses Material im Blog zeigen dürfen.

Vinci Code – Sakrileg – Ausstellungskonzept

Tisch 1: „Geheime Quellen“ – Kanonbildung

– apokryphe Schriften
– Qumran

Material: Kautzsch-Bertholet / Hennecke-Schneemelcher
FK „Nag Hammadi“ aus RGG4, WUB „Qumran“

Tisch 2: „Jesus Christus“ – Biographie

– Skandale aus der Tradition: Doketismus, Pelagianismus, Syrische Zwillingschristologie, seine Geschwister, „Rabbi“
– Konzil von Nicäa

Tisch 3: „Maria Magdalena“– Exegetischer Befund

– Frauen um Jesus
– Das Grosse Weibliche
– Frauen- und Mannsbilder im Film

Material: Altarbild, C.G. Jung, Göttinnen

Tisch 4: „Leonardo Da Vinci“

– Biographie
– Das wirkliche Werk
– Mysterium Leonardo: Schrift, Visionen, Mereschkowski

Material: Bilder, Krawatte, Menschenmodell

Der 2. Teil folgt am 7. August 2006 in diesem Blog.

Tisch 5: „Die Suche nach dem Gral“

– Literaturkritisches (The Holy Grail, le Saint Graal, aber nicht = sangreal)
– Orte: Tintagel, Glastonbury – Avalon / Avallon – Ermitage
– Rennes-le-Chateau (Abbé Bérenger Saunière sic!)

Material: „Indiana Jones – The Last Crusade“, AM-Kelch, Kristall

Tisch 6: „Geheime Orden“

– Templer
– Ein Orden, der keiner ist: Opus Dei
– Freimaurer und ihre Mystifikationen
– Exklusive Orden: Das Goldene Vlies
– Initiationen

Material: FM-Schurz, Goldenes Vlies, Sepik-Schild

Tisch 7: „Weltformel, Weltverschwörung

– Verschwörungstheorie als (paranoides) Weltmodell
– Kabbala als Weltformel (Eco)
– Der „Bibelcode“ – oder – Die Suche nach Sinn

Material: „Das Foucaultsche Pendel“, Rosslyn-Chapel, Saint Sulpice

Tisch 8: „Mythopoesie“

– Indiana Jones
– Tolkien „Der Herr der Ringe“
– Lewis „Narnia“
– Lernet-Holenia / Meyrink
– Eco
– Esoterik
– Die Schaffung eines persönlichen Mythos
– Ethnopoesie: Castaneda

Material: Bücherkatalog „Weltbild“, obige Literaturen

Konzept

Die Ausstellung findet im Grossen Saal des KGH Geissberg statt. In der Mitte des Saales stehen die Esstische – darum herum gruppiert die 8 Ausstellungstische. Das erlaubt Besichtigung während der Essenszeit. Zu fixen Zeiten (oder nach Bedarf) mache ich eine Führung bei den Tischen. Eventuell geöffnet bis 15 Uhr?
Im Manuelzimmer laufen TV-Dokumentationen zum Sakrileg.

was – Pfarrer Dr. Werner Sommer, Langenthal

Besten Dank Werner für Deinen Beitrag – der 2. Teil folgt in einer Woche. Wer im „Spannungsfeld zwischen Gott und Welt“ noch etwas mehr den Spuren von „was“ folgen will, empfehle ich die örtliche Presse mit „Auf freiem Markt der Religionen“ – oder unseren Blogbeitrag Kabarett um Minarett, der einen Tag früher erschien (geschrieben in einer reformierten Gegend in Südfrankreich).

Pfr. Dr. Werner Sommer

… Pfr. Dr. Werner Sommer – Langenthal – was

Foto und Zusammenstellung: Stephan Marti-Landoltfinanzblog

Antwort auf Sakrileg – The Da Vinci Code


Die Antwort unseres Präsidenten auf den Beitrag «Nicht nur eine Filmpremiere» wollen wir nicht vor enthalten.

Als Reformierte irgendwelcher Provenienz führen wir uns auf die Volkspriesterschaft zurück, wie Martin Luther sie propagierte – und wie sie bis heute arg rudimentär erst verwirklicht wurde. Dan Brown widerspricht nun dem hierarchischen Priester-Regierungsprinzip der katholischen Kirche über Petrus und Petri-Nachfolger durch eine Blutlinie Jesu von Maria
Magdalena an, die ihrerseits bis auf den Trojanischen Krieg bzw. in die griechischen Arkadier zurückgeführt wird. Institution, Blut und Geschichte des Priesterlichen treffen sich so – und das alles an Luthers Volkspriestertum vorbei, wonach die Schlüssel Petri jedem Einzelnen in der Nachfolge Jesu ausgehändigt werden. Lessing schrieb dann im ‚Nathan der Weise ähnlich; Niemand hat Anspruch auf ein Erbe per se, ob Edelstein oder Schlüssel fürs Himmelreich. Oder Goethe: ‚Was du ererbt von deinem (auch himmlischen) Vater: Erwirb es, um es zu besitzen.’ So viel Wohnungen im Reiche Gottes sind, sind auch viele Schlüssel zu verteilen. Browns Roman wird vielfach eine Fiktion gescholten. Solange Fiktionen als solche bewusst bleiben, ist nichts einzuwenden. Sie regen die Diskussion an. Problematisch wird’s, wenn die Perspektivenwahl in Religionsfragen mit der Fiktion problematisch ist. Mit der Religion verhält’s sich wie mit dem Wasser. Beides ist notwendig. Sie gehen uns alle an, weshalb sie mit Luther in die Hand aller zu geben sind. Der Himmel ist vielleicht nicht demokratisch, doch ihn vorbereiten heisst, mit säkularen Mitteln, statt priesterlichen oder solchen der Blutsnachfolge argumentieren, selbst wenn der Gedanke verführerisch ist, dass der Gral, Objekt spiritueller Begierde nach Browns ‚Sakrileg’, eher im Schosse einer Frau, die am Kreuze ausharrte, als beim seiner Affekte beim Abendmahle nicht mächtigen Petrus zu finden ist.

Arthur Schopenhauer warb für eine Religion, die ihren Sitz unter allen Gläubigen hat, in Parerga, § 174 (1851);

‚…. Wie es eine Volkspoesie gibt und, in den Sprichwörtern, eine Volksweisheit ; so muss es auch eine Volksmetaphysik geben. Sie ist allemal eine allegorische Einkleidung der Wahrheit, der Fassungskraft des Volkes angemessen, und leistet, in praktischer und gemütlicher Hinsicht, d.h. als Richtschnur für das Handeln und als Beruhigung und Trost im Leiden und im Tode, vielleicht eben so viel, als die Wahrheit, wenn wir sie besäßen, selbst leisten könnte…’

Das Urteil über ein solch religiöses Fassungsvermögen oder doch die Definition dessen,, wie die Entscheidungssituation lautet,, in welcher’s um gute Religion, um unser Auffassen von moralischen Pflichten (bzw. natürlichen Verpflichtungen) als Gebot Gottes (nach Kant) geht, steht den Gläubigen im Ganzen und jedem Einzelnen zu. Die aus der Knechtschaft Ägyptens ins ‚gelobte Land’ zurückgeführten Israeliten haben – so der Mythos – ihren Führer umgebracht, weil sie sich dessen Gebote nicht beugen wollten oder konnten. Die Scham, die aufkommt, wenn einem Vatermord ins Auge zu blicken ist, ist ausbeutbar, weshalb über (auch Religions-) Normen im Gremium aller Gläubigen nach Luther unter menschenrechtlichem Aspekt zu entscheiden sind. Das Recht urteilt damit nicht über Moral, doch es maximiert Gutes unter menschlichen Bedingungen, und es wahrt den (fairen) Vorrang der Freiheit, Glaubensfreiheit.

Ob einer, der liberal-theologisch denkt, sich angespornt fühlt, einen Roman über das Drama zu schreiben, dass der Impuls des Evangeliums, Priesterschaft allen Gläubigen – als einforderbares Menschenrecht – zu übertragen, bisher so dürftig zu verwirklichen war und ist, vielleicht auch gar, um dazu beizutragen, dass wir nicht mehr in so dürftigen Verhältnissen leben, wozu gute Religion ja beiträgt?

Jean-Claude Cantieni

Satz und Links: Stephan Marti-Landoltfinanzblog

Fragwürdige Erbsünde


Auf den Artikel «Fragwürdige Erbsünde» des SG-Kirchenboten folgt ein Einspruch.

Es gibt Blogleser, die erstellen einen Kommentar und dann gibt es Leser, die nehmen sich gleich die Mühe einen Brief zu schreiben und umfangreiches Begleit-Material bei mit zu liefern.

Die «fragwürdige Erbsünde» ist in der April-Ausgabe des «Kirchenbote» der Evangelisch-Reformierten Kirche des Kantons St. Gallen erschienen:

«Zum Thema «Sünde» ein Witz: Als der Mann von der Kirche heimkommt, fragt seine Frau, was der Pfarrer gepredigt hat. «Er hat über die Sünde gepredigt!» Die Frau fragt nach, was er zur Sünde gesagt hat. «Er ist auch dagegen», so die Antwort des Mannes.

Die Anekdote widerspiegelt ein verbreitetes Sündenverständnis. Sünde ist das Überschreiten von Moralvorschriften, über welche die Kirche wacht. …
weiter

(hier als Word Datei)

Einspruch aus liberal-protestantischer Sicht von Pfarrer Rudy Van Kerckhove-Juon, Gossau:

«Es hat mich gefreut, dass die Problematik der Erbsünde in der letzten Ausgabe vom Kirchenboten thematisiert wurde. Als liberaler Protestant fühlte ich mich besonders angesprochen von Carl Boetschis Annäherungen zum Begriff „Sünde“. Dem Artikel kann man entnehmen, dass der Begriff „Sünde“ immer mit Beziehung, bzw. Beziehungslosigkeit verbunden werden kann: zu sich, zu anderen, zu Gott. Diese Aufforderung sich mit den einzelnen Facetten der Sünde auseinanderzusetzen, vermisse ich in den Artikeln der anderen Autoren.

Ich finde es irritierend, dass Andreas Schwendener das Judentum und den Islam im „Editorial“ als „Gesetzesreligionen“ bezeichnet. In beiden Religionen wird die eigene Verantwortung, wie übrigens auch im liberalen Protestantismus, betont.

Im Artikel von Prof. Dr. Heinz-Dieter Neef vermisse ich Hinweise auf die Verbindung zwischen dem „Urmythos“ und der altorientalischen Mythologie. Warum werden dem Leser Informationen aus der biblischen Wissenschaft vorenthalten? Dass in der „Erbsünde“ auch einiges an Nichtbiblischem steckt, wird verschwiegen. Wäre es nicht an der Zeit, dass wir Theologen den Menschen auch in Glaubensfragen als selbstständig denkenden ernst nehmen? Die Theologie der Vergangenheit ist vergangen. In Genesis 3 ist weder von „Sünde“ noch von einem „Sündenfall“ die Rede. Es ist ein Schritt in die Emanzipation, ein Begriff, der in den Kirchen nicht sehr geschätzt zu sein scheint. Durch die Tat der Eva ergreift die Menschheit das „Erkennen“, was zum „Wissen“ führt. Der Urmythos teilt die Menschheit nicht in „Rassen“ auf, kennt keine Hinweise auf Unterschiede, denn alle sind gleich, weil alle Menschen gleich sind. Es fehlen übrigens auch Hinweise auf Religionsunterschiede!

Nun noch einige Bemerkungen zum Artikel von VDM Karin Scheiber. Die Erwähnung der Forschungsergebnisse der Genanalyse kann uns in diesem Bereich nicht weiterführen, da es sich um eine Ideologie oder Glaubensauffassung handelt und nicht um ein medizinisches Phänomen. Auch hier scheinen Paulus und Augustin sakrosankt zu sein. Die Sünde auf das „begehren“ allein zurück zu führen, scheint mir ein Trugschluss zu sein. Die „Frucht“ im Paradiesgarten war das „Wissen“. Was spricht dagegen „Wissen“ zu begehren? „Wissen“ kann zum Verstehen beitragen und wer versteht, kann wiederum nach Lösungen suchen.

Zum Beispiel wie wir uns von der Lehre der Erbsünde verabschieden können. Dazu braucht es keinen Scheiterhaufen, sondern nur einen schönen, schweren Grabstein: „Hier ruhen die Dogmen“. Mit Entsetzen lese ich im gleichen Artikel, dass „kein Mensch jemals ohne Sünde hat sein können“. Bin ich im falschen Film, in der falschen Kirche oder gar im falschen Glauben? Die Kinder, die ich taufe, sind für mich schuld- und sündenfrei. Worin bestünde ihre Schuld? Doch nicht in der Zeugung oder in der Geburt? Sündenfrei sind wir sowohl bei der Geburt als auch nach dem Tod. Die Verstorbenen haben ihr Leben hinter sich. Für ihre Fehler können wir sie nicht mehr zur Verantwortung ziehen ebenso wenig sind ihre Fehler auf uns übertragbar, denn mit dem Tode sind sie erlöscht. Gerade zu beängstigend finde ich im vorletzten Abschnitt „Pessimistisch?“ die Gegenüberstellung von „Sünde“ und „Glaube“. „Die“ Theologie kann es doch nicht mehr geben in einer Kirche, die von sich behauptet „menschennah“ zu sein. Es gibt mehrere Theologien. Wenn es eine Wiederherstellung der Beziehung zwischen Gott und Mensch braucht, dann hängt dies nicht nur von Gottes Beitrag allein ab. Menschen können viel zur Lösung der Beziehungslosigkeit, zu Gott oder anderen, beitragen.

Als liberaler Protestant vertraue ich dabei auf die göttliche Kraft und die Inspiration des Geistes, der frei macht.»

Wir danken Pfarrer Rudy Van Kerckhove-Juon, Gossau, dass er uns diesen Beitrag ermöglicht hat.

Zusammenstellung: Stephan Marti-Landolt – finanzblog