Veränderter Arbeitsmarkt


von Herbert Odermatt – Personalblog

Arbeiten oder noch besser: Leistung erbringen ist der Hauch des Überlebens. Es sichert Einkommen, beschäftigt, schafft Raum für Gesellschaftliches und Kulturelles, gibt Selbstbestätigung und schafft Selbstvertrauen.

Heut‘ zu Tage ist es oft schwierig, die passende Tätigkeit oder überhaupt eine Arbeit zu finden (bekommen tut man eh nichts!). Massenentlassungen grosser Unternehmen gehören mittlerweilen zu oft gehörten, gelegentlich täglichen Meldungen.

Die von Experten angekündigte Rezession verheisst nichts Gutes. Firmen bauen vorsorglich Jobs ab oder sie ersetzen frei werdende Stellen nicht. Grants für Forschung und Entwicklung werden nicht mehr oder nur noch in geringem Mass finanziert. Der Zerfall des Ölpreises um fast zwei Drittel seit Mitte Jahr deutet auf den klaren Absturz der Weltkonjunktur hin. Wer etwas dunkler bis schwarz sieht, vermag gar eine Deflation zu erkennen.

Die Arbeitslosigkeit kann jeden Menschen treffen. Selbst hoch qualifizierte Berufsleute fühlen sich an ihrem Arbeitsplatz nicht mehr vor Kündigungen sicher. Das ist eine neue Qualität. Eine Arbeits- oder Joblosigkeit bedeutet nicht mehr Schandfleck im Reinheft oder Hinweis auf persönliches Unvermögen. Vorübergehende oder auch längerfristige Arbeitsuche und Neuorientierung sind salonfähig geworden – gehören quasi zur Laufbahn. Bei schwankender Konjunktur ist es für Unternehmen notwendig, ihren Personalbestand den Umständen anpassen zu können. Die Freistellung dient dem eigenen Überleben. Qualifizierte Jobs können wie andere in Frage gestellt werden. Daraus entwickeln sich vermehrt „Bogen- oder Patchwork-Karrieren“. Man ist genötigt, zwei oder drei Jobs nebeneinander, jeweils mit einem reduzierten Pensum anzunehmen. Ein Vorteil dieses Berufslebens: Für Abwechslung ist gesorgt! Das bisherige Berufsverständnis, wonach eine Ausbildung für ein Leben ausreicht, gilt nicht mehr.

Den Zeiten eines geregelten Arbeitsverhältnisses folgen vermehrt wichtig werdende Umorientierung und Weiterbildung mit zwischenzeitlicher Arbeits- oder Joblosigkeit und Suche nach Neuem. Long life learning wird gefordert.

Zwar wächst die Zahl neuer Berufsbilder. Das bietet neue Chancen. Möglichkeiten in bisher nicht geahnten Bereichen. Ergo soll man offen für Neues sein. Der Informationsbeschaffung kommt ein besonderer Stellenwert zu. Aber wer schon von der Existenzangst gejagt wird, sich im Job zu 120 Prozent engagiert, findet kaum Zeit und Energie, um dauernd nach Neuem zu suchen. Die Anforderungen steigen: Flexibilität (bezüglich Tätigkeit) und Mobilität (Ortdsunabhängigkeit) sind gefragt. Wer dem genügt, sieht sich mit Wohnungsnot oder unbezahlbaren Wohnungen konfrontiert oder er verbraucht wertvolle Zeit für das Pendeln. Dann ist schnell die Frage des Alters im Vordergrund. Man redet zwar viel von den sogenannten „50+“. Un man weist auf New Economy hin, wo grosse Erfahrung und Seniorität gefragt sein sollen. Die Realität siht oft ganz anders aus!

Aus der Sicht der Arbeitgeber werden auch Anforderungen an die Sozial- und Kommunikationskompetenz gestellt und man erwartet Teamfähigkeit sowie Sinn für interdisziplinäre Zusammenarbeit. Dabei wird übersehen, dass Pflicht- und Akzeptanzwerte abnehmen, während Selbstentfaltungswerte zunehmen werden. Gelegentlich hat man den Eindruck, dass man die Arbeitnehmenden noch betrachtet wie zur Zeit von Henry Ford 1 oder nach der Theorie X nach Mc Gregor. Dabei hat längst ein grosser Wertewandel stattgefunden, der aber oft nicht wahrgenommen wird.

Bis 1968 galt: Aussenorientierung. Das Selbst passt sich an (Gebote, Verbote; Rangordnung, Konventionen, Institutionen; Pflichterfüllung und Anpassungsfähigkeit; Tugenhaftigkeit und Verzicht). Folge: Selbst-Kontrolle

Bis etwa den 80er wurde eine Innenorientierung ausgemacht. Das Selbst emanzipiert sich (Erweiterung der Optionsspielräume; Enttraditionalisierung und Individualisierung; Emanzipation; Autonomie; Individualismus; Genuss, Erlebnis, Wellness). Folge: Selbst-Verwirklichung.

Ab etwa den 80er wird eine Innen-/Aussenorientierung wahrgenommen. Neue Vermittlung zwischen Selbst und Umwelt (steigende Wertigkeit persönlicher Ressourcen,; neus Sozialbewusstsein; Leitbilder wie Balance, Stimmigkeit, Souveränität, Synergie, „Third Way“). Folge: Selbst-Management
(Quelle: Rainer Keupp, Future Values)

Die Steuerung der Migration durch den Staat bringt eigenartige Entwicklungen: Eine Zeit lang konnten nicht genug Einwanderer aus dem ehemaligen Yugoslawien angesugt werden. Mit den Auswirkungen ist man heute konfrontiert. Nun hat die Richtung umgeschlagen. Die Migranten kommen aus Deutschland. Die Auswirkungen werden wir später zu spüren bekommen.

Allein Im Kanton Zürich, hat sich die Zahl deutscher Staatsbürger, wie die neuesten Zahlen zeigen, explosionsartig gesteigert: 14’322 Zuzüger alleine in der Zeitspanne von August 2007 bis August 2008. 66’112 Deutsche wohnen zurzeit im Kanton Zürich – ein Resultat der vollständigen Personenfreizügigkeit. Das hat Auswirkungen auf den Wohnungs- und auf den Arbeitsmarkt. Falls wegen der Finanzkrise eine Wirtschaftskrise mit vermehrten Arbeitslosen entsteht, wird sich das ebenfalls auswirken. Ob ein arbeitsloser Deutscher zurück kehrt und dort von Hartz IV lebt ist kaum realistisch, denn hier bekommt er mehr Arbeitslosengeld. Denn das Recht darauf hhat er. Vielleicht gibts auch dafür noch einen Steinbrück’schen Peitschenhieb.

So oder anders. Wer sich verändern will oder muss, dem bleibt die eigene Initiative nicht erspart. Wer sucht, der findet… Es kann gut sein, dass Ausdauer, Mut und Beharrlichkeit auf die Probe gestellt werden. Und: Wo eine Wille ist, gibt es einen Weg!

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