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Menschenpflichten: wieso schweigt der SEK? – 2. Teil


Hier eine Ergänzung zur Anfrage an den SEK – Schweizerischer Evangelischer Kirchenbund – aus dem früheren Blogbeitrag.

Ein Gedankenanstoss für den Kontakt mit Pfr. Thomas Wipf:

«Die Mühe des SEK mit den Menschen(rechts-) Pflichten erinnert an den aktuellen Diskurs um das Verhältnis zwischen Völkerrecht und Volksrechten, den Bundesrat Chr. Blocher eröffnete. Die Diskussion in Deutschland um eine Leitkultur erscheint damit verwandt, und nun doppelt der SEK mit der Werte-Diskussion nach. Der Kern all dieser Dispute mag sein, dass eine Welt-Staat-Idee fehlt, d.h. ist ein Defizit, obwohl sich die Religionsstifter zwischen Konfuzius, Buddha & Christus im ‚ethischen Kodex’ eins waren. Ja der erste bekannt gebliebene Gesetzestext des babylonischen Hammurapi verpflichtet schon zum Schutze des Schwächeren, von Witwen, Waisen.

„Sein Codex umfasste einen Prolog, die 282 Gesetzesparagraphen und den Epilog, aufgezeichnet wurde er unter anderem auf einer ca. 2,25 m hohen Stele (ein freistehender Pfeiler) aus Diorit. Diese Stele wurde 1902 bei Ausgrabungen in Susa (Anm. sml: nicht das geschichtsträchtige Susa im Piemont) gefunden. Ihr ursprünglicher Standort ist unbekannt, vermutlich wurde sie von einem Eroberer aus einer babylonischen Stadt geraubt. Die Stele von Susa befindet sich heute im Louvre in Paris. Eine Kopie kann im Pergamonmuseum in Berlin besichtigt werden. Hammurapis Rechtssammlung war keineswegs einzigartig. Bereits 300 Jahre zuvor schuf der sumerische König Urnammu ein ähnliches Werk, und 100 Jahre vor Hammurapi ließ Lipitschar, König von Isin, ebenfalls eine Stele beschriften, d.h. das Recht ist ‚mit historischer Begründung’ als Pflicht geschaffen worden.“ (Quelle: Wikipedia)

Noch heute erinnert unser Obligationenrecht (ZGB) daran. Obligo ist Verpflichtung. Das Obligationenrecht ist Quelle der Privatrechte aus Vertrag, illegitimem Handeln und Gesetz. Aufs Menschenrecht auf religiösen Frieden in theologisch-liberalem Sinne ‚umgemünzt’: Es ist die Pflicht, sich für den freien Zugang zu Gott jedermanns fernab von Dogmen, Zeremoniells , Vergottung einer Kirche etc. zu engagieren. Menschenrechtspflichten sind in der UNO-Charta zwar nicht explizit erwähnt, noch weniger eine Menschenrechtsverpflichtung auf religiösen Frieden, doch ist die (bewusste) Fiktion einer solchen Verpflichtung die Basis dafür, von Menschenrechte zu sprechen, sie durchzusetzen, wenn Menschen(rechte) verletzt werden. Um ein Verletzen von Menschen, nicht ein Verletzen von Menschenrechten dreht sich die Frage, wie längst hervorgestrichen worden ist, und insoweit sind Menschenrechtspflichten einzig ein diplomatischere Trick, um Menschenrechte zu behaupten zu haben, die immer noch einen schweren Stand haben (bspw. in der Ausweisungspraxis der Schweiz im Verhältnisse zu den Schwächsten im Asylwesen). Die Menschenrechtsverpflichtung ist die im Menschenrecht innewohnende Verpflichtung, das entsprechende Menschenrecht (auf religiösen Frieden) einzufordern, wenn Menschen in ihrer Glaubens- & Gewissensfreiheit beeinträchtigt werden: Propagieren von einem Recht auf religiösen Frieden, Begleiten von Prozessen, darin Glaubensfreiheit berührt ist, etc., bis sie im Willen der Völker und Länder als Freiheits-Garantie zu verankern ist: Ein ebenso hohes Ziel wie Demokratie, in welcher die Menschenrechts-Pflicht zu religiösem Frieden ‚inbegriffen’ zu sein scheint.»

Text: Jean-Claude Cantieni, Chur

Kirchtüre

Kirche Bivio

Anm. sml: Die reformierte Kirche Bivio ist offen, genau gleich wie die Mosche, nicht aber reformierte Kirchen in Zürich …

katholische Kirche Bivio
Öffnungszeiten

… Menschenrechte – Menschenpflichten – Religiöser Frieden kommen oft mit Krieg in Kontakt. Der Finanzblogger würde gerne einmal in die Kirche schauen, denn in Folge des Deutschen Krieges (auch Preussisch-Österreichischer Krieg genannt) von 1866 besteht eine Verbindung zwischen Bivio (220 Einwohner) und dem Kaiser-Dom Sankt Bartholomäus in der Finanzmetropole Deutschlands – in Frankfurt am Main genannt Mainhatten, für die einen der 2/3 Millionen Einwohner Sonnenseite, für die andern Schatten, bewölkt … Gegensätze, Rechte, Pflichten

Foto-(Montage) und Bemerkungen dazu: Stephan Marti-LandoltFinanzblog

Luther schreibt dem Papst


Luther schreibt Papst Leo X am 6. September 1520, er, Luther, „möge nit leiden Regel oder Mass, die Schrift auszulegen. Dieweil das Wort Gottes, das alle Freiheit lehret, nit soll noch muss gefangen sein.“

Regel, Masse, Dogmen haben die Religion nicht gefangen zu nehmen. Freies Christentum heisst, sich keineswegs auf die Verbindlichkeiten festzulegen, mit denen man Offenbarung zu begreifen glaubt, heisst, Definitionshoheit über (fremden) Glauben als angemasst zurückzuweisen. Die Offenbarung ist für ein Glauben bestenfalls verbindlich, das sich sein eigenes fragwürdig-vorläufiges Zeugnis abverlangt anstatt Handgeld bei einer Lehrautorität nimmt. Die freie Annahme göttlicher Offenbarung ist ein Menschenrecht, wenn denn Glauben, wie wir Liberalen ihn titelgerechterweise zu verstehn haben, aus Freiheit zu glauben kommt bzw. zu kommen hat, wenn und wo dem so (noch) nicht ist.

Link zur Luther-Bibel von 1545

Text: Jean-Claude Cantieni, Chur

Kant und die Religion heute Morgen


Hörte den Vortrag meines Vorvorgängers Pfr. Peter Niederstein in der Arbeitgemeinschaft Freie Theologie im Hotel ‚Stern’ in Chur „Kant und die Religion’ heute morgen“.

Der Referent votierte gestützt auf Kant, für eine Religion, die Geschichte reflektiert, welche das Leben erzählt, statt Predigen von Dogmen. Am Anfang war die Tat, welche durch das Gewissen, Ehrfurcht vor dem Geschaffnen, angeleitet ist. Die anschliessende Diskussion spitzte sich auf unser heutiges Reden in Religion zu: Was heisst denn heute bspw. ‚Gottessohn’, der Sohn von Gott? Wie weit darf Spatzung zwischen Naturwissenschaft und Glauben im Reden gehn, ohne, dass Missverständnisse entstehn, die letztlich zu Glaubenskriegen führen, seit auch Atheisten zu Missionaren geworden sind. Gertrud von le Fort hat sich in ihrem schmalen Büchlein ’Am Tor des Himmels’ mit der Redensart zwischen Glauben und moderner Wissenschaft beschäftigt. Ich habe die Diskussion damit aufgenommen und sie ganz zum Schlusse auf unsern Diskussionsstoff an der Synode in Bivio zugespitzt:

Gertrud von le Fort (genannt: Gerda von Stark) in ‚Am Tor des Himmels’ (nach «Sehr geehrte Damen und Herren»: ‚Ich glaube, Sie als Naturwissenschaftler fürchten sich davor, Gott wieder zu finden, nachdem er im All nicht mehr zu entdecken ist.’ Naturwissenschaftler: ‚Ja, vielleicht ist es so: Wir fürchten uns, denn wir stehn überall an den äussersten Grenzen, und wenn wir wieder zu Gott fänden, könnten wir ihn nicht mehr in unsere Kausalitätsgesetze einschliessen – dann würde es ein Gott sein, der wirklich etwas zu sagen hätte. – Aber einstweilen ist es noch nicht so weit, also nützen wir unsere Freiheit.’

Ob das Problem der verschiedenen Aussage- bzw. Erklärungsweisen zur selben Welt eines ist, das damit zu tun hat, dass der Logos des Johannes-Evangeliums ‚am Anfang war der (Wort-)’logos’ sich strikt an die Sprache, ihre grammatikalischen Regeln, gebunden hat, ohne dass beachtet bleibt, dass die Sprache sich dadurch auszeichnet, dass sie von endlichen Mitteln einen nach oben offenen Gebrauch zu machen hat? Was ist verschwunden, als das Bewusstsein in Sprachformeln zu diktieren begann, was wahr glauben heisst? Wie kommen wir zu einer Archäo-Logie zurück, d.h. zum Ausgangspunkt des Logos ‚zurück’ bzw. eher vorwärts, um zu einem Glauben zu finden, welcher den amorphen Dunst des Religiösen von ‚Sohnesschaft Gottes’ lichtet und der Wirklichkeit eine kohärente Form verleiht, nachdem die Vernunft sich an die Rationalität der Sprache heute binär klammert? Gilt es, den Grad Null wieder zu finden, re-ligere, an welchem menschliches Erfahren noch nicht geteilte Erfahrung der Teilung zwischen Glauben, Irren selbst in schriftlicher Fixierung, Dogma, ist, jene Gnade der Stunde von Einheit in Geschichte, Sprache einzuholen, Vorsehung in der Zeit in einer Sprache zu denken, in welcher noch nicht verschwunden ist, was erodierte, als die Vernunft das Wort im Sinne des Logos als das Wort ergriff? Ob wir dann zwangsläufig bei der faustischen Tat anstelle des Wortes landen?

‚Unser’ Bündner Richard La Nicca, Pfarrersohn und erster Ingenieur, welcher dem damals jungen Kanton Graubünden eine integrale Kulturlandschaft schuf (1. Drittel 19. Jahrhundert) schrieb sinngemäss: ‚Die Tat, das bin ich’, und auch, dass er sich als ‚nützliches Werkzeug Gottes auf Erden’ empfinde – eine glaublich bemerkenswerte Personifizierung, welche sich in der Bibel in verwandter Weise findet, wenn Christus sagt: ‚Ich bin der Weg, die Wahrheit & das Leben.’ Weg (zur Tat?) ist erste Person Einzahl. Die Franzosen haben’s einfacher als wir. Sie kennen das ‚sujet’ für das Subjekt einerseits und den Stoff, um den es ihm geht, ebenfalls als sujet, vielleicht, weil wir Menschen (anders denn das Tier) im Leben eine Aufgabe vorfinden, mit welcher wir uns zu identifizieren haben. Unser Dasein ist unsere eigne Aufgabe unter dem Verdikt von Selbsterhaltung als eine selbstverständliche bzw. natürliche Verpflichtung vor uns selbst. Ob wir heute noch Werkzeug Gottes sind? Vielleicht, dass Nietzsche recht hatte, als er Gott eine zu stark gewordne Hypothese für den modernen Menschen mit seinem Weltbild, seiner technisierten Welt bezeichnete. Was hat die Metapher vom Gottessohn sprachlich heute noch für einen Inhalt? Diesen Inhalt gab’s zwar einmal: Als Menschen sich von Naturgefahren bedrängt fühlten, sich existenziell ängstigten, je weiter zurück wir die Geschichte verfolgen je mehr, in Opfern ihre sündig geglaubte Seele entlasteten, war ‚Gottessohn’ eine lebenserhaltende Projektionsfläche, welche dem Verängstigten half, den Armen davor bewahrte, in Nichtigkeit zu fallen. An die stelle des Leidens für eigne oder fremde Schuld trat seither die Tat: La Nicca bändigte den mäandrierenden Rhein im Domleschg. Dieselbe Entlastung, welche Menschen brauchen, steckt auch in der Kreuzestheologie, die Kant (später Nietzsche) angriff. Leiden erlöst seit Holocaust und Hiroshima kaum mehr.

Die Naturwissenschaft erfindet fortlaufend. Längst alles ist nicht wahr, doch so sehr wahr, dass es funktioniert, während die Theologie glaublich immer noch am Primat des Wissens festhält. (In der Universität ist die theologische Fakultät zuerst aufgelistet.) Ein letzter fundamentalistisch anmutender Winkel ist keineswegs ausgeräumt. Religion ist deshalb verhalten, zu Symbolen bzw. Ideenfluchten zu greifen, wo Geschichten, in welchen das Leben selber erzählt, vielleicht religiös erhellender wirken, auch wenn sie nicht ganz wahr sind: Ob all die Geschichten um Franz von Assisi wahr sind: Was spielt das denn für ein Rolle? Loslassen ist die Parole, nicht einzig bei den Psychologen. So, frei formuliert, Gertrud von le Fort, wenn sie schreibt, dass man die Geschicke des Glaubens Gott anheim geben sollte – statt, bleibt zu komplementieren, Ihn in eine sprachlich cartesianische Denkgeste zu zwängen, die sich anheischig machte, für allen Zweifel bzw. Irr-Glauben von Häretikern an der Welt kompetent zu sein. Papst Benedikt erscheint als ehemaliger Dozent, Lehrer, in seiner neuen Jesus-Biographie gefangen in diesem davon herrührenden perfektionistischen Schema: Die Seelen der Häretiker (von griechisch hairesis, wählen) irren, doch sie sind ‚letztlich’ belehrbar. Sache der Religion, seiner, des Papst, Religion, ist, den Irrtum im Glauben Andersgläubiger zu durchdringen. Dieses Dogma, der Irrglaube muss verstanden werden, hat die Wissenschaft durch die Religionsgeschichte wie die der Psychologie, Psychoanalyse vorangetrieben (vide M. Foucault). Was ist da alles an Erfahrungen des Glaubens auf der Strecke geblieben, bis wir heute ‚Gottessohnesschaft’ buchstabieren? Eine neue Aufklärung tut not, die von Paternalismus, Utilitarismus & Perfektionismus abstrahiert, die alle drei obsolet sind, wenn unter den Menschen religiöser Friede etwa mittels einem Fairplay als Gerechtigkeitsidee, deren Rolle ist, den heute verschiedenen Vorstellungen von Gerechtigkeit zusammen zuzukommen, liberal zu walten hat. Wir verbinden mit diesem Postulat, dieser Obligation, diesem Obligo als Religio, dass der religiöse Friede mit Menschenrechten & -pflichten verbunden wird, er aus dem Himmel unter die Menschen mühlselig-gnädig unters Kreuz gekrümmt wird. – Selig bleibt selig, Kreuz bleibt Kreuz, ohne, dass Blut –weiters – fliesst. Der Traum Kants, Verheissung ewigen Friedens würde sich dann doch noch erfüllen, auch wenn auch Kreuz Kreuz bleibt.

Text: Jean-Claude CantieniChur

Bivios Mehrsprachigkeit


Bivios Mehrsprachigkeit und Glaubensfreiheit; komplementärbegrifflich

In einem Bivio, das italienisch, deutsch, romanisch, bregagliott (das Idiom des benachbarten Bergells) spricht, die gleiche Aussage einmal so und dann anders klingt, d.h. sich eine natürliche Notwendigkeit ergeben hat, Identität sich dual, statt bestenfalls einzig binär vorzustellen, mögen sich Spuren auch von dem erhalten haben, was in der Geschichte geschah, als die Sprache sich des Glaubens bemächtigte, ihn schriftlich fixierte, disziplinierte, Freiheit des Denkens, Inhalte von Freiheit des Glaubens forcierte?

Mehrsprachigkeit lenkt Aufmerksamkeit darauf, dass Menschen dazu bestimmt sind, ihre (Sprach-) Möglichkeiten, Aussagen, Chancen nach bester Kraft und in aller Willens- & Glaubensfreiheit auszuschöpfen, weil wir ja nicht frei sind, nicht zu wollen (John Locke), und doch uns im Glauben in einer Sphäre absoluter Freiheit bewegen, die sich mit Skepsis verbindet, ein (Selbst-)Sicherheitsproblem birgt. Glaubensfreiheit verlangt so nach einer natürlichen Verpflichtung, für die Freiheit des Glaubens als des individuellen Zugangs zu Gott zu pro-testieren (lateinisch pro, für, testare, zeugen), wenn wir schon nicht darin nicht frei sind, nicht zu wollen. Was denn also sollen, um frei zu sein: Wir ‚Kultur-Protestanten’ wissen darum, dass Religion wie Kultur eine Frage des kontrollierten Gebrauchs von Freiheit an einem Zwei-Weg mit Rechten und Pflichten nach einem liberalen secret and tacit consent (J. Locke), der in lokalisierbar, in Irdigkeit er-örterbar in Reflexion und Aktion statt Deklaration ist: Mehrsprachigkeit als ein Mehr an Sprache, als Mehr als Sprache bzw. ihre schriftliche Fixierung selbst in ‚Heiligen Schriften’, insoweit sie Vormacht vor natürlichen Verpflichtungen in der Sorge um den religiösen Frieden, der sich ‚mit historischer Begründung’ einzig aus einem Wissen um Erbarmen speist, für sich beanspruchen?

Bi-vios als anthropologisch-archetypische Entscheidungssituationen bedingen Vorrangregeln. Die Synode wird die Situation, in der sie darzustellen und für jedermanns freien Glaubensentscheid herzustellen sind, keineswegs nochmals, d.h. über die ‚Kanones’ des Alten & Neuen Testamens hinaus, kanonisieren wollen, damit der Glaube sich mehrsprachig-mannigfach frei zu artikulieren hat, Verkündigen des Gotteswortes über das Wortwörtliche hinaus zu erfolgen hat, welches das mehrsprachige Glauben zum Schweigen brachte, indem es das Aussagbare als geschlossnes System erklärte und keineswegs einzig über einzelne Aussagen entschied oder auch verbot. Das Aussagbare selbst, etwa in den Menschenrechten & -pflichten ist – analog zum Archiv – in seiner Aktualität keineswegs zu umreissen. Würde man das versuchen, müsste der Ort ausgemacht werden, von dem aus es zu umschreiben wäre. Bivio als wechselseitiger Durchgang kommt hierfür keinesfalls infrage, ein Bi-Vio ist überall, und in und an ihm kann alles stattfinden, doch in Bivio als alles als das Eine in allem, indem es hier mehrsprachig zu denken, fast schon an es als an den als einen (neustamentlichen) nicht selbst-verständlichen sondern mehrsprachig-dialogswilligen einen väterlichen statt (alttestamentlich) einsamen Gott einer prekären Schöpfung zu glauben ist.

Farbenfroh feiern – im Sikhtempel Langenthal


> Lieber Stephan,
> herzlichen Dank für Deine Teilnahme beim Einweihen des Sikh-Tempels & Deine breite Blog-Reportage mit all den leuchten Bildern von
fröhlichen Menschen.

Dass

Einzelne von der Feier aus Sicherheitsgründen abgehalten wurden, wie Du schreibst, schlägt einer ‚Eidgenossenschaft‘ ins Gesicht. Die rapportierte Feier in ebenso feierlichen Farben erinnert an ein Wort von R.M. Rilke, wonach der Sinn für das Blumenhafte abhanden gekommen ist, was auf mit der Sikh-Feier
umgemünzte Multireligiosität heisst: Es kommt nicht auf die einzelne Blume (oder Religion), sondern auf den Blumenteppich an. Platon hat den
Unterschied zwischen dem bestimmten und in-definitiven Artikel, d i e
Blumenpracht bzw. e i n e einzelne Blume, Ernst genommen, und vielleicht bleibt das unsere Hoffnung auf Durchsetzung von einem Menschenrecht auf religiösen Frieden, dass die Religionen und Konfessionen sich kompetitiv austarieren, keineswegs, indem sie nach einem kleinsten für alle stimmigen Nennerfragen, sondern, indem sie sich mühn, nach einem Ur-Bilde, dem Selbst des Religiösen, ihrer Grammatik, daraus sie sich generiert, zu forschen.

Im ‚Bonhoefferjahr 2006‘

müsste das Mittragen von Leiden des Nächsten – und von Gott in einer gottfernen Zeit rund 2000 Jahre nach Verheissung des Gottesreiches – mit in Religion enthalten sein, die sich damit von Lehre, System und ihrem Blendwerke abzuheben hat. Kann denn Gott sich überhaupt in einer einzigen Konfession oder Religion offenbaren, so dass diese Religion anzubeten wäre? ‚Soli Deo gloria‘, schrieb Johann Sebastian Bach als reformatorischer Komponist stattdessen über seine Partituren,
darin das (musikalische) Ganze, ‚Ur-Bild‘ von Musik, erstmals erklang. Ob
wir Ähnliches in der Arglist der heutigen Zeit 717 Jahre nach 1291 nochmals ’schaffen‘? Ein paar Nachbarn am Seeufer des Rütli verbündeten sich damals, um darin zusammen frei zu werden, zu konkreten Ur-Weisen des Zusammenlebens versus absolutistischen Hierarchien, Ideologien ‚jenseits von gut & böse‘ zu finden.

Glaubens- & Gewissensfreiheit

, um deretwillen unser Dachverband freier Protestanten CH gegründet wurde, steht im Kontext solcher Verständigungsbereitschaft, national damals global heute mittels der Figur des Menschenrechts auf religiösen Frieden, welches der damalige amerikanische Präsident Franklin D. Roosevelt unter dem Eindruck der pseudoreligiösen Verstrickungen im Kriege erstmals artikulierte
> > Mit gutem Grusse,
> > Jean-Claude Cantieni
> >

Primat


i/S. Primat – in der Religion; Es galt in der Religion der klassischen Griechen. Gott-Vater Zeus regierte als primus inter pares eher schlecht und recht. Der Götterhimmel zeigte für die Menschen einsehbare Schwächen. Aristophanes stellte die Götter als Vögel dar, stellte eine Konkurrenzordnung zum Götterhimmel unter den Menschen auf.

Der alttestamentliche Gott zog die Konsequenz daraus, dass der Olymp mit dem Prinzip von ‚primus inter pares nicht funktionierte, indem er sich als Erster zugleich als Einziger, Einzigartiger setzte. ‚Ich bin dein Gott, und du sollst keine andern Götter neben mir haben.’ Das Primatsprinzip mag im Orchester zwischen dem Primgeiger und den übrigen Geigern funktionieren, doch nicht im Götterhimmel, denn von der Primzahl, welche in der Kryptographie zum Verschlüsseln von Botschaften in Zahlen beliebt ist, sprechen wir als von einer natürlichen Zahl, die einzig durch eins und sich selbst zu teilen ist, das Primat ist nicht als Produkt zweier Zahlen darzustellen. Ein Primus inter pares als so eine Weise von Demokratie existiert somit in der als ideal gedachten Religion zumindest eigentlich keineswegs. (Die katholische Kirche zog daraus die Konsequenz, indem sie sich hierarchisch strukturierte.)

Im göttlichen Primat des Zeus, lateinisch Iovis steckte Justiz, Gerechtigkeit. Mit dem einzigartigen Herabsteigen Gottes, des Einzigen, und dessen Erleiden des irdischen Todes als das dramatische Moment im christlichen Glauben durchbrach dieser auch das Prinzip bzw. die Anklage eines ‚Fiat iustitia, pereat vita’, d.h. Es überlebe mit dem Primat Gottes Gerechtigkeit, auch wenn das Leben dabei verdirbt. Der Satz geht auf Kaiser Ferdinand I zurück, welcher als Ferdinand der Gütige in die Geschichte einging. Neben die Justiz trat ins Recht setzen von Gnade (E. Jüngel?), Einzigartigkeit eines Wissens um Erbarmen (1. Kor. 13.3), als Protestform, Glauben & als Quelle des Menschenrechts im Blickwinkel freier Protestanten.

Die Wende, Abkehr vom Olymp als Göttersitz in der klassischen Antike vollzog sich durch Sophisten, Gelehrte, die ‚Realwissen’ verbreiteten, das als Geist formende Kraft verstanden wurde. Protagoras wurde damit zum Begründer des Humanismus, und doch war dieser noch strikt das, was von Fall zu Fall der Gesellschaft zuträglich war. Sollen wurde zur Frage des sich stets verändernden Zuträglichen Ordnung heisst nun: Krieg ist der Vater aller Dinge. Das Naturrecht des Stärkern begann zugleich den Staat und die Religion zu gefährden, indem die Götter gleichsam zur geheimen Staatspolizei wurden. Zu welcher Macht wächst heute der Geheimdienst im ‚Kampfe versus Terrorismus’ heran? Polizei bedeutet (zumindest in einer tradierten Lehre) rechtsfreier Raum, Gewaltverhältnis.. Die Alternative in heutiger Arglist der kriegslüsternen (Nachkriegs-) Zeit eines göttlichen Interregnums (so der Beginn des Bundesbriefs von 1291 bekanntlich) heisst, Durchsetzen von ‚Menschenrechten auf religiösen Frieden’ als dritte Aufklärung über Primate, Primzahlen als Sujet von Kryptographien, d.h. Verschlüsseltheiten – nach derjenigen der antiken Sophisten und der Solchen im 18. Jahrhundert mit Voltaire, Lessing & Kant.

Namensänderung


Unser Name «Schweizersicher Verein für freies Christentum» ist vielfach erklärungsbedürftig – wir suchen einen neuen Namen.

An der heutigen Vorstandssitzung wurde einstimmig beschlossen, den Sektionen folgen neuen Namen des Dachverbandes vorzuschlagen:

l i b r e f .

ehemals Landeskirchlicher Schweizerischer Verein für freies Christentum – gegründet 1871

Signet

Zusammenstellung: Jean-Claude CantieniDr. phil. IVerena BurkolterProf. Dr. Werner GallusserStephan Marti-Landolt – finanzblog