Kategorie-Archiv: 03 Lesenswertes

Basel, Bern und Aargau


Das Basler Manifest hat seinen Ursprung eigentlich in Zürich und in Bern wechselt einiges … und das Wichtigste wird beim Alten bleiben … so meine Einschätzung.

„Das Berner Modell ist geradezu genial“
das sagt niemand anders als Gret Haller in reformiert.

Dr.iur., Dr.h.c.rer.publ. Gret Haller

Dr.iur., Dr.h.c.rer.publ. Gret Haller bei der Preisverleihung des prix libref. in Luzern. Zurzeit läuft gerade der Club als Video im Hintergrund. Yahya meldet sich eben über seinen unterschlagenen Doktortitel in den Medien. Ein Beitrag, der wie der obige wirklich zum 1. August passt. Dr. Yayha Hassan Bajwa, ihr könnt auch einfach über diesen Beitrag zum nächsten scrollen, Titel wollen wir sicher nicht unterschlagen, aber dir möchten wir gleich eins zum Guten halten. Du sprichst Mundart im Gegensatz zu derjenigen, die jetzt über diese Thematik spricht. Haller und Bajwa erstaunen mich immer wieder. Beide fliessend in Schweizerdeutsch und perfektes Hochdeutsch. Vielleicht bringst du in den nächsten 55 Minuten noch meinen Tipp von Gret Haller, den sie in Bivio geäussert hat. Sie sprach nicht nur von Menschenrechten, sondern jeder hat auch Menschenpflichten. Wer sich in der Schweiz integrieren will, hat diese Pflichten. Mundart gehört sicher nicht dazu. Aber wer sich wirklich voll integrieren will, versucht Mundart zu sprechen. Egal, ob ein Akzent übrigbleibt – das wird als echte Integration angesehen.

Gret Haller äussert sich in reformiert. zur Motion von SP-Grossrat Adrian Wüthrich. Ich habe dich als Präsident im Jugendparlament Oberaargau anders kennen gelernt. Im Förderverein des Jugendparlaments wurde die reformierte Kirche Langenthal als erste nicht politische Körperschaft aufgenommen. Bei der ersten Versammlung bei der ich als Vertreter und Initiant eingeladen war, habe ich unter anderem gesagt, dass der Staat und die Kirche im Kanton Bern zusammen gehören.

Diese Motion wird meiner Meinung nach abgelehnt. Ädu, zieh sie zurück. Das wäre politische Grösse. Gret Haller sagt ganz deutlich:

„Je mehr Staatlichkeit in der Kirche, desto wohler ist mir. Das bernische System ist – gesamtschweizerisch und europäisch! – beispielhaft und zukunftsweisend.“

Auch libref. ist dieser Meinung. Und der Synodalratspräsident Andreas Zeller – ein Liberaler – sagt, „es sei ein weiser Entscheid der Berner Regierung“, das alte System vorzuziehen.

Dächlistein - Marchstein mit Berner Bärin Schmiedrued im Kanton Aargau

Yayha, dein Schlusswort im Club passt in die heutige Thematik. Hört es euch an. Du und ich wir sind heute Aargauer und wo ist dieser Marchstein zu finden? In meiner Wohnortsgemeinde Schmiedrued im Kanton Aarau – der Dächlistein. Der Berner Bär läuft nach rechts oben. Das war doch bei uns schon mal ein Thema beim Bernischen Kirchgemeindeverband – das Blog ist inaktiv. Beim Verkehrskreisel in Kirchberg/BE läuft er auch auf die „falsche“ Seite, wie bei der Fahnenrückseite. Beim 1. August-Schmuck auf dem Balkon des Nachbars, wo dieser Beitrag entsteh, gleich dreimal so zu sehen.

Annemarie Schürch-Loosli

Und wem aus Kirchberg, resp. Ersigen wollen wir ganz herzlich gratulieren. Annemarie Schürch-Loosli wurde von der Delegiertenversammlung des Vereins „reformiert“ zur neuen Präsidentin gewählt. Bei deinem Arbeitgeber gibt es auch einen Wechsel. Dein Chef Hansruedi Spichiger wurde pensioniert und neu Andreas Stalder ernennt.

Hansruedii Spichiger

Hansruedi Spichiger, Beauftragter für kirchliche Angelegenheiten bei der bernischen Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion geht in Pension.

Nun zu Basel. Das Basler Manifest hat seinen Ursprung in Zürich – es ist im Zentrum für Politik, Wirtschaft und Religion gereift, für das „unser Reiner“ nach Zürich kam und dann Zweigstätten in Luzern und Basel eröffnete, d.h. Du kannst den Beitrag publizieren, gibst entsprechend die Quelle an. Das reicht… (so unser Präsident). Unser Prof. Dr. Reiner Anselm, Vorstandsmitglied bei libref. kennen wir doch bestens aus der Laudatio für Gret Haller … der Kreis schliesst sich, unser Netzwerk darf wieder einmal angezapft werden. Das Basler Manifest solltet ihr nicht nur unters Kopfkissen legen. Lesen und danach handeln und die Welt wird weiterhin rund drehen … und sich vielleicht gar zum Besseren wenden.

„Basler Manifest zur Ökonomischen Aufklärung

Zwei Jahre (2010/11) lang hat eine Gruppe von Theologen, Finanz-, Wirtschafts-, Religions-, Kultur- und Medienwissenschaftlern am Zentrum für Religion, Wirtschaft und Politik an der Universität Basel zusammen gearbeitet. Im Zentrum der gemeinsamen Forschung stand die Frage, ob und wie religiöse bzw. religionsnahe Ideen, Theorien und Ideologien auch und gerade die heutige Wirtschaft und insbesondere die Finanzwirtschaft bestimmen. Die Resultate dieser interdisziplinären Forschung werden in dem Sammelband Risiko ­ Vertrauen ­Schuld vorgestellt, der 2012 erscheinen soll. Das hier vorgestellte Basler Manifest zur ökonomischen Aufklärung versucht eine knappe und pointierte Zusammenfassung der Überlegungen der Forschergruppe …“

… weiter im Basler Manifest vom ZRWP

Vor einem Jahr:
Das legislative Heilmittel gegen den Terrorismus gibt es nicht

Vor 2 Jahren erschienen:
Rappaz, der „kleine“ Mahatma Gandhi?

Vor 3 Jahren erschienen:
Portrait des Vereins freier Protestanten CH

Vor 4 Jahren erschienen:
Jalsa Salana der Ahmadiyya Bewegung in Frauenfeld

Vor 5 erschienen:
Wieso Bivio?

Vor 6 Jahren erschienen:
Sommer: Sakrileg – The Da Vinci Code – 1. Teil

Vor 7 Jahren erschienen:
Kongress der IARF in Siebenbürgen

© libref – Text und Foto: Stephan MartiFinanzblog

Religionsunterricht in Chur


In Chur folgen sich periodisch ‘Wissenschaftscafés’ mit einer Expertenrunde einerseits und Rede- und Antwortspiel mit dem Publikum anderseits. Der vergangene Abend galt der Neuregelung des Religionsunterrichts in Chur auf Initiative der ‘Jusos’ hin.

An der Urne wurde entschieden, dass ein Fach ‘Ethik und Religion’ in der Schule unterrichtet wird. Bisher bestanden zwei Unterrichtsstunden in Religion, nun also eine in Religion, durch die Kirche gehalten, und eine Stunde Ethik und Religion als über Religion (nicht in). Gefragt war durch den Moderator worden, was dieses 1 plus 1 nun ergebe, worauf ich antworte;

Sehr geschätzter Herr Kramm,

ob Ihre Frage, was 1 plus 1 betreffs Religion und Ethik neu in der Schule gebe, nicht auch war, was zwei minus eins gibt? Zwei Stunden in Religion waren’s, nun ist’s eine geworden, die ja auch noch fakultativ ist. Zwei Stunden waren verhältnismässig ‘gewichtig’, eine Stunde wirkt deutlich fragiler, wenn die beiden Stunden zwischen Kirche & Staat nicht kooperieren. Ergebnis ist dann, dass das Ganze eine halbe, statt eine relative Sache ist.

Wir bewegen uns auf Freifächer zu. An den Gymnasien wurde Latein und Griechisch fakultativ, d.h. heute in der Praxis abgeschafft.. Wir leben in einer erlebnishungrigen und zugleich Sicherheit erheischenden Zeit. Ein gutes Leben führen wir, wenn es uns passt, was zugleich heissen wird , dass wir positivistisch orientierte juristische Gerechtigkeit(en) in einem Fache wie Ethik zu unterrichten haben, moralische Maximen des ‘guten Lebens’ zu definieren haben, statt in Willigkeiten, selbstverantwortlich zu handeln, zu investieren. – In der Nestorerzählung der Ilias (V 670-762), worin die Gerechtigkeitsfrage von der Moral (Rache, Recht…) erstmals in der Geschichte vernünftigerweise getrennt wurde, wurde eine Differenz, eine Fuge, ein Freiraum, geschaffen, der fast chronisch heute erodiert. Ein Konflikt um Vieherden endete damals nicht nicht mehr im Rechten um gemachte Beute, sondern im Vergüten von vorher erlittnem Schaden, in Fairness statt statt Moral als einem perfektionistische Massstabe des Guten, dahinter Interessen sich verstecken, einst die einer Kirche als einer barocken ‘Ecclesia triumphans’, heute diejenigen des Staates (an so genannt stabilen Verhältnissen als polizeilichem Gute). Der damalige Verzicht aufs Rechten, Übergabe der Beute von Erbeutern an Schiedsleute war ein entscheidender Schritt auf Mdenschlichkeit zu. Homer zeigte in dieser in die Ilias intrapolierten Erzählung den Streithähnen Achill und Agamemnon, dass man eine Beute – in ihrem Falle Briseis nicht lieben kann und deshalb kein Anrecht auf sie als einen geraubten Menschen bzw. Menschen hat. Recht am Menschen wurde ins gute Recht am Recht im Menschen umgemünzt; Quelle der Glaubens- und Gewissensfreiheit. ’Ethik und Religion’ als Schulfach (indem über Religion gesprochen wird) verführt nun wieder zu Bekenntnissen von Wahrheiten statt ihrem Bewahren. Der Freude daran, Wahrheit des Geheimnisses (des Glaubens) zu bewahren, tritt ihr Geständnis im gängigen ‘Outen’ gegenüber (frei nach Wilhelm Schmid, Geburt der Philosophie).

Befriedigend, fast versöhnlich stimmte heute Abend, dass Skepsis als Ergebnis der Aussprache auftauchte. Möge sie das neue Schul-Fach Ethik & Religion begleiten. Religion bleibt das Salz (auch) in ethischem Argumentieren, zumal ‚sie selbst schon Aufklärung – als Religion’ – ist (Norbert Bolz)

Link mit Recht über Minarette


„Der kleine Turm, der die Schweiz isolieren könnte …

… bisher war es ein lokaler baurechtlicher Streit. Nach dem Ja zum Minarett-Verbot zeichnet sich um das in Langenthal geplante Minarett ein internationaler Konflikt ab. Der Europäische Gerichtshof könnte die Schweiz zwingen, das Verbot aufzuheben … lesen sie weiter bei SCHWEIZER NEWS – WELTWEIT …

Minarett-Profil in Langenthal

Bauprofil für das Minarett in Langenthal (Juli 2006)

Vor einem Jahr erschienen:
Die Zukunft des Kapitalismus

Vor zwei Jahren erschienen:
02. Dezember – Corporate Blog-Studie heizt rabenschwarz ein!

Vor drei Jahren erschienen:
Glauben oder nicht glauben – 2. Teil – der Schock

Vor vier Jahren erschienen:
Nationalrat und Sonntagsarbeit

Text und Foto: Stephan MartiFinanzblog

Sind Blogger «Journalisten»? – Eine aktuelle Studie


Heute erhalten sie die Antwort, warum Blog-Beiträge überhaupt gelesen werden und ob Blogs die Zeitungen verdrängen oder ergänzen.

Diese Arbeit muss von allen Journalisten gelesen werden, die der Ansicht sind, Blogger seien eine Gefahr für den papierenen Journalismus. Zur Pflichtlektüre gehört die Arbeit auch für Blogger, die der Meinung sind, auf die Printmedien könnte verzichtet werden.

Weblogs versus Journalismus
Sind Blogger «Journalisten»?
Eine Befragung von Schweizer Blog-Netzwerken

von Matthias Gerber – Thunstrasse 85 – 3006 Bern – 078 765 88 69 – matthias dot d dot gerber at gmail dot com oder matthias dot gerber at gorillas dot ch

Universität Freiburg, Departement für Gesellschaftswissenschaften:
Medien- und Kommunikationswissenschaft
Hauptseminar „Borderline-Journalismus“
Prof. Dr. Louis Bosshart

Zur Hauptseminararbeit

Veranstaltung: Was heisst eigentlich «liberal?»


Veranstaltungen

Das Liberale Institut freut sich auf Ihre Teilnahme an seinen Veranstaltungen. Unser liberaler Kalender führt auch Veranstaltungen zielverwandter Organisationen auf, die für ein internationales Publikum von Interesse sind.

• «Jenseits des Liberalismus light» – die Vernissage

22. Januar 2008
sirupspace, Alfred Escher-Strasse 23, Zürich
18.30 Uhr

Die Vernissage zum Erscheinen der neuesten Ausgabe der Schweizer Monatshefte zum Thema Liberalismus, mit u.a. Robert Nef und Pierre Bessard.

Von «sozialliberal» bis «grünliberal»: Je schicker das Prädikat «liberal» unter Politikern und Intellektuellen ist, desto unschicklicher wird der Begriff «Liberalismus» verwässert. Die Schweizer Monatshefte nutzen die Zeit nach den Wahlen und kehren zu jener Frage zurück, die sie seit ihrer Gründung 1921 beschäftigt: Was heisst eigentlich «liberal»?

mitgeteilt von Jean-Claude Cantieni

Minarett – nur eine Frage der Zeit …


… man könnte täglich über ein Minarett schreiben, aber weil in den Zeitungsberichten einiges nicht ganz korrekt schien, bringen wir auch gleich die Ergänzungen …

«Einzig der Zeitpunkt ist offen
Das geplante Minarett in Wangen bei Olten wird wohl gebaut, «wann» ist aber die Frage. Rechtlich steht dem Bau nichts im Weg … weiterlesen bei espace.ch …»

Zusammenstellung: Stephan Marti-LandoltFinanzblog

«Doch kein Minarett in Wangen» und zwei Bahnhofskirchen


«Der Türkisch-kulturelle Verein ist sich unschlüssig: Zuerst wollte er dringend ein Minarett und nun – seit die Baubewilligung vorliegt – fragt sich der Verein, ob er den Moscheeturm überhaupt noch bauen will.

lesen sie weiter bei espace.ch …»

… hier einige Bilder, wie bedrohlich dass Türme aussehen können … und noch so zur Ergänzung. Am Samstag wollte ich mit dem gleichen Pfarrer die Bahnhofskirche in Zürich anschauen. Richtig geraten – wegen zu geschlossen …

Bahnhofskirche

… aber ich habe keine «Angst», diesen Blogger werde ich noch einmal kennen lernen – nur müssten wir beide dann kurz Zeit haben. Das Blog ist in der Blogroll seit Monaten unter «Blogs von ref.ch» zu finden. Ich werde sicherlich wieder einmal in Zürich sein …

Heiliggeistkirche Bern

… und gestern sah es in Bern an der «Bahnhofskirche» so aus – es hat noch einen Seiteneingang …

Text und Fotos: Stephan Marti-LandoltFinanzblog

Sektenpolitik, Blogregime und Sexualität


Verklemmte Welt oder nur verklemmte Schweiz. Sex, Sekten und Blockaden können einem das Leben ganz schön schwer machen …

… nicht so das Blog von Hugo Stamm. Über seinen eigenen Glauben äussert er sich selten – aber er hat einen und einen überzeugenden. Und sein Arbeitgeber, der sogar sein Dossier der Öffentlichkeit preis gibt, scheint mir liberaler zu sein, als andere Tageszeitungen die zum Teil neu oder neu aufgemacht sind und doch eher zum konservativen Lager gezählt werden müssen.

Es sind ja nicht nur die Beiträge, die bei Stamm interessant sind. Oft sind die Kommentare noch viel schöner, blöder oder manchmal ganz einfach naiv und total weltfremd. «Sektenpolitik – nein danke!» – hier können sie sich herrlich amüsieren. Nur gut, dass wir nicht so viele Kommentare haben, da würde ich …

… vermutlich keine mehr zulassen. Stamm oder der Tagi kontrolliert sie seit einiger Zeit, bevor sie aufgeschalten werden. Ja, die Kultur von einigen Bloggern oder eher von Blogglesern mit allenfalls eigenen Antikulturblog, lässt leider manchmal zu wünschen übrig. Und wer das Bloggen nicht lassen kann oder eine Blog-Ade hat beherzigt einige Punkte die gar nicht so einfach ein zu halten sind. Via Link bei Daniela mit ihrem blogmitpep, stamm-t der Tipp «Religion» auch von ihr.

Ein weiteres Thema, das Hugo Stamm innerhalb der Religion an zu schneiden wagt, ist die Sexualität. Noch aktueller, provokativer macht dies die mission 21 im aktuellen Auftrag. Aus dieser Zeitschrift (5- Okt/Nov 07) zitiere ich einen Satz von Seite 10:

«“Nein“, meinte der Häuptling bestimmt. „Ich glaube, Gott hat mich auf die Idee gebracht, mehere Frauen zu nehmen. Als ich die Predigt besuchte, sah ich zahlreiche leere Bänke; die Kirche hat Mühe, Leute zu finden, die opfern wollen, um die Katechisten und Pfarrer zu bezahlen. Aus Mitleid mit der Kirche habe ich vierzehn Frauen geheiratet. Meine vierzehn Frauen schenken der Kirche Kinder. Notieren Sie, Herr Evangelist, dass alle meine Frauen, alle meine Kinder und ich die Predigt besuchen.“»

Ausser der Polygamie sind im Schwerpunktthema dieses Hefts noch andere Punkte erwähnt. Vor allem Kirchen und Missionen sollen über die Sexualität reden, denn Aidshilfe ist nur so wirkungsvoll. Ob Sex oder Sekten, an beiden Orten wir die Frage gestellt, wer verklemmt ist … vermutlich alle irgendwo ein klein wenig. In jedem Kantenprügel unserer Studentenverbindung wurde der Titel «Poly Liederbuch» von einem Komilitonen korrigiert: «Polygamie ist Liederlich, aber Buschper.» Vermutlich ist seine Frau froh, nur einen (solchen) Mann zu haben …

Julienas

… wo dieses Gemälde hängt, lesen beim Kirchgemeindeverband von Bern

Text: Stephan Marti-LandoltFinanzblog

«Die Amerikaner leben, um zu arbeiten …


… – die Europäer arbeiten, um zu leben»

Gesellschaftskrititer, Philosophen und Futurologen wie Jeremy Rifkin polisieren. Vielleicht haben sie nicht immer Recht, aber es ist mehr als ein Körnchen Wahrheit dabei. Wer schon mehrmals im finanzblog gelesen hat, wird den Vergleich zwischen Amerikaner und Europäern nach vollziehen können, Spass am Artikel aus dem Credit Suisse Bulletin 2/07 haben. Eigentlich aus dem zweiten, denn schon 1907 gab es das Bulletin – diese Publikation ist im 113. Jahrgang!

Wer wirtschaftsorientiert ist, liest ab Seite 63 ganz normal weiter und lässt sich vom letzten Abschnitt überrasschen. Wer eher aus kirchlichen Kreisen kommt oder sich für beides interssiert, soll zuerst den letzten Abschnitt lesen – und plötzlich erscheint die Welt in einem anderen Zusammenhang. Viel Spass.

«Gesellschaftskritiker Jeremy Rifkin polarisiert. Als Berater zahlreicher
Regierungen und Konzerne stellt er provokative Themen
zur Diskussion, etwa die Risiken vonMegacitys, das Ende des
amerikanischen Traums und die Notwendigkeit, unsere Gattung
zu erhalten und unseren Planeten zu bewahren … weiter im Credit Suisse Bulletin ab Seite 63 …»

Wer sich identifiziert hat und in der Schweiz wohnhaft ist, kann direkt auf das pdf-file gelangen.

Text: Stephan Marti-LandoltFinanzblog

Berner Firmen müssen weiterhin Kirchensteuer bezahlen


«Die FDP ist am Montag im Grossen Rat mit einem Vorstoss zur Abschaffung der Kirchensteuerpflicht für juristische Personen gescheitert. Die Partei lancierte das Begehren unter dem Motto „Religionsfreiheit für Unternehmerinnen und Unternehmer“.

Die Ablehnung fiel mit 119 gegen 20 Stimmen klar aus … lesen sie weiter bei espace.ch …»

«Vier Freisinnige kippten

Sie wurde nicht erhört. Die Debatte zeigte, wie gross der Rückhalt der Landeskirchen (Evangelisch-Reformierte, Römisch-Katholiken, Christkatholiken) nach wie vor ist. Sie hatten, wie mehrere Redner anmerkten, schriftlich bei den Parteien interveniert und für die Beibehaltung der Steuer geworben.

Das Lobbying war mit Erfolg gesegnet: Der Grosse Rat zwingt die Firmen weiterhin, die Kirchen mit jährlich rund 28 Millionen Franken mitzufinanzieren. Mit 119 zu nur 20 Stimmen bei 13 Enthaltungen lehnte er den Vorstoss ab. Nicht mal die FDP stand geschlossen hinter ihrer Forderung – und so kam es, dass die Motion, die 23 FDP-Grossräte mitunterzeichnet hatten, gestern nur noch von 19 Freisinnigen unterstützt wurde … weiter in der BernerZeitung vom 12.6.07»

Nachstehend nur ein Blatt aus dem Fundus der Lobbyisten. Ein Dankeschön an Fridolin und Walter vom Kirchgemeindeverband des Kantons Bern für die Information an alle Bernischen Kirchgemeinden und Überzeugung, dass man auch manchmal über den Parteischatten hinwegspringen muss, um mit allen Grossratsfraktionen Kontakt auf zu nehmen und stichhaltige Argumente zu liefern.

Katalog mit Argumenten, warum die Motion Bolli abzulehnen sei
(Der Katalog ist keinesfalls abschliessend sondern soll lediglich Hinweise vermitteln)

Die Betroffenheit Ihrer Kirchgemeinde

Wie gross war der Anteil der Kirchensteuern z.B. 2006 der juristischen Personen in Ihrer Kirchgemeinde? (Von Kirchgemeinde zu Kirchgemeinde streuen die Werte von 10% zu 25%, auch solche von 35% sind bekannt)

Welche Massnahmen müssten Sie in Ihrer Kirchgemeinde treffen, wenn plötzlich die juristischen Personen keine Kirchensteuern mehr zu entrichten hätten?

Welchen Anteil davon könnten Sie durch eine Steuererhöhung bei den natürlichen Personen kompensieren?

Welche zusätzlichen, neuen Finanzquellen könnten Sie erschliessen?

Welcher Budgetbetrag würde Ihnen künftig nicht mehr zur Verfügung stehen?

Welche Kernaufgaben müsste Ihre Kirchgemeinde künftig zurückfahren bzw. darauf verzichten? (Gottesdienste, Kasualien, innere Seelsorge, Sozialausgaben, Strukturerhaltung etc.)

Was würde ein Stellenabbau für Ihre Kirchgemeinde, für Ihre Umgebung bedeuten?

Welche Gebäude könnten Sie allenfalls nicht mehr erhalten bzw. finanzieren?

Die heutigen Leistungen unserer Landeskirchen an die Gesellschaft

Die Kirchgemeinden betätigen sich intensiv im sozialen und gesellschaftlichen Umfeld, unabhängig von der religiösen Zugehörigkeit der Partizipierenden.

Sie tragen damit sehr viel bei zur Verständigung bei zwischen Konfessionen, Religionen, Bevölkerungsgruppen, Minderheiten, Schweizern und Ausländern, Integrationswilligen usw.
Damit leisten die Mitglieder der Landeskirchen einen wesentlichen Beitrag zur Erhaltung und Förderung des politischen Friedens in der Schweiz, was wiederum auch den juristischen Personen zu gute kommt.

Kirchgemeinden und Landeskirchen unterstützen Institutionen wie Behindertenwerkstätten, Hauspflegevereine, Winterhilfe um nur einige zu nennen.

Landeskirchliche Institutionen nehmen sich auch den Schattenseiten unserer Gesellschaft und damit der Wirtschaft an: Arbeitsplatzverlust, Burnout, Stress, Überforderung, Working Poor, Sinnkrise etc.

Die Landeskirchen sind seriöse, berechenbare Arbeitgeber.

Die Landeskirchen erhalten lokale Baukultur. (Kirchen, Pfarrhäuser, Pfrundscheunen etc.)

Im Kreisschreiben Nr. 6 / 2007 ist den auf Seiten 4 und 5 das Argumentarum des Synodalrats zu finden.

Mehrere Vorstandsmitglieder des Kirchgemeindeverbandes des Kantons Bern sind Mitglieder der FDP – zum Teil politisch aktiv – und sind über den Parteischatten gesprungen. Mit einem kleinen Quentchen hat ja Frau Bolli recht. Aber eben, das Ganze wurde nicht zu Ende gedacht. Jetzt wäre es langsam an der Kirche aufmerksam zu machen, dass selbige nicht nur aus einem Gotteshaus und der sonntäglichen Predigt besteht. Für mich ist der Zeitpunkt des FDP-Vorstosses nicht ganz nachvollziehbar. Über die ganze heutige Thematik der Muslime, Moscheen und vor allem Minarette äussert sich die FDP zurückhaltend und im persönlichen Gespräch fast immer liberal. Andere Parteien wirbeln in religiösen Angelegenheiten mehr Staub auf. Der schlichtende Charakter der Landeskirchen innerhalb der Gemeindenbeim Zusammenleben der Einwohner wird verkannt. Es ist an der Zeit, dass mehr Aufklärungsarbeit von Seiten der Landeskirche und der angeschlossenen Organisationen ergriffen wird.

Falls jemand irgend welche Unterlagen hat oder kennt, dem Kirchgemeindeverband schwebt eine Blogserie «Kirchenkunde für Staatsgänger» vor – ein Pendant zur politischen Staatskunde. Und wir sind froh, wenn wir nicht ganz alles neu erfinden müssen. Aber eins ist sicher. Die meisten Leute wissen viel zu wenig, was die Kirche alles macht. Und je mehr sie wissen, desto fleisssiger stossen sie auf liberale Menschen, die ein christliches Abendland erhalten wollen – und das geht vermutlich nicht ohne die Landeskirche.

Zusammenstellung/Kommentar: Stephan Marti-LandoltFinanzblog