Erinnerungen zum letzten Flug von Walter Riedweg

Lieber Walter

du hast die „mobile Kommunikation“  in der Schweiz eingeführt. Dank dem Handy, Mobile, das ich immer noch Natel nenne, kommunizieren heute Abermillionen in unserem Land. Nicht im Sekundenbereich, Stundenlang heutzutage. „Mein Gott Walter„, einen Tag vor deinem 65. Geburtstag haben wir einige Stunden darüber diskutiert und es der Nachwelt festgehalten. Deine Erinnerungen und Gedanken für die Zukunft. Der Originalbeitrag auf dem Blog des Kirchgemeindeverband des Kantons Bern ist zwar ganz verschwunden und bei libref unter „Mein Gott Walter“ fehlen die Bilder, aber Finänzler, du sogar mit Doktortitel, lassen sich nicht aus der Ruhe bringen: Im Finanzblog mit allen Bildern!

Du hast in der Schweizer Kommunikation Geschichte geschrieben und heute bringst du mich in Verlegenheit. Vermutlich kannst du diese Zeilen aus weiter Ferne lesen, aber so ganz sicher bin ich mir da nicht. Sie warten draussen im Briefkasten, dass der Brief an „Walter Riedweg sel“, morgen mitgenommen wird. Für heute war die Zeit zu knapp. Eine spezielle Briefmarke ist drauf – aus der Karibik. Helvetia steht drauf. Nicht ganz französisch Guayana, das dir und deinen Kunden später zu noch moderner Kommunikation verhalf. Dein letzter Flug geht höher als diese Raketen mit den Sateliten. Guter Flug und wir treffen uns wieder einmal. Deinen Angehörigen, vor allem deiner Frau Ida wünsche ich viel Kraft. Und entschuldige mich, wenn ich im „Plämpu“ nicht dabei sein kann. Ich bin in Leipzig an der Denkmal. Danke noch einmal, für dein Mitwirken und speziell dein Kommentar (am Schluss des Beitrages), als wir uns das letzte Mal in „Deiner“ Kirche getroffen haben und um in deiner humorvollen Sprache zu bleiben, „nimm die Pilger-Sondermünze mit, als Notgroschen für die letzte Pilgerei“.

An diesem ersten Pilgertag waren wir am Jordenweiher und haben über den Tod gesprochen. Auf meiner Beileidskarte ist ein Fluss abgebildet. „Jeder von uns muss einmal über den Jordan gehen“. Geniessen sie die ihnen verbleibende Zeit und setzen sie sich wie Walter für den Frieden unter den verschiedenen Religionen ein.

Waffenlieferung zum x-ten

Es ist fast wie schwarzer Humor – die Schweiz darf Waffen in Bürgerkriegsländer liefern.

Über dieses Thema gibt es schon einige Beiträge auf libref.ch.

Über meine Berufsgattung gab es politische Entscheide, die rund gleich viele Menschen in die Arbeitslosigkeit trieb, wie wenn die Schweiz keine Waffen mehr in Bürgerkriegsländer liefern dürfte. Wir von der Finanzseite waren gut ausgebildete Unternehmer oder hohe Angestellte und weil in der Finanzkrise nicht ganz alles zufriedenstellend lief, hat man die Kontrollen verschärft.

Ich schreibe es ganz böse. Wer betrügen will, kann dies immer noch problemlos machen. „Auf der Stelle blieben“ nur die Ehrlichen. Die Grossen und Unehrlichen können erschwert leicht weiter wursteln. Für sie sind die entstandenen Gebühren kein Problem.

Da mischt Politik mit. Hoffen wir, dass die heutige Crew der Finma aus den Führungs- und Kontrollfehlern der Finanzindustrie gelernt hat. Es ging ja, wie heute auch noch, nur um Finanzen. Das heisst, es ging um Geld, möglichst das, das in die eigenen Taschen landen soll.

Um Finanzen geht es auch bei der Kriegsindustrie. Rüstungsindustrie sagen die einen. Rüstung, das ist doch so ein metalliges Kleidungsstück – klobig, sperrig, hart.  Da sagt mir doch ein Bekannter: „Wenn wir die Waffen nicht liefern, dann liefern die andere und der Verdienst bleibt nicht in der Schweiz.“ Bireweich! Oh du Fröhliche. Gar Ostereier essen und früher Eiergranaten produziert. Das „Bireweich“ müssten auch andere hören.

Das passt nicht in die Schweizer Neutralität!
Der Blick: Saudis töten mit Schweizer Sturmgewehren!

2/3 sind dafür, dass wir keine Waffen liefern sollen – so das Resultat in der Umfrage. Nur, die Frage ist echt verfänglich gestellt. Negativ und da muss man anders reagieren!

Soll die Schweiz den Saudis keine Waffen mehr liefern? Auf diese Frage kann man nicht mit NEIN antworten. Die Antwortmöglichkeit müsste „DOCH“ sein und ich bin überzeugt, dass ein schöner Prozentsatz mit NEIN geantwortet hat und die wollen auch, dass man keine Waffen mehr liefert.

Beim Pilgern nächstes Jahr gibt es genügend Stoff über die politische Strecke durch Bern – mehr am Schluss des Beitrages der heurigen Strecke „Kinder Krieg-en“.

Waffen liefern ist behördlich in Ordnung, Werbung erlaubt.

Kugeln sind erlaubt!

„Waffen können tödlich sein, fragen sie ihren Arzt oder Bestatter.“

 

Nahrungsergänzungsmittel und die Komplementärmedizin haben es da viel schwerer. Behördlich kein Segen für Heilsversprechen.

Kügeli sind verboten!

„Calendula oder Schwedenbitter helfen gegen Kriegs-Verbrennungen“

 

Und noch etwas aus der Schule geplaudert. Weil die Lang-Stiftung rein theoretisch Geld waschen könnte, verlangen die Behörden grobgesagt, dass sie revisionstechnisch einer kirchlichen Behörde unterzuordnen sind. So weit so gut, aber wir sind absolut niemandem verpflichtet. Die Lang-Stiftung wurde von ibref., damals noch unter anderem Namen, gegründet. Vorher hatte unser Verein einmal die reformierte Kirche der Schweiz geprägt. So gesehen, müssten die kantonalen Kirchen eigentlich uns unterstellt werden.

Viele Juristen sind wie Engel! Weltfremde Lebewesen – vielleicht gar Fabelwesen!

 

 

Bangen und Hoffen um den Frieden in Israel und Palästina

Dienstag, 13. November 2018, 19.00 Uhr  im Kirchgemeindehaus Petrus, Brunnadernstrasse 40, Bern

Vortrag von Frau Prof. Sumaya Farhat-Naser, Birzeit, Palästina

Lagebericht und Gespräch mit der Referentin 

Die christliche Palästinenserin studierte in Hamburg Biologie, Geografie und Erziehungswissenschaften und kehrte danach in ihre Heimat zurück. Die Menschenrechts- und Friedensaktivistin war Professorin für Botanik und Ökologie an der Universität Birzeit in Palästina. In ihren Büchern und Vorträgen berichtet sie über ihr Leben unter israelischer Besatzung. Seit vielen Jahren koordiniert die Fachstelle Ökumene, Mission und Entwicklungszusammenarbeit (OeME) der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn ihre Vorträge. Zwei Mal pro Jahr kommt sie dafür in die Schweiz. Sie tut dies, um gegen die vorherrschenden Vorurteile über die Situation der Palästinenser anzukämpfen.

„Der Nahostkonflikt ist zermürbend. Die Verzweiflung dauert an. Viele Menschen werden dadurch passiv. Aber ich habe viele tolle Sachen während all dieser Arbeit und in meinem Leben erfahren, woraus ich Kraft und Hoffnung schöpfe. Mein Lebensprinzip lautet, etwas so lange zu versuchen, bis es klappt – auch wenn es zwanzig Anläufe braucht. Ich will nicht nur die Situation beklagen und andere dafür schuldig machen, sondern will mit meinen Taten zu positiven Veränderungen beitragen.“

Glauben Sie weiterhin daran, dass Palästinenser und Israeli eine gemeinsame Heimat haben können?

„Die Situation ist sehr verfahren. Eine gemeinsame Lösung wäre wünschenswert. Aber eigentlich ist es egal, welche politische Form, ob eine Ein- oder Zweistaatenlösung, gefunden wird. Das Wichtigste ist, dass alle in einer Demokratie in Freiheit und Frieden leben können. Es ist unabdingbar, dass die Menschen wieder die Oberhand gewinnen und dass nicht Ideologien die politische und gesellschaftliche Situation in Israel und Palästina bestimmen.“

Niklaus von Flüe und Bruder Klaus

…in den Augen des Theaterautors, Regisseurs und Musikers

Vortrag von Simon Jenny, Musiker, Pfarrer und Theaterautor

Dienstag, 16. Oktober 2018, 19.00 Uhr

offen für alle, Kollekte am Ausgang

Kirchgemeindehaus Petrus, Brunnadernstrasse 40, Bern

Bus Nr. 19 bis „Petruskirche“

Simon Jenny hat Horn, Klavier, Schul- und Kirchenmusik studiert, war als Hornist im Tonhalle Orchester Zürich, dem Festspielorchester Luzern, sowie verschiedenen Kammerorchestern und leitete verschiedene Chöre.       Es folgte das Theologiestudium in Bern und die Gründung des Uniorchesters Bern. 19 Jahre war er Pfarrer in Huttwil und Leiter der Huttwiler Kirchenspiele (Musik, Tanz, Schauspiel). Seit 2006 ist er Leiter der Oekumenischen Akademie. Seit 2011 leitet er die Thuner Kantorei in Konzertabenden mit Musik, Texten und Kunstinstallationen. In verschiedensten Theaterprojekten brachte er als Regisseur Stücke im Schnittpunkt von Theater, Musik und anderen Medien zur Aufführung. Sein MusikTheater „Der Ranft-Ruf“ zum Jubiläumsjahr 600 Jahre Niklaus von Flüe fand 2017 tief berührende Aufnahme und wird im Herbst 2018 wieder an fünf Aufführungen zu sehen sein.

„Theater, Musik und Texte ziehen sich wie ein Band durch mein Leben.“

Veranstalter: Forum Kirche und Gesellschaft Bern

Samstag, 25. August 2018 – 2. Etappe bei „Friede herrscht – proref pilgern“

Die einzelnen Pilgerstationen 20 – 39 mit dem Thema „Kinder Krieg-en“ sind hier ausgiebig beschrieben. Ich beschränke mich auf einzelne Stationspunkte mit Ergänzungen oder speziellen Erlebnissen.

Zufall? Als ich heute die friedlich geschossen Bilder auf den Kompi rüberbeame und zu schreiben beginne, spricht einer im Radio. Ralph Wiki. Ralph kennen wir doch, wie er genau eine Woche vor unserem ersten Pilgertag betet (unten am Beitrag). Die Hitparade August 1981 läuft. Damals war ich etwas mehr im Stress – mitten in den Abschlussprüfungen. „Oh no no“ in der Parade – ich hab es trotzdem geschafft, also „Flieg nicht zu hoch mein kleiner Freund„. Eine der schönsten Schnulzen, die je die Leiter erklomm. „La Provence“ und „Angel of the morning„, das gut zum gestrigen Pilgermorgen passt.

Wir treffen uns am Europaplatz beim Haus der Religionen. Rund hundert Anwesende! Huch, uns dürfte ein anstrengender Tag bevorstehen! Nur keine Angst, die PilgerfreundInnen halten sich in Grenzen. Wir stossen auf die Vorbereitung des Festes der Hindus und verweilen länger als geplant hier. Toll die Stimmung hier. Wie das Fest genau heisst, bekomme ich nicht mit … schaut selbst. Eine Pilgerin begleitet uns, die als Kleinkind etwas Tamil verstanden hat und bis zum Alter von 5 1/2 Jahren in Indien lebte. Deutsch der Eltern und Englisch mit dem Hauspersonal und im Kindergarten war schon genug. Also begnügten wir uns Englisch und Deutsch.

Wir werden von Vasanthamala Jeyakumar ganz herzlich begrüsst und stellen fest, dass das Fest in zwei Stunden beginnt. Brigitte Rothach weilt in den Ferien. Ihr Mann, Konrad Schmied ist der Präsident der Lang-Siftung und am Freitag habe ich meinen Kommentar zur Stiftungsaufsicht abgegeben. Die Teilnehmer würden sich freuen, wenn wir die übernehmen werden. Damit sind schon mindestens drei Vorstandsmitglieder dafür. Statutengemäss brauchen wir jetzt noch zwei und der „Handel“ ist abgeschlossen und die Stiftung kann den Handelsregistereintrag vervollständigen. Greifen wir zwei Stunden vor:

Feuer auf dem Kopf! Dabei ist es heute gar nicht so heiss. Der erste „vernünftige“ Tag diesen Sommer fürs Pilgern – 17 Grad. Einmal gab es kurz Regen … aber später mehr dazu und jetzt wieder der geplanten Reihenfolge der Pilgerroute nach.

Vorbei an der schönsten Stein-Brache in der Stadt Bern – dem Warmbächli, dem Standort der ehemaligen Verbrennungsanstalt. Verbrennung – das Stichwort. Drei Tage vorher habe ich es fertig gebracht, Tapeten zu entfernen, die siebenundvierzig Jahre hinter einem Schrank angeklebt waren. Genau dort, wo keine UV-Strahlen hinkommen. Tapete, Kleister und Wand haben sich so total verfestigen können. An Stellen, wo Licht dazu kam, hat Wasser und der Tapetenfuchs oder Tapetenigel gereicht, um alles zu entfernen. Also muss man das Dampfgerät zu Hilfe nehmen. Dampf am Körper macht nicht wirklich Spass. Vor allem in der Halsgegend, wo es beim Pilgern vom Stoff reibt. Schwedenbitter ist nicht ganz einfach in der Schweiz aufzutreiben, aber eine Schwedenmischung geht auch. Bräuchte vierzig Tage zum Ansetzen. Daher improvisieren und mit Biorahmquark vermischen und darunter gehackten Breit- oder Spitzwegerich und Frauenmänteli mischen. Hilft echt gut und vor allem die Brandstellen täglich mehrmals mit Ringelblumensalbe einreiben …

… immer scheine ich zumindest einen gut gesinnten Engel um mich zu haben. Ich schalte eine Gedenkminute auf dem Bremgartenfriedhof ein und danke, dass ich hier, damals noch Teich, „nur“ eine Nahtoderfahrung hatte. Die meisten, die hier ruhen, waren eine Stufe weiter gekommen. Todernstes Thema, aber wir haben heute extrem viel gelacht … das hilft über manches hinweg. Wer Sarkasmus nicht verträgt, springt zum nächsten Absatz. „In Österreich ist ein Gleitschirmpilot in den Friedhof abgestürzt. Bisher hätten sie 200 Tote geborgen.“ Das erzählte mir ein Gleitschirmpilot, als wir im Tandemflug sechshundert Meter über dem Friedhof von Adelboden schwebten – bei aufziehendem Wintersturm. Eines stellen wir fest, auf dem Bremgartenfriedhof hat es immer weniger Gräber. Heute werden vor allem Gemeinschaftsgräber bevorzugt …

… wo heute vor allem Engel vorherrschen.

Auf der andern Seite der namenlosen Brücken schauen wir uns die Drehscheibe an. Sie existiert immer noch. Vermutlich sogar unter Denkmalschutz. Einen brauchbaren Link finde ich nicht. Drehscheibe ist ein vielfältiges Wort. Wir könnten es in der Schweiz für Frieden brauchen, wobei die Mehrheit der Politiker unsere Meinung nicht nachvollziehen kann. Die Hitparade kommt mir in den Sinn. Genau genommen Nicole – „Ein bisschen Frieden„. Übrigens, auf unserer Pilgerei entdecken wir viele schöne Blumen …

… und die ersten „Herbstblätter“. Blätter, die nach langer Dürrezeit beim ersten Regen abgeworfen werden.

Wir diskutieren über ein kleines Buch – „Wer war der Apostel Paulus?“ herausgegeben von Jochen Streiter. Es folgt demnächst eine Rezension auf diesem Blog. Das Buch wird von einer Pilgerin auf der Nachhausefahrt ins Tessin gelesen und heute an jemanden weitergegeben, der Martin Werner, den Verfasser, kannte.

Die Paulus Kirche, die schönste Kirche in Bern, war am Samstag geschlossen. Das erste mal hab ich sie von innen gesehen, als ich noch nicht einmal einjährig war. Taufe. Von aussen ist sie auch wunderschön. Grund genug, dass einige Pilger noch einmal nach Bern kommen werden. Wir werden aber entschädigt. Bei der Uni Tobler findet das Sommerfest der Paulus Kirchgemeinde statt.

… ein herrliches Gebäck von syrischen Flüchtlingen. Wir denken an die Panzerhallen der von Roll, die einige Strassen entfernt sind. „Bundesrat lockert Exportverbot für Waffen.“ Der wohl traurigste und umstrittenste Entscheid unseres heutigen Bundesrates. Wir Pilgerer sind eindeutig dieser Meinung. Übrigens, es müsste ja Pilger heissen, aber darüber haben wir in der Routenbeschreibung geschrieben.

Wir denken kurz an den Europaplatz zurück. Wieso heisst der nicht Weltplatz?

Zumindest hier herrscht Frieden. Auf dem grossen Flohmarkt kauft sich eine Pilgerin, eben nicht Pilgererin, eine modische Jacke für zehn Franken … gut, denn später bricht ein Sturm los, begleitet von Regen.

Die Kirche Köniz „von“ Max Balsiger zeigt sich von aussen in ihrer düstersten Stimmung.

Die Engelbank ist zum Abflug bereit, schon auf Schemeln – „auf dem Weg zu Max?“. Er wird von oben Freude an den nächsten Bildern haben!

Ursprünglich die älteste Kirche im Raum Bern …

Katholisch, zumindest der Decke nach zu urteilen – falsch, reformiert.

Die Königin Bertha von Claude beschrieben. Die Beschreibung von Longchamp geht nächste Woche in geänderter Schrift an eine Bekannte, die heute in hohen Alter mit einer übergrossen Lupe lesen muss.

Auf alle Fälle hatte unser früherer Präsident ein ganz stattliches Zuhause.

Langsam, nur 30, am Schluss des heutigen Tages und schon etwas müde.

Vielfältig war der Tag – der riesengrosse Wandbehang an der St. Michael Kirche in Wabern …

… und was finden wir fast am Schluss, kurz vor der Swisstoto. Einen Dolendeckel und ganz in der Nähe müsste das Lager der Dolologen zu finden sein – „der Einstieg zur Unterwelt„. Ein Mitglied in diesem Verein ist auch aktives Mitglied in der Sektion Bern. Vielleicht kommt er nächstes Jahr mit und erklärt uns einer der nächsten anzupilgernden Punkte in der nächsten Umgebung.

Der dritte Pilgertag – Inter-/Nationale Kirchen-/Politik -könnte spannend werden. Unser Präsident Jean-Claude Cantieni hat sich letztes Jahr bereit erklärt, diesen zu leiten. Diskussionspunkte gibt es viele. Zwei der letzten Tage:

Aber ganz am Schluss haben wir noch einen Blick nach oben gemacht …

.

… zum Garten Tower, dem neuen Wahrzeichen von Wabern.

Hier geht es zur Übersicht – Friede herrscht – liberales Pilgern.

Scheich Bentounès und Pfarrer Ernst Sieber

 

Zwei Beiträge unserer Vorstandsmitglieder darf ich ins Blog stellen. Der IARF-Weltkongress in Washington und die ausführliche Würdigung  von Pfarrer Ernst Sieber. Vermutlich hatte er viele Ähnlichkeiten mit Sheik Bentounès.

Die IARF-Tagung von Dr. Verena Burkolter, Brissago

REIMAGINING INTERFAITH  – „Die Gemeinschaft der Religionen neu interpretiert“

war das Thema des 32. IARF- Kongresses zu dem sich aus aller Welt und von allen Religionen rund 300 Teilnehmer (darunter auch eine grosse, geschlossene Gruppe von Japanern) versammelten, um sich Können und Fähigkeiten dazu zu erwerben und Netzwerke zu bilden, um Basisaktivitäten für die Friedensförderung zu stärken. Dieses Treffen soll alle Teilnehmer interaktiv bewegen, um ihren persönlichen Glauben und das tägliche Leben zu reflektieren. Von den Ideen her soll zu konkreten Aktivitäten geführt werden.

In einem der Tagungsräume in der Washington University stellten sich verschiedene Gruppierungen vor. So z.B. die IARF- chapters, die united nations assembly der USA,
das Wesley theological seminary.

Neben Vorträgen, Podiumsdiskussionen mit Vertretern aller teilnehmenden Religionen waren die CIRCLE-GROUPS sehr wichtig: in verschiedenen Sälen sassen um runde Tische immer neun Teilnehmer verschiedener Religionen zusammen, die jede Stunde neu gemischt wurden, um die gestellten Fragen zu antworten. In den Neunergruppe wurde manchmal auch unterteilt in Zweiergruppen, damit in einer ruhigen, stressfreien und freundlichen Atmosphäre offen  relevante persönliche Erfahrungen auszutauschen, zu reflektieren und zukünftige Handlungen zu planen. In den circle-groups gab es täglich ein Blatt mit positiven Affirmationen und Gedankenverstärkungen für jeden Teilnehmer wie z.B. „Ich komme jetzt als Mitglied dieser grossen Gemeinschaft in den Saal und gebe jeden Gedanken an Trennung auf.“ „Ich verwandle mich vom ICH zum grossen DU und bin eins mit dem Leben und unserer erweiterten globalen Gemeinschaft.“

Immer morgens um 07 h vor dem allgemeinen Programm und abends um 20.30 h gab es die Möglichkeit an einer interreligiösen Zusammenkunft (Gebet, Gesang, Meditation)
teilzunehmen.

Nach dem wichtigen  Punkt der Wahlen am 1. Tag (Witske Dijkstra gibt ab und neuer Präsident ist für die nächste Periode Ince aus England) sticht der PLENARY LUNCHEON des 2. Tages hervor: die Verleihung des Albert Schweizer Preises an den Sufi-Scheich Khaled Bendounès. Seit 1975 wird dieser Preis von IARF vergeben. Frühere Empfänger des Preises waren z.B. der Dalai Lama, sowie Karen Armstrong.

Scheich Bentounès ist Präsident der internat. Sufi-Vereinigung Alawiyya, die 2014 eine internat. Kampagne der Uno initiierte zur Errichtung eines Tages des „friedlichen Zusammenlebens“ der für den 16. Mai festgelegt wurde. Der Scheich hat Zentren im Welschland. Gerne würde er auch das Tessin und die Deutschschweiz besuchen, hat mir sein Sekretär gesagt.

Scheich Bentounès Haltung zu Religion ist universal und alle einschliessend. Er ist gleichermassen im Zentrum von mystischen Zusammenkünften wie auch bei interna-tionalen politischen Manifestationen.

Am gleichen Nachmittag fand dann vor dem weissen Haus in Washington eine Friedensdemonstration mit Reden und LIedern  statt – initiiert von IARF. Die Polizei war rund-herum beobachtend dabei.

Durch die ganze Konferenz wurde man in vier Themenreihen eingteilt. Das Zufallslos bestimmte mich für Thema 2 „Seine Gemeinde für den sozialen Wandel organisieren.“ Das Ziel : „Alle Mitglieder mit Werkzeugen versehen, damit sie ihre Gemeinde zu sozialem Wandel führen können.“

Inhalt der Thema 2 – Zusammenkunft war ein Ueberblick über das Vorgehen einer Gemeindereorganisation – geleitet von verschiedenen Religionsvertretern. Es wurde ein Kreis-lauf der Organisationsbildung dargestellt.
– Begonnen wird mit einer 1:1 – Beziehungsbildung. Jeder Initiator führt  -zig solche halbsstündige Gespräche mit schon bekannten Partnern, oder Unbekannten, die man kennenlernen möchte,  um eine task-force für den sozialen Wandel zu bilden. Es sind nicht Kaffeeklatschgespräche, aber auch keine therapeutische Sitzungen.
Auf diese Weise hat z.B. die Leiterin meiner Gruppe gezielt einen Banker für ihr Netzwerk aquiriert, der ihre Organisation auch finanziell unterstützte.

– Es folgen gemeinsame Sitzungen, wo vor allem zugehört wird, bis man sich zu einem gemeinsamen Ziel findet. Das Ziel der Organisation hat nicht vorgängig schon der Initiator bestimmt.
– Nun folgt die Bildung von Planungsteams.
– Darauf Studium der Medien für Schritte zum Ziel.
– Wichtig ist hierauf die Analyse der örtlichen internen und externen Machtverhältnisse.
– Nun wird ein sehr erfolgversprechender, eher kleiner Zielpunkt, der bestimmt zu gewinnen ist, angepeilt.
– Es folgen einzelne private Aktionen, um Eigeninteresse und mögliche Unterstützung / Verhinderung zu eruieren.
– Jetzt folgt die gemeinsame öffentliche Aktivität zur Gewinnung von Unterstützung (Geld, Mitarbeit, Training).

Das Fazit der Teilnehmer war:

– nicht reformieren, sondern transformieren!
– mehr zuhören als selber sprechen!
– sich der eigenen Ressourcen, aber auch deren der ganzen Gruppe bewusst werden¨
– es gibt keine schwierigen Partner oder gar Feinde der ganzen Gruppe, sondern „ISSUES“? (starke Aktionsfelder)!

Schliesslich wurden wir gefragt nach pers. Erfahrungen mit Kampagnen: Gäbe es Gebiete, die man anders hätte angehen können?
Welche Bausteine zur Organisationsbildung wünscht sich jeder Teilnehmer für das nächste Treffen?
Welches Thema hat der Gruppenleiter übersehen?

Die Schlusszermonie am letzten Tag mit Reden, Theater, Musik und pers. Gedichten war grossartig.  Mir persönlich bleibt ein Liedvers einer Afrikanerin haften: Kraft, Mut und Weisheit sind in mir drin!

Es folgte der zusätzliche Tag der IALRW (international association of liberal religious women). Die Präsdentin, Frau Kamar I. Kamaruzaman, aus Malaysia, konnte aus (polit.) Gründen nicht in die USA reisen, deshalb wurde kurzfristig eine SKYPE-Konferenz durchgeführt. Die ehemalige Präsidentin, Frau Kathy Matsui aus Japan, leitete den Tag, obwohl sie gleichzeitig Vorstand des japanischen IARF- chapters ist. Es wurden verschiedene Projekte vorgestellt, die am laufen sind (z.B. ein Alphabetisierungsprojekt für Frauen und ihre Kinder in Ladakh), aber auch neue, die dieses oder nächstes Jahr gestartet werden (z.B. ein Kunstprojekt für religiöse Toleranz einer Solothurner Kunstsschaffender).

Gedanken zu Pfarrer Ernst Sieber von Jean-Claude Cantieni, Chur

Wieverhalten sich randständig und anständig zueinander? Anständig in randständig und umgekehrt randständig in anständig? Das Lebenswerk Pfr. Siebers scheint mir zu sein, eine diesbezügliche Kontroverse zu überbrücken …

‚Macht weiter, ich habs heiter’

steht auf dem Grabmale Pfr. Dr. h.c. Ernst Siebers, welcher diesen Mai mit 91 Jahren verschied. Sein Lebenswerk, 16 Stationen für zuerst Obdachlose, dann Süchtige und nun Arbeitsemigranten folgen ihm im Tode nach Offenbarung 14,13 nach. Ja, selig sind die Toten, die im Herrn sterben, denn ihre Werke folgen ihnen nach.- Johannes Brahms hat den Text in seinem ‚Requiem’ vertont, welches zur offiziösen  tröstlichen Hymne liberalen Christentums ward.

Verwehrt blieb dem Verstorbnen, was er als Nationalrat  mittels Postulat, dafür er soweit erinnerlich 150 Mitunterzeichner gewann, sein Bundesdorf, für das er sich vorstellte, dass es von einem Schweizergeiste geprägt sei, der Einheit vor Verschiedenheit zwischen arm, reich, gesund, krank … setze. Er sprach insoweit an, was heute in einem Zeitalter zunehmenden Vereinsamens  aktuell geblieben ist.  Zch. hat mehr Single-Logis denn Familien-domizile.

Die Klientel Ernst Siebers galt bis anhin als Fall von Landstreicherei, war ein Delikt, welches die Polizei mobilisierte. Sieber setzte an ihre Stelle den Diakon, eine Art soziale Revolution. Revolutionär war das Umfeld damals. Als Student , Sonntagabend in Zch. angekommen,  rieb ich mir die Augen. Globuskravalle . Sie hatten mit dem Globus in Chur, meiner Herkunft, nichts zu tun. Auf Zürichs Strassen  prügelten sich Polizisten und Studenten, welche sich mit der Arbeiterschaft zusammenschlossen, um die  so genannte herrschende Ordnung zu stürzen, die sie als repressiv, diktatorisch empfanden, ein Protestmarsch durchwogte die Stadt, marschierte auf ein Polizeiaufgebot mit beschilderten, behelmten Uniformierten zu, die Gemüter erhitzen sich, bis der Pfarrer  Ernst, begleitet durch einen Esel (aus dem Garten bei Pfarrhause in Altstetten) sich mitten auf einer Brücke positionierte. Das Symbol des geduldigen – und zugleich störrischen – Esels wirkte. Die Protestierenden zogen in die nahe Stauffacher-kirche, wo der Dialog zwischen Strasse und Obrigkeit um konfliktfreie Auswege begann. Graue Theorie war out , Orthopraxie’ als Diakonie statt Kravall war – bei Pfarrer Ernst – angesagt.

Er sammelte Obdachlose in Tramhäuschen mit seinem VW-Bus  – seit der Seegfrörni 1962, der damaligen Eiszeit, ein, verbrachte sie in einen Zivilschutzbunker aus der Kriegszeit am Helvetiaplatz. Das Kinderlied singt vom Es schneielet, beielet, Häsch d’händscha un rot im Sack, so gib’s me arme Chind … -Rund 100 Stufen führten an den tiefsten Punkt zwischen Himmel und Erde hinunter. Die Hells Engels, damalige Gang in der Art Leonard Bernsteins ‚Westside Story’ ,hatten einen Zwischenboden zwischen Eingang und ‚Untergang’  für sich – und ihre Schiessübungen beansprucht, Zeit des Rockerkrieges;

Aus einer Zeugeneinvernahame

‚Nenad G. tritt ebenfalls als Zeuge auf. Er spielt den inkriminierten Vorfall herunter, um zu demonstrieren, dass ihm ein paar Schläge nichts anhaben könnten. Er prahlt von seiner Vergangenheit als Hooligan «Das waren richtige Schlägereien», sagt er. Das Bild von einem Freund, wie er ein Auge durch einen Steinschlag verliere, habe er noch heute im Kopf, doch er habe da die Angst verloren. Gewalt beruht auf Angst. ‚Macht ist Ohnmacht’, urteilte der Pfarrer.

Die vor dem Gericht parkierte Harley von Marc S. sieht der Staatsanwalt als Botschaft an die Justiz: «Ihr mögt die Herren da drin sein, aber wir sind es draussen.» Eine Antwort gibt der Staat schon während der Verhandlung. Die Harleys vor dem Gericht werden umparkiert; Machctdemonstration.

Der Bunker war Provisorium, zu gefährlich, wenn Betrunkene die Treppe hinter kollerten … Er sollte zu keiner Krypta werden, wo Tote verewigt werden. Felix und Regula sind in der Nähe  in einer Krypa enthauptetet worden (Wasserkirche), ruhn im Grossmünster.

16 ‚Aussenstationen’ so als alternative im Laufe der (Lebens-) Zeit mit Pfr. Ernst. Sie gingen auf Süchtige zu. In Johannes vier spendet Jesus lebendiges Wasser einer ‚Barbarin’ Samarierin, um ihren metaphysischen Durst zugleich zu stillen. Für Ernst waren die Obdachlosen Süchtigen metaphysisch obdachlos, davon ihr Durst, Sehn-Schucht rührt. ‚Die Mitte der Liebe ist auch am Rande der Gesellschaft. Knapper als Ernst kann das niemand  – in eine Bibel – schreibe, zugleich schalkhaft reimend anschliessen: ‚Lies die Bibel, immer wieder, sagt Pfarrer Sieber ….

16 Stationen: Woher rührt die Energie, mit Elend ein Leben lang konfrontiert zu sein, das seuchenhafte Züge, ‚Kollateralschäden bewirkt wie Aids, Kriminalität … trägt. Die Familie bot Halt, auch schon die räumliche Distanz zwischen dem Bunker und dem Pfarrhause im damals noch dörflicheren Altstetten. Nähe und Distanz bedingen sich. Der Rest ist Konstitution. Ernst Sieber wuchs in Horgen auf. Seine Mutter tischte mehr Teller als Familienmitglieder dasassen. Die Weltwirtschaftskrise, die 1929 ausbrach, führt zu Konkursen, Arbeitslosigkeit, Brotlosigkeit auch in der Agglomeration um Zürich.  Ernst besuchte dann den landwirtschaftlichen Schulhof Strickhof in Zürich, worauf er sich entschloss, die Matura nachzuholen, besuchte ein Privatgymnasium. Am Morgen, als er als Maturant antrat, gab sein Vater ihm einen neuen Mantel, den sein Träger einem durchfrornen Passanten unterwegs schenkte. Das Theologiestudium folgte, dann der Pfarrberuf. ‚Der gute Hirte’ scheint vorbereitet, als den wir im Bilde ihn erinnern; Schlapphut Halstuch, Überwurf als Mantel . Als Gründer so mancher ‚Dörfli’ lebte er in letzter Zeit Hochybrig in einer Hütte, von Schafen umgeben, die er auch malte;

Von dieser Idylle glaubte Ernst, sie habe ihre Chance auch im Jenseits, darum ‚Ich habs’ heiter’ Das Bild erinnert an die alte Mär von einem griechischen Arkadien der Hirten .., doch eigentlich heisst der Satz: Et ego (sum) in Arkadia ; selbst in diesem gefühlsseligen Arkadien lauert der Tod, welcher den Seelsorger in seinem Arkadien nun heimholte.

Was fehlt, seit Pfarrer Ernst fehlt? Die Antwort muss subjektiv erfolgen. Die Stimme der Barmherzigkeit, welche die Mitte zwischen beschämender Billigkeit und verurteilender Gerechtigkeit hält, fehlt für den Autor.Sie ist die tragende Stimme der Parabel vom barmherzigen Vater, der den verlorenen Sohn mit offenen Armen erwartet. Diese Botschaft ist gerade in einer Zeit, die von gnadenlosen Leistungsimperativen immer mehr bestimmt wird, welche Schwächere wegblendet, von bleibender Aktualität. «Der Name Gottes ist Barmherzigkeit» schreibt Papst Franziskus in einem Buche, das in 28 Sprachen erschienen ist.

Der Ton ist neu.

In seinem «Gottesstaat» polemisierte der Kirchenvater Augustin noch ganz offen gegen die «Mitleidigen», die allzu Barmherzigen. Ihr Mitleid sei bloss ein «menschliches Gefühl’. Die ewige Strafe für die Masse der Menschen sei Ausdruck der Gerechtigkeit, die Errettung weniger Ausdruck der Barmherzigkeit Gottes. Augustinus schrieb damit Geschichte, die im 16. Jahrhundert bei Luther und Calvin einen starken Nachhall gefunden hat.

Erreichte der Begriff Barmherzigkeit die ‚Eingbunkerten’, säkularem Zeitgenossen überhaupt? Die reformierte Kirche hat in der Formel  ‚Etsi Deus daretur ‚zu verstehen gegeben, dass wir, oszillierend zwischen Glaub-und Fragwürdigkeit umzugehn haben. Tun wir also doch ‚als ob’, fingieren wir, was, solange die Fiktion als solche bewusst bleibt, legitim ist, indem wir so – um an die Bunkerleute zu denken – tiefe  Wunden gar einzuklagen haben, statt sie zu verdrängen zu haben, weil wir sie Gott nicht zu klagen haben.

«Christus hat nicht für die Sünden der Menschen gelitten, sondern gleichsam die Schuld Gottes abgetragen. Schliesslich hat Gott mit den Menschen die abgründige Freiheit zum Bösen hin in Seinen Willen mit eingenommen, wurde schon moniert.

Der Obdachlose hat heute ein ‚Menschenrecht’ auf ein Dach über sich –über das des Himmels über Zürich hinaus, davon Zarli Carieget sang, Ernst Sieber mitsang. Menschen leben in Häusern. Sie bauen. Ich bin und ich baue ist unter Sprachwissenschaftlern verwandt. Ernst Sieber wusste auf dieses Bedürfnis nach einem Heim. War eer Symbolist, so doch zugleich Realist, konfrontiert mit soviel schmerzlichem Scheitern in der Realität. Der römische Dichter Horaz hätte von einem ‚biformis vates’ von einem zweigestaltigen Seher gesprochen (Ode II XX), heruntergebrochen auf je ein Leben im ersten , diesseitigen und jenseitigen Jerusalem (‚Jerusalem’ steht in der Mehrzahl.) Er erlebte die Schmach an sich selbst, dass ein ‚Besuch der alten Dame’ ihn (incognito) aus seinem Werke für eine Million Schweizerfranken drängte, als die Übersicht über Investitionen in seinen ‚Werken’ einst verloren ging. Ist ein Lebenswerk,  Leben mit Geld aufzuwiegen? Das ist die Frage, die bleibt, nachdem Pfarrer Ernst Sieber fehlt, und doch laautet die Frage, die Ernst Sieber uns stellt: Ws gilts zu tun?

Der Verstorbne sorgte für Entwurzelte. Pflanzen wir (Frucht-)Bäume zu seinem und seines Werk Gedenken.  Der Baum symbolisiert die Wurzel der Welt, die Natur, der Baum stellte die Grundlage unserer Existenz dar und her;

Dank der Pflanze, des Baums  wurde die Erde zum metaphysischen Raume des Atems dank den ersten zur Fotosynthese fähigen Organismen, die Cyanobkterien; Das (Baum-) Blatt ist dem Stamme und der Wurzel letztlich vorgeordnet, denn es trägt zu seiner Existenz bei. Vögeln in den Ästen gleich wenden sich Blätter dem Himmel zu, zelebrieren ihre Leidenschaft für ein Leben in der Luft.

Rätselhafte Wurzeln (unterirdisch, geheimnisvoll …) mögen wichtige Funktionen wie das Gehirn des Menschen haben, und sie helfen der Sonne ins Erdreich vorzudringen, es zu erhellen, sie über sich selbst aufzuklären. Die alten Griechen erfanden den Mythos der Persephone, die hälftig auf der Welt, hälftig in der Unterwelt lebte Der Baum ist eine ‚Maschine’, welche die Erde an den Himmel bindet. Er transformiert, re-formiert Licht.

Der Bau (welcher für die Pflanze, Natur steht) ist ein Alleskönner, offen, geduldig, standfest, grenzenlos. Er wirkt ohne zu handeln, automatisch als die radikalste Form des Inderweltseins. Sein blosses ‚Sein’ reicht, um alles mit allem zu verbinden.

Was ist, wenn ein Baum, entwurzelt, stirbt? Re-Inkarnation tritt dann ein. Leben manifestiert sich in verschiedener Weise, verschiedenen Körpern, die sich austauschen. Alles ist in allem gegeben. Essen wir einen Apfel vom Baume, reinkarniert sich der Apfel im Menschen und der Mensch im Apfel. Der Tod, welcher im Märchen auf den Apfelbaum (des Paradieses) bezogen ist, ist – so ist zu vermuten – strikt eine Idee.

Der Baum und mit ihm die Natur ist die einzige Instanz, in deren Namen wir für die Menschheit zu entscheiden haben, ohne an ein bestimmtes Volk, eine Nation, Konfession voreingenommen zu denken (frei nach Emanuele Coccia, die Wurzeln der Welt, München 2018) So liberal dachte fast strikt der Verstorbne.

Wohin mögen die Bäume gsetz sein? Ich Zürich? Auch andere Städte haben Einwurzelte., Chur in seinem inzwischen sanierten Stadtpark, dem ehemaligen Scalettafriedhof, wo der Churer Reformator Comander beigesetzt worden sein mag. Eine ‚Familie’ von Randständigen ist dem park erhalten geblieben. Die Sozialarbeiterin Romina Beeli hörte die ‚Familienmitglieder’ an, zeichnete das Gehörte  in ihrem Büchlein’ Die Familie vom Stadtpark’, Chur, 2015, auf. Die Sehnsucht Entwurzelter nach einem Heim, einer Stätte des Austauschs, freien formen des sich Gesellens drückt sich darin aus. Ist der Sclaettfriedhof, Stadtpark ein präfigurierter Pflanzplatz?

Last not least: Pfarrer Ernst hatte in Chur ebenfalls eine ‚Station’, wirkte einst im nahen Passugg und dann in der Surselva.

ScanBibelwidmung von Pfr. Ernst Sieber

„Kämpft weiter, ich habs heiter“

Ein Spruch, den Ernst Sieber zu Lebzeiten pflegte. An Pfingsten wurde bekanntgegeben, dass er am Samstag mit 91 Jahren verstorben ist.

Einer, der keinen Heiligenschein brauchte. Ein Mensch, den man nicht vergessen wird. Und der Spruch, der auf seinem Grabstein stehen soll, müssen wir echt Ernst nehmen. Mit Ernst habe ich einmal über den letzten Flug diskutiert. Keiner wusste, wie lang er dauert. Falls er längere Zeit dauert, weiterhin guten Flug … bei der Landung werden garantiert alle applaudieren oder haben dich bejubelt.

In den Zeitungen findet man genügend Würdigungen und einen schönen Kommentar:

Nicht Adieux, sicher aber à Dieu und hoffentlich auf Wiedersehen.

Pfingsten, was ist das eigentlich ganz genau? 49 Tage nach Ostern! Einige Gedanken über Pfingsten von Prof. Dr. em. Jean Ziegler und die Worte von Jean-Claude Cantieni möchte ich nicht vorenthalten:

„Darf ich diesen kurzen Kommentar des aus dem zweisprachigen Biel gebürtigen em. Professors für Theologie an der Uni Zch. als Pfingst-Gedankengang nachtragen. Die welsche Schweiz samt Frankreich führen die  neue Version der rubrizierten Bitte aufs anstehende Pfingstfest  ein, wonach Gott uns vor dem Holzwege bewahren möge, zwischen gut und böse nicht mehr zu entscheiden zu haben.  Der Holzweg ist ja leider meist als solcher zu spät zu erkennen, wenn er irgendwo seiner Natur nach im Dickichte endet. Strikt das geschulte Auge des Försters, theologisch gesprochen göttliche Vor(aus)sicht,  vermag ihn rechtzeitig zu erkennen, vor seinem Irrwege zu bewahren. Der bisherige Text: ‚Führe uns nicht in Versuchung’  schien anders davon auszugehn, dass wir erst, versucht, den Irrweg zu gehn, umzukehren haben.
Der Unterschied war schon den alten Griechen geläufig. Sie personalisierten Vor-Sicht und Nachsehn haben mit dem Brüderpaare Prometheus und Epimetheus. Die Differenz ist eine qualitative, kein strikt sprachliche Raffinesse, und doch sorgte die Frankophonie dafür, den Text zu revidieren; Sie formulierte bisher: ‚Ne nous soumets pas …‘, als ob Gott  den Menschen unterwürfe (sous-mettre). – Ob wir Alemannen nachziehn? Für Graubünden würde ich dafür werben; Das Territorium wurde von Franken – nach den Römern – besiedelt, urbarisiert, geistig vermessen, wovon all‘ die Martinskirchen zeugen.  (Martin war fränkischer Heiliger  aus Tours,  ging in die Heiligenviten damit ein, dass er seinen Mantel für einen frierenden Bettler auftrennte, teilte.)
Besten Dank für Eure Aufmerksamkeit!
Mit herzlichem Grusse
Jean-Claude“

Ernst wird garantiert über die folgende Anekdote mit Prof. Zumstein lachen – vermutlich Jean auch. Die zweite Flasche Wein wird gebracht. Ich musste probieren. Gut, etwas mehr Fasston. Darauf Jean: „Der Wein hat Zapfen!“ Die Flasche wurde ersetzt. Der Wirt – hochstehendes Restaurant, wie es bei der Lang-Stiftung Usus ist, denn dieses Abendmahl ist die einzige Entschädigung für die ehrenamtliche Tätigkeit – sie haben Recht, kein Zapfen, nur Fass. Ein echter Holzweg.

Und den Beitrag von Jean-Claude Cantieni zum Tod von Pfarrer Ernst Sieber möchte ich nachliefern:

„Liebe Freunde

Berufene Weggefährten Ernst Siebers würdigen den Verstorbenen, was ich  deshalb nicht erweiteren will. Eine eigne Reminiszenz darf ich trotzdem nachtragen;  Sie setzt ‚bildstark‘ ein. Zürich brodelte während der Studienzeit um 1968. Pfarrer Ernst pflanzte sich mit seinem Esel, Symbol der Langmut, deeskalierend  ausdrucksstark auf einer Zürcherbrücke zwischen aufgebrachten Demonstranten und Ordnungskräften auf, worauf der Diskurs über die anstehenden Zerwürfnisse in einer nahen Kirche friedlich fortgesetzt wurden; Brücke, Seelsorger  Esel mitten in einer pulsierenden Grossstadt. Das Bild erhielt seine Symbolkraft vom Kreuz her, welches den Bezug  zwischen Gott und dem Menschen dar- und herstellt, während der horizontale Kreuzesbalken zwischen den Menschen vermittelt.

Mit Studienschluss durfte ich Pfarrer Ernst  über eine Zeitdauer im Zivilschutzbunker am Helvetiaplatze assistieren, darin er Obdachlose’ in rauen Herbstnächten mit seinem Kleinbus ‚(her-)anschaffte‘ . Heterogener hätte ein Gruppe kaum zusammen zu kommen gehabt, und doch war sie unter so viel Einsamen, Einsamkeit von einem ‚All-Ein-Sein‘ gekennzeichnet, darin der Einsame aufgenommen war. Wer hier unten über viele Stufen abwärts anlangte, nachdem das Leben ihn schon viele Stufen hinab eskaliert hatte, brauchte niemandem was vorzuspielen. Das schweisste die Gesellschaft zusammen. Das Wortspiel mag für einmal erlaubt sein: Stufen, sind Skalen, de-eskalieren heisst dann ‚ab-stufen‘, d.h. Stufen aufheben, vergleichen,  vereinen … Für diese Einsicht, die hier im Bunker ‚am tiefsten Punkte zwischen Himmel und Erde‘ mir widerfuhr, bin ich Ernst, wie ich ihn nennen durfte, innigst dankbar.

JCC“

100 Punkte für Didier Burkhalter

Rücktritt wegen Uneinigkeit im Waffenexportgeschäft

Wer es nicht gemerkt haben sollte, die Überschrift ist ein Link … und was für einer.

Keine Ahnung, wie oft hier schon über die verrückten Waffenexporte und die unsinnigen Kriege geschrieben wurde. Stichworte bei der Suche eingeben und ihr werdet fündig. Die ganz bösen Sachen sind meist etwas versteckt im Finanzblog zu finden …. soviele Ausrufezeichen wie dort habe ich noch nie geschrieben !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

 

 

Spannendes über das Herz, Quacksalber und das Organoid

Die vier Vorträge über das pulsierende Herz der Progressia möchten wir ihnen nicht vorenthalten.

Hochpotente Referenten, garantiert keine Quacksalber. Über solche mehr im letzten Video. Vielen Dank an Bruno Leugger für die Organisation. Im ersten Beitrag können sie das Bum-Budi-Bum-Bum hören, das orginal mal bei der Familie Frankenfeld schlug. In der Mitte und geschätzte zwei Meter lang … da könnt ihr selbst bestimmen, was ihr anschauen möchtet, könnt. Ich schlage vor, dass ihr das auf einen regnerischen Sonntag legt. Von jetzt an braucht es Zeit, aber ihr werdet begeistert sein.

Den Vortrag von Prof. Ammann habe ich absichtlich am Schluss genommen. Auf der einen Seite spricht der ehemalige Leiter des Botanischen Gartens Bern von Quacksalbern, Scharlatanen und erzählt zuvor von Sensationsereignissen, die keiner Verschwörungstheorie zugrunde liegen, aber für die meisten unglaublich sind. Und wer hat schon einmal etwas vom Organoid gehört? Wikipedia hat genau drei Zeilen auf Deutsch und eine Literaturangabe aus dem Spektrum der Wissenschaft. Englischkenntnisse sind auf dem heutigen Kenntnisstand von Organoiden fast unabdingbar. Der deutsche Sprachraum schläft … noch.

Beim Apéro hatten wir ein anregendes, tolles Gespräch, nicht nur über die Venusfliegenfalle und d‘W.Nuss vo Bümpliz. Zum Schluss meinte Klaus: „Wir machen einmal etwas zusammen mit dem NVV Rued.“ Ich freue mich riesig, das wird garantiert nicht langweilig.