Synode libref. 2007, Bivio – 24.-26. August


Ein Rückblick
24. August Freitagabend, Rundgang im Dorf, Bivio er-Örtern

20 h, Besammlung beim Municipio, Name erinnert an Inkorporation des Ortes ins Römerreich (Municipien , italienische Städte gemäss Bundesgenossenkrieg 81- 96 vor Christus, Lex Livia & Pauplia). Ocker-Farbton des Gebäudes: Kenntlichkeit der Station für damals die Transportleute, heute die Touristen (eingeschlossen Kurverein & Tankstelle). Weg über Ebene Gravella, von lat gravolens… übel riechend, erinnernd daran, dass Julia bis anfangs 20. Jahrhundert in Ebene mäandrierte, Versumpfung, negativ, statt fruchtbarere Schaum Aaphrodite).Dann bis Anstieg Veia Surmirana beim Miteigentumsstall, Römer Karrengeleise, ins Dorf. Reformierte Kirche, katholische Kirche, Hospiz der Kapuziner, Sust, Zollstätte des Bistums im Mittelalter (Haus Grisch heute, im Engpass vis à vis katholisches Pfarrhaus), Eigentlicher Bivio, Weggabel Julier/Septimer in Dorfmitte.

21 h Referat Dr. Jan-Andrea Bernhard: Bivianer und Bündner Reformationsgeschichte (Lanzio-Bar des Hotels post, Chminéee-Feuer). Bivio mit Ideen von Reformation in Italien als Passort (Portenstation der Säumergilden) vertraut. Graubünden: Ilanzer Artikel anfangs 15. Jht. Das Land erhält das Recht, neu- oder altgläubige Pfarrer zu wählen (schon bevor Reformation durchgeführt ist, Bundestag 1620 in Davos). In Kirchen wird Messe gelesen und das Abendmahl ausgeteilt: Bspw. Sagogn, Churwalden, Bivio). Religiöser Friede ist dann durch Dreissigjährigen Krieg gefährdet, teils Bürgerkrieg. Bivio erlangt über den Bundestag das Recht, eine reformierte Kirche zu bauen. Konflikt verschärft sich mit Inquisition in Italien und mit der rätischen Mission der Kapuziner. (Gegenreformation), die anfangs 20. Jht. durch Weltgeistliche abgelöst werden (an sich im Freistaat der Drei Bünde als fremder Orden (sitz in Norditalien) verboten waren, ohne, das das Verbot durchgesetzt wurde.

Samstag Morgen:

Grusswort des Dekans der reformierten Landesskirche: Dekan Thomas Gottschall: ‚Menschenrecht und religiöser Friede’, Begriff der Toleranz ist zentral. Toleranz will auf gehobenem Niveau diskutiert sein, woanders sie zur Leerformel verkommt (Augustin: Harmonia est concordia discors). Fritz Guidon, Gemeindepräsident, heisst libref. in Bivio willkommen, verweist auf Multikulturalität, Toleranz vor Ort, seine Familie wanderte zuerst nach Bünden ein, bevor sie in Bivio ein Hotel eröffnete, ‚angenommen’ wurde. Konkurrenz belebt. Bivio bedeutet Vielfachheit, durch Vergleich, kein Einheitsbrei
Stephan Marti, zeigt den preisgekrönten Film: Aschenbrüder. Zwei Brüder werden mit dem Testament des verstrobnen Vaters konfrontiert: Antritt des Erbes unter Vorbehalt, das sie seine Asche auf dem Creux du Van in den Wind streuen. Unterweg muss brüsker Stop erfolgen. Asche verteilt sich im Auto, hüllt die Brüder in Asche. Fahrt wird trotzdem, jetzt erst recht weiterführt. Letzter Wille bleibt letzter Wille. Die makabre Rigidität der Situation kontrsstiert mit ihrer poetischen Handhabe durch die Filmer, Szenen reizen zum Lachen. Ist die letzte Wahrheit mit einem Lächeln zu sagen: Horaz sat.I, 1, 25:Ridendo dicere verum.
Nachmittags, Referat von Frau DDr. Gret Haller, Menschenrechtsexpertin (zur Zeit Uni Frankfurt); Ist ein ‚Menschenrecht auf religiösen Frieden’ zu postulieren? Die Referentin warnt vor Inflation mit Menschenrechten (Bsp. Menschenrecht einer Frau, ein Kind über die natürliche Fruchtbarkeitsphase hinaus zu erhalten?. Wie positioniert sich Religion im westlichen Abendland: Unterschied zwischen Amerika und Europa fällt auf. Die USA betonen das Primat der Religion, Europa nach den leidigen Erfahrungen im Dreissig Jährigen Kriege das Primat der öffentlichen Ordnung. Die Religion hat sich frei innerhalb ihrer zu bewegen. Was heisst öffentliche Ordnung: Die Volkssouveränität? Absolut gesetzt. Vergottung des Volkswillens? Remedur: Aufwerten der Bürgerrecht (nationalen Rechte) zu Menschenrechten? Aufgabe von libref?

Spaziergang zu einem Stein unterhalb Septimerstrasse, Abzweigung ins Val Bivio (Stallerberg). Oral history: Opferstein aus heidnischer Zeit. Mensch bringt hier ein Opfer, um sich Götter günstig zu stimmen, wenn er in ihr ihnen vorbehaltnes Bergreich eindringt. Do ut des? Ich gebe, damit Du gibst. Christlicher Gott hat sich selber zum Opfer auf Golgatha gemacht, so dass wir Opfer helfen können, statt Opfer zumuten.
Abends: Konzert inreformierte Kirche, mit Lesung zu Geschichten aus Bivio, durch Elda Simonett-Giovanoli (Septimer-Räuber, Hochzeit einst in Bivio, Poesie zur Atmosphäre. Bivio ist rau und doch mild, weil es ihr, der Dichterin, Ort ist. Der Chor ‚Cantio antiqua, Dirigent Hanspeter Rechsteiner, Chur, singt romanische Lieder (Armon & Robert Cantieni, Tumasch Dolf, Otto Barblan u.a.) und Lieder aus der deutschen Romantik (Schubert, Mendelssohn u.a.),, weltliches und geistliches Lied.
Diskussion dann: Librefs Potenzial und Zukunft: Potenzial: Seine Mitglieder, gut tausend, als demokratische Basis, dann 130 jährige Geschichte, Erfolg als Lobby für Glaubens- & Gewissensfreiheit, deren Aufnahme als Novelle in die Verfassungsrevision von 1874. Libref. hat als ein unter einst mehreren konfessionellen Milieus überlebt, die übrigen sind verschwunden. Trägt das theologisch-liberale Gedankengut weiters in die Zukunft?
Strategisch:
– Im Bereichern des Menschenrechts-Diskurses mit der Religion, heute, da öffentliche Ordnung sich an Religionsfreiheit wieder reibt (Initiativen zu Minarett-Verbot, Kopftuch etc.). Statt Volkssouveränität überbetonen; Aufwerten von bürgerlichen, innerstaatlichen Rechten zu Menschenrechten in Kooperation mit ausländischen verwandten Organisationen (bspw. auch Unitarieren). Ziel: Partnerschaft zwischen Staat & Kirche im Fokus: Schutz der Menschenwürde, – Freiheit, durchs Menschenrecht (‚Aufweichen’ von mystischem Geltungsgrund von Autorität, J. Derrida)
Pragmatisch/operativ:

– Einbau von einem Modul Menschenrecht in Religionsunterricht (Angebot von Pfr. Ursi Tanner, Fanas) , Vermitteln von Wissen eigener Urteilskraft auch im Religiösen
– Preisausschreiben, ‚Neuenschwander-Preis’ (ehemaliger Dozent an der Uni Bern) für Arbeiten unter dem Titel ‚Menschenrecht & religiöser Friede’. (Jury bspw. Welzel/NZZ, Mitglieddes Menschenrechtsrates/ UNO, Genf, für Forschung: Marisa Jaconi, Uni Genf (Stammzellenforschung, Eingriff in physische & psychische Substanz am Menschen?) Moderation bei Verleihen von Preis: Sandra Maischberger?

Sontagmorgen: Andreas Bliggenstorfer hält Berggottesdienst am Seelein auf dem Julier. Als Pult dient Stein von Panzersperre aus der Zeit des Nationalismus: Predigttext: Micha 6,8. Achtsamkeit – auf das Wort Gottes, Gott ist der Herr, die Welt ist seine, so wie sie ist.Menschenwerk, ist akzessorisch, Mensch ist nützliches Werkzeug des göttlichen Willens., as Protest bei Vergottung irdischer Herrscher in Kirche & Staat verlangt (im Mittel des Menschenrechts?), Dr. Jaha berichtet von seinen Bestrebungen, in Pakistan die Menschenrechte kundzutun, Unterrichtet zumal Rauen und Mädchen darin, hat Schule eröffnet. Frage an uns im Westen zurück. Frage an uns im Westen zurück: Wollen wir Menschenrecht universell? Wenn in Saudiarabien Demokratie, Menschenrechtspraxis einsetzt steigen die Ölpreise bei uns, insoweit das Volk gerechte Preise für seine Ressource zu verlangen hat. Wie verhalten wir uns dann?

Stephan Marti offeriert Picknick am See. Abschluss der Synode (griechisches Wort für lateinisch Bivio) 13 Uhr Abfahrt der Post. Herzlichen Dank allseits, Gute Heim- & Wiederkehr!

Jean-Claude Cantieni, Chur

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