Kategorie-Archiv: 07 Buddhismus – Hinduismus – Islam – Sikhs

Informationen über die Sikhs


Karan Singh ruft mich eben an: «Haben sie die Nachrichten von Radio32 gehört?»

Das habe ich nicht. Aber gleich nachgeholt und ihm die «Info 32 Magazin mit regionalen Nachrichten» von heute um 18.00 mitgeteilt. Ab Lautsprecher über das Festnetztelefon auf sein Handy, damit er im Sikhs-Tempel mithören kann.

«Langenthal: Sikhs-Tempel ohne Schulden

Recherchen von Radio 32 zeigen: die Anschuldigungen von letztem Sommer gegen die Sikhs-Stiftung sind falsch. Ein Handwerker hat seine diesbezüglichen Pfandrechte nicht wahrgenommen.
(unter: Info32 Magazin) … hören sie selbst – ab 1 Minute 40 Sekunden …»

Karan Singh ist erfreut. «Jetzt vernehmen die Leute die Wahrheit!» Das Handwerkerpfandrecht wurde gelöscht. Einige haben es auf Grund zwei Artikeln vermutet, dass die Beschuldigungen gegenüber den Sikhs vermutlich falsch waren. Im Oktober schrieb die mzBern «Streit um Geld nach Eröffnung des Sikh-Tempels» und Judith Stofer im „der Bund“ über «Gebet und Meditation trotz Schlagzeilen». Beide Artikel sind interessant zu lesen. Ganz alles habe auch ich nicht gewusst. Aber auf Anfrage doch drei Journalisten geraten, wo man allenfalls zu Informationen kommen kann. Es freut einem manchmal, wenn sich herausstellt, dass einige Leute Blogbeiträge bis zum letzten Abschnitt lesen.

Schön wenn Karan Singh herzhaft lacht. Aus diesem Grunde noch ein Foto, das ich am Tag der Tempel-Einweihung «geschossen» habe. Der Kleber ist auf dem VW-Bus (im obigen Link, auf dem dritten Bild ist noch die Heckscheibe knapp zu sehen) …

Mafia

… Ernst, hast du gewusst, dass hinter dem Tempel ein Einsatzkommando bereit stand? Vermutlich nicht, der Anlass ging friedlich vorbei. Der Wagen samt Mafia Kleber gehört Pfarrer Ernst Sieber, der an diesem Tag auch geehrt wurde.

Text und Foto: Stephan Marti-Landoltfinanzblog

Sikhs und eine Frage zur Religionsfreiheit


Der Tempel der Sikhs, der Gurdwara, wurde eingeweiht. Ein Fest, bei dem Religionsfreiheit gelebt wurde …

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… und einige Nicht-Sikhs vom weltweit ranghöchsten Priester der Sikhs geehrt wurden. Herzlichen Dank für das Verständnis das ihr unserer christlichen Kultur entgegenbringt. Müssen wir jetzt auch mit Morddrohungen rechnen? Es stimmt mich traurig, dass einige Gäste aus Sicherheitsgründen nicht erschienen konnten. So weit sind wir nun in der Schweiz und vermutlich wegen fundamentaler Christen …

Es könnte sein, dass dies im Zusammenhang mit einer Pressemeldung vom Samstag zusammen hängt, in der einige Sachen mehr als unkorrekt wieder gegeben wurden. Blogger haben oft einen Wissensvorsprung und den gebe ich der Besitzerfamilie des Verlags gerne weiter, wenn ihr keine andern Quellen findet. Meine oder die Telefonnummer der Anlaufstelle in Zürich-Stadelhofen habt ihr … auf, dass wir in der Schweiz den richtigen Blick bekommen.

Text und Fotos (bis auf die letzte): Stephan Marti-Landoltfinanzblog

Kabarett um Minarett – Teil 2


Um das Minarett in Langenthal hat sich wieder einiges getan …

… zum Einen hat Verena einen Kommentar bei den Liberalen hinterlassen, bei dem ich Stellung zu einem möglichen Rechtsrutsch in der Durchschnittsstadt der Schweiz nehme.

… zum Andern sind etwelche Zeitungsmeldungen erschienen. Der Leserbrief in der BernerZeitung von Fürsprecher Kettiger trifft nach meinem Rechtsempfinden den Nagel auf den Kopf.

… sogar 3476 haben die Petition unterschrieben – aber nicht 1000 aus Langenthal sondern nur ungefähr 700. Die haben halt andere Ansichten, als die Liberalen. Aber hier in Langenthal kann man trotzdem zusammen diskutieren. Der Zufall will es vielleicht, dass eine meiner Töchter eine Kollegin von Patrick Freudiger ist und der Sohn von Stefan Zeller schon oft meinen Sohn bei uns zuhause besucht hat – spielen, gemeinsam etwas unternehmen und Aufgaben zusammen machen. Das ist eben die Demokratie. Ein wichtiges Gut, das in vielen islamischen Ländern unbekannt ist.

… wenn wir schon die Schule angetönt haben, die verschiedene Menschen zusammenbringt, sollte man auch die sehr positive Forderung der FDP in Murten über ein Gesetz für Integration erwähnen. Nicht sonderlich gut finde ich die Idee über eine Schuluniform und eine strikte Trennung von Kirche und Staat hätte im Kanton Bern vermutlich verheerende Folgen für die Kirche.

… und so aufregend scheint die ganze Angelegenheit auch wieder nicht zu sein. Heute von gestern (pdf-File gleiches Fenster) schreibt: «Gegen Minarett – Langenthal SO …». Die am nächsten gelegene Nachbarstadt zu Langenthal (BE) ist Zofingen (AG) und dort wissen zumindest die Besitzer von «heute», dass wir zum Kanton Bern gehören. Aber es ist von den Redaktoren schon erwähnenswert, dass sie den Oberaargau nicht im Kanton AG suchen

… im saemann ist eine Tagung «Kirche und Minarett» bei der Islamischen Gemeinschaft (Mazedonisches Zentrum) ausgeschrieben.

… und was sagen die drei Kandidaten für das Stadtpräsidium auf ihrer Homepage dazu? Paula Schaub schreibt in ihrem Blog etwas über das Minarett und für Kurt Blatter ist es (noch) kein Thema und mein Favorit Thomas Rufener mit der grössten politischen Erfahrung wird das Thema wohl wie üblich ganz sachlich anpacken.

Text: Stephan Marti-LandoltFinanzblog

Kabarett um Minarett?


Zürich hat ein Minarett, in Wangen bei Olten hat der Kanton für den Bau entschieden und in Langenthal sind Einsprachen hängig.

Für das Minarett-Kabarett und das Minarett-Theater sind keine Eintrittskarten erhältlich. Das Theater und das Kabarett eines Minaretts wird in aller Öffentlichkeit vorgeführt. Für Liberale ist das Ganze nach vollziehbar aber sicher nicht verständlich. Der Widerstand kommt eher aus freikirchlicher Seite. Mit den Geschehnissen im Nahen Osten ist begreifbar, dass einige Angst haben. Diese scheint aber unbegründet zu sein. Seit über 14 Jahren ist die Moschee, der Raum dort. Keiner regt sich auf, keiner nimmt Kenntnis, keiner stört sich. Aber jetzt, wo sie zeigen möchten, dass sie nicht im Untergrund leben ist man dagegen – zumindest 76.

Und die andern 14’500? Den meisten wird es wohl gleich sein. Die Sikhs haben einen Tempel. Weshalb die Muslims nicht auch ein Minarett?

Was ist eine gute Religion? Die NZZ hat dazu ein gutes Dossier erstellt. «Es ist besser, ein guter Mensch zu sein als ein guter Muslim.»

Minarett Langenthal

die rituellen Sitten in der Mosche

Text und Bild: Stephan Marti-Landoltfinanzblog

sigs eso – Sikhs eso


Wie fühlen sie? How you feel about sikhs? Unterschiede, Gemeinsamkeiten. Das Thema einer Rede anlässlich der heutigen Feier der Gemeinschaft der Sikhs in Lotzwil.

Dieses Thema ist nicht eine leichte Aufgabe für mich. Karan Singh hat sie vor drei Tagen an mich gestellt. Ob ich seinen Erwartungen gerecht werde, weiss ich nicht. Aber wir haben den Weg noch immer zusammen gefunden, auch wenn wir eigentlich total gegensätzlich sind. Er gelernter Koch, ich Vermögensverwalter mit ökonomischem und ökologischem Hintergrund, ich Vorstandsmitglied der Liberalen Reformierten der Schweiz und nach 6 1/2 Jahren abtretender Kirchgemeinde-Ratspräsident der reformierten Kirche Langenthal und er Projektleiter für den Bau des Sikhs-Tempels der bald eingeweiht wird. Einerseits weiss ich, dass viele Sikhs anwesend sein werden, andererseits auch, dass die indische Fernsehstation Aufnahmen machen will. Schon nur die Wahl der Sprache ist nicht einfach. «Sprechen sie deutsch!» – so Master Karan Singh. Es sind Sikhs hier, die in Genf wohnen, besser Englisch den Französisch können, Leute aus der Deutschschweiz sind anwesend, die vermutlich die Sprachen aus dem Punjab verstehen. Pakistan, Indien , Nepal – hier versteht man mich nur auf Englisch. Aber umgekehrt ist es für mich auch nicht einfach. Ein indisches Englisch, bei dem ich oft meine Mühe habe. Und gerade deshalb verstehe ich mich mit Karan Singh gut. Keine englische oder amerikanische Aussprache, etwas Eigenes, etwas, ähnlich wie das Berndeutsche im deutschen Sprachgebiet. Beide Sprachen sind gemütlich und es verlangt Konzentration, um diesen Dialekten zu folgen.

Konzentration ist etwas, das den Christen oft nicht gegeben ist. Wir sind ungeduldig, hastig, wollen immer möglichst alles schnell machen. Das gefällt mir an den Sikhs. Man hat Zeit. Man nimmt sich Zeit. Man diskutiert, philosophiert und versucht sich zu arrangieren damit man sich verstehen kann. Wir wohnen alle in der Schweiz, arbeiten in der Schweiz und einige fühlen sich besser aufgehoben in diesem Land, das seit Jahrhunderten einer Insel gleicht, als andere. Sikhs sind Personen, deren man ansieht dass ihre Wurzeln nicht einheimisch sind. Die Männer tragen einen Turban – orange zu festlichen Anlässen oder in irgend einer Farbe, vorwiegend schwarz oder blau. Ein religiöses, kulturelles Erscheinungsbild wie es in unserem Nachbarstaat Frankreich zumindest in öffentlichen Schulen verboten ist.

Hier bei uns kommt man dank solchen «Äusserlichkeiten» ins Gespräch. Man ist anders – aber die meisten denken gar nicht anders als liberale Christen. Im Herzen fühlen wir ähnlich, aber wir wurden anders erzogen. Es sind Äusserlichkeiten die uns unterscheiden. Sikhs schlafen sogar mit einem einfachen Turban und deshalb weiss ich gar nicht, ob mein Kollege Karan Singh wie ich eine Glatze hat. Er hat aber einen längeren Bart, schneidet seine Haare nicht. Ein Bart ist einerseits eine kulturelle Ausdrucksweise, die im nahen und mittleren Osten zum normalen Erscheinungsbild gehört. Bei uns sind Bartträger wie ich eher die Ausnahme – eher konservative oder auf der andern Seite moderne Menschen tragen bei uns einen Bart. Man fällt auf, tanzt eigentlich aus der normalen Rolle.

Bei uns sieht man in Bergregionen häufiger Bartträger und ähnlich, wenn man den Punjab, Pakistan, Indien, Kaschmir und Nepal Richtung Osten über die Berge des Himalaja verlässt, wird ein Bart nicht mehr zum religiösen Symbol, sondern zu einem genetischen Erscheinungsbild. In China, dem Nachbarland gibt es wenige Bartträger – sie sind selten. Meist nur alte, weise Männer tragen einen Bart. Keinen Vollbart, eher schütter, locker. Bartträger wie wir sind selten und fallen entsprechend auf. Nicht negativ, man bringt ihnen Hochachtung entgegen. Nicht so bei uns. Bartträger sind eher selten, erinnern fast eher an das Mittelalter und trotzdem sind es meist Charakterköpfe. Das gefällt mir an den Sikhs, Wir haben es mit Charakterköpfen zu tun, Menschen die ihre Heimat verlassen haben und bei uns auffallen. Nie negativ.

Menschen, die nicht wie wir aussehen, aber ähnlich denken, modern denken. Mann und Frau sind bei den Sikhs gleichgestellt – bei uns zumindest rechtlich, aber vielerorts noch nicht ganz gesellschaftlich. Ein Gedankengut, von dem wir Westeuropäer noch einiges lernen können. Eine liberale Haltung, wie sie in unserem Land, unserer Religion noch nicht überall vollzogen wurde. Von den Sikhs, vermutlich der liberalsten Weltregion können wir noch einiges lernen. Deshalb gefallen mir die Liberalen, die Sikhs ganz speziell. Sie sind globalisiert, denken aber vor allem an den Mitmenschen, sind vorausschauend, zukunftsgerichtet und doch ihrer Herkunft verpflichtet.

Globaler Handel ist mit liberalen Menschen einfacher, ehrlicher. Beide Seiten müssen profitieren und deshalb spielt eher die grundlegende, persönliche Einstellung eine Rolle, als der Glaube. Das ist eine Gemeinsamkeit, die liberale Menschen verbindet. Ihre Weltanschauung ist ähnlich, das Geniessen des Lebens auch. Kochen, Essen ist eine Kultur, eine Gemeinsamkeit und trotzdem sind gerade diese Gebiete ganz unterschiedlich. Gewürze, Kräuter, Fleisch, Alkohol sind Dinge, die uns unterscheiden und die uns gegenseitigen Respekt abverlangen. Zusammen zu Essen, zu Trinken, das bringt uns näher zusammen. Ich geniesse das, lerne von anderen. Bei uns zuhause in der Küche zum Beispiel hat Karan Singh, ähnlich wie bei den Amerikanern freien Zugang – help yourself, you are part of our family. Er nimmt sich auch selbst gleich ein paar Pantoffeln. Das ist Achtung der Kultur, Integration. Es geht ja nicht darum, dass Religionen mit oder ohne Schuhe im Haus leben, sondern im Grunde genommen handelt es sich um ein praktisches Problem. Man will keinen Schmutz ins Haus bringen.

Kleine Unterschiede, aber die Weltanschauung ist ähnlich. Man lernt von einander, lebt zusammen und respektiert die andere gesellschaftliche Verhaltensweise. Das ist was gefällt. Gemeinsamkeiten, Unterschiedliches und viel Verbindendes. Man lebt im gleichen Land, in der gleichen Stadt und bringt gegenseitigen Respekt auf. Etwas, auf das wir in den nächsten Jahrzehnten noch mehr achten müssen. Fremde oder anders Aussehende müssen sich bei uns integrieren könne, integrieren wollen und trotzdem die Möglichkeit haben ihr kulturelles Gedankengut zu erhalten.

Die Religion, bei Fanatikern ein Gegensatz, bei Liberalen, gleich welcher Religion etwas Verbindendes. Deshalb freute es mich ganz besonders, dass wir an der «2. Kappeler Milchsuppe» die durch die liberalen Reformierten organisiert wurde, auch Katholiken, Methodisten, Muslims, Christkatholiken, Aleviten und Sikhs als Referenten hatten. Ein breit zusammen gewürfeltes Gedankengut, das religiösen Frieden fördert und gemeinsames Vertrauen bildet. Im Mai wird in Bern «Rat der Religionen» gegründet, der auf offizieller Seite ähnliche Ziele hat und vermutlich in dieser Art einmalig auf der Welt sein dürfte. Zu befürworten ist, dass im vorgesehenen Gremium noch einige Lücken gestopft und Hindus, Budisten, Sikhs und weitere zugezogen und angehört werden. Und vermutlich wäre es im dritten Jahrtausend nach unserer Zeitrechnung, auch angebracht, Frauen ein zu beziehen.

Für den Gudwara, euren Tempel der Sikhs wünsche ich viel Erfolg und es freut mich, dass er in Langenthal erbaut wurde. Vermutlich nicht von ungefähr, denn Langenthal ist zentral in der Schweiz, die Schweiz mitten in Europa – also eigentlich im Herzen der Welt. Und die Welt, unsere gemeinsame Welt, habt ihr Sikhs im Herzen und ihr strahlt diese Einstellung auch aus. Auf Berndeutsch: «Sigs eso» – so soll es sein. Oder gleich ausgesprochen: «Sikhs eso.»

Nachtrag: gefeiert wurde Vaisakhi, das «Fest der Ernte» und der Geburtstag der Khalsa-Gemeinschaft, das üblicherweise am 14. April stattfindet.

Sikhs

Text und Fotos: Stephan Marti-Landoltfinanzblog

Religion ist Privatsache – aber nicht immer


Im Spiegel Online finden sie eine ganz spezielle Stellungnahme zu den Cartoon-Anschlägen der vergangenen Tage.

Der Koran als Ecstasy fürs Volk

Von Claus Christian Malzahn

Rauchschwaden in Beirut, wütender Protest in Jakarta und Damaskus: Ein panislamischer Volkssturm tobt gegen die Mohammed-Cartoons. Sind Muslime empfindlicher als Christen oder Juden? Sie leben jedenfalls in anderen Gesellschaften. Höchste Zeit, mehr Demokratie zu wagen.

Berlin – Über die Qualität der Karikaturen aus Dänemark, die den Propheten Mohammed zum Stammvater des modernen Terrorismus machen, muss nicht lange gestritten werden. Sie sind plump … weiter

Mehr über Religion und Politik finden sie im Profil (pdf – gleiches Fenster) der reformierten Kirchgemeinde Langenthal-Untersteckholz. Meine Meinung als Kirchgemeinde-Ratspräsident und Grossrats-Kandidat finden sie auf Seite 4. Der überarbeitete Text wurde leicht gekürzt – die Kirche soll sich nur in wichtigen Angelegenheiten zu Wort melden. Aber es halt so, dass heute leider fast alles als Wichtig betrachtet wird.

Text: Stephan Marti-Landoltfinanzblog