Diskutieren ist erlaubt – auch Sonntags


Das Arbeitsgesetz entfacht hitzige Diskussionen um Art. 27 Abs. 1ter. Im Grunde genommen geht es aber um Angst von der Zukunft oder um Zuversicht für die Zukunft.

Bei der Gentechfrei-Initiative geht es eigentlich um einen wesentlich wichtigeren Entscheid, als bei der Änderung des Arbeitsgesetztes. Aber hintergründig sieht es ganz anders aus. Es wird wesentlich mehr über die Beschäftigung von Personal am Sonntag diskutiert, als über das fünf-jährige Gen-Moratorium. Warum?

Über das «Warum» wird viel geschrieben und auch diskutiert. Diskutieren sie mit. Einige Hundert Personen lesen täglich unseren Blog – und keiner gibt einen Kommentar ab. Ich weiss, mit der «Beschäftigungsmöglichkeit am Sonntag» habe ich ein ganz heissen Eisen aufgegriffen. Ein Liberaler darf das – ja soll das.

Den Beitrag von Gestern habe ich in der genau gleichen Form in meinen persönlichen Blog gestellt. Dort hat es einige lesenswerte Kommentare und im heutigen Beitrag noch einige Bemerkungen dazu, wieso die Kirche einen andern Standpunkt einnimmt, als viele liberale Kirchgänger.

Diskutieren sie mit! – zu unterst am Blog Kommentar erfassen und Anti-Spam-Code nicht vergessen

Unser Ziel ist eine attraktive, volksnahe Kirche. In Langenthal zum Beispiel gehören nicht nur die 70 dazu, die am Sonntag in die Kirche gehen – auch die 7000 die nicht kommen, aber zu uns gehören und eine eigene Meinung haben. Die 7000, viele davon recht «kirchenfern» gehören auch zu unseren «Kunden».

Diskutiert mit, bringt die Kirche (egal welche) weiter und macht das gleiche mit der Schweiz, Deutschland, Österreich … – dort hat man ähnliche Zeit- und Kulturprobleme.

In eigener Sache:

Geben sie einmal bei Google «libref» ein – und unser Blog ist an erster Stelle. Das vereinfacht ihnen die Suche, falls sie unsere Adresse – http://libref.kaywa.ch – nicht auswendig kennen oder nicht unter den Favoriten/Lesezeichen abgespeichert haben.

Bei www.google.com – auf Englisch oder Google in einem andern Land oder einer andern Sprache – sind wir jetzt auf 10 Stelle bei den Suchergebnissen.

Es gilt jetzt für uns, noch diese grossen Bibliotheken und das FBI Federal Bureau of Investigation zu überholen.

Libref kommt bei diesen nicht von lib-eral ref-ormiert, sondern von lib-rary ref-erence. Unser Name im Blog wurde absichtlich so gewählt, denn das erbigt interessante Zufallstreffer aus Universitäten

Text: Stephan Marti-Landoltfinanzblog – bei Google weltweit an erster Stelle! Falls sie an diesem Know How interessiert sind – www.blogknowhow.com kann vermutlich auch ihnen weiterhelfen.

Ein Gedanke zu „Diskutieren ist erlaubt – auch Sonntags“

  1. Lieber Stephan,

    Du nimmst Dir mit Fug das Recht heraus, einen eignen Bezug zum Sonntag und der kommenden Abstimmung zu wählen. Der Sonntag ist in Auseinandersetzung, ob er nach DIN-Vorschriften betrachtet wird, und der siebte Wochentag ist, ob er nach christlich-jüdischem Kalender der erste solche ist, oder ob im Speziellen in vom Christentum geprägten Ländern ein wöchentlicher Feiertag ist, in welchem in lateinischen Tochtersprachen noch der Tag des Herrn, an welchem seine Auferstehung gefiert wurde, wie etwa der Römer Plinius schreibt. steckt: Dimanche, Domenica von dies Domini. Als ob nicht jeder Tag dem Herrn zu weihen wäre, müsste die Codifizierung auf einen Wochentag hinterfragt werden. Mit Kaiser Konstantin wurde der Sonntag als Ruhetag kodifiziert, und einzig dringende Arbeiten auf dem Felde waren den Bauern erlaubt. Das Hochmittelalter verfügte die Sonntagsheiligung erklärte Sonntagsarbeit zum Frevel, woran die Reformation sich stiess: ‚Darum geht nun dies Gebot nach dem groben Verstand uns Christen nichts an, denn es ein ganz äußerliches Ding ist, wie andere Satzungen des Alten Testaments, an sonderliche Weise, Person, Zeit und Stätte gebunden, welche nun durch Christum alle frei gelassen sind. Aber einen christlichen Verstand zu fassen für die Einfältigen, was Gott in diesem Gebot von uns fordert, so merke, daß wir Feiertage halten nicht um der verständigen und gelehrten Christen willen, denn diese bedürfen nirgends zu, sondern erstlich auch um leiblicher Ursache und Notdurft willen, welche die Natur lehrt und fordert… (M. Luther, Katechismus). Sabatähnliches Heiligen des Sonntags kommt im Barock auf, setzt sich in den Pietisten des 18. Jahrhunderts fort, und das schweizerische Fabrikgesetz vom 1877 schränkt die Arbeit am Sonntag autoritativ ein. Der wirtschaftliche Druck durch Maschinen, deren Auslastungszeit möglichst rund um die Uhr Stunden zu erfolgen hat, setzt sich sowohl gegen die traditionell-religiösen als auch gegen die sozialen und humanitären Gründe durch. Neuere Arbeitsgesetze lassen für den Sonntag wieder mehr und mehr Ausnahmen zu: Die sich als die Regel erweist, als die sich selber erklärt deshalb erklärt, weil wir längst in einer Ausnahmesituation nicht einzig wegen den konzentrierten Naturverheerungen leben. Das Verhältnis zwischen Natur und Kultur ist neu zu bestimmen, und die Abstimmung über den Umgang mit dem Sonntag ist hierzu eine Chance zur Neueinstimmung der Gesellschaft, die einem Orchester gleicht, dessen Instrumente, darunter der Sonntag, zu stimmen sind. Wer den Ton – für den Sonntag – angibt, ist keineswegs gleichgültig, und noch wichtiger ist. Von der Instrumentalisierung eines Volkes hängt sein Stil ab, mit welchem er nach innen und über die Grenzen politischer Macht hinaus wirkt, und dieser Stil hat glaublich damit gelitten, dass er linear bzw. binär auf Arbeit und Genuss in der heutigen Gesellschaft hin strafft (darin Strafe). Die Diskussion über den Sonntag ist deshalb keiner Gesellschaft als Konsumverein, wie sie bzw. er sich in der Televions-Reklame dar- & darin herstellt, auszuhändigen, der einer Geldoligarchie huldigt.

    Ein Lebensgefühl ist auf die Dauer ohne Stil nicht denkbar. Der Lebenskampf hat den Leistungsmenschen hervorgebracht, welcher jetzt auf den Sonntag greift. Wie immer der einstige stilkonstituierende Adlige sich verhielt, aus Zwang tat er nichts. Er diente -als Absolutist von legibus absolvere, Gesetzen nicht unterworfen – um der Ehre willen und keineswegs nach einer bürgerlichen Moral oder dem Gesetze, ein Fingerzeig dafür, den Sonntag nicht zu reglementieren. Wer ihn heiligt, verbeugt sich vor sich selber, nicht vor dem Staate, und heiligt er ihn durch seine Arbeit vor dem Anlitze des Herrn, handelt er gerecht, ohne den Allüren des Hochwohlgeborenseins oder des Hochwürdenseins, des ‚Heers’, wie der Pfarrer in Walsergebieten bis heute heisst, zu huldigen. Der Umgang mit dem Sonntage ist eine Chance, einen Stil in einer mit der gebrochenen oder doch geschichteten Gesellschaft, die ein soziologisches Faktum, doch kein Kulturinstrument ist, zurück zu gewinnen, weshalb sie heute zur einseitigen Zwangslosigkeit auch am Sonntage zwingt, an welchem heute schon alles so verläuft, wie die Modemagazine das vorschreiben. An die Stelle der Kirche tritt die Bar, Party, der Stehkonvent: Stil? Frei vom Arbeitsverbot will deshalb mit einem Frei für sinnvollen Umgang – einer problematisch heroisch darin gebliebnen Gesellschaft, dass sie sich zwanglos gibt, doch Zwanglosigkeit mit Freiheit dabei gleichsetzt – mit dem jeweiligen Sonntag verwoben werden. Die angepeilte ‚Liberalisierung’ des Sonntags ist hierfür eine zu nutzende Chance für einen nachhaltigen öffentlichen Diskurs, öffentliches Denken über Freiheit, welches über eine relative Belanglosigkeit von Arbeitzeitvorschriften hinaus zielt, wenn’s um den ersten bis zum siebten Tag des Herrn geht.

    Guten Sonntag,

    Jean-Claude

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