Kategorie-Archiv: 03 Lesenswertes

Minarett – nur eine Frage der Zeit …


… man könnte täglich über ein Minarett schreiben, aber weil in den Zeitungsberichten einiges nicht ganz korrekt schien, bringen wir auch gleich die Ergänzungen …

«Einzig der Zeitpunkt ist offen
Das geplante Minarett in Wangen bei Olten wird wohl gebaut, «wann» ist aber die Frage. Rechtlich steht dem Bau nichts im Weg … weiterlesen bei espace.ch …»

Zusammenstellung: Stephan Marti-LandoltFinanzblog

«Doch kein Minarett in Wangen» und zwei Bahnhofskirchen


«Der Türkisch-kulturelle Verein ist sich unschlüssig: Zuerst wollte er dringend ein Minarett und nun – seit die Baubewilligung vorliegt – fragt sich der Verein, ob er den Moscheeturm überhaupt noch bauen will.

lesen sie weiter bei espace.ch …»

… hier einige Bilder, wie bedrohlich dass Türme aussehen können … und noch so zur Ergänzung. Am Samstag wollte ich mit dem gleichen Pfarrer die Bahnhofskirche in Zürich anschauen. Richtig geraten – wegen zu geschlossen …

Bahnhofskirche

… aber ich habe keine «Angst», diesen Blogger werde ich noch einmal kennen lernen – nur müssten wir beide dann kurz Zeit haben. Das Blog ist in der Blogroll seit Monaten unter «Blogs von ref.ch» zu finden. Ich werde sicherlich wieder einmal in Zürich sein …

Heiliggeistkirche Bern

… und gestern sah es in Bern an der «Bahnhofskirche» so aus – es hat noch einen Seiteneingang …

Text und Fotos: Stephan Marti-LandoltFinanzblog

Sektenpolitik, Blogregime und Sexualität


Verklemmte Welt oder nur verklemmte Schweiz. Sex, Sekten und Blockaden können einem das Leben ganz schön schwer machen …

… nicht so das Blog von Hugo Stamm. Über seinen eigenen Glauben äussert er sich selten – aber er hat einen und einen überzeugenden. Und sein Arbeitgeber, der sogar sein Dossier der Öffentlichkeit preis gibt, scheint mir liberaler zu sein, als andere Tageszeitungen die zum Teil neu oder neu aufgemacht sind und doch eher zum konservativen Lager gezählt werden müssen.

Es sind ja nicht nur die Beiträge, die bei Stamm interessant sind. Oft sind die Kommentare noch viel schöner, blöder oder manchmal ganz einfach naiv und total weltfremd. «Sektenpolitik – nein danke!» – hier können sie sich herrlich amüsieren. Nur gut, dass wir nicht so viele Kommentare haben, da würde ich …

… vermutlich keine mehr zulassen. Stamm oder der Tagi kontrolliert sie seit einiger Zeit, bevor sie aufgeschalten werden. Ja, die Kultur von einigen Bloggern oder eher von Blogglesern mit allenfalls eigenen Antikulturblog, lässt leider manchmal zu wünschen übrig. Und wer das Bloggen nicht lassen kann oder eine Blog-Ade hat beherzigt einige Punkte die gar nicht so einfach ein zu halten sind. Via Link bei Daniela mit ihrem blogmitpep, stamm-t der Tipp «Religion» auch von ihr.

Ein weiteres Thema, das Hugo Stamm innerhalb der Religion an zu schneiden wagt, ist die Sexualität. Noch aktueller, provokativer macht dies die mission 21 im aktuellen Auftrag. Aus dieser Zeitschrift (5- Okt/Nov 07) zitiere ich einen Satz von Seite 10:

«“Nein“, meinte der Häuptling bestimmt. „Ich glaube, Gott hat mich auf die Idee gebracht, mehere Frauen zu nehmen. Als ich die Predigt besuchte, sah ich zahlreiche leere Bänke; die Kirche hat Mühe, Leute zu finden, die opfern wollen, um die Katechisten und Pfarrer zu bezahlen. Aus Mitleid mit der Kirche habe ich vierzehn Frauen geheiratet. Meine vierzehn Frauen schenken der Kirche Kinder. Notieren Sie, Herr Evangelist, dass alle meine Frauen, alle meine Kinder und ich die Predigt besuchen.“»

Ausser der Polygamie sind im Schwerpunktthema dieses Hefts noch andere Punkte erwähnt. Vor allem Kirchen und Missionen sollen über die Sexualität reden, denn Aidshilfe ist nur so wirkungsvoll. Ob Sex oder Sekten, an beiden Orten wir die Frage gestellt, wer verklemmt ist … vermutlich alle irgendwo ein klein wenig. In jedem Kantenprügel unserer Studentenverbindung wurde der Titel «Poly Liederbuch» von einem Komilitonen korrigiert: «Polygamie ist Liederlich, aber Buschper.» Vermutlich ist seine Frau froh, nur einen (solchen) Mann zu haben …

Julienas

… wo dieses Gemälde hängt, lesen beim Kirchgemeindeverband von Bern

Text: Stephan Marti-LandoltFinanzblog

«Die Amerikaner leben, um zu arbeiten …


… – die Europäer arbeiten, um zu leben»

Gesellschaftskrititer, Philosophen und Futurologen wie Jeremy Rifkin polisieren. Vielleicht haben sie nicht immer Recht, aber es ist mehr als ein Körnchen Wahrheit dabei. Wer schon mehrmals im finanzblog gelesen hat, wird den Vergleich zwischen Amerikaner und Europäern nach vollziehen können, Spass am Artikel aus dem Credit Suisse Bulletin 2/07 haben. Eigentlich aus dem zweiten, denn schon 1907 gab es das Bulletin – diese Publikation ist im 113. Jahrgang!

Wer wirtschaftsorientiert ist, liest ab Seite 63 ganz normal weiter und lässt sich vom letzten Abschnitt überrasschen. Wer eher aus kirchlichen Kreisen kommt oder sich für beides interssiert, soll zuerst den letzten Abschnitt lesen – und plötzlich erscheint die Welt in einem anderen Zusammenhang. Viel Spass.

«Gesellschaftskritiker Jeremy Rifkin polarisiert. Als Berater zahlreicher
Regierungen und Konzerne stellt er provokative Themen
zur Diskussion, etwa die Risiken vonMegacitys, das Ende des
amerikanischen Traums und die Notwendigkeit, unsere Gattung
zu erhalten und unseren Planeten zu bewahren … weiter im Credit Suisse Bulletin ab Seite 63 …»

Wer sich identifiziert hat und in der Schweiz wohnhaft ist, kann direkt auf das pdf-file gelangen.

Text: Stephan Marti-LandoltFinanzblog

Berner Firmen müssen weiterhin Kirchensteuer bezahlen


«Die FDP ist am Montag im Grossen Rat mit einem Vorstoss zur Abschaffung der Kirchensteuerpflicht für juristische Personen gescheitert. Die Partei lancierte das Begehren unter dem Motto „Religionsfreiheit für Unternehmerinnen und Unternehmer“.

Die Ablehnung fiel mit 119 gegen 20 Stimmen klar aus … lesen sie weiter bei espace.ch …»

«Vier Freisinnige kippten

Sie wurde nicht erhört. Die Debatte zeigte, wie gross der Rückhalt der Landeskirchen (Evangelisch-Reformierte, Römisch-Katholiken, Christkatholiken) nach wie vor ist. Sie hatten, wie mehrere Redner anmerkten, schriftlich bei den Parteien interveniert und für die Beibehaltung der Steuer geworben.

Das Lobbying war mit Erfolg gesegnet: Der Grosse Rat zwingt die Firmen weiterhin, die Kirchen mit jährlich rund 28 Millionen Franken mitzufinanzieren. Mit 119 zu nur 20 Stimmen bei 13 Enthaltungen lehnte er den Vorstoss ab. Nicht mal die FDP stand geschlossen hinter ihrer Forderung – und so kam es, dass die Motion, die 23 FDP-Grossräte mitunterzeichnet hatten, gestern nur noch von 19 Freisinnigen unterstützt wurde … weiter in der BernerZeitung vom 12.6.07»

Nachstehend nur ein Blatt aus dem Fundus der Lobbyisten. Ein Dankeschön an Fridolin und Walter vom Kirchgemeindeverband des Kantons Bern für die Information an alle Bernischen Kirchgemeinden und Überzeugung, dass man auch manchmal über den Parteischatten hinwegspringen muss, um mit allen Grossratsfraktionen Kontakt auf zu nehmen und stichhaltige Argumente zu liefern.

Katalog mit Argumenten, warum die Motion Bolli abzulehnen sei
(Der Katalog ist keinesfalls abschliessend sondern soll lediglich Hinweise vermitteln)

Die Betroffenheit Ihrer Kirchgemeinde

Wie gross war der Anteil der Kirchensteuern z.B. 2006 der juristischen Personen in Ihrer Kirchgemeinde? (Von Kirchgemeinde zu Kirchgemeinde streuen die Werte von 10% zu 25%, auch solche von 35% sind bekannt)

Welche Massnahmen müssten Sie in Ihrer Kirchgemeinde treffen, wenn plötzlich die juristischen Personen keine Kirchensteuern mehr zu entrichten hätten?

Welchen Anteil davon könnten Sie durch eine Steuererhöhung bei den natürlichen Personen kompensieren?

Welche zusätzlichen, neuen Finanzquellen könnten Sie erschliessen?

Welcher Budgetbetrag würde Ihnen künftig nicht mehr zur Verfügung stehen?

Welche Kernaufgaben müsste Ihre Kirchgemeinde künftig zurückfahren bzw. darauf verzichten? (Gottesdienste, Kasualien, innere Seelsorge, Sozialausgaben, Strukturerhaltung etc.)

Was würde ein Stellenabbau für Ihre Kirchgemeinde, für Ihre Umgebung bedeuten?

Welche Gebäude könnten Sie allenfalls nicht mehr erhalten bzw. finanzieren?

Die heutigen Leistungen unserer Landeskirchen an die Gesellschaft

Die Kirchgemeinden betätigen sich intensiv im sozialen und gesellschaftlichen Umfeld, unabhängig von der religiösen Zugehörigkeit der Partizipierenden.

Sie tragen damit sehr viel bei zur Verständigung bei zwischen Konfessionen, Religionen, Bevölkerungsgruppen, Minderheiten, Schweizern und Ausländern, Integrationswilligen usw.
Damit leisten die Mitglieder der Landeskirchen einen wesentlichen Beitrag zur Erhaltung und Förderung des politischen Friedens in der Schweiz, was wiederum auch den juristischen Personen zu gute kommt.

Kirchgemeinden und Landeskirchen unterstützen Institutionen wie Behindertenwerkstätten, Hauspflegevereine, Winterhilfe um nur einige zu nennen.

Landeskirchliche Institutionen nehmen sich auch den Schattenseiten unserer Gesellschaft und damit der Wirtschaft an: Arbeitsplatzverlust, Burnout, Stress, Überforderung, Working Poor, Sinnkrise etc.

Die Landeskirchen sind seriöse, berechenbare Arbeitgeber.

Die Landeskirchen erhalten lokale Baukultur. (Kirchen, Pfarrhäuser, Pfrundscheunen etc.)

Im Kreisschreiben Nr. 6 / 2007 ist den auf Seiten 4 und 5 das Argumentarum des Synodalrats zu finden.

Mehrere Vorstandsmitglieder des Kirchgemeindeverbandes des Kantons Bern sind Mitglieder der FDP – zum Teil politisch aktiv – und sind über den Parteischatten gesprungen. Mit einem kleinen Quentchen hat ja Frau Bolli recht. Aber eben, das Ganze wurde nicht zu Ende gedacht. Jetzt wäre es langsam an der Kirche aufmerksam zu machen, dass selbige nicht nur aus einem Gotteshaus und der sonntäglichen Predigt besteht. Für mich ist der Zeitpunkt des FDP-Vorstosses nicht ganz nachvollziehbar. Über die ganze heutige Thematik der Muslime, Moscheen und vor allem Minarette äussert sich die FDP zurückhaltend und im persönlichen Gespräch fast immer liberal. Andere Parteien wirbeln in religiösen Angelegenheiten mehr Staub auf. Der schlichtende Charakter der Landeskirchen innerhalb der Gemeindenbeim Zusammenleben der Einwohner wird verkannt. Es ist an der Zeit, dass mehr Aufklärungsarbeit von Seiten der Landeskirche und der angeschlossenen Organisationen ergriffen wird.

Falls jemand irgend welche Unterlagen hat oder kennt, dem Kirchgemeindeverband schwebt eine Blogserie «Kirchenkunde für Staatsgänger» vor – ein Pendant zur politischen Staatskunde. Und wir sind froh, wenn wir nicht ganz alles neu erfinden müssen. Aber eins ist sicher. Die meisten Leute wissen viel zu wenig, was die Kirche alles macht. Und je mehr sie wissen, desto fleisssiger stossen sie auf liberale Menschen, die ein christliches Abendland erhalten wollen – und das geht vermutlich nicht ohne die Landeskirche.

Zusammenstellung/Kommentar: Stephan Marti-LandoltFinanzblog

Kant und die Religion heute Morgen


Hörte den Vortrag meines Vorvorgängers Pfr. Peter Niederstein in der Arbeitgemeinschaft Freie Theologie im Hotel ‚Stern’ in Chur „Kant und die Religion’ heute morgen“.

Der Referent votierte gestützt auf Kant, für eine Religion, die Geschichte reflektiert, welche das Leben erzählt, statt Predigen von Dogmen. Am Anfang war die Tat, welche durch das Gewissen, Ehrfurcht vor dem Geschaffnen, angeleitet ist. Die anschliessende Diskussion spitzte sich auf unser heutiges Reden in Religion zu: Was heisst denn heute bspw. ‚Gottessohn’, der Sohn von Gott? Wie weit darf Spatzung zwischen Naturwissenschaft und Glauben im Reden gehn, ohne, dass Missverständnisse entstehn, die letztlich zu Glaubenskriegen führen, seit auch Atheisten zu Missionaren geworden sind. Gertrud von le Fort hat sich in ihrem schmalen Büchlein ’Am Tor des Himmels’ mit der Redensart zwischen Glauben und moderner Wissenschaft beschäftigt. Ich habe die Diskussion damit aufgenommen und sie ganz zum Schlusse auf unsern Diskussionsstoff an der Synode in Bivio zugespitzt:

Gertrud von le Fort (genannt: Gerda von Stark) in ‚Am Tor des Himmels’ (nach «Sehr geehrte Damen und Herren»: ‚Ich glaube, Sie als Naturwissenschaftler fürchten sich davor, Gott wieder zu finden, nachdem er im All nicht mehr zu entdecken ist.’ Naturwissenschaftler: ‚Ja, vielleicht ist es so: Wir fürchten uns, denn wir stehn überall an den äussersten Grenzen, und wenn wir wieder zu Gott fänden, könnten wir ihn nicht mehr in unsere Kausalitätsgesetze einschliessen – dann würde es ein Gott sein, der wirklich etwas zu sagen hätte. – Aber einstweilen ist es noch nicht so weit, also nützen wir unsere Freiheit.’

Ob das Problem der verschiedenen Aussage- bzw. Erklärungsweisen zur selben Welt eines ist, das damit zu tun hat, dass der Logos des Johannes-Evangeliums ‚am Anfang war der (Wort-)’logos’ sich strikt an die Sprache, ihre grammatikalischen Regeln, gebunden hat, ohne dass beachtet bleibt, dass die Sprache sich dadurch auszeichnet, dass sie von endlichen Mitteln einen nach oben offenen Gebrauch zu machen hat? Was ist verschwunden, als das Bewusstsein in Sprachformeln zu diktieren begann, was wahr glauben heisst? Wie kommen wir zu einer Archäo-Logie zurück, d.h. zum Ausgangspunkt des Logos ‚zurück’ bzw. eher vorwärts, um zu einem Glauben zu finden, welcher den amorphen Dunst des Religiösen von ‚Sohnesschaft Gottes’ lichtet und der Wirklichkeit eine kohärente Form verleiht, nachdem die Vernunft sich an die Rationalität der Sprache heute binär klammert? Gilt es, den Grad Null wieder zu finden, re-ligere, an welchem menschliches Erfahren noch nicht geteilte Erfahrung der Teilung zwischen Glauben, Irren selbst in schriftlicher Fixierung, Dogma, ist, jene Gnade der Stunde von Einheit in Geschichte, Sprache einzuholen, Vorsehung in der Zeit in einer Sprache zu denken, in welcher noch nicht verschwunden ist, was erodierte, als die Vernunft das Wort im Sinne des Logos als das Wort ergriff? Ob wir dann zwangsläufig bei der faustischen Tat anstelle des Wortes landen?

‚Unser’ Bündner Richard La Nicca, Pfarrersohn und erster Ingenieur, welcher dem damals jungen Kanton Graubünden eine integrale Kulturlandschaft schuf (1. Drittel 19. Jahrhundert) schrieb sinngemäss: ‚Die Tat, das bin ich’, und auch, dass er sich als ‚nützliches Werkzeug Gottes auf Erden’ empfinde – eine glaublich bemerkenswerte Personifizierung, welche sich in der Bibel in verwandter Weise findet, wenn Christus sagt: ‚Ich bin der Weg, die Wahrheit & das Leben.’ Weg (zur Tat?) ist erste Person Einzahl. Die Franzosen haben’s einfacher als wir. Sie kennen das ‚sujet’ für das Subjekt einerseits und den Stoff, um den es ihm geht, ebenfalls als sujet, vielleicht, weil wir Menschen (anders denn das Tier) im Leben eine Aufgabe vorfinden, mit welcher wir uns zu identifizieren haben. Unser Dasein ist unsere eigne Aufgabe unter dem Verdikt von Selbsterhaltung als eine selbstverständliche bzw. natürliche Verpflichtung vor uns selbst. Ob wir heute noch Werkzeug Gottes sind? Vielleicht, dass Nietzsche recht hatte, als er Gott eine zu stark gewordne Hypothese für den modernen Menschen mit seinem Weltbild, seiner technisierten Welt bezeichnete. Was hat die Metapher vom Gottessohn sprachlich heute noch für einen Inhalt? Diesen Inhalt gab’s zwar einmal: Als Menschen sich von Naturgefahren bedrängt fühlten, sich existenziell ängstigten, je weiter zurück wir die Geschichte verfolgen je mehr, in Opfern ihre sündig geglaubte Seele entlasteten, war ‚Gottessohn’ eine lebenserhaltende Projektionsfläche, welche dem Verängstigten half, den Armen davor bewahrte, in Nichtigkeit zu fallen. An die stelle des Leidens für eigne oder fremde Schuld trat seither die Tat: La Nicca bändigte den mäandrierenden Rhein im Domleschg. Dieselbe Entlastung, welche Menschen brauchen, steckt auch in der Kreuzestheologie, die Kant (später Nietzsche) angriff. Leiden erlöst seit Holocaust und Hiroshima kaum mehr.

Die Naturwissenschaft erfindet fortlaufend. Längst alles ist nicht wahr, doch so sehr wahr, dass es funktioniert, während die Theologie glaublich immer noch am Primat des Wissens festhält. (In der Universität ist die theologische Fakultät zuerst aufgelistet.) Ein letzter fundamentalistisch anmutender Winkel ist keineswegs ausgeräumt. Religion ist deshalb verhalten, zu Symbolen bzw. Ideenfluchten zu greifen, wo Geschichten, in welchen das Leben selber erzählt, vielleicht religiös erhellender wirken, auch wenn sie nicht ganz wahr sind: Ob all die Geschichten um Franz von Assisi wahr sind: Was spielt das denn für ein Rolle? Loslassen ist die Parole, nicht einzig bei den Psychologen. So, frei formuliert, Gertrud von le Fort, wenn sie schreibt, dass man die Geschicke des Glaubens Gott anheim geben sollte – statt, bleibt zu komplementieren, Ihn in eine sprachlich cartesianische Denkgeste zu zwängen, die sich anheischig machte, für allen Zweifel bzw. Irr-Glauben von Häretikern an der Welt kompetent zu sein. Papst Benedikt erscheint als ehemaliger Dozent, Lehrer, in seiner neuen Jesus-Biographie gefangen in diesem davon herrührenden perfektionistischen Schema: Die Seelen der Häretiker (von griechisch hairesis, wählen) irren, doch sie sind ‚letztlich’ belehrbar. Sache der Religion, seiner, des Papst, Religion, ist, den Irrtum im Glauben Andersgläubiger zu durchdringen. Dieses Dogma, der Irrglaube muss verstanden werden, hat die Wissenschaft durch die Religionsgeschichte wie die der Psychologie, Psychoanalyse vorangetrieben (vide M. Foucault). Was ist da alles an Erfahrungen des Glaubens auf der Strecke geblieben, bis wir heute ‚Gottessohnesschaft’ buchstabieren? Eine neue Aufklärung tut not, die von Paternalismus, Utilitarismus & Perfektionismus abstrahiert, die alle drei obsolet sind, wenn unter den Menschen religiöser Friede etwa mittels einem Fairplay als Gerechtigkeitsidee, deren Rolle ist, den heute verschiedenen Vorstellungen von Gerechtigkeit zusammen zuzukommen, liberal zu walten hat. Wir verbinden mit diesem Postulat, dieser Obligation, diesem Obligo als Religio, dass der religiöse Friede mit Menschenrechten & -pflichten verbunden wird, er aus dem Himmel unter die Menschen mühlselig-gnädig unters Kreuz gekrümmt wird. – Selig bleibt selig, Kreuz bleibt Kreuz, ohne, dass Blut –weiters – fliesst. Der Traum Kants, Verheissung ewigen Friedens würde sich dann doch noch erfüllen, auch wenn auch Kreuz Kreuz bleibt.

Text: Jean-Claude CantieniChur

Zeller, Locher, Bodmer … Wer wird Synodalratspräsident?


In zehn Tagen wissen wir, wer als Ersatz für den Synodalratspräsidenten der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn , Pfarrer Dr.Samuel Lutz, gewählt wird.

Lucien Boder, Gottfried Locher oder Andreas Zeller? Wählen dürfen die Syndalen, lesen aber alle. «Der Dreikampf ums Synodalratspräsidium.» Einige dürften sogar mitfiebern, denn unsere Kirche ist im Umbruch und braucht eine entsprechende Führung.

Frech, vorwitzig, liberal wie ich bin, wage ich mal zu behaupten, dass ein einziges Geburtsdatum, der 8. Juni 1955, für unsere Leser entscheident ist. Sir Timothy John Berners-Lee an diesem Datum geboren – der Begründer des World Wide Web. Auch wenn Andreas Zeller gewinnen würde/wird, als Berner wird er wohl kein wichtigeres Dokument veröffentlichen, als das Originaldokument von Berners. Für Millionen von Menschen dürfte dieses Dokument und vor allem was daraus entstanden ist, wichtiger als die Bibel sein. Und zudem dürfte der neue Synodalratspräsident mit Berners-Lee einen weiteren Unterschied haben. Er wird öfters nicht im Lee sondern im Luv – die dem Wind zugekehrte Seite – stehen.

Der Wind wird kräftig sein – «Es wird hart auf hart gehen». Aber es gibt zwei beruhigende Tatsachen. Erstens, dass sagt schon die Unterüberschrift aus dem Bund-Artikel: «Der neue Synodalratspräsident der Reformierten wird am ehesten Andreas Zeller heissen.» Also hoffen wir, dass er nicht «Subhead» im sprichwörtlichen Sinn bleibt. Und zweitens, der Jahrgang 1955 ist nicht schlecht – ich glaube das aus 52-jähriger Erfahrung sagen zu wollen.

Ob Lucien Boder oder Dr. Gottfried Locher oder den letzten im Alfabeth Dr. Andreas Zeller, wir halten es frei nach Matthäus 19 Vers 29 – die Letzten werden die Ersten sein …

Pfarrer Dr. Andreas Zeller

… Pfarrer Dr. Andreas Zeller übt hier nicht für die Entgegennahme von Gratulationen. Aber lieber Andreas wir hoffen, dass wir dieses Lächeln in einigen Tagen wieder sehen werden …

Text und Foto: Stephan Marti-Landolt (1955) – Finanzblog

«Kein Gütesiegel für die Frommen»


Im Oktober 2006 schrieben wir beim Kirchgemeindeverband Bern, sieben Freikirchen wollen Staates Segen. «Der Regierungsrat hat deren Gesuch um öffentlich-rechtliche Annerkennung zwar zur Kenntnis genommen, aber das daszu nötige Gesetz will er nicht ausarbeiten …

Mit dem mehrmals angeschnittenen Islam ist es interessant zu lesen, dass nicht alle Mitglieder von Freikirchen die gleiche Meinung haben – «Der Machtanspruch des Islam ist völlig klar» – ein Streigespräch über Minarette zwischen Politiker gegen Missionar.

Obigen Artikel habe ich in idea Spektrum an der swisseglise in Weinfelden am Stand der Schweizerischen Evangelischen Allianz gefunden. Ja, was machen denn zwei Liberale am Stand der SEA – sie diskutieren. Über Gott und die Welt, ein angenehmes und unterhaltendes Gespräch. Und da die Welt ja bekanntlich klein ist, sprechen wir dort auch gleich mit dem Werbechef von Jesus, man kennt sich von der Schweizer Armee her. Er kennt Gott und die Welt, ist mit allen per Du. Diese Tatsache ermöglicht uns das wohl interessanteste Gespräch mit Thomas Wipf. Das Thema war Menschenrechte und vor allem Menschenpflichten. Aber darüber ein andermal, wenn wir den von der zweiten Kappeler Milchsuppe zu Bivio überleiten. Zwei andere Bereiche der Ausstellung werden auch noch folgen – Glockengiessen und Messwein …

Glockengiessen

.. und deren Gemeinsamkeiten beim Trinken …

Kappeler Milchsuppe

… und Essen.

Zusammenstellung: Stephan Marti-Landoltfinanzblog

unorthodox …


… «ungewöhnlich, unkonventionell, eigenwillig», so das Wörterbuch, das Beste.

Dann müsste, rein logisch gedacht, orthodox «gewöhnlich, konventionell, willig» bedeuten. Nicht im abwertenden Sinn, sondern eher in der Art von unauffällig. Und bis vor einigen Monaten waren sie unauffällig, selten im Gespräch in der Schweiz. Wir brauchen nicht einmal über die Staatsgrenzen des Kantons Bern hinaus zu schauen, sondern über die Grenzen der Landeskirchen.

Wissen sie, welches die beiden grössten christlichen Glaubensgemeinschaften sind? Weltweit gesehen! Die römisch-katholische Kirche gefolgt von den orthodoxen Kirchen. Vielleicht haben sie Lust, einiges über diese Religionen und zu erfahren und wie sie im Kanton Bern, der Schweiz wahrgenommen werden.

Im letzten verlinkten Satz steht: «Aber vorher will ich in den Sikh-Tempel.» Dies in einem späteren Beitrag und unorthodox wie wir in Langenthal sind, zusätzlich einen über das Minarett. (Dieser letzte Satz gilt nur für den Kirchgemeindeverband-Bern, wo der Originalbeitrag erfasst wurde).

Text: Stephan Marti-Landolt (Langenthal) – finanzblog

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Freikirchen wollen anerkannt werden


Einige Freikirchen möchten die landeskirchliche Anerkennung erhalten.

Dem Thema ist eine kulturelle Brisanz nicht ab zu sprechen. Am besten sieht man dies wohl am Bild in der heutigen Berner Zeitung, das im Intnet nicht gezeigt wird: Hansruedi Spichiger, der Beauftragte für kirchliche Angelegenheiten des Kantons Bern faltet seine Hände vor dem Gesicht. Der Text dabei: «Sehr komplex».

Corpus delicti ist das umfassende Positionspapier. «Umfassend» ist aus liberaler Sicht wohl nicht gerade der richtige Ausdruck. Eher müsste man die Vorsilbe «um» weglassen und den Rest «fassende» der hohen Brisanz wegen (sie können auch andere Worte wählen) auf die Gross- und Kleinschrift hin überprüfen. Eine Variante wäre: «Fass Ende».

Der Blog von libref. darf ruhig eine eigene Ansicht haben. Wenn sie es lieber neutraler möchten, bitte, lesen sie die Zeitungsberichte beim Kirchgemeindeverband des Kanton Bern.

Text: Stephan Marti-Landoltfinanzblog