1. Tag – Samstag, 19. Augst 2017 – Leben und Sterben

Hier geht es zur allgemeinen Einführung über „Friede herrscht – proref pilgern“ und zum Verzeichnis der einzelnen Pilgertage.

    PDF des ersten Tages                      Flyer        –         libref.ch

Erste Teilstrecke der Route des ersten Tages

1. Die Kappelenbrücke verbindet Hinterkappelen (Wohlen) mit der Eymatt. Überquert sie nun den obersten Teil des Wohlensees oder die einfliessende Aare, die knappe 9 km später neben dem Kernkraftwerk Mühleberg weiter fliesst? Die 2. Kappeler Milchsuppe war unser grösster, ähnlicher Anlass. Hier ging es um Krieg und Versöhnung. Aus der Lehrzeit würde ich noch einen kennen, der am rechten Aareufer wohnt. Edi ist heute für Schutz und Sicherheit zuständig. Das Gegenteil ist gar nicht so einfach zu definieren. Un-Schutz und Un-Sicherheit werden wir beim Pilgern mehrfach thematisieren.

Wenn sie auf die Bilder klicken, werden diese vergrössert.

Was wird uns auf der andern Seite der Brücke erwarten, wo wir uns zum Start treffen? Nebel, Finsternis, Unbehagen oder Licht, Freude und Begeisterung? Nach 95 Punkten in und um die Stadt Bern, die wir anpilgern, wissen wir mehr. 95 entsprechend den 95 Thesen von Martin Luther, die er vor 500 Jahren in Wittenberg proklamierte.

Na bitte, wo soll denn hier eine Brücke sein? Zugegeben, es ist nicht die schönste, die wir anschauen werden. Aber die erste und bedenken sie, wenn Brücken abgerissen werden, entstehen wieder Abgründe. Und es gibt überall etwas das fasziniert. Manchmal muss man nur suchen oder den Standort oder gar Standpunkt wechseln …

… oder Erinnerungen (siehe ganz unten) wach werden lassen. Zaubern, wenn sie das können. Misteln wären jedenfalls für den Zaubertrank geeignet. Den brauchen wir nicht, wir wollen friedlich, ethisch zusammenleben und pilgern.

Am Aareufer unterhalb der Treppe, am südlichen Ende der Brücke,  treffen wir uns um 09.00 Uhr – Google-Ansicht. Tessiner müssen einen Tag früher anreisen, für die meisten anderen sind frühe Verbindungen mit dem öffentlichen Verkehr vorhanden.

2. Wie wär’s, wenn wir „Im Hafen von Bern“ mit Peter Bichsel unserem prix-libref. Preisträger, in der Stadt Bern starten dürften?

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Auf dem TCS-Campingplatz könnte mann und frau auch übernachten. Zum Essen empfehle ich einen Ahmed mit Zwiebel und Speck. Über die Zutaten darf man ruhig schmunzeln. Beide haben etwas Progressives an sich. Zum Trinken empfehlen wir ein Bärner Müntschi. Auch das ist eine Glaubensfrage. Für Diskussionsstoff wäre gesorgt. Und wer noch Mineralwasser kaufen will, es steht der grösste Höhenunterschied vor uns und das längste Stück ohne Läden und Restaurants.

Beim Probepilgern war die gefühlte Temperatur 40 Grad. Mein Begleiter, ein erfahrener Pilger des spanischen Jakobswegs, kann seine Erfahrungen an Ort und Stelle erzählen. Erschwerend für ihn war, dass er das für die Berechnung zugrunde liegende Körpergewicht in Jahren aufwiegen konnte. Genau zwei Tage fehlten ihm. Er wird diesen heissesten Tag in Bern nie mehr vergessen und in Zukunft auch eine Kopfbedeckung und keine kurzen Hosen tragen.

3. Jorde-Weiher – hier könnten wir den Jordan einmal in geistiger Form überschreiten. Es gibt zwischen „Himmel und Erde“ einiges, wo wir noch nicht alle Mechanismen kennen. Der Jordan bedeutet  „Eingang in die himmlischen Berufung“. Diese hatte ich noch nicht, aber es existieren doch eine Anzahl Fotos vom allerletzten Bremgartenrennen, wo ich immerhin den Rücken zum Jordan hatte. Die Tafel auf der andern Strassenseite erinnert an Achille Varzi, der hier 1948 im Training in Bern den Jordan überschreiten musste.

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Je nach der Seite wo sie sich befinden, ist der Jordan auch eine Wasserfrage.

Einer fragte: „Können wir hier nicht eine Taufe durchführen?“ Wenn ein Täufling gefunden wird, können wir dies organisieren. Es braucht nicht ein Bebe zu sein, vielleicht findet sich jemand, der sich im nächsten Jahr konfirmieren lassen möchte und noch nicht getauft ist. 20 Minuten … und die wären vermutlich dann auch dabei. Es braucht ja nicht ein ausgefallener Name zu sein. Heute ist man offener – Jimi Tschumi wurde vor einem guten halben Jahrhundert noch abgelehnt. Der Zivilstandsbeamte hatte echt kein Musikgehör für „Kindergeist“.

4. Je nachdem, ob am Waldrand gemäht wurde, geht es nicht die gleichen 300 Meter zurück.  Weiter am „schon zur Reformationszeit genannte Name des Baches„, dem Gäbelbach entlang. Für ein Foto ziehe ich Frühlingswetter vor.

Nicht weitersagen, aber hier rieche ich Trüffel. Schade, die Hunde, die hier herumtollen sind nicht auf diese Köstlichkeiten abgerichtet und unter der Erde finde ich sie nicht. Andere Hunde werden hier als Eindringling empfunden und vom Biber angegriffen. Das kann ganz einfach verhindert werden. Mit einer Leine.

Falls sie Kinder mitnehmen, würden die vermutlich gerne im Gäbelbachtal bleiben. Eine Brücke bauen, Feuer machen und grillieren.

Den Pont du Gard kennt jeder, aber kennen sie das Aquädukt in Bern, das sogar Wasser führt?

Wer einen Umweg machen will, geht weiter zu einem amerikanischen Konzern, der heute wohl das in der ganzen Welt bekannteste Schweizer Produkt herstellt – die Toblerone.

Diesem handlichen Stück sind wir drei rekognoszierenden Pilger schon einmal begegnet. Der eine hielt auf der Toblerone nicht unähnlich aussehenden Panzersperre, die ihm als Altar diente, eine Predigt – auf dem Julier, im See, anlässlich der Synode in Bivio. Zwei Wege! Genau die gleiche Bedeutung wie der Gäbel-Bach. Aus eins wird zwei. Kakao wurde rund 20 Jahre vor der Reformation von den Europäern entdeckt. Der Lauf der Zeit.

Dann Quer durch Westside oder dem Tingueliweg nach zum Le Corbusier Platz bis zum Brünnengut (9.3.17, Seite 3), wo einmal die Disco Grotte war. Geblieben sind die Lautsprecher und etliches Vinyl, das ein Comeback erlebt. Orgelmusik ab Konserve tönt oft besser, als in vielen Kirchen. Höhen und Tiefen sauber zu überwinden ist ein technisches Problem. Hier stossen wir auf diejenigen, die nachzählen wollten, wie viele Zacken diese Schokolade haben kann.

Die Pilger – oder sollte es Pilgerer heissen – die durch den Gäbelbach wandern, sehen etwas weniger von den Brücken und der Autobahn, dafür imposante Gebäude.

5. Autobahn überbrückende Brücken und Brünnentunnel gab es noch keine, als die katholische St. Mauritiuskirche gebaut wurde. Planerisch gesehen kein Glanzstück. Weder Autobahn noch Kirche. Bitte nehmt es mir nicht übel, aber es war vermutlich die hässlichste Kirche von Bern.

Wir nannten sie nur Wellblechkirche und zudem wurde sie genau dort gebaut, wo ich als Kind immer auf die Wieselfamilien herunterschauen konnte. Das frühmorgentliche Geläut ihrer Schiffsturmglocke wurde relativ schnell auf christliche Zeiten anbeordert, wobei mich das 6-Uhr-Gebimmel nicht störte. Wenn ich schlief, dann schlief ich. Achtzehn (18!) Jahre später wurde sie abgebrochen und in ähnlicher Form wieder aufgebaut. Und so wie es aussieht, braucht sie nach dreissig Jahren wieder eine Renovation.

Während des Autobahnbaus joggte ich viel im Bremgartenwald, von dem ein grosser Teil geopfert wurde. Strategische Fehlplanung pur nördlich der Bremgarten- und der Murtenstrasse. Südlich ist das Gegenteil der Fall, immerhin ab der Parallelstrasse …

6. … von der Waldmannstrasse aus durchqueren wir das Tscharnergut und auch der Jorde (Weiher) gehört zu Bethlehem, wo wir uns seit dem Start befinden. Wie und wann der Name zu uns in die Schweiz kam, weiss man nicht. Auch im Westjordanland ist die Namensherkunft von Bethlehem unbekannt.

Mein Zürcherischer mitrekognoszierender Pfarrer ist erstaunt, dass wir dem Heerführer Hans Waldmann gedenken. Er wurde geköpft, weil die Hunde nicht an der Leine geführt wurden. Was die Zürcher mit ihrer Waldmannstrasse, eine Sackgasse und „Erinnerung an verfehlte Grossstadtplanung“ sein sollte, das ist in Bern gelungen. In den 60-iger Jahren war es die echte Eingangsallee von Westen her in die Stadt Zürich-West. Die Waldmannstrasse ist das nordöstliche Ende des Tscharnergut in Bethlehem, das städtebauliche Weltgeschichte schrieb.

Das beste Beispiel für ein gelungenes sozialpolitisch gut durchmischtes Banlieue. Städte- und kirchenpolitisch ein riesengrosses Problem bei der weltweiten Verstädterung. Markante fünf WulcheChratzer rundum. Einmalig in der Schweiz, damals. Heute unter Denkmalschutz. Ein Haus zu renovieren kostet heute gleich viel, wie vor 45 Jahren ein Felsenauviadukt zu bauen. Baukosten, Luxus wären einige Gedanken wert. Milliarden von Weltbewohnern können sich das nicht vorstellen.

Sorry, wenn über Bethlehem einige Links nicht mehr funktionieren und die Bilder verschwunden sind – es war halt eine Bern Ost Firma, die doch den Text des Blogs transferieren konnte, als sie das Bloghosting aufgab. Und es war auch ein Zürcher, gegen den man posthum noch 95 Thesen anschlagen müsste, der dieses Quartier in der Schweiz in Verruf gebracht hat. Fernsehmanipulation pur. Werners Vetterliwirtschaft pur. Trump lässt grüssen. Und das schreibt einer, der viele Fernsehleute vom „friedlichen Krieg“ her kennt. Obiger unsportlicher Spottreporter war nicht dabei! Hier ist unser 3027 Bern-Bethlehem, das andere, ältere ist gute 2830 km entfernt. Wieso nahmen die nicht als Zahlendreher die Postleitzahl 3028?

Dem SRF muss man zugutehalten, dass sie 50 Jahre später dem  Tscharnergut Kultstatus zuschreiben. Erst nach dem Tod von Ulyss Strasser, Erfinder vom Tscharnergut, des Tscharnis.

Wo heute die Designmöbel aus der Musterwohnung des Tscharnerguts sind, weiss Papst Chugeli, der Viertel vor Erste. Früher standen sie immer im Wohnzimmer von Architekt Volz, einem Miterbauer– und Mieter des Quartiers, später bei seinem Sohn und meinem Schulkollegen Pierre. Ihre Geschichten hätte man aufschreiben sollen. Eigentlich müsste man jetzt zum Apèro einen Tscharnergut von Gian-Babttista von Tscharner trinken und ihn, den urechten Bündner von Tscharner Geschichte(n) erzählen lassen. Nach der Besichtigung des Glockenturms, geht es …

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7. … vorbei am Ort der Weihnachtspoststelle 3027 und wer den Umweg in etwas anderer Reihenfolge durch die Kaspar-, Melchior- und Balthasarstrasse in Kauf nimmt, gelangt auch zur refomierte Kirche Bethlehem  – mehr dazu in den obigen Links. Um bei Google Trefferquoten zu erreichen braucht es manchmal Fallüberlistungen. Hier wurde ich konfirmiert und zum ersten Mal mit Kirchenpolitik konfrontiert. Der Koch, dem  die Suppe so richtig versalzen wurde, hat mir viel Hilfreiches und eine gute Prise Liberales auf den Lebensweg gegeben. Zudem haben wir hier vermutlich das allererste Rock-in-Church durchgezogen. Der Zeit voraus, echt progressiv und das eindrücklichste Vaterunser, dass ich je erlebt habe. 34 Jahre später habe ich das erste Rockkonzert in Langenthal mitorganisiert. Einige sagten, so moderne Musik in der Kirche, das darf nicht sein. Oh doch!

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Bilder sind Ansichtssache und wenn ich dieses Kirchenfenster so anschaue, ist es eines der wenigen, wo man wirklich Kraft tanken kann. Hier kann jeder spüren, wie die Strahlen dem Körper in sekundenschnelle Energie zufliessen lassen. Probiert es an Ort und Stelle aus, wenn das Bild nicht schon reicht. Leicht einschnaufen und sie sollten wenigstens an den Armen und Beinen ein kaltes Kribbeln empfinden. Zum Meditieren braucht es nicht immer ein Mandala zu sein.

zweite Teilstrecke der Route des ersten Tages

8. Hunger? Da gäbe es mit einem kleinen Abstecher zwei Restaurants – der drei Könige und der Jäger, der anscheinend im Volksmund Jericho-Beizli hiess – nur ich lebte 15 Jahre in dieser Gegend und hörte den Namen nie, man isst übrigens im Jäger sehr gut – schon vor über 30 Jahren, wo frau einen runden Geburtstag feierte.

Rechts neben den Königen  das Haus mit dem Jäger, das für viele vom Veloladen her ein Begriff sein dürfte. Den Vorgänger Hofer, ein begnadeter Velomech, kannte ich besser. Er hat mir auch das Rennvelo für meine mitgefahrenen Rennen zurechtgemacht und mit seiner Tochter habe ich schon als Kleinkind in der Länggasse gespielt und später wurde sie eine Klassenkollegin.

Wir kommen beim Brockenhaus der Heilsarmee vorbei wo sinnvolles Recycling betrieben wird. Da gäbe es einige Themen zum besprechen – Wohlstandsgesellschaft pur, Möglichkeiten fürs Recycling, Sammeln.

9. Weiter zur Neuapostolische Kirche Bümpliz. Zu Freikirchen sollten wir wieder Brücken bauen. Sie entstanden fast alle nach der Reformation aus dem Protestantismus. Das ist bei Gott keine Neuerscheinung. Schon unter Weggefährten wie Huldrych Zwingli haben die Täufer ihren alleinigen Anfang genommen. Die NAK ist in Sachen Regenbogen der Landeskirche voraus.

Die Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren wurde vor gut einem Dutzend Jahren für die reformierten Kirchen auf freiwilliger Basis gestattet. In der Fachsprache hiess das „gottesdienstliche Feiern für Menschen in besonderen Lebenslagen“. Als einer der ersten durfte ich einen solchen Beschluss im Dezember 2004 unterzeichnen und eine Pfarrerin hat das Pink Cross informiert. Der liberale Geist von Bethlehem war bis in eine durchschnittliche Stadt vorgedrungen. Die evangelikalen und die liberalen Ratsmitglieder haben gleich gestimmt. Ein Gegensatz? Nein, aber es wird oft vergessen.

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10. Entschuldigt bitte, dass hier das Hochhaus mehr zur Geltung kommt. Übrigens, die Architektur ist ein Abbild aus Le Corbusiers Werk. Da bin ich regelmässig zu Besuch und da wohnte nebst mir auch einer, der die W.Nuss vo Bümpliz schrieb und sing. Es dürfte noch einen bekannten Berner geben, der diesen Haustyp von der ersten Liebe her (Ausgabe vom 26.1.2017) kennt, vermutlich der sogenannte „Beamtenblock“. Die Abendstrasse ist eine verrückte Strasse – hier gibt es meines Wissens nur eine einzige Hausnummer – die 30.

So nebenbei haben wir die Eisenbahnlinie Bern-Neuenburg unterquert und sind gespannt, wer den Packt mit dem Teufel gewinnt. Im Fellergut, dem letzten grossen Werk in Berns Westen von Gret und Hans Reinhard, wäre eine gute Möglichkeit, um über Generationen zu sprechen.

Soll ja keiner sagen, dass es hier im Stadtbach keine christlichen Fische mehr hätte. Wir schaffen auf einigen 100 Metern insgesamt sechsmal die anstrengende Überquerung des reissenden Stroms, der offen und sogar aufwärts mitten durch Bern fliesst – des Stadtbachs.

10. Gleich stadtbachgrenzend  das alte Schloss Bümpliz. Ob sie es glauben oder nicht, es gibt auf der Welt kein Schloss, an dem ich häufiger vorbeigefahren oder gelaufen bin, als am Alten Schloss Bümpliz und besitze keine digitale Aufnahme und Dias mag ich nicht einscannen.

Voila und ganz brandneu …

… Raubtiershow hinter Gittern. Auf der Rückseite sieht das alte Schloss neuer aus, als das neue im Hintergrund. Über die Kunst lässt sich bekanntlich streiten und bei Rolf Knie hat es einige wirklich ansprechende Bilder, nur für meinen Geschmack sind das durchwegs solche, ohne grafische Tiere und ich leide sicherlich nicht unter einer Ikonophobie. Mehr dazu wird sicher Werner beim Historischen Museum erzählen.

11. C’est formidable! Friede Herrscht! Wer war Bewohner des neuen Schlosses und gestalte das Buch von Dölf – Ted Scapa. Wenn der Fogsplitter sich noch lange nicht meldet, wäre das eine Überlegung wert. Das werden jetzt wohl nur wenige verstehen, Insider so gesehen – der prix libref. über Karikaturen. Da wären nur die digitalen Fotos und dabei standen diese beiden Schlösser schon vor fünfzig Jahren an meinem Schulweg.

Im Neuen Schloss war auf dem Zivilstandsamt in einem Rodel mein Auszug gefunden worden. In der im nächsten Punkt folgenden PPPräsentation ist er abgebildet. Zeremonielokal, heisst das heute und da wüsste ich jemand, der sicher einige Anekdoten zum Besten geben würde. Ob sie hier noch eine Hochzeit durchführen könnte?

Aber da existieren doch ältere Aufnahmen im Alten Schloss mit Sicht aufs Neue Schloss. Alle bernischen Katholiken sollten zumindest Walter kennen … die andern lernen ihn heute vermutlich als Diskussionsleiter kennen. Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass man hier gut essen kann.

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12. Quer durchs Fellergut und in der Unterführung von Bümpliz-Nord steht die Graffiti, die eigentlich zur Kirchengeschichte des Kantons Bern gehört (3. Folie) und allen Kirchgemeinden Ruhe liess – die allermeisten haben ja gar nicht bemerkt, was im Hintergrund in einer politischen Hau-Ruck-Aktion ablief. Mehr beim Nachbar vom Berner Münster am dritten Tag.

13. Wer sprichwörtlich „über den Jordan geht“, findet eine der schönsten Ruhestädten auf dem Friedhof Bümpliz. Schang Hutter hat den nördlichen Teil stark beeinflusst. Ich will leben. Hier könnte ich noch eine Ergänzung über sein Atelier in Huttwil anbringen. Bei mir hängt ein kleines, aber feines Original „ich lebe nur einmal“.  Ein besinnlicher Rundgang und vielleicht an die Opfer der Schoah denken. Gestatten sie mir und meiner Mitorganisatorin, dass wir einen Abstecher zu unseren Müttern machen und kurz beim Gemeinschaftsgrab innehalten.

Mal schauen, ob uns von hier mein Vornamensvetter begleiten würde. Hier könnte auch eine Dame Details zeigen – vom Baum-Hasel, ein Archäophyt der bis zu 20 Meter hoch werden kann oder in der angrenzenden Fröschmatt, städtische Biodiversität vom Feinsten. Über Ausgangssperre für Katzen oder heikle und eingewanderte aggressive und genüssliche Pflanzen liesse sich auch diskutieren – Neophyten. Hier gibt es auch kirchliche Neophyten aber zurzeit keine Venusfliegenfallen. Haben wir eigentlich 500 Jahre Tabak in Europa gefeiert? „Gefeiert“ kann jeder Nicht- und Nichtgenuss-Raucher durch ein ihm passendes Wort ersetzen. Das Leben endet für alle einmal tödlich. Die Frage ist wie …

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… und wann. Zum Tod sage ich immer, dass vor ihm niemand Angst hat, nur vor dem Sterben.

Und daneben steht ein Bogen, fast einer Brücke gleich,  mit Spalt. Die Lehrlinge von Bernhard dem Brückenbauer haben einmal ein Kunstwerk erschaffen, das heute immer noch bei mir in Schmiedrued steht.

Beim Durchqueren des Bachmätteli sehen wir wohl das schönste Stück Stadtbach.

Wer es noch nicht bemerkt haben sollte, Bern-West ist ein richtiges Kinderparadies. Keine Ahnung, wie viele Kinderspielplätze uns schon begegnet sind. All diejenigen, die abschätzig von diesem Stadtteil sprechen, sollen mitpilgern und sich eines Besseren bekehren lassen. Alles andere ist Werner Vetterliwirtschaft pur. Es ist traurig, dass Medienmogule eine ganze Nation falsch beeinflussen konnten und dieses Klischee auch post hum noch oft zu hören ist und als solches, wie der Ursprung des Wortes, nicht gedeutet wurde. Bern-West ist in.

Entschuldigen sie, wenn heute einer mit AG-Nummern am Fahrzeug das Pilgern leitet. Aber einer, der noch Berndeutsch und deutlich spricht und schreibt. Schreiben nicht so oft, das machen Jüngere zu meiner Freude öfters. Ja, „„Bärndütsch isch e Sprach wi grobs Grien (Kieselsteine) und es alts Chilcheglüt“. Dr „L“, mit däm stöh viu (für viel) uf Chriegsfuess. Chiucheglüt oder Chileglüte heisst das. O Chiubi, nid Chilbi. I gloube, das isch scho vo Quartier zu Quartier verschide. Ja, mängisch brucht scho e Bümplizer, trennt vore (Angeri säge vonere) Bahnlinie, für die igsässene Bethlehemer, bsunders Tscharnergütler, z’verstah, e Dixer. D’Barbara mit de glismete Strümpf wär ono eini fürs zäme palavere (3. Silbe unbetont).

14. Nehmen sie es mir nicht übel, dass ich die genau zwischen den zwei Kirchen liegende Post Bümpliz von innen her besser kenne.

Die reformierte Kirche Bümpliz steht auf einem kleinen Hügel, der schon vor rund 2000 Jahren, über 100 Generationen, besiedelt war. Und wer sich mit der Geschichte von Bümpliz befassen will, besucht am besten das angrenzende Haupthaus des Bienzgut – das Ortsarchiv. Oder begibt sich auf den Generationenweg, der südlich dieser Gebäudegruppe gelegen beschildert ist.

15. Zwei Kirchen? Viele vergessen die Evangelisch-methodistische Kirche, die EmK mit der Matthäus Kapelle, weil sie unauffällig ins Strassenbild passt. Und vermutlich ist die gegenüber liegende Poststelle nicht auf der Streichliste. Sie war jahrelang die grösste Filialpost in der Schweiz. Habens sie es gewusst? Mit mehr als 45 000 Einwohnern wäre Bümpliz-Bethlehem die 11. grösste Stadt in der Schweiz – nach Biel und vor Thun, das knapp vor dem im April 2017 fusionierten Bellinzona liegen dürfte.

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dritte Teilstrecke der Route des ersten Tages

16. Die katholische  Pfarrei St. Antonius Bümpliz, „dr Plämpu“, wie sie genannt wird. Als ehemaliges Mitglied des Kirchgemeindeverbandes Bern müsste ich doch  Walter Riedweg, den ehemaligen Synodalratspräsidenten anfragen, ob er uns „seine“ Kirche zeigen und vor allem etwas über die grösste Landeskirche sagen würde. Oder einige Bemerkungen zum Schattenleben in Rom. Habt ihr Walter im Alten Schloss Bümpliz erkannt?

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Kirchentüre – eintreten lohnt sich.

Um 16.00 Uhr findet im Kirchgemeindehaus die Diskussion „Kommunikation zwischen Wegwerfgesellschaft und Neubesinnung“ statt.

Wer pilgert, lässt sich überraschen. Es gibt da so einige Ideen. Wir können uns auch ein Podium nach Anzahl der Teilnehmer vorstellen. Wenn nur ich pilgere, dann führe ich halt ein Selbstgespräch. Im „schlimmsten Fall“ kommen 1000 Pilger. Dann halt alle aufs Podium und ich bin der fragestellende Zuhörer. Das ist fast wie bei Luther. Der spreyt einer Graffiti gleich 95 Thesen in Wittenberg an die Türe und wenn man es genau nimmt, so war erst 1529 der Ursprung der Protestanten – in Speyer (nicht Sprayer) … und Luther nahm gar nicht teil, der war in Coburg. Müsste ich wieder mal besuchen. Nicht Luther, Coburg natürlich – etwas kleiner als Bern-West. Luther predigte dort im St. Moriz.

Sollten sie es noch nicht bemerkt haben, an diesem Tag suchen wir nicht die ganz langweiligen Pilger fürs Podium. Frech, witzig und vor allem in die Zukunft schauend. Nicht das Geld zählt, sondern die Philosophie. Der Mensch lebt nicht von Geld allein. Wer Lust hat und was zu sagen hat, kommt aufs Podium. Walter und ich haben schon schwierigere Probleme lösen können.

Walter ist zurzeit in London. London – das ist doch die Stadt mit dem brennenden Hochhaus. Meines Wissens haben wir heute keines gesehen, das mit Styropor isoliert ist. Grossversuche im Brandschutz seien gefordert. Aber bitte nicht, auf diese Art. Hier verstehen wir uns beide. Sollte niemand zusätzliches Lust auf ein Sprachduell haben, wir beide schaffen das alleine. Aber es werden sich so viele gute Teilnehmer melden, dass ich mich im Hintergrund aufhalten kann

Neubesinnung, das wäre nach 500 Jahren wieder mal angesagt.

Das Öffnen der Kirchentüre hat sich gelohnt. Eine Symbolik, die Kraft gibt.

18. Wenn sie vom Friedhofbesuch und der Diskussion etwas „geschafft“ sind, dann machen sie doch einen kleinen Umweg oder verbringen gar den Abend nach dem Pilgern auf der Bümplizer-Chilbi – schon 70 Jahre jung und bei vielen beliebter als die Schütz – ein „Geheimtipp“. Passt sogar zum Pilgern, denn was bedeutet Chiubi (u betonen) genau? Das Eigenhochfest der katholischen Kirche, der Kirchweih. Schliesslich liegen St. Antonius und Chilbiplatz beide an der Morgenstrasse.

Schleifen war noch nie meine Lebenseinstellung und deshalb habe ich im obersten Stock links vom Pfaffensteig bei der Ascom keine Lehrstelle angenommen. Die ersten drei Monate nur schleifen und das von Hand. Statt Elektronik dann halt Betriebswirtschaft.

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Na ja, aus dieser Sicht wüsste „Mein Gott Walter“ noch viel mehr zu erzählen. Er hat schliesslich das Handy in die Schweiz gebracht. Und Bümpliz schrieb Schweizer Telefongeschichte. Nicht nur die Hasler und deren Nachfolger Ascom, auch die Gfeller Bümpliz.  Die ehemalige Fabrik haben wir kurz vor dem Friedhof gesehen. Heute ist die Steuerverwaltung dort beheimatet. In unserer Zeit würde Luther vermutlich sprayen oder twittern. Andere machen das auch.

Die Einweg- und Zweiwegkommunikation ist heute ein gottloses Gebiet geworden. Junge kaufen das Neueste, möglichst auf Pump und die Älteren haben Mühe, der Technik zu folgen. Und alte Geräte wie Radio oder Festnetztelefon sollen nutzlos sein. Gebührenabriss, Roaminghölle. Einerseits himmlische technische Möglichkeiten, andererseits teuflische Tücken und Falschinformationen. Ein echt strahlendes Thema.

19. Den Pfaffensteig bei der Bodenweid im Könizbergwald hassten wir. In der 5. Klasse mussten wir den beim OL überwinden. Sport war nicht unser Lieblingsfach. Wir waren Denker. Zwei Katholiken und zwei Reformierte. Urban trat zwei Jahre später ins Kloster ein und ich wurde mal CEO Church einer Durchschnittsstadt. Sport ist heute anders. Eine Glaubenssache geworden. Zum Teil Extremismus pur. Eigentlich traurig, was hierzulande abgeht – die Durchschnittsstadt gegen das Kreuz der Schweiz. Als ehemaliger Radrenn- und Rollstuhl-Fahrer kann ich nur hoffen, dass die Kirche etwas machen kann, wird. Das Thema Leistungssport kommt in unseren sechs Tagen zu kurz. Da müssen andere für Remedur sorgen. Wie beseitigt man Extremisten? Sicher nicht mit dem Wunsch, dass sie in den Rollstuhl müssen. Vielleicht kommt Zumi (Seite 14 und 3) mit. Der kennt einige Eisplätze und das ist derjenige, der mit der Bernmobil dafür sorgen kann, dass auch Menschen, die nicht so gut zu Fuss sind, bei uns mitpilgern können. Wer mit dem Zug kommt, fährt mit einem Cityticket am billigsten. Die andern lösen am einfachsten an Ticketautomaten, wie die genannt werden.

Zumi und die andern werden mir verzeihen, dass ich als Exil-Berner mal YB-Fan und sogar Aktionär war, aber für die eisglatten Sachen zu wenig Halt hatte.

Hier könnten wir nun nach Köniz weiterziehen. Dort wurde uns ein ganz spezieller Führer vorgeschlagen. Einer der die Titanic überlebt hat und auch einen Brückenschlag auf dem Pilgerweg zwischen Bümpliz und Köniz machen könnte. Ist es gar ein Hasler, der uns Hintergründe über die Ascom und den örtlichen Vorgänger erzählen kann? Wir drehen aber gegen Osten (links) ab.

Je nach Lust und Laune, welche vielleicht abhängig von der Steigung ist, können verschiedene Wege begehen werden. Über die Autobahnbrücke und dann irgendwo links halten – sechsmal nacheinander sollte dies möglich sein. Und wenn sie an eine asphaltierte Strasse treffen, wieder links halten, bis kurz vor die Ampeln und dann links unten durch. Für viele vermutlich das langweiligste Teilstück heute. Versuchen sie aber mal fünfzig Jahre in die Zukunft zu denken und dann sieht die Welt wirklich schon ganz anders aus.

20. Nach Über- und Unterqueren von Autobahnen gelangen wir zum Haus der Religionen.  Hier muss ich einen Gruss von Andreas dem Dritten aus unserem Vorstand anbringen. Er ist heute Pfarrer, wo die Dame, die für das Kulturprogramm zuständig ist,  stammt. Andreas II lässt auch grüssen. Brücken bauen zwischen Zürich und Bern ist fast schon Geschichte. Und vor kurzem staunte ich. Der Präsident der liberalen Langstiftung, die auf libref. zurückzuführen ist, wusste von unserem Pilgerprojekt. Diese Dame ist seine Frau.

Im Haus der Religionen sind acht Religionsgemeinschaften vertreten. Zwei haben wir zu später Stunde aufgesucht. Wir schauen sicher noch einmal bei den anderen vorbei. Vielleicht treffen wir nächstes Jahr auf Mehmet „unser“ Elevit. Er ist Mitglied   bei libref. Wir bieten Hand zu sinnbildlichen Brücken. Es könnte ja auch sein, dass wir unseren Freund Karan, der Sikhs, wieder einmal treffen.

Einen äusserst herzlichen Empfang gab es durch den Iman der Muslime. Mustafa Memeti ist Schweizer des Jahres 2014. Liberaler und fröhlicher geht fast nicht. Unser Revisor und Blogger, der Muslim Yahya Hassan Bajwa könnte kein Streitgespräch mit ihm machen. Geht nicht, sie sind sich zu ähnlich. Liberal und friedlich. Sie haben sich beide voll in unser christliches Abendland integriert.

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Und bei den Hindus staunt man nur. Soviel Phantasie in Bern.

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Hier können wir Brücken bauen, die vielleicht 500 Jahre halten.

Das Haus der Religionen wird die letzte Station von heute sein. Am zweiten Tag von „Friede herrscht – proref pilgern“ starten wir wieder hier. Programm hier? Wir haben keines. Wir lassen uns überraschen, ob wir mit verschiedenen Religionen zusammen finden. Alleine mit Reformierten, das können sie mir glauben, dann müssten wir noch einige Monate planen. Spontanität, das ist heute gefragt.

Nehmen sie am Pilgern teil. Bestimmen sie, was Sache ist. Wir freuen uns riesig und lassen uns überraschen.

 

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